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Protagonisten ohne Glaubwürdigkeit

30. Juli 2014 um 16:37

Zum 1. August

Protagonisten ohne Glaubwürdigkeit

Nun wissen wir es offiziell, wer im Schweizer Volk keinen Gripen wollte. Bundesrat Ueli Maurer, auf der Jagd nach seiner „Besten Armee der Welt“, welche er schaffen wollte, zog mit einem kindischen Hausdach durch die Lande und verlor dabei sein Gesicht. Wer es sehen will, begreift: Gemäss dem „Peter’s Principle“ wurde der tüchtige SVP-Manager zu hoch befördert und scheiterte am eigenen Anspruch. Das wird sich im Hinblick auf die Leistungen des VBS in absehbarer Zeit nicht ändern.

Unsere politischen Protagonisten, deren Glaubwürdigkeit beim Stimmbürger ohnehin am unteren Ende der Skala angesiedelt ist, überschlagen sich seit einiger Zeit in Superlativen, wo doch schon Divisionär Dr. Gustav Däniker (heute bei der Jugend vergessen) schon immer davor warnte, solche Übertreibungen zu verwenden. Das hinderte Bundesrat Johann Schneider-Ammann nicht, das Ziel der „Besten Hochschulen der Welt“ auszurufen, womit er mit Sicherheit ebenso scheitern wird, denn die Finanzmittel dafür sind nicht vorhanden. Auch sind unsere Hochschulen noch undurchsichtiger als es die Schweizer Armee ist, was die Beurteilung ihrer Leistungen nicht erleichtert.

Wenn FDP-Präsident Philipp Müller dann im kommenden Jahr seine FDP Schweiz „zur zweitstärksten politischen Kraft“ nach der SVP machen will, kann er nur auf ein Wunder hoffen oder auf die Vergesslichkeit der Wähler. Seine Fraktionschefin Gabi Huber gibt ohnehin bekannt: „Die FDP macht grundsätzlich nichts falsch.“ Derlei Hybris hat schon viele schrecklich erwachen lassen.

Die „Offensive der Bastarde“, wie Peter Sloterdijk dies nennt, ein in liberalen Schweizer Kreisen („Schweizer Monat“) hoch verehrter Philosoph, ist auch in der Schweiz im Gange, weil die einst soliden bürgerlichen Lager schneller geschmolzen sind als die Alpengletscher dies tun. Diese meist selbsternannten Protagonisten der Schweizer Gegenwart wollen die Diskussion und dulden jede Meinung, sofern sie die Ihrige ist. Wohin ich komme im Land, und ich reise viel, sehe ich viele Talente, die nicht mehr zu Wort kommen und deshalb in die innere Emigration auswandern. Das sind Verluste für alle Parteien unserer grossen nationalen Koalition, die kaum noch in der Lage sind, in den Kantonen und Gemeinden alle öffentlichen Funktionen solide zu besetzen.

Schon Alexis de Tocqueville hat in seinem Buch „Über die Demokratie in Amerika“ das Prinzip „der Ausgrenzung der Anderen durch die Herrschenden“ als Vorstufe des Niedergangs der Demokratie bezeichnet. Diesen Zustand haben die USA längst erreicht, die sich in militärischen wie Wirtschaftskriegen verzehren, einen Schuldenberg vor sich herschiebend, der Generationen vernichtet.

Das Schweizer Volk, über Mitwirkungsrechte in der Politik verfügend wie weltweit kein anderes, hat längst erkannt, dass sein Land scheibchenweise verkauft wird. Die Zeit der Potemkin’schen Dörfer hat auch bei uns begonnen, wo das äussere Bild nicht mehr dem Inhalt entspricht.

Es wird sich zeigen, ob ein neuer Tell, ein Winkelried, ein Dufour oder ein Guisan aufsteht, der unsere Könige und Königinnen ohne Kleider beim Namen nennt. Ist dies nicht der Fall, geht der Ausverkauf weiter.

 

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