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Monatsarchiv für August 2014

Französisch ist Luxus

Donnerstag, den 28. August 2014 um 10:33

Da ich, in Zürich lebend, sehr gerne täglich Französisch lese und spreche, darf ich dennoch nicht leugnen, dass die französische Sprache heute für viele ein Luxus geworden ist. Die Schweiz lebt nicht mehr im Ancien Régime und Frankreich hat seine Rolle als Weltmacht seit General de Gaulle verloren. Die Welt denkt und spricht Pidgin-Englisch-Amerikanisch.

Wer gebildet sein will, sollte sich dennoch des Französischen bedienen können. „Le Temps“ hat nun einmal eine andere Weltsicht als die „Financial Times“ und berichtet oft qualifizierter über Afrika und den Mittleren Osten als die mediale Weltmacht an der Themse.

In Zürich-Gockhausen haben wir das Lycée Français, das mit über 700 Schülern eine wichtige und gefragte Institution ist. Weil gerade gebildete Kreise gerne ihre Kinder dorthin zur Ausbildung senden, wird es in den kommenden Jahren zu einer Ausbildungsstätte für rund tausend Schülerinnen und Schüler ausgebaut. Das ist ein gutes Zeichen.

Schüler im Thurgau und andernorts zu zwingen, Früh-Französisch zu lernen, ist Unsinn. Wer sich heute in der Welt durchsetzen will, muss ein verständliches Englisch-Amerikanisch sprechen, wohl wissend, dass gerade die Engländer nicht auf ihr „Oxbridge“ verzichten werden und die Amerikaner in der Schweiz oft in einem Tennessee-Slang reden, der unverständlich bleibt.

Die welschen Schweizer, welche diesen neuen Sprachengraben bejammern, tun dies vorzugsweise in französischer Sprache, der deutschen wie des Schweizerdeutschen kaum mächtig. Die welsche Kultur, vor einer Generation noch voller Strahlkraft, ist weithin abgesunken zu einer Regionalkultur, die sich ihrer Schwäche bewusst ist. „Les petits Suisses“ streben daher weiterhin eher nach Paris als nach Zürich, Basel oder Frankfurt.

Wer geschäftlich erfolgreich sein will, lernt Englisch. Wer dazu noch kulturell auf einen besseren Stand kommen will, für den ist Französisch unverzichtbar. Wir haben in der Deutschen Schweiz ein reiches Angebot erstklassiger Schulen und Weiterbildungs-Stätten, die diesem Anspruch gerecht werden.

 

Der Pleitegeier kreist

Donnerstag, den 21. August 2014 um 17:03

Warum die EU dringend ihren Einfluss auf die Ukraine, das westliche Grenzland Russlands, welches man früher Kleinrussland nannte, vergrössern wollte, ist klar. Die EU muss nach Meinung der NATO-Strategen immerwährend expandieren; sie ist die wirtschaftliche Vorhut des Atlantischen Bündnisses. Wladimir Putin, der russische Präsident, hat darauf reagiert, indem er die Krim wieder in Besitz nahm, die russisches Kronland war, und die aufständischen Ostukrainer so weit unterstützte, wie es immer möglich war, ohne das Gesicht zu verlieren.

Jetzt kreist der Pleitegeier über dem 40 Mio.-Volk, denn das Land ist weniger produktiv als Griechenland und an Russland wie den Westen (IWF) verschuldet wie Süditalien gegenüber dem Norden. Kein Wunder der Welt kann die Ukraine vor dem Bankrott retten. Damit findet sie sich in guter Gesellschaft mit Argentinien, das man am besten mit seinen Nachbarländern verschmelzen sollte, damit der Süden der beiden Amerikas wieder zur Ruhe kommt.

Die erneute Zerstörung der Ukraine durch einseitige westliche Forderungen war unnötig. Am Potomac und in Brüssel meinte man, jetzt könne man gegen eine schwache russische Regierung weiter Punkte machen. Was man gewonnen hat, ist ein neues Grossrisiko mit unabsehbaren finanziellen Folgen.

 

 

Frankreich besetzt Flughafen Basel-EuroAirport

Mittwoch, den 20. August 2014 um 9:49

Was seit 1949 mit einem Staatsvertrag zwischen Frankreich und der Schweiz beschlossen wurde und bis heute gilt, soll demnächst beendet werden. Die französische Regierung will den Flughafen Bâle-Mulhouse besetzen, die Schweiz dort herauswerfen und selbst den neuen Landesflughafen betreiben. Die Verhandlungen zwischen unserem Aussenminister Didier Burkhalter und den Vertretern aus Paris sind gescheitert.

Das bedeutet für die Schweiz eine „kleine Krim“. Es ist eine ernsthafte Bedrohung für die Basler Wirtschaft. Easy Jet, die grösste Fluggesellschaft am EuroAirport, von wo aus Moritz Suter einst die Crossair führte, wird demnächst alleine in ausländischer Hand sein.

Das ist eine neue und sehr ernsthafte Niederlage für das Team Rossier/Burkhalter. Wo sind unsere Chef-Aussenpolitiker eigentlich noch erfolgreich?

Bundesrat unter EU- und NATO-Druck

Montag, den 18. August 2014 um 9:08

Wer nur die Revolte der Russland zugeneigten Bevölkerung in der östlichen Ukraine in Erinnerung hat, kann die jüngste Mini-Ausgabe des Kalten Krieges zwischen Ost und West nicht richtig beurteilen. Es fällt auf, dass die Schweiz bisher sehr zurückhaltend geblieben ist, sich den Boykotten der EU- und der NATO-Staaten gegen Russland anzuschliessen, aber deren Druck wird der Bundesrat immer weniger standhalten. Die US-Sonderbeauftragten sind seit Wochen in Bern; die Schweizer Angst, nach dem Banken-Fiasko noch ein weiteres US-Fiasko zu erleben, ist gross.

Man sollte Zbigniew Brzezinskis Buch „Die einzige Weltmacht“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 5. Ausgabe, 2002) wieder hervorholen. Der letzte grosse Stratege der US-Administration, Pole von Herkunft, hat darin deutlich gemacht, wie wichtig die Kontrolle über die Ukraine für die USA ist.

Dabei ist es geblieben. Die jüngsten Auseinandersetzungen sind auf den kombinierten Versuch der EU und der NATO zurück zu führen, dieses Vermächtnis aus dem 20. Jahrhundert zu erfüllen. Man glaubt Putin geschwächt und sucht aus ihm einen zweiten Jelzin zu machen oder ihn gleich ganz aus der Regierung zu drängen. Wie die jüngsten Ereignisse in Afghanistan und im Irak bestätigen, sind die US-Diplomaten und –Generäle keine grossen Strategen mehr. In einem sind sie, einschliesslich der Staaten ex Jugoslawiens, gross: Sie zerstören andere Länder und hinterlassen dort Ruinen, die nach Möglichkeit von den Europäern wieder aufgebaut werden sollen.

Ein echter Boykott Russlands scheint jedoch unmöglich zu sein. Brasilien hat sich soeben davon distanziert, China ohnehin, andere werden folgen. Es ist deshalb nicht im Sinne Europas, den Konflikt mit Russland zu vertiefen. Nach dem Zusammenbruch der europäischen Imperien wird Europa nur gross bleiben, wenn es eine Einheit wird, die den euro-russischen Raum umfasst: Eurasien, wie es de Gaulle, Churchill und jetzt auch Putin als Ziel wollten.

Die Schweiz sollte sich deshalb als Vorposten einer solchen Entwicklung sehen und nicht als Hilfsposten des unglücklichen Amerika, wo Millionen hungern, 50 Millionen Menschen verarmt sind und, wie im alten Rom, eine kleine Elite um die Weltmacht und ihre Gewinne gleichzeitig kämpft. Das ist die grosse Herausforderung für unser Land.

Schweiz oder Singapur – wer hat die besseren Chancen?

Freitag, den 15. August 2014 um 8:57

Singapur nennt sich selber „A melting pot of Asia“. Der erfolgreiche Stadtstaat liegt inmitten des aufstrebenden Asiens mit besten Verbindungen nach Australien, Japan und die USA. Die Wachstumsraten in dieser pazifischen Weltzone sind weiterhin phänomenal. Die politische Stabilität ist gross.

Die Schweiz liegt inmitten eines krisenbehafteten Europas, wo der Westen (EU) und der Osten (Russland) nicht zusammen finden. Die privatwirtschaftlichen Wachstumsraten sind nur mit Mühe zu entdecken; die Arbeitslosigkeit in den meisten europäischen Ländern ist phänomenal hoch. Eine geschlossene Führung Europas ist nicht erkennbar. England ist ein U-Boot der USA, das alles tut, entstehende Einheit zu verhindern. Die USA selber wollen Europa nicht aus ihrer Überwachung entlassen.

Im Idealfall bliebe der Schweiz, will sie ihren heutigen ungleich verteilten Wohlstand behalten, nichts anderes übrig, als „Schweiz“ zu bleiben und ihre Gunst weltweit an den besten Standorten zur Geltung zu bringen. Wenig ist davon erkennbar. Wir machen uns abhängig von den USA, die uns ihre genproduzierten Landwirtschaftsprodukte verkaufen will, während offiziell fast 50 Millionen Amerikaner hungern. Wir erkennen Staaten wie den Kosovo an, der kein Staat ist, sondern ein Fass ohne Boden. Micheline Calmy-Rey hat diesen Unfug als Bundesrätin in die Wege geleitet. Wir haben einen amtierenden Aussenminister, Didier Burkhalter, der uns zusammen mit seinem Staatssekretär Yves Rossier so eng wie möglich an die EU binden, mindestens aber der EU-Gerichtsbarkeit unterstellen möchte. Wir haben als stärkste Partei im Bundesparlament die SVP, die gleichzeitig mit Dr. Christoph Blocher an der Spitze ausserparlamentarische Opposition spielt.

Wo ist mehr Zukunft? In Singapur oder der Schweiz? Hätten wir mindestens einen echten Staatsmann und nicht nur einen Politkasper wie Dölf Ogi, der uns global repräsentiert, würde ich der Schweiz die Palme reichen. Jetzt hat Singapur die Nase vorn, was dringend zu ändern wäre.

Warum ist die Flüchtlingspolitik des Bundesrats gescheitert?

Donnerstag, den 14. August 2014 um 16:22

Unser rundlich-gemütlicher Migrations-Botschafter Eduard Gnesa, macht deutlich, dass die Flüchtlingspolitik des Bundesrats gescheitert ist:

. Das Schengen-Abkommen funktioniert nicht wie erwartet; unser Einfluss, es zu ändern, ist gleich null.

. Weil viele Eriträer bereits in der Schweiz sind, werden noch mehr kommen. Das gilt auch für andere Volksgruppen.

. Das 2007 mit Algerien abgeschlossene Rücknahme-Abkommen funktioniert nicht. Nach dem westlichen Überfall auf das Ghaddhafi-Libyen sind dort die Grenzen nach Norden unbewacht.

. Die Koppelung der Entwicklungshilfe an Rücknahme-Bedingungen ist nicht vorgesehen.

Französische Studien haben ergeben, dass gerade die Flüchtlinge aus Afrika in erster Linie Menschen mit Schulden sind, welche sich diesen durch die Flucht nach Europa entziehen wollen. Ausserdem seien es in erster Linie Menschen aus den Vorstädten grosser afrikanischer Kommunen, die nach Norden abwandern.

Die Schweiz schafft sich mit dieser Politik auf Dauer ein, wie London zeigt, kulturell nicht integrierbares Sozial-Proletariat, das vom Steuern zahlenden Mittelstand finanziert werden muss. Kein Wunder, dass dieser Zustand Druck erzeugt und die Wahlchancen der SVP im kommenden Jahr bedeutend steigert.

Der völlig unzeitgemässe Dr. Christoph Blocher

Donnerstag, den 14. August 2014 um 8:00

Eine Tragik umgibt diesen Mann. Er hat unternehmerisch alles erreicht, was sich der Sohn eines Landpfarrers und Bauernbub vorstellen kann. Als die Schweiz prägender Politiker des 20. Jahrhunderts hat er dennoch seine politischen Ziele bei weitem nicht erreicht. Die Herbstwahlen 2015 sind seine voraussichtlich letzte Chance, seine Vision nationaler Unabhängigkeit vom Schweizer Wahlvolk bestätigen zu lassen.

Die Rede ist von SVP-Vizepräsident und Chefstratege Dr. Christoph Blocher, der offensichtlich alle Leinen abgeworfen hat und seine Partei im Alleingang in eine Richtung zwingt, die in ihrer Masslosigkeit zum Scheitern verurteilt ist. Es geht in Wirklichkeit nicht darum, dem Schweizer Volk gegen alle Forderungen von aussen seine bewundernswerten Stimmrechte zu erhalten. Es geht darum, im Herbst 2015 einen überzeugenden Wahlsieg gegen die zögerlichen Parteien der politischen Mitte und die derzeit frohlockende Rotgrün-Front zu gewinnen.

Christoph Blocher weiss knapp die Hälfte der Stimmbürger hinter sich, die keine, höchst gefährdete, Europäische Union, keine Strassburger Richter und keine Ausländer mehr wollen, seien es Emigranten aus Eritrea, Wirtschaftsflüchtlinge aus Westafrika oder syrisch-irakische Grossfamilien, deren Ansprüche als masslos empfunden werden. Sie möchten auch keine ausländischen Topmanager mehr, die mit der Schweiz nicht mehr am Hut haben, als daraus grosse Gewinne zu ziehen, auch persönliche. Sie möchten keine Russen und Ägypter, keine Saudis und Kataris mehr, die hier Industriefirmen und Hotels kaufen. Diese Schweizerinnen und Schweizer möchten sich in ein nationales Schneckenhaus zurück ziehen, wo sie zwischen Alpenfirn und Morgenrot genussvoll ihr Erbe verzehren können.

Diese Schweiz gibt es nicht mehr, denn sie wurde seit zwei Generationen eingebunden in internationale Verträge und Strukturen, die nur unter grossen Verlusten auflösbar sind. Dies war das Werk der Bundesräte seit 1960 und ihr strategischen Chefbeamten. Sie wurden von den kantonalen Regierungen darin unterstützt.

Die Familie Blocher, vor fünf Generationen aus der schwäbischen Hochalp herabgestiegen in die Schaffhauser Niederungen, von wo Christoph Blocher sie wieder hinauf führte in die Höhen Bündens, will eine Schweiz, die unter Schweizer Kontrolle bleibt. Sein Wohlstand, wie jener des ganzen Landes, wäre ohne nützliche Ausländer, seien es deutsche Wissenschaftler in den Emser Werken oder Sergio Marchionne als hilfreiche Hand bei Firmenspekulationen, nicht zustande gekommen.

Ein Vorrang des Schweizer Rechtes vor dem Völkerrecht, wie er es jetzt verlangt, bedeutet nichts anderes als einen Volksaufstand gegen die Weltmächte, welchen unseren Globus im Gleichgewicht zu halten suchen. Was Spartakus nicht gelang, was zum Zusammenbruch Karthagos und der DDR führte, wird auch dem Schweizer Helden Christoph Blocher nicht gelingen. Aufgrund der modernen Technik, welche die Entfernungen schrumpfen lässt, wird der Globus zu einem Apfel. Die Schweiz darin als unabhängige Republik auszurufen, ist einfach lächerlich.

Was wir vielmehr erleben, und dieser Prozess ist seit gut 100 Jahren im Gang, ist der Zusammenbruch der europäischen Empires, die während gut 500 Jahren aufgebaut wurden. Auch die USA, weil tief verschuldet, sind ein angeschlagenes Empire mit einer và banque-Politik, nicht anders Russland, das erhalten möchte, was seit Katharina der Grossen aufgebaut wurde.

Wer wollte die Schweiz steuern, wenn der grosse Pirat Christoph Blocher einmal nicht mehr ist? Toni Brunner? Gregor Rutz? Roger Köppel? Nein, die Schweiz braucht das Wohlwollen und den Schutz der uns umgebenden Mächte. Wir sollten keine Amerikaner und keine Russen werden, sondern das bleiben, was die Besten unter uns stets waren: Fleissige, weltoffene Menschen von hoher Lernbegier. Diesen steht die Welt offen. Es gibt keinen Grund, uns hinter unseren Türen einzuschliessen. Wir sind kein Igel mehr und auch keine Schnecke, sondern Schweizer, Europäer und Weltbürger, die darauf achten, dass ihre Sicherheit gewahrt und ihr Besitz ihnen erhalten bleibt.

Der Schweiz gehen die Topredner aus

Mittwoch, den 13. August 2014 um 8:00

Der Schweiz gehen die Topredner aus.

Hatten wir früher noch Spitzenredner wie Robert Holzach, Heinz Wuffli oder Hans Peter Tschudi, welche im ganzen Land etwas bewegen konnten, werden diese allmählich spärlich.

Altbankier Oswald Grübel (CS und UBS) muss am Schweizer Medienkongress im September für den Finanzplatz Schweiz sprechen. Amtierende Chefs der beiden Grossbanken sagen am liebsten gar nichts mehr oder derart juristisch gestanzt, dass der Informationswert ihrer Reden nahe Null ist. Soweit Ausländer unsere Banken führen, entziehen sie sich ohnehin gerne der wenig dankbaren Aufgabe, im Herkunftsland ihrer Bank wirklich Wichtiges zu sagen. Noch schlimmer ist es in der Basler Provinz, wo an der jährlichen Gewerbetagung „der letzte Sarasin“, Eric, sprechen muss. Seine Bank hat er an einen brasilianischen Libanesen verkauft; die Prozesse enttäuschter Grosskunden sind ihm geblieben.

Grossredner wie Dr. Christoph Blocher füllen immer noch ganze Säle, aber es ist das Volk, das unter seinen weit ausgebreiteten Armen Schutz vor einer ungewissen Zukunft sucht. Er verkörpert die stärkste Schweizer Partei und gleichzeitig die ausserparlamentarische Opposition, eine Situation, an welcher FDP, CVP und SP nicht unschuldig sind.

Ein anderer Grossredner, dem die Menschen zu Tausenden zuliefen, wenn er sprach, Dr. Konrad Hummler, ist mangels tragender Organisation weitgehend von der Bühne verschwunden. Wie Christoph Blocher als Bundesrat gestürzt wurde, wurde Hummler ein Opfer von „Katastrophen“-Franz Steinegger, der ihn als VR-Präsident der NZZ-Gruppe entmachtete. Der NZZ hat dieser unfreundliche Abgang bisher wenig genutzt, steht anstatt Hummler doch ein Grossapotheker an der Verlagsspitze, dessen innenpolitische Sensibilität umstritten ist.

Natürlich gibt es souveräne Redner wie Heinz Karrer (économiesuisse), Hans-Ulrich Bigler (Schweizerischer Gewerbeverband) und Jean-Claude Biver, die neue Nr. 1 auf dem Schweizer Uhrenmarkt. Sie helfen uns, die Wirtschaft besser zu verstehen, aber können und wollen sie ganze Trends umkehren, die Schweiz im Ausland vertreten und die Widersprüche lösen, die sich auftun, zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen den Grosskonzernen der A-Schweiz und „den anderen 97%“ der B-Schweiz?

Kein Bundesrat wagt es mehr, als Orator die ganze Schweiz zu führen. Die gestressten Sieben an der Spitze unseres Staates beschränken sich auf Fachthemen von der Gesundheit bis zu den Finanzen. Sie erinnern an eine willkürlich konstruierte Schweizer Vergangenheit und appellieren an den guten Willen und – besonders in diesem Jahr – an die Bescheidenheit der Bürgerinnen und Bürger.

Manche lösen die fast unlösbare Aufgabe mit Humor und elegantem Sarkasmus, wo Ansgar Gmür, der Direktor des Schweiz. Hauseigentümerverbandes, und Martin Meyer, Chef des Weltklasse-Feuilletons der sonst bescheiden gewordenen „Neue Zürcher Zeitung“, Spitzenpositionen einnehmen.

Ins Schweigen versunken sind die Chefs der SRG, Grossdenker Roger de Weck an der Spitze. Es schweigen die Chefs der grossen Beratungsfirmen, wo einst Dr. Egon Zehnder (Egon Zehnder International) und Quincy Hunsicker (McKinsey) den Ton angegeben haben. Es schweigen die Präsidenten unserer Hoch- und Fachhochschulen wie auch die Bischöfe der römisch-katholischen und die kantonalen Kirchenrats-Präsidenten der evangelisch-reformierten Kirche.

Es sind die Spitzenbeamten der kantonalen und nationalen Verwaltungen, welche das Land in die Zukunft führen. Sie könnten viel erzählen, dürfen aber ihren politischen Chefs so wenig vor der Sonne stehen wie den eigentlichen Wirtschaftsführern. Hätten wir wenigstens eine Merkel, aber Bundesrätin Doris Leuthard, die noch einigen Führungswillen ausstrahlt, fühlt sich für eine solche „Mutti“-Aufgabe noch zu jung. Simonetta Sommaruga zu gescheit und Eveline Widmer-Schlumpf zu gefährdet, um einen Blick über ihre Dossiers hinaus zu wagen.

NZZ: Leserbriefe gegen eigenen Chefredaktor

Dienstag, den 12. August 2014 um 8:00

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Redaktion Leserbriefe, die gegen den eigenen Chefredaktor gerichtet sind, ohne weiteres publiziert. Bei allen grossen Redaktionen der Schweiz ( u.a. NZZ, Tagesanzeiger, az-Medien und Basler Zeitung) werden die Leserbriefe sorgfältig selektioniert, dem verantwortlichen Redaktor vorgelegt und erst dann, evtl., publiziert. Nach Möglichkeit wird die Wirkung negativer Kommentare mit Positiv-Kommentaren ausgeglichen oder mindestens relativiert.

Im Falle der NZZ trifft es Chefredaktor Markus Spillmann, dem in gleich zwei Leserbriefen am 5. August „kämpferische Wettkampfrhetorik“ und „Ausfälle unterhalb des Niveaus der NZZ“ vorgeworfen werden. Ein positiver Leserbrief scheint in diesem Fall nicht eingegangen zu sein.

Der an sich unbedeutende Vorgang verbirgt einen sich weitenden Graben, der über das Schicksal der NZZ zu entscheiden vermag. Ist Chefredaktor Markus Spillmann jener Intellektuelle, der das verunsicherte Schweizer Bürgertum zu einigen, die Führungsrolle der Redaktion in der Schweizer Gesellschaft zu bewahren und die schwächelnde Position der NZZ im Ausland wieder aufzubauen vermag?

Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb der NZZ ist die richtige Antwort umstritten.

Topmanager fischen nicht, sie züchten Fische.

Mittwoch, den 6. August 2014 um 9:00

Einer der ersten war Pierre Landolt, Grossaktionär von Novartis, der in Lausanne die Sandoz-Stiftung kontrolliert. Er baute vor fünf Jahren in Raron bei Visp, wo schon Rainer Maria Rilke manche gute Idee hatte, eine eigene Fischzucht auf, die zu einem grossen Erfolg geworden ist. Im Oberwallis gibt es jetzt frische Fische, die unter dem strengen Blick von Willy Schnyder heranwachsen, dem ehemaligen Walliser Staatsrat für Finanzen, der national als einer der besten seines Faches galt.

Das liess Philipp Hildebrand, den von Dr. Christoph Blocher und der „Weltwoche“ unglücklich gestürzten Präsidenten der Generaldirektion der Schweizerischen Nationalbank, nicht ruhen. Hildebrand fiel, bei seinen Talenten kein Wunder, nach oben: Neue, jüngere und reichere Frau sowie zehnmal besser bezahlt als bisher als Vice-Chairman von Blackrock, dem weltweit grössten Vermögensverwalter. Hildebrand kaufte sich mit zwei Berner Freunden das bekannte Berrgforellen-Resort „Blausee“ unterhalb von Kandersteg, wo schon Altbundesrat Dölf Ogi immer seine Freunde empfing.

Damit nicht genug: Peter Brabeck-Letmathé, VRP des Nestlé-Konzerns (dessen Aktienperformance seit einiger Zeit leider zu wünschen lässt), will demnächst auch unter die Fischzüchter gehen. Als Immobilieninvestor hat er auf der Riederalp im Oberwallis zusammen mit Art Furrer längst seinen Einstand gegeben.

Fischzucht, das ist es wohl, was bei riskanten Börsen den Pulsschlag der obersten Führungskräfte beruhigt.

 

 
     
     
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