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„Big Brother“ Mathias Döpfner in Zürich

26. September 2014 um 12:33

Während öffentliche Vorträge von Schweizer Verlegern eher selten und dann noch schlecht besucht sind, war die Aula der ETH Zürich voll besetzt, als Dr. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, einer Einladung des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung folgend, dort über die Konsequenzen der Digitalisierung für die Medien sprach.

Döpfner, keine Herausforderung scheuend, nannte die Schweizer ein „sympathisch-störrisches Volk“, das freiheitsversessen sei, dies ganz im Gegensatz zu den Deutschen, die offensichtlich staatsbesessen sind. Döpfner, 52, mit einem körperlich wie geistig federnden Auftritt (ohne Manuskript), nannte die Medienbranche „nur das erste Opfer“ der Digitalisierung. Keine andere Branche werde sich dem, mit zeitlicher Verzögerung, in Zukunft entziehen können. Es sei eine faszinierend bedrohliche Entwicklung, die aber nicht zu Kulturpessimismus führen dürfe.

Döpfner, „Big Brother“ der heimischen Kleinverleger, zu dessen Schweizer Reich die Monatszeitschrift „Bilanz“ sowie die Wochenzeitschriften „Handelszeitung“ und „Beobachter“ gehören, äusserte sich markant auch zur Aufgabe des Journalisten. Dieser müsse „zwischen allen Stühlen sitzen und die Balance halten“. Echte Freundschaften zwischen Journalisten und Politikern dürfe es nicht geben.

Schweizer Medienvertreter hörten dies mit Missmut, ist doch gerade die enge Verbindung zwischen Politikern und Journalisten hierzulande ein Kennzeichen echten Erfolgs; angesichts des dauerhaften Personalabbaus durch Schweizer Verlage auch eine Sicherheitsleine für den Umstieg in die staatliche PR-Industrie.

Institutsdirektor Dr. Martin Meyer, als Feuilletonchef der „Neue Zürcher Zeitung“ eine auch in Deutschland anerkannte Grösse, umschiffte derlei Klippen elegant mit dem Verweis auf Mathias Döpfners Herkunft von der Musikkritik. Die beiden Edelfedern genossen den Aufenthalt auf dem Zürcher Olymp, vom lebhaften Beifall begeisterter Zuhörer getragen. Angst vor der Digitalisierung hat keiner von beiden; auch die „Neue Zürcher Zeitung“ plant derzeit, elegant hinter der Nebelwand der Modernisierung verborgen, den redaktionellen Schrumpfungsprozess.

 

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