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Tagesarchiv für 25. April 2014

Die Schokoladen-Kirche

Freitag, den 25. April 2014 um 8:43

Wer den Unternehmer Ernst Tanner am 24. April 2014 an der Generalversammlung der Lindt & Sprüngli AG in Zürich erlebte, die er als Präsident des Verwaltungsrates leitete, erkannte schmerzlich, wie sehr die römisch-katholische Kirche, ebenfalls ein Weltkonzern, in Auftritt und Kommunikation versagt.

Ernst Tanner wurde von enthusiastischen fast 3000 Aktionären mit 97,9 Prozent der Stimmen entlastet, der Jahresbericht und die Geschäftsrechnung wurden mit 98,9% angenommen.

Kilchberg/ZH, als Vatikan der Schweizer Schokoladenindustrie, fand eine Woche nach dem christlichen Ostern, eine glanzvolle Anerkennung, weil Ernst Tanner vormachte, wie man ein Weltunternehmen führt: Einheitlich, kontrolliert, logistisch gut aufgebaut unter dem Druck laufender Prozessoptimierungen.

Tanners Osterpredigt während der Generalversammlung kann der Kirche eine Lehre sein, wie man aus Kunden Gläubige macht:

 

  • Feinste Schokoladestücken wurden den Aktionären gereicht, ganz so wie beim christlichen Abendmahl. Bei Lindt wird die Absolution von unten, von Hostessen, verabreicht, in der katholischen Kirche exklusiv von oben, von Geistlichen.
  • “Strangers in the night“ untermalte dies wesentlicher dezenter als ein Kirchenchor oder eine Orgel
  • Ernst Tanner als Hohepriester war umgeben von Topmanagern/Kardinälen sowie Finanzmanagern, die sein Reich über den Globus steuern
  • Während in den christlichen Kirchen meist ältere und relativ arme Menschen zu sehen sind, wandte er sich an den wohlhabenden Mittelstand der Welt.

Seine Botschaft lautete „100% Cacao“, ganz wie die Kirche „100% Glaube“ verlangt.

Weil Lindt, einer der erfolgreichsten Schweizer Konzerne, der sich seit Jahren in Expansion befindet, der Kirche ein Beispiel sein kann, wie man die Menschen erreicht, seien die wichtigsten Punkte erwähnt:

1. Qualitätsprodukt.

Bei Lindt ist dies jederzeit überprüfbar, in der Kirche weitaus weniger.

2. Die Konsumenten verstehen

Was Lindt meisterhaft tut, hat die Kirche total vernachlässigt.

3. Differenzierte Angebote bei Lindt via Flagship Stores und Lindt Boutiquen sind bei der Kirche vorhanden, aber unterbewertet.

Wie von Kilchberg aus der Genuss gepredigt wird, ist es bei der Kirche der Glaube. Angeführt von Ernst Tanner präsentieren sich strahlende Mitarbeiter, wie sie in unseren Kirchen, die voller Bedenkenträger(-innen) sind, selten anzufinden sind. Ernst Tanner predigt seinen Gläubigen: „Unsere Innovationen sind auch die Ihrigen.“

Ergebnis: Der Aktienkurs von Lindt & Sprüngli steigt, derjenige der Kirche sinkt laufend (leider).

 

 

Ist oder war Christoph Blocher genial?

Freitag, den 25. April 2014 um 8:32

Wer in 30 Jahren die Schweiz des späten 20. Jahrhunderts beschreiben wird, muss den Kampf zwischen nationalen Interessen und globaler Verankerung des Landes in den Mittelpunkt stellen. Innert eines halben Jahrhunderts wurde aus der völkischen Schweiz, die den Kalten Krieg nach zwei Weltkriegen erneut als Gewinner überlebte, einer der am meisten globalisierten Staaten der Erde.

In dieser historischen Situation hat der Unternehmer und spekulierende Investor Dr. Christoph Blocher mit der Schweizerischen Volkspartei (SVP) aus älteren Wurzeln eine neue politische Kraft geschaffen, welche die Erhaltung der politischen Unabhängigkeit mit der nahezu absoluten Freiheit für in- und ausländisches Kapital verband. Wie aus seinen zahlreichen Schriften hervorgeht, sah er das arbeitende Volk, dem die Wirtschaftsführer und Politiker „Aufträge“ erteilen, stets in Abhängigkeit von Weisungen von oben. Sein Glaube an die Basisdemokatie („Vernunft des Volkes“) im Unterschied zur Delegations-Demokratie (Parlamentarier) nahm in dem Masse zu, wie das Schweizer Volk ihn und seine Partei auf den Schild hob.

Wenn nun Thomas Zaugg im Verlag NZZ Libro das Buch  „Blochers Schweiz“ vorlegt, ist dies ein achtenswerter Versuch, den Ausnahmepolitiker in die Bande eidgenössischer Gewohnheiten einzubringen. Christoph Blocher selber, den Braten riechend, hat deshalb im „Magazin“ des Tages Anzeigers sofort widersprochen und offen gelassen, wie sich seine Persönlichkeit wirklich entwickelt hat. Es gilt für Menschen seiner Art die Regel, sich nicht fassen und erfassen zu lassen.

Weder Zaugg noch Blocher selber kamen auf einen Faktor zu sprechen, der für den nicht zu leugnenden Gesamtsieg des SVP-Politikers wesentlich ist: In Blocher haben wir die seltene Kombination von grossem Geld und lebhaftem Geist. Erst diese explosive Mischung von Anlagen und Fähigkeiten, ein für Schweizer Verhältnisse fast unbeschränkter Mitteleinsatz für eine ganzheitliche Kommunikation über Jahrzehnte hinweg, erklärt den ganzen Blocher, was seine Leistung mehr steigert als mindert.

Blocher braucht deshalb für die SVP den Wahlsieg im kommenden Jahr. Die Krönung seiner Karriere ist erst dann vollkommen, wenn die FDP durch den Verlust eines weiteren Bundesrates völlig geschlagen und die SVP durch die Wahl eines zweiten Bundesrates bestätigt ist. Die FDP in Teilen zu erhalten, macht für die Blocher‘sche SVP nur dann Sinn, wenn sie als Stütze der eigenen Macht dient. Es gilt die amerikanische Regel des „The Winner Takes it all“. Sie hat auch die Schweiz erfasst.

 

 

 
     
     
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