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Der völlig unzeitgemässe Dr. Christoph Blocher

14. August 2014 um 8:00

Eine Tragik umgibt diesen Mann. Er hat unternehmerisch alles erreicht, was sich der Sohn eines Landpfarrers und Bauernbub vorstellen kann. Als die Schweiz prägender Politiker des 20. Jahrhunderts hat er dennoch seine politischen Ziele bei weitem nicht erreicht. Die Herbstwahlen 2015 sind seine voraussichtlich letzte Chance, seine Vision nationaler Unabhängigkeit vom Schweizer Wahlvolk bestätigen zu lassen.

Die Rede ist von SVP-Vizepräsident und Chefstratege Dr. Christoph Blocher, der offensichtlich alle Leinen abgeworfen hat und seine Partei im Alleingang in eine Richtung zwingt, die in ihrer Masslosigkeit zum Scheitern verurteilt ist. Es geht in Wirklichkeit nicht darum, dem Schweizer Volk gegen alle Forderungen von aussen seine bewundernswerten Stimmrechte zu erhalten. Es geht darum, im Herbst 2015 einen überzeugenden Wahlsieg gegen die zögerlichen Parteien der politischen Mitte und die derzeit frohlockende Rotgrün-Front zu gewinnen.

Christoph Blocher weiss knapp die Hälfte der Stimmbürger hinter sich, die keine, höchst gefährdete, Europäische Union, keine Strassburger Richter und keine Ausländer mehr wollen, seien es Emigranten aus Eritrea, Wirtschaftsflüchtlinge aus Westafrika oder syrisch-irakische Grossfamilien, deren Ansprüche als masslos empfunden werden. Sie möchten auch keine ausländischen Topmanager mehr, die mit der Schweiz nicht mehr am Hut haben, als daraus grosse Gewinne zu ziehen, auch persönliche. Sie möchten keine Russen und Ägypter, keine Saudis und Kataris mehr, die hier Industriefirmen und Hotels kaufen. Diese Schweizerinnen und Schweizer möchten sich in ein nationales Schneckenhaus zurück ziehen, wo sie zwischen Alpenfirn und Morgenrot genussvoll ihr Erbe verzehren können.

Diese Schweiz gibt es nicht mehr, denn sie wurde seit zwei Generationen eingebunden in internationale Verträge und Strukturen, die nur unter grossen Verlusten auflösbar sind. Dies war das Werk der Bundesräte seit 1960 und ihr strategischen Chefbeamten. Sie wurden von den kantonalen Regierungen darin unterstützt.

Die Familie Blocher, vor fünf Generationen aus der schwäbischen Hochalp herabgestiegen in die Schaffhauser Niederungen, von wo Christoph Blocher sie wieder hinauf führte in die Höhen Bündens, will eine Schweiz, die unter Schweizer Kontrolle bleibt. Sein Wohlstand, wie jener des ganzen Landes, wäre ohne nützliche Ausländer, seien es deutsche Wissenschaftler in den Emser Werken oder Sergio Marchionne als hilfreiche Hand bei Firmenspekulationen, nicht zustande gekommen.

Ein Vorrang des Schweizer Rechtes vor dem Völkerrecht, wie er es jetzt verlangt, bedeutet nichts anderes als einen Volksaufstand gegen die Weltmächte, welchen unseren Globus im Gleichgewicht zu halten suchen. Was Spartakus nicht gelang, was zum Zusammenbruch Karthagos und der DDR führte, wird auch dem Schweizer Helden Christoph Blocher nicht gelingen. Aufgrund der modernen Technik, welche die Entfernungen schrumpfen lässt, wird der Globus zu einem Apfel. Die Schweiz darin als unabhängige Republik auszurufen, ist einfach lächerlich.

Was wir vielmehr erleben, und dieser Prozess ist seit gut 100 Jahren im Gang, ist der Zusammenbruch der europäischen Empires, die während gut 500 Jahren aufgebaut wurden. Auch die USA, weil tief verschuldet, sind ein angeschlagenes Empire mit einer và banque-Politik, nicht anders Russland, das erhalten möchte, was seit Katharina der Grossen aufgebaut wurde.

Wer wollte die Schweiz steuern, wenn der grosse Pirat Christoph Blocher einmal nicht mehr ist? Toni Brunner? Gregor Rutz? Roger Köppel? Nein, die Schweiz braucht das Wohlwollen und den Schutz der uns umgebenden Mächte. Wir sollten keine Amerikaner und keine Russen werden, sondern das bleiben, was die Besten unter uns stets waren: Fleissige, weltoffene Menschen von hoher Lernbegier. Diesen steht die Welt offen. Es gibt keinen Grund, uns hinter unseren Türen einzuschliessen. Wir sind kein Igel mehr und auch keine Schnecke, sondern Schweizer, Europäer und Weltbürger, die darauf achten, dass ihre Sicherheit gewahrt und ihr Besitz ihnen erhalten bleibt.

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