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Monatsarchiv für November 2014

Die NZZ – eine Zeitung ohne Unterleib

Mittwoch, den 26. November 2014 um 10:15

Die „Neue Zürcher Zeitung“ weist 255 000 Leser aus und glaubt nicht mehr, dass sie ihre Printauflage steigern kann. In der Deutschen Schweiz wohnen etwa eine Million Menschen höherer Bildungsgrade, die des Lesens noch fähig sind; die NZZ hat kein Rezept gefunden, in diesem Leserreservat die Auflage zu steigern. Sie begeht sogar die Digitalflucht nach Österreich, das Herkunftsland ihres CEO, der den Schliessungsantrag für die Zürcher Druckerei gestellt hat.

VR-Präsident Etienne Jornod, ein Marketingmanager, der sein Vermögen in der Pharmabranche gemacht hat, wo alleine die Zahlen relevant sind, hat der Schliessung der eigenen Druckerei zugestimmt und damit die NZZ zu einer Zeitung ohne Unterleib gemacht. Er hat mit der Übergabe des Drucks an den Konkurrenten Tamedia dessen Auslastung und Konkurrenzfähigkeit gestärkt. Die NZZ ist jetzt wieder ein „fliegendes Blatt“ (Feuilleton), wie sie im 18. Jahrhundert begonnen hat.

Etienne Jornod hat mehrfach versprochen, in die journalistische Qualität der „Neue Zürcher Zeitung“ zu investieren. Da dieser Begriff sehr dehnbar ist, kann nur gehofft werden, dass CEO und Chefredaktor dies auch in die Praxis umsetzen. Dafür gibt es bei dem Hausblatt der alternden Zürcher Leser viel Spielraum: Der Wirtschafts- und Lokalteil können noch an Gewicht gewinnen, sei es in ihren Kommentaren oder bei der Auswahl der Themen. Die Leitartikel der NZZ haben in den letzten Jahren erheblich an Leitfunktion verloren, weshalb es angebracht wäre, dort bessere Federn zu gewinnen, die weniger dem Zeitgeist als der analytischen Tiefe verpflichtet sind. Die Auslandredaktion macht wieder mehr Freude, denn viele ihrer Beiträge sind überraschend und hoch informativ. Das gleiche gilt für das Feuilleton, wo es Dr. Martin Meyer immer wieder gelingt, die personell stärker ausgebauten deutschen Konkurrenten von der „Frankfurter Allgemeinen“ und der „Süddeutschen“ in Schach zu halten.

Mit der völlig überschätzten Digitalisierung der Medienlandschaft, wo Sex und Crime mehr noch als in den Boulevardzeitungen geboten und geclickt werden, gehen die Printmedien, wie die NZZ, in den Massenmarkt und werden auch dort aufgrund des Wettbewerbs Verlierer sein. Wenn die „Neue Zürcher Zeitung“ ihre liberale Leuchtturmfunktion für die Schweizer Gesellschaft nicht mehr halten kann, wird sie nach der eigenen Druckerei auch den Rest eines nicht zu fernen Tages in einen „merger of equals“ einbringen müssen. Das sagt die wirtschaftliche Vernunft, die an der Falkenstrasse hoch gehalten wird.

 

Der Einsiedler „Mönch Martin“ ist wieder da

Freitag, den 21. November 2014 um 9:59

Der 52jährige Alt Abt des Klosters Einsiedeln ist als „Mönch Martin“ wieder in die Schweizer Gegenwart getreten. Martin Werlen legt im renommierten Herder Verlag, Freiburg/Breisgau, das Buch „Heute im Blick“ vor, Provokationen für eine Kirche, die mit den Menschen geht.

Das Buch ist das Ergebnis eines Sabbaticals von mehreren Monaten, das die Einsiedler Klostergemeinschaft, die heute von Abt Urban Federer geführt wird, dem erfolgreichen Walliser Klosterabt gewährte. Es entstand in der Pannonischen Tiefebene in Ungarn (St. Martin) und im Dormitio in Jerusalem.“Mönch Martin“ hat ein Buch voller Hoffnung geschrieben, das seine enge innere Beziehung zu Papst Franziskus und den Menschen, welche die Kirche bilden, verdeutlicht.

„Mönch Martin“, der die tiefe Sehnsucht der Menschen nach dem Glauben erfahren hat, will die Kirche bewegen. Beim Tischgebet zur Vorstellung des Buches sagte er: „Möge unsere Arbeit fruchtbar werden, dass die Menschen Freude daran haben.“ Der 192seitige Text beschäftigt sich mit dem Alltag, wo er feststellt, das „lebendige Zeugnis“ sei es, was die Menschen einfordern.

Papst Franziskus ist in seinen Augen nicht nur Jesuit, sondern verkörpert ein Programm, „das nicht nur franziskanisch, jesuitisch und dominikanisch, sondern auch zutiefst benediktinisch ist.“

Für alle, die sich um seine Gesundheit Sorgen machen: „Mönch Martin“ ist gesund wie ein junges Fohlen, hat sieben Kilogramm abgenommen, ist also noch schlanker als zuvor, voller Energie, twittert auch wieder und das Charisma seiner Person, das vor allem von den Augen ausgeht, leuchtet lebendiger denn je.

In konservativen Schweizer Bischofskreisen sieht man derlei gar nicht gerne, denn wichtiger als der Erfolg bei den Gläubigen ist den Spitzendienern der Staatskirche die Loyalität bis hin zur Wirkungslosigkeit. „Mönch Martin“, der als Bergler aus dem Goms es gewohnt ist, jede Höhe Schritt um Schritt zu nehmen, weiss um die Sorgen und Ängste seiner Mitbrüder. Er wird seinen ruhigen Schritt deshalb nicht einstellen.

 

Handelskammer Deutschland-Schweiz: Doppeltes Beben

Montag, den 17. November 2014 um 14:02

Die renommierte Handelskammer Deutschland-Schweiz, eine transnationale eigenfinanzierte Organisation, die sich unter Leitung von Ralf J. Bopp durch eine hohe Beständigkeit auszeichnet, erlebte gleich zwei Erdbeben auf einmal:

  • Ihr langjähriger Präsident Eric G. Sarasin musste unter dem Druck der Anschuldigungen des deutschen Drückerkönigs und Milliardärs Carsten Maschmeyer aus seiner Bank und der Kammer zurück treten. Damit ist eine der letzten grossen Schweizer Bankiersfamilien operativ ausgelöscht. An seine Stelle in der Handelskammer trat ein anderer prominenter Basler Wirtschaftsvertreter: Dr. Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung und General Counsel der F. Hoffmann-La Roche AG.
  • Zwei Stunden nach Amtsantritt begrüsste er einen der bedeutendsten Schweizer Juristen als Gast der Kammer: Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. h.c. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofs und Direktor des Kompetenzzentrums für Europäisches und Internationales Recht an der Universität St. Gallen. Ich nenne diese Funktionen nur deshalb, weil daraus die Bedeutung seines rhetorisch brillant vorgetragenen Angriffs gegen die EU-Politik von Staatssekretär Yves Rossier und Bundesrat Didier Burkhalter hervor geht. Unter dem Titel „Wer soll Konflikte unter den bilateralen Verträgen Schweiz-EU entscheiden?“ sagte Prof. Baudenbacher u.a.: „Der EuGH erlässt nur verbindliche Entscheidungen.“ Er warf dem amtierenden Bundespräsidenten Didier Burkhalter vor: „Mit dem Wechsel an der Spitze des EDA wurden 60 Jahre Europapolitik auf den Kopf gestellt. Kein Professor des Europarechts wäre auf die Idee verfallen, auf das Gericht der Gegenpartei als Entscheidungsinstanz zu drängen.“ Und er verstärkte: „Methodisch erfolgte ein Wechsel zu einer Kabinettspolitik, die auch vor unrichtigen oder halbrichtigen Behauptungen und systematischen „spin“ nicht zurückschreckt.“

Der lebhafte Beifall zahlreicher prominenter Schweizer Juristen, Politiker und Diplomaten, die aus dem ganzen Land angereist waren, bestätigen Prof. Baudenbacher in seiner Haltung.

Monarchen, Paten, Demokraten?

Freitag, den 14. November 2014 um 9:04

Schon im Umreis von 120 Kilometern ist das Leben verwirrend. Liechtensteins Landesfürst Hans-Adam II. lässt sich jetzt öffentlich Monarch nennen und bezeichnet die Monarchie als Staatsform der Zukunft. Für die wenigen Liechtensteiner, deren politische Energie ohnehin erschöpft ist, mag dies zutreffen, aber für den Rest der Welt auch?

Bleiben wir in Bern, wo Demokatie auf der Hülle des Bundeshauses angezeigt wird. Dort hat während Jahrzehnten ein Monarch eigener Art residiert: Dr. Urs Staub, gerne Sonnenbrillen tragender Chef der Sektion Museen und Sammlungen im Bundesamt für Kultur. Da dieses Bundesamt vorzugsweise schwächere Leiter hat, wovon der letzte mühsam nach Paris expediert wurde, ist es kein Wunder, dass man den, wie sich jetzt herausstellt, falschen „Dr.“ Staub  so lange gewähren liess. Er verteilte Steuergelder in vielfacher Millionenhöhe an Künstler und Künstlerinnen, deren Ruf nicht zuletzt durch jene Ausstellungen gestützt wurde, die er mit Steuermillionen finanzierte.

Ein Monarch, der sich selber zum Monarchen macht, ein hoher Staatsbeamter, die sich einen Doktortitel zuschreibt, den er nie verdient hat. In einer wirklichen Demokratie, wo jeder Verantwortung übernimmt, wäre dies nicht möglich; weshalb die Vermutung gilt, dass dies, wie im alten Athen, das auch nur eine halbe Demokratie war, eine Bevölkerung von maximal 6000 Einwohnern das Maximum für Demokraten darstellt. Wo mehr als 6000 Menschen wohnen, entwickeln sich Monarchien der einen oder anderen Art.

 

Kleine Zeichen vom Rand der Gesellschaft

Dienstag, den 11. November 2014 um 11:40

Natürlich kämpfen die Bergkantone Bern, Waadt, Wallis gegen die Aufhebung ihrer Vorzugssteuern für die Reichen dieser Welt. Dies ist für viele Gratis-Manna, das vom Himmel fällt und für Regierungsmitglieder bietet es die Sicherheit, sich auch in der eleganten Welt bewegen zu dürfen und nicht nur auf den Bauernhöfen ihrer Landsleute.

Jedoch warnt ein Walliser, Raoul Bayard, Standortleiter der Lonza in Visp/Oberwallis: „Der hiesige Wohlstand drückt auf unsere Konkurrenzfähigkeit.“ Sicher meint er nicht seinen ehemaligen Chef Sergio Marchionne, der im Kanton Zug mit Vorzugssteuern lebt. Eher sind es die Lonza-Mitarbeiter, denen es zu gut gehe, obwohl sie seit längerem gratis mehr arbeiten als früher. Bayard, ein eher asketischer Typ, meint auch, zu viel Wohlstand mache träge. Die Chinesen würden an einem Tag mehr Patente anmelden als die ganze Schweiz im Jahr.

Derlei macht betroffen, zumal die Eindringlinge in den Walliser Markt nicht nur aus China kommen. Es sind die Bündner, welche Damian Constantin, den CEO von Promotion Valais beunruhigen. Er sagt: „Es tut mir im Herz weh, wenn ich diese Flasche mit Bündner Wasser sehe.“ Da er aber Erfinder des Slogans ist „Wallis, ins Herz gemeisselt.“ wird das Elmer Mineral den Walliser Stein in seinem Herzen be

 

Comeback von Abt Martin, heute Pater Martin

Mittwoch, den 5. November 2014 um 8:00

 Er hat fast ein Jahr geschwiegen, der sehr beliebte alt Abt des Klosters Einsiedeln, heute Pater Martin Werlen. Zehntausende in ganz Europa haben sein Buch gelesen „Die Glut unter der Asche wecken“, tausende folgten seinen Twitter-Botschaften, die er auf den Bahnreisen mit der SBB als kleine Gebete an seine Gefolgschaft weiter leitete.

Nie hatte die Schweiz einen moderneren Abt, dessen Ohr nicht nur zum Vatikan hin ausgerichtet war, dem Einsiedeln direkt unterstellt ist. Abt Martin, ein Oberwalliser, lebte auch mit seinem Kirchenvolk und dieses dankte ihm mit Jubel. Er war in der Lage, die wachsende Kluft zwischen Kirchenleitung und Volk zu überbrücken.

Nun ist er zurück, glanzvoller denn je. Der renommierte Herder Verlag („Lesen ist Leben“) stellt am 21. November Pater Martins neues Buch der Schweizer Öffentlichkeit vor. Es heisst, nicht ganz zufällig, „Heute im Blick“ und bringt, wie es im Untertitel heisst „Provokationen für eine Kirche, die mit den Menschen geht“.

Pater Martin, viele Jahre aktives Mitglied der Schweizerischen Bischofskonferenz, steht inhaltlich in vielem sehr nahe bei Papst Franziskus, lehnt aber kirchliche Strukturen ab, die mehr aus Gewohnheiten entstanden sind als sie dem Auftrag von Jesus Christus entsprechen. Martin Lütz schreibt dazu: „Ein kraftvoller, oft provozierender Christ.“ Ich sage: Eine gute Vorlage für Weihnachts-Gottesdienste und Gespräche an dunklen Winterabenden. Die Glut unter der Asche lebt in diesem ebenso spröden wie lebendigen Oberwalliser Mönch.

Falsche Intellektuelle wirken blockierend

Dienstag, den 4. November 2014 um 15:16

Falsche Intellektuelle wirken blockierend.

Wer als Konsument auf die Schweizer Medien angewiesen ist, wird oft in die Irre geführt werden. Was dort Chefredaktoren, alt Chefredaktoren, Professoren und andere Mitglieder der „chattering classes“ von sich geben, ist häufig eine Art der Irreführung, die das Jahresabonnement nicht rechtfertigt.

Res Strehle, Sohn eines Anwalts vom Züriberg, stürzte sich als junger Mann hinab zum einfachen Volk, um die Schweiz zur Weltrevolution zu bewegen. Als Chefredaktor des „Tagesanzeigers“ ist er für Entlassungen en masse zuständig, ohne auch nur mit den Wimpern zu zucken.

Fred Luchsingers unverzeihlicher Fehler bei der NZZ war es, den Bauernsohn aus der Innerschweiz, Hugo Bütler, als seinen Nachfolger an der Spitze der NZZ zu berufen. Damit begann der Abstieg jenes Verlags, der einmal zur europäischen Spitze zählte, heute dort aber nicht mehr genannt wird. Markus Spillmann, amtierender NZZ-Chefredaktor, nach Meinung führender Liberaler „ein Kindskopf“, der sich in Panik von einer eigenen talentierten Journalistin distanziert, deren Komplexität er nicht zu folgen vermag, lässt sich vorzugsweise tanzend und springend vor Vulkanen fotografieren, derart die Kreativität seines Haus untermauernd. Niemand in Zürich ist in der Lage, sich eines Satzes dieses Chefredaktors zu erinnern.

Falsche Intellektuelle, die aufgrund ihres Amtes einen solchen Anspruch erheben, gibt es in der Schweiz jede Menge. Berühmtestes Beispiel ist alt Bundesrat Moritz Leuenberger, dessen magistraler Esprit nach seinem Rücktritt kaum noch gefragt war. Die Höflingshaltung medialer Bewunderer reflektiert eine Geisteshaltung, die nur zum Untergang des Zürcher Bürgertums führen kann. Hugo Loetscher, nicht viel mehr als ein gehobener Reiseautor mit höheren Ansprüchen, war allerdings noch viel gescheiter als Martin Suter, dessen Zahnarzt-Vorzimmer-Literatur der vorzeitigen Einschläferung der Patienten dienen kann.

Kluge Menschen haben wir etliche, aber Intellektuelle Grossdenker, die zu ihrer Position auch stehen, haben wir keinen mehr. Adolf Muschg sei mein Kronzeuge.

 
     
     
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