Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  


Bundesrat unter EU- und NATO-Druck

18. August 2014 um 9:08

Wer nur die Revolte der Russland zugeneigten Bevölkerung in der östlichen Ukraine in Erinnerung hat, kann die jüngste Mini-Ausgabe des Kalten Krieges zwischen Ost und West nicht richtig beurteilen. Es fällt auf, dass die Schweiz bisher sehr zurückhaltend geblieben ist, sich den Boykotten der EU- und der NATO-Staaten gegen Russland anzuschliessen, aber deren Druck wird der Bundesrat immer weniger standhalten. Die US-Sonderbeauftragten sind seit Wochen in Bern; die Schweizer Angst, nach dem Banken-Fiasko noch ein weiteres US-Fiasko zu erleben, ist gross.

Man sollte Zbigniew Brzezinskis Buch „Die einzige Weltmacht“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 5. Ausgabe, 2002) wieder hervorholen. Der letzte grosse Stratege der US-Administration, Pole von Herkunft, hat darin deutlich gemacht, wie wichtig die Kontrolle über die Ukraine für die USA ist.

Dabei ist es geblieben. Die jüngsten Auseinandersetzungen sind auf den kombinierten Versuch der EU und der NATO zurück zu führen, dieses Vermächtnis aus dem 20. Jahrhundert zu erfüllen. Man glaubt Putin geschwächt und sucht aus ihm einen zweiten Jelzin zu machen oder ihn gleich ganz aus der Regierung zu drängen. Wie die jüngsten Ereignisse in Afghanistan und im Irak bestätigen, sind die US-Diplomaten und –Generäle keine grossen Strategen mehr. In einem sind sie, einschliesslich der Staaten ex Jugoslawiens, gross: Sie zerstören andere Länder und hinterlassen dort Ruinen, die nach Möglichkeit von den Europäern wieder aufgebaut werden sollen.

Ein echter Boykott Russlands scheint jedoch unmöglich zu sein. Brasilien hat sich soeben davon distanziert, China ohnehin, andere werden folgen. Es ist deshalb nicht im Sinne Europas, den Konflikt mit Russland zu vertiefen. Nach dem Zusammenbruch der europäischen Imperien wird Europa nur gross bleiben, wenn es eine Einheit wird, die den euro-russischen Raum umfasst: Eurasien, wie es de Gaulle, Churchill und jetzt auch Putin als Ziel wollten.

Die Schweiz sollte sich deshalb als Vorposten einer solchen Entwicklung sehen und nicht als Hilfsposten des unglücklichen Amerika, wo Millionen hungern, 50 Millionen Menschen verarmt sind und, wie im alten Rom, eine kleine Elite um die Weltmacht und ihre Gewinne gleichzeitig kämpft. Das ist die grosse Herausforderung für unser Land.

Ein Kommentar zu “Bundesrat unter EU- und NATO-Druck”

  1. Kurt Anton Brugger

    Die historisch verbriefte bewaffnete Neutralität, eine glaubwürdige Landesverteidigung und eine Miliz Armee welche ihren Verfassungsauftrag erfüllen kann, hat die Schweiz im 20sten Jahrhundert aus WW1 und WW2 herausgehalten. Die dissuasive Wirkung unserer Wehrbereitschaft und dazu gehörend eine Portion Glück, sind die massgeblichen Ursachen für den Frieden in unserem Land, während Europa unter der Last brutalster Kriege zusammenbrach.

    Die Wirren des Kalten Krieges zwischen Ost und West (1947-1985) , hat dieses Land diplomatisch blockfrei dh mit konsequenter neutraler Haltung, wirtschaftlich erfolgreich hinter sich gebracht. Die Landesausstellung 1964, hat BR und Parlament veranlasst, der Weltöffentlichkeit zu erklären, was die Bürger unseres Landes subsummieren unter den Begriff „Wehrhafte Schweiz“. Der gleichnamige Film (vorgeführt im Armee-Pavillon) hat weltweites Echo ausgelöst, für die Schweiz, unsere Neutralität und unsere Wehrhaftigkeit.

    Damals hat unsere Regierung den Grundstein gelegt, für nachhaltigen Erfolg, der Schweizer Wirtschaft und des Finanzplatzes und letztlich für den vielgepriesenen Wohlstand. Wie auch immer dieser Mini-Kaltekrieg aus gehen wird, eine Rückbesinnung unserer Regierung auf das was uns in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat, scheint eindeutig der bessere „Weg der Schweiz“ zu sein. Weder (Ogi’s) PfP (Partnership for Peace) und schon gar nicht NATO (wenn es zu deren Eingreifen kommt, wird sie für die USA einen Stellvertreter-Krieg führen), noch viel weniger die Teilnahme an den sinn- und zwecklosen Sanktionen gegen Russland, sind tauglich für den künftigen Erfolg der Schweiz im gesamteuropäischen Umfeld.

Einen Kommentar schreiben:

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog