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Der Schweiz gehen die Topredner aus

13. August 2014 um 8:00

Der Schweiz gehen die Topredner aus.

Hatten wir früher noch Spitzenredner wie Robert Holzach, Heinz Wuffli oder Hans Peter Tschudi, welche im ganzen Land etwas bewegen konnten, werden diese allmählich spärlich.

Altbankier Oswald Grübel (CS und UBS) muss am Schweizer Medienkongress im September für den Finanzplatz Schweiz sprechen. Amtierende Chefs der beiden Grossbanken sagen am liebsten gar nichts mehr oder derart juristisch gestanzt, dass der Informationswert ihrer Reden nahe Null ist. Soweit Ausländer unsere Banken führen, entziehen sie sich ohnehin gerne der wenig dankbaren Aufgabe, im Herkunftsland ihrer Bank wirklich Wichtiges zu sagen. Noch schlimmer ist es in der Basler Provinz, wo an der jährlichen Gewerbetagung „der letzte Sarasin“, Eric, sprechen muss. Seine Bank hat er an einen brasilianischen Libanesen verkauft; die Prozesse enttäuschter Grosskunden sind ihm geblieben.

Grossredner wie Dr. Christoph Blocher füllen immer noch ganze Säle, aber es ist das Volk, das unter seinen weit ausgebreiteten Armen Schutz vor einer ungewissen Zukunft sucht. Er verkörpert die stärkste Schweizer Partei und gleichzeitig die ausserparlamentarische Opposition, eine Situation, an welcher FDP, CVP und SP nicht unschuldig sind.

Ein anderer Grossredner, dem die Menschen zu Tausenden zuliefen, wenn er sprach, Dr. Konrad Hummler, ist mangels tragender Organisation weitgehend von der Bühne verschwunden. Wie Christoph Blocher als Bundesrat gestürzt wurde, wurde Hummler ein Opfer von „Katastrophen“-Franz Steinegger, der ihn als VR-Präsident der NZZ-Gruppe entmachtete. Der NZZ hat dieser unfreundliche Abgang bisher wenig genutzt, steht anstatt Hummler doch ein Grossapotheker an der Verlagsspitze, dessen innenpolitische Sensibilität umstritten ist.

Natürlich gibt es souveräne Redner wie Heinz Karrer (économiesuisse), Hans-Ulrich Bigler (Schweizerischer Gewerbeverband) und Jean-Claude Biver, die neue Nr. 1 auf dem Schweizer Uhrenmarkt. Sie helfen uns, die Wirtschaft besser zu verstehen, aber können und wollen sie ganze Trends umkehren, die Schweiz im Ausland vertreten und die Widersprüche lösen, die sich auftun, zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen den Grosskonzernen der A-Schweiz und „den anderen 97%“ der B-Schweiz?

Kein Bundesrat wagt es mehr, als Orator die ganze Schweiz zu führen. Die gestressten Sieben an der Spitze unseres Staates beschränken sich auf Fachthemen von der Gesundheit bis zu den Finanzen. Sie erinnern an eine willkürlich konstruierte Schweizer Vergangenheit und appellieren an den guten Willen und – besonders in diesem Jahr – an die Bescheidenheit der Bürgerinnen und Bürger.

Manche lösen die fast unlösbare Aufgabe mit Humor und elegantem Sarkasmus, wo Ansgar Gmür, der Direktor des Schweiz. Hauseigentümerverbandes, und Martin Meyer, Chef des Weltklasse-Feuilletons der sonst bescheiden gewordenen „Neue Zürcher Zeitung“, Spitzenpositionen einnehmen.

Ins Schweigen versunken sind die Chefs der SRG, Grossdenker Roger de Weck an der Spitze. Es schweigen die Chefs der grossen Beratungsfirmen, wo einst Dr. Egon Zehnder (Egon Zehnder International) und Quincy Hunsicker (McKinsey) den Ton angegeben haben. Es schweigen die Präsidenten unserer Hoch- und Fachhochschulen wie auch die Bischöfe der römisch-katholischen und die kantonalen Kirchenrats-Präsidenten der evangelisch-reformierten Kirche.

Es sind die Spitzenbeamten der kantonalen und nationalen Verwaltungen, welche das Land in die Zukunft führen. Sie könnten viel erzählen, dürfen aber ihren politischen Chefs so wenig vor der Sonne stehen wie den eigentlichen Wirtschaftsführern. Hätten wir wenigstens eine Merkel, aber Bundesrätin Doris Leuthard, die noch einigen Führungswillen ausstrahlt, fühlt sich für eine solche „Mutti“-Aufgabe noch zu jung. Simonetta Sommaruga zu gescheit und Eveline Widmer-Schlumpf zu gefährdet, um einen Blick über ihre Dossiers hinaus zu wagen.

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