Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Tagesarchiv für 27. Juni 2014

Bürgerliche Fehlurteile

Freitag, den 27. Juni 2014 um 16:09

Als  Bundesrat Johann Schneider-Ammann sich in Rejkjavik vor den EFTA-Ministern dafür bedankte, dass er mit dem Schweizer Bundesrats-Flugzeug auf Island habe landen dürfen und Gegenrecht in der Schweiz zusicherte, hatte er für einen Augenblick vergessen, dass die Isländer aufgrund der Spekulationen ihrer Banken so arm sind, dass sich die dortige Regierung kein eigenes Flugzeug mehr leisten kann. Seine diplomatische Entgleisung wurde mit leichter Verwunderung aufgenommen.

Nicht minder verwirrt blickt man in Europa auf die Schweiz, wo man sich der Zuwanderung von Ausländern und deren Familien künftig verweigern will. Weder im Kreis der EFTA-Minister noch der EU-Granden hat man dafür Verständnis. Was bisher als mögliches Angebot der Schweiz nach Brüssel durchgesickert ist, so das Angebot der Unterstellung der Schweiz unter die europäische Gerichtsbarkeit, ohne diese voll anzuerkennen, löst Verwunderung aus.

Die Schweiz macht aussenpolitisch keine Fortschritte, sondern ist im Begriff, sich weiter zu isolieren. Der von dem Team Rossier/Burkhalter für das Jahr 2016 vorbereitete innenpolitische Durchbruch und ein dann möglicher aussenpolitischer Ausbruch stehen in den Sternen geschrieben. Vorläufig darf dies nur als Wahlkampf-Theater im Vorfeld der Herbstwahlen 2015 gehen. Didier Burkhalter will Bundesrat bleiben, was für Johann Schneider-Ammann nicht gesichert ist. Dem Freisinn, sonst ohnehin kaum mehr sichtbar, ist ein solches „rat race“ seiner beiden Spitzenpolitiker wenig dienlich.

Wie sehr gerade bürgerliche Menschen zu Fehlurteilen neigen, kann an zwei Beispielen verdeutlicht werden:

  • Die Amerikaner setzten im Irak auf Nuri al-Maliki als Ministerpräsidenten, der nun vor einem Scherbenhaufen steht, den er selbst verschuldet hat.
  • In der Schweiz wirbt die berühmteste St. Galler Privatbank mit dem Kopf des einst als Intellektueller geltenden US-Generals McChrystal, der in Afghanistan die Niederlage der westlichen Truppen nicht verhindern konnte und als „womanizer“ einen schmählichen vorzeitigen Abgang nahm. Soll man deshalb Geld auf die Bank tragen? Wer Dr. Konrad Hummlers Briefe nicht aufgrund eigenen Hirnschmalzes verfassen kann, muss den Spielerersatz doppelt sorgfältig auswählen.

Bürgerliche Fehlurteile beruhen fast immer auf bürgerlichen Ängsten. Was man selber denkt, soll ein Geheimnis bleiben, denn „Geld“ spricht nicht; Konrad Hummler war insofern eine Ausnahme. Der Ball soll immer im eigenen Spielfeld bleiben, damit keine Gewinnchance verloren geht. Derlei führt zu einer intellektuellen Inzucht, die den Niedergang von Firmen ebenso wie der Politik zur Folge hat.

 

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog