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Tagesarchiv für 30. April 2014

Der neue Sechseläutenplatz ist Bruno Kammerers Werk

Mittwoch, den 30. April 2014 um 8:41

Als der Zürcher Stadtrat unter Leitung seiner Stadtpräsidentin Corine Mauch den tatsächlich grossartigen neuen Sechseläutenplatz während Tagen feiern liess, wurde jener Mann vergessen, dem die Stadt Zürich diese Errungenschaft verdankt. Es war Jürg Rohrer vom „Tagesanzeiger“, der die amtierenden städtischen Eliten daran erinnerte, dass es das Engagement von SP-Gemeinderat Bruno Kammerer war, der mit einer „Koalition der Vernunft“ zwischen SP, FDP und CVP in den Jahren 1988-1998 die politische  Grundlage für die Schaffung dieses Platzes legte.

Während die privaten Parkhausbauer und -betreiber des Opernhaus-Parkings die Mitglieder der damaligen Verkehrskommission im Zürcher Gemeinderat, die von Bruno Kammerer präsidiert wurde, zu den Festivitäten zur Eröffnung des modernsten Zürcher Parkings in vorderster  Reihe eingeladen und mit Geschenken geehrt hatten, vergass das städtische Tiefbau-Departement selbiges. Der für das Fest zuständige Sachbearbeiter kannte weder den für Zürich wichtigen „Historischen Kompromiss“ noch die Verkehrskommission, die den neuen Sechseläutenplatz möglich gemacht hat. Unter den 600 offiziellen Gästen der Stadt Zürich gingen die Helden einer Koalition der linken Mitte, die von der SVP und den Grünen immer abgelehnt wurde, ganz einfach vergessen.

Bruno Kammerer, in Zürich geborener Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Edelschuhmachers, im Kreis 4 aufgewachsen, während 20 Jahren Aufsichtsrat an der Zürcher Kunstgewerbeschule, die in der Bauhaus-Nachfolge steht, und bekannter Grafiker, dessen Werke im Zürcher Stadtbild immer noch zu sehen sind, hat seit Jahrzehnten in Nordspanien, in Galizien, eine neue politische und künstlerische Heimat gefunden. Als enger Freund der spanischen Sozialdemokraten, wo er schon Felipe Gonzalez wertvolle Dienste leistete, wird er am kommenden 1. Mai, morgen, die Rede zum Tag der Arbeit in der andalusischen Hauptstadt Sevilla halten.

Der Kreis 4 hätte längst einen Bruno Kammerer-Platz verdient, denn schon sein Vater war es, der Lenin jenes berühmte Zimmer vermietete, in welchem der Vordenker der russischen Revolution im Jahr 1917 die Zeitschrift „Iskra“, der Funke, und die berühmte Schrift „Was tun?“ verfasste und von wo aus er mit seiner Frau, der Krupskaja, die berühmte Reise im versiegelten Zugwaggon von Zürich nach Sankt Petersburg, dem späteren Leningrad, angetreten ist.

Es war Jürg Rohrer vom „tagi“, der in einer politisch kurzatmigen Zeit die Verhältnisse ein wenig zurecht gerückt hat. Die „Neue Zürcher Zeitung“, die ob ihrer sich selbst zugesprochenen Grösse oft die Details zu vergessen liebt, schwieg, wie oft schon, zur Wirklichkeit. Immerhin hat Felix E. Müller, der Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“, in einem Leitartikel darauf hingewiesen, dass Zürich noch immer Angst vor der eigenen Grösse hat. Weder im Verkehr noch im Sport und schon gar nicht mit einem angemessenen Kongresshaus hat es Zürich bisher geschafft, die engen Grenzen politischen Kleinbürgertums zu durchbrechen.

Menschen wie Bruno Kammerer, der für eine Sozialdemokratie steht, die immer das Ganze im Blick hat, sind für Zürich immer wertvoller gewesen als die kurzatmigen Twitter-Politiker von heute es sind, die unter Politik und Kultur nur „action“ verstehen.

 

 

 
     
     
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