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Tagesarchiv für 10. Juni 2014

Wie glaubwürdig sind die Medien?

Dienstag, den 10. Juni 2014 um 10:09

Für einen durchschnittlichen Schweizer Medienkonsumenten ist es undurchschaubar, wie es um die Glaubwürdigkeit der Medienberichterstattung bestellt ist. Erst aufgrund langjähriger Erfahrung und aufmerksamer täglicher Lektüre lässt sich einigermassen erkennen, wo eine Verlagsleitung oder Chefredaktion die Richtung oder die Grenzen der Berichterstattung setzt.

Ein gutes aktuelles Beispiel liefert die „Neue Zürcher Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom 10. Juni 2014. Dort veröffentlicht sie zwei Leserbriefe, die sich kritisch mit einem Artikel von NZZ-Redaktor Ulrich M. Schmid vom 3. Juni über die „gelenkten Medien“ in Russland beschäftigen. Ruth Obrist und Martin Hauser weisen darauf hin, dass auch in westlichen Staaten die Medien einseitig berichten würden. Auf der gleichen NZZ-Seite „Meinung und Debatte“ darf Alexander Golovin, der russische Botschafter in der Schweiz, in einem umfangreichen Artikel die „Haltlosen Vorwürfe gegen Russland“ in Sachen Krim publizieren. Die journalistische Ehre der NZZ ist gerettet, was sie nicht hindert, in der gleichen Ausgabe am Beispiel der Türkei „Medien als Mittel und Zweck“ zum Vorteil des Regierungschefs darzustellen. Ich warte auf neue Leserbriefe und einen Meinungsbeitrag, diesmal des türkischen Botschafters in Bern.

Wenn sogenannte „grosse“ Medien, die keine Fachzeitschriften sind, sich derart intensiv mit anderen Medien beschäftigen, ist dies nicht unbedingt ein gutes Zeichen; man könnte dies auch einen Mangel an Kohärenz oder Führung nennen. Mit der Ernennung von Colette Gradwohl als stv. Chefredaktorin und Peer Teuwsen als Verantwortlichen für grosse Reportagen, beide ausgeprägt linksliberale Journalisten, hat die NZZ, bewusst oder unbewusst, einen Gezeitenwechsel ausgelöst. Beide sind klassisch-antibürgerliche Journalisten, denen Munterkeit zugesprochen werden darf. Auf keinen Fall passen sie zur bisherigen NZZ-Kultur, die sich immer noch freisinnig nennt und Banken, Grosskonzernen, dem Bundesrat und der atlantischen Partnerschaft wohlgesonnen ist. Die NZZ, noch bis vor ca. 15 Jahren zu den europäischen Weltblättern zählend, rutscht damit geistig mehr denn je in die Deutschweizer Provinz ab. Meine These ist bekanntlich: Wo es, wie früher schon in Basel und Genf, kaum noch ein selbstbewusstes oberes Bürgertum mehr gibt, sondern die Gesellschaft sich aufteilt in eine sehr reiche A-Schweiz und eine gewerblich orientierte B-Schweiz, braucht es keine bürgerlichen Zeitungen mehr. Diese werden, wie es der Zürcher „Tagesanzeiger“ vormacht, zu einem urbanen Multi-Kulti-Blatt.

Der Glaubwürdigkeit der Medien dient dies alles nicht.

 

 
     
     
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