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Die FDP tut sich schwer

17. September 2014 um 12:01

Meine Nachbarin im Fitness-Club, eine jüngst erst wiedergewählte Funktionsträgerin der FDP, meinte: „Eigentlich sollte ich bei der Delegiertenversammlung in Zug sein, aber ich habe besseres vor.“  Sie ist eine Perfektions-Schweizerin, will ihren Parteidienst leisten, aber sie zweifelt am Erfolg der Freisinnigen. Ein FDP- Bezirks-Wahlkampfleiter im Kanton Zürich, voller Energie: „Wir haben die richtigen Kandidaten für die Wahlen, aber die Partei zieht nicht.“  Eine langjährige FDP-Wählerin: „Langsam glaube ich, der Pelli war doch besser als der Müller.“ Sie meinte den letzten und den heute amtierenden Präsidenten der FDP Schweiz.

Die FDP Schweiz sucht den Weg zurück zur Volkspartei, den sie seit Franz Steinegger vor gut 20 Jahren verloren hat. Dieser spielte lieber mit dem damaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann Politik über den Furka-Pass; beide Bergler, beide antikapitalistisch im Sinne der Zürcher Bahnhofstrasse, beide ehrgeizig und machtbewusst. Seither ging es mit der FDP bachab, mit der SP etwas weniger.

Die FDP sucht den Weg zurück zur Volkspartei mit dem Wort „Gemeinsinn“. Das sind die „commons“, die gemeinsamen Güter der Bergbauern und der Burgergesellschaften. Es ist das Gegenteil von Gewinnoptimierung, extremen Boni und Massenentlassungen. Die FDP ist damit bei James Rifkin angekommen, der in seinem neuen Buch eine Weltgesellschaft der Zukunft beschreibt, wo es heisst „Und jetzt alle zusammen!“ (Die Null-Grenzkostengesellschaft. Campus Verlag) Natürlich alles unter amerikanischer Hegemonie.

Die Zuger Kuschelübung wurde jäh unterbrochen, als Jusos und SP-Chef Christian Lévrat gleichzeitig Johann Schneider Ammann einen Steuerhinterzieher nannten. Der verwandelte sich stracks in zwei Personen: Einen dazu schweigenden Bundesrat und einen wütenden Privatmann, der ausrief „Das ist eine absolute Frechheit.“ Wenn es um die private oder Firmenkasse geht, löst sich der liberale Gemeinsinn in nichts auf. Hätte er nicht um Verständnis dafür werben können, dass jedermann im Rahmen der Gesetze seinen Vorteil sucht? Dann wäre er ein normaler Bundesrat geblieben, so aber bestätigte er die Vermutungen: Wenn Parteipräsident Philippe Müller im Oktober 2015 nicht den versprochenen Erfolg liefert, muss JSA nach nur vierjähriger Laufzeit als Bundesrat wieder gehen. Didier Burkhalter sagte nichts, lächelte aber geheimnisvoll, wie es seine Art ist.

Derweil tauchen teure ganzseitige Inserate der FDP Schweiz auf, die derart hundskommun gestaltet sind, dass die Schweizer Werbebranche in Scham zusammenbrechen müsste, vom Art Directors Club nicht zu sprechen. Darin steht ein kostümierter Landmann (2% der  Bevölkerung, hoch subventioniert) auf der Spitze des Matterhorns (die FDP ist im Kanton Wallis nahezu bedeutungslos) und markiert den bärenstarken liberalen Fortschritt. Jede urbane Sekretärin/Assistentin würde das besser formulieren und gestalten.

Die SVP ist derweil unter der dynamischen Führung des Industriellen, Kunstsammlers, Multi-Sponsors und Finanzspekulanten Dr. Christoph Blocher klar im Vorteil. Seine Partei hat der FDP die Zusammenarbeit angeboten, was den Aargauer Gipsermeister, Rennfahrer und Immobilienspekulanten Philippe Müller, dem das rhetorische Gewicht seiner Vorgänger abgeht, insofern in Verlegenheit bringt, als die Linksfreisinnigen eine solche Partnerschaft als artfremd ablehnen. Das ist ein Jammer für die bürgerlich-konservativ-kapitalistische Schweiz, der urbane Linksgrüne gegenüber stehen, die einfach jünger, weiblicher und schneller sind.

Wir haben deshalb 12 tolle Monate vor uns.

 

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