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Tagesarchiv für 20. Juni 2014

Wer adelt Dr. Christoph Blocher?

Freitag, den 20. Juni 2014 um 11:16

Bewegen sich unsere Parlamentarier im Ausland, haben sie, wie die deutschen und französischen auch, keine Chance gegen die Lords aus Grossbritannien. Ein von der Königin auf Vorschlag der Parteien geadeltes Parlamentsmitglied hat einen unvergleichlichen sozialen Rang, dem sich auch die Sozialdemokraten nicht entziehen wollen. Sie nennen sich „Her Majesty‘s loyal opposition“.

In der Schweiz haben wir einen Ausnahmepolitiker, Dr. Christoph Blocher, der sich seit Jahrzehnten Gegner suchen muss, um überhaupt Freude am politischen Leben zu haben. Jetzt ist wieder Helmut Hubacher an der Reihe, der achtungsvoll aufblickt zum vielgehassten früheren Gegner.

Blocher, vom Temperament her einem Seeräuberkapitän von der Art Sir Francis Drakes nicht unähnlich, kaperte zuerst die Firma EMS, um sie zu einem kleinen Weltkonzern zu machen, der heute von seiner Tochter Magdalena Martullo-Blocher geführt wird. Dann kaperte er die alte SVP, die vernachlässigt am Boden lag, und machte aus ihr die grösste Partei der Schweiz. Sein Vermögen verdiente er mit EMS und einigen glücklichen Finanzspekulationen, wo ihm sein Freund Martin Ebner behilflich war.

In England hätte Christoph Blocher längt den Adelstitel, in Frankreich hätte ihn die Regierung mit Auszeichnungen überschüttet. Nichts davon in der zwinglianisch-calvinistischen Schweiz, wo auch dem Sponsor von grossen Umbauten, wie dem des Klosters Rheinau, oder von Gotthard-Wanderwegen höchstens ein kurzes „scho recht“ entgegen schallt. Kunstsammlungen beeindrucken das Schweizer Volk schon gar nicht, denn derlei leisten sich höchstens Textil- oder Pharmabarone. Die Banken mussten die besten Stücke bekanntlich verkaufen.

So ist Christoph Blocher gezwungen, wie der ewige Jude durch die Schweiz zu wandern, Gegner suchend, Abstimmungen und Wahlen gewinnend, einmal  für das Kapital, dann wieder gegen es. Hätte man ihm die Chance gegeben, „Her Majesty‘s loyal opposition“ zu werden, gäbe es bei uns nicht nur Bezirksstatthalter, sondern echte Würdenträger seines Schlags. Er muss, dem Auftrag, den er sich selber gegeben hat, folgend, den „schleichenden EU-Beitritt“ bekämpfen, wo das globale Grosskapital die wertvollsten Teile der Schweizer Wirtschaft längst übernommen hat. Auch ein 5 Sterne-General, ein Schlossherr seines Zuschnitts, braucht manchmal einen Präsidenten oder einen König. Die Demokratie Schweizer Art kann gnadenlos sein, weil Nichtbeachtung einer Leistung das schlimmste Urteil ist.

 

 
     
     
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