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Monatsarchiv für April 2014

Der neue Sechseläutenplatz ist Bruno Kammerers Werk

Mittwoch, den 30. April 2014 um 8:41

Als der Zürcher Stadtrat unter Leitung seiner Stadtpräsidentin Corine Mauch den tatsächlich grossartigen neuen Sechseläutenplatz während Tagen feiern liess, wurde jener Mann vergessen, dem die Stadt Zürich diese Errungenschaft verdankt. Es war Jürg Rohrer vom „Tagesanzeiger“, der die amtierenden städtischen Eliten daran erinnerte, dass es das Engagement von SP-Gemeinderat Bruno Kammerer war, der mit einer „Koalition der Vernunft“ zwischen SP, FDP und CVP in den Jahren 1988-1998 die politische  Grundlage für die Schaffung dieses Platzes legte.

Während die privaten Parkhausbauer und -betreiber des Opernhaus-Parkings die Mitglieder der damaligen Verkehrskommission im Zürcher Gemeinderat, die von Bruno Kammerer präsidiert wurde, zu den Festivitäten zur Eröffnung des modernsten Zürcher Parkings in vorderster  Reihe eingeladen und mit Geschenken geehrt hatten, vergass das städtische Tiefbau-Departement selbiges. Der für das Fest zuständige Sachbearbeiter kannte weder den für Zürich wichtigen „Historischen Kompromiss“ noch die Verkehrskommission, die den neuen Sechseläutenplatz möglich gemacht hat. Unter den 600 offiziellen Gästen der Stadt Zürich gingen die Helden einer Koalition der linken Mitte, die von der SVP und den Grünen immer abgelehnt wurde, ganz einfach vergessen.

Bruno Kammerer, in Zürich geborener Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Edelschuhmachers, im Kreis 4 aufgewachsen, während 20 Jahren Aufsichtsrat an der Zürcher Kunstgewerbeschule, die in der Bauhaus-Nachfolge steht, und bekannter Grafiker, dessen Werke im Zürcher Stadtbild immer noch zu sehen sind, hat seit Jahrzehnten in Nordspanien, in Galizien, eine neue politische und künstlerische Heimat gefunden. Als enger Freund der spanischen Sozialdemokraten, wo er schon Felipe Gonzalez wertvolle Dienste leistete, wird er am kommenden 1. Mai, morgen, die Rede zum Tag der Arbeit in der andalusischen Hauptstadt Sevilla halten.

Der Kreis 4 hätte längst einen Bruno Kammerer-Platz verdient, denn schon sein Vater war es, der Lenin jenes berühmte Zimmer vermietete, in welchem der Vordenker der russischen Revolution im Jahr 1917 die Zeitschrift „Iskra“, der Funke, und die berühmte Schrift „Was tun?“ verfasste und von wo aus er mit seiner Frau, der Krupskaja, die berühmte Reise im versiegelten Zugwaggon von Zürich nach Sankt Petersburg, dem späteren Leningrad, angetreten ist.

Es war Jürg Rohrer vom „tagi“, der in einer politisch kurzatmigen Zeit die Verhältnisse ein wenig zurecht gerückt hat. Die „Neue Zürcher Zeitung“, die ob ihrer sich selbst zugesprochenen Grösse oft die Details zu vergessen liebt, schwieg, wie oft schon, zur Wirklichkeit. Immerhin hat Felix E. Müller, der Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“, in einem Leitartikel darauf hingewiesen, dass Zürich noch immer Angst vor der eigenen Grösse hat. Weder im Verkehr noch im Sport und schon gar nicht mit einem angemessenen Kongresshaus hat es Zürich bisher geschafft, die engen Grenzen politischen Kleinbürgertums zu durchbrechen.

Menschen wie Bruno Kammerer, der für eine Sozialdemokratie steht, die immer das Ganze im Blick hat, sind für Zürich immer wertvoller gewesen als die kurzatmigen Twitter-Politiker von heute es sind, die unter Politik und Kultur nur „action“ verstehen.

 

 

Merkwürdige Appelle

Montag, den 28. April 2014 um 10:45

Das Vier Päpste-Turnier in der Vatikanstadt hat wieder einmal gezeigt: Die römisch-katholische Kirche verfügt über die global beste Erfahrung bei der Gestaltung grosser Anlässe. Möge der Hintergrund der beiden Heiligsprechungen noch so fragwürdig sein; das stets zum Jubel bereite Volk ist dankbar dafür.

Man sollte sich aber nicht der Täuschung hingeben, dies werde der gleichen Kirche in der Schweiz auch nur einen Gläubigen mehr bringen. Dies ist alleine die Leistung des kirchlichen Fussvolks, der Pfarrer. Diese müssen den Gläubigen und dessen Glauben auf einen stets aktuellen gemeinsamen Nenner bringen. Wo es gelingt, entsteht Leben.

Da junge Schweizerinnen und Schweizer aber vorzugsweise den Beruf des Theologen vorziehen, muss vor dieser Schein-Verwissenschaftlichung des Glaubens gewarnt werden. Wir haben zu viele Schweizer Theologen und noch mehr ausländische Pfarrer, die, mit wenigen Ausnahmen, nie ein Ersatz sein können für einen einheimischen Geistlichen. In der Bauindustrie würde man von Füllmaterial sprechen, weil der eigene Kern dies nicht mehr zu leisten vermag.

Deshalb sind die Aufrufe, welche wir aus dem Vatikan vernehmen, „grand théatre“ von Weltklasse. Dazu zähle ich auch die individuell-charmanten Auftritte gut gehaltener junger Damen, die in den Publikationen der UBS („Outlook Schweiz“) ebenfalls keine unwichtigen Appelle publizieren dürfen:

  • Mit blitzenden Zähnen ruft eine Veronika Weisser, Ökonomin: „Ältere Arbeitskräfte haben grosses Potential“. Sie denkt dabei weder an Kaspar Villiger, der sich nach einem Kurzzeit-Millionensalär aus der Bank wieder zurück gezogen hat, noch an Oswald Grübel, einst CEO der gleichen Bank, der einem afro-englischen Händler zum Opfer fiel. Vielmehr will Weisser die 1,3 Mio. 65-75jährigen gewinnen, die Lücken zu schliessen. Natürlich nicht im Bankmanagement, wo immer mehr Nichtschweizer das Tempo bestimmen, sondern in den einfacheren Rängen.
  • Sibille Duss, ebenfalls Ökonomin der gleichen prominenten Bank, genügt das nicht. Sie appelliert: „Frauen an die Arbeit“. Mehr Frauen müssten nicht teil-, sondern Vollzeit arbeiten.

Für beide Appelle gilt: Es geht weniger um das Glück der Menschen und ihrer Familien als um die Erwerbsquote. Für wen und mit welchem Ziel ein Mehrwert erarbeitet werden soll, bleibt bei der Grossbank ebenso unbestimmt wie im Vatikan. Eines ist sicher: Ohne glaubwürdige Pfarrer und Bankberater geht es in beiden Fällen nicht.

 

Die Schokoladen-Kirche

Freitag, den 25. April 2014 um 8:43

Wer den Unternehmer Ernst Tanner am 24. April 2014 an der Generalversammlung der Lindt & Sprüngli AG in Zürich erlebte, die er als Präsident des Verwaltungsrates leitete, erkannte schmerzlich, wie sehr die römisch-katholische Kirche, ebenfalls ein Weltkonzern, in Auftritt und Kommunikation versagt.

Ernst Tanner wurde von enthusiastischen fast 3000 Aktionären mit 97,9 Prozent der Stimmen entlastet, der Jahresbericht und die Geschäftsrechnung wurden mit 98,9% angenommen.

Kilchberg/ZH, als Vatikan der Schweizer Schokoladenindustrie, fand eine Woche nach dem christlichen Ostern, eine glanzvolle Anerkennung, weil Ernst Tanner vormachte, wie man ein Weltunternehmen führt: Einheitlich, kontrolliert, logistisch gut aufgebaut unter dem Druck laufender Prozessoptimierungen.

Tanners Osterpredigt während der Generalversammlung kann der Kirche eine Lehre sein, wie man aus Kunden Gläubige macht:

 

  • Feinste Schokoladestücken wurden den Aktionären gereicht, ganz so wie beim christlichen Abendmahl. Bei Lindt wird die Absolution von unten, von Hostessen, verabreicht, in der katholischen Kirche exklusiv von oben, von Geistlichen.
  • “Strangers in the night“ untermalte dies wesentlicher dezenter als ein Kirchenchor oder eine Orgel
  • Ernst Tanner als Hohepriester war umgeben von Topmanagern/Kardinälen sowie Finanzmanagern, die sein Reich über den Globus steuern
  • Während in den christlichen Kirchen meist ältere und relativ arme Menschen zu sehen sind, wandte er sich an den wohlhabenden Mittelstand der Welt.

Seine Botschaft lautete „100% Cacao“, ganz wie die Kirche „100% Glaube“ verlangt.

Weil Lindt, einer der erfolgreichsten Schweizer Konzerne, der sich seit Jahren in Expansion befindet, der Kirche ein Beispiel sein kann, wie man die Menschen erreicht, seien die wichtigsten Punkte erwähnt:

1. Qualitätsprodukt.

Bei Lindt ist dies jederzeit überprüfbar, in der Kirche weitaus weniger.

2. Die Konsumenten verstehen

Was Lindt meisterhaft tut, hat die Kirche total vernachlässigt.

3. Differenzierte Angebote bei Lindt via Flagship Stores und Lindt Boutiquen sind bei der Kirche vorhanden, aber unterbewertet.

Wie von Kilchberg aus der Genuss gepredigt wird, ist es bei der Kirche der Glaube. Angeführt von Ernst Tanner präsentieren sich strahlende Mitarbeiter, wie sie in unseren Kirchen, die voller Bedenkenträger(-innen) sind, selten anzufinden sind. Ernst Tanner predigt seinen Gläubigen: „Unsere Innovationen sind auch die Ihrigen.“

Ergebnis: Der Aktienkurs von Lindt & Sprüngli steigt, derjenige der Kirche sinkt laufend (leider).

 

 

Ist oder war Christoph Blocher genial?

Freitag, den 25. April 2014 um 8:32

Wer in 30 Jahren die Schweiz des späten 20. Jahrhunderts beschreiben wird, muss den Kampf zwischen nationalen Interessen und globaler Verankerung des Landes in den Mittelpunkt stellen. Innert eines halben Jahrhunderts wurde aus der völkischen Schweiz, die den Kalten Krieg nach zwei Weltkriegen erneut als Gewinner überlebte, einer der am meisten globalisierten Staaten der Erde.

In dieser historischen Situation hat der Unternehmer und spekulierende Investor Dr. Christoph Blocher mit der Schweizerischen Volkspartei (SVP) aus älteren Wurzeln eine neue politische Kraft geschaffen, welche die Erhaltung der politischen Unabhängigkeit mit der nahezu absoluten Freiheit für in- und ausländisches Kapital verband. Wie aus seinen zahlreichen Schriften hervorgeht, sah er das arbeitende Volk, dem die Wirtschaftsführer und Politiker „Aufträge“ erteilen, stets in Abhängigkeit von Weisungen von oben. Sein Glaube an die Basisdemokatie („Vernunft des Volkes“) im Unterschied zur Delegations-Demokratie (Parlamentarier) nahm in dem Masse zu, wie das Schweizer Volk ihn und seine Partei auf den Schild hob.

Wenn nun Thomas Zaugg im Verlag NZZ Libro das Buch  „Blochers Schweiz“ vorlegt, ist dies ein achtenswerter Versuch, den Ausnahmepolitiker in die Bande eidgenössischer Gewohnheiten einzubringen. Christoph Blocher selber, den Braten riechend, hat deshalb im „Magazin“ des Tages Anzeigers sofort widersprochen und offen gelassen, wie sich seine Persönlichkeit wirklich entwickelt hat. Es gilt für Menschen seiner Art die Regel, sich nicht fassen und erfassen zu lassen.

Weder Zaugg noch Blocher selber kamen auf einen Faktor zu sprechen, der für den nicht zu leugnenden Gesamtsieg des SVP-Politikers wesentlich ist: In Blocher haben wir die seltene Kombination von grossem Geld und lebhaftem Geist. Erst diese explosive Mischung von Anlagen und Fähigkeiten, ein für Schweizer Verhältnisse fast unbeschränkter Mitteleinsatz für eine ganzheitliche Kommunikation über Jahrzehnte hinweg, erklärt den ganzen Blocher, was seine Leistung mehr steigert als mindert.

Blocher braucht deshalb für die SVP den Wahlsieg im kommenden Jahr. Die Krönung seiner Karriere ist erst dann vollkommen, wenn die FDP durch den Verlust eines weiteren Bundesrates völlig geschlagen und die SVP durch die Wahl eines zweiten Bundesrates bestätigt ist. Die FDP in Teilen zu erhalten, macht für die Blocher‘sche SVP nur dann Sinn, wenn sie als Stütze der eigenen Macht dient. Es gilt die amerikanische Regel des „The Winner Takes it all“. Sie hat auch die Schweiz erfasst.

 

 

Frühe Zeichen der Dekadenz

Dienstag, den 22. April 2014 um 10:15

René Lüchinger macht einen „Blick“, der langsam wieder an Schwung gewinnt. Einmal will er einen ganz neuen Bundesrat, was niemand ernst nimmt, dann spiesst er Schweizer Prominenz auf, was diese im allgemeinen wenig schert.

Jetzt präsentiert er das letzte Playgirl der Schweiz oder, besser gesagt, die erste Play-Grossmutter der Schweiz, Vera Dillier als Kolumnistin unter dem Titel „Meine geile Welt“. Dort beschreibt VD, wie sie morgens ihre drei Hunde mit Alaska Lachs und Joghurt füttert und in ihrer goldenen Badewanne darüber sinniert, ob sie „den attraktiven jungen Mann gleich in die Wanne“ nehmen soll. Geht aber nicht, es ist ihr Neffe. Der wird sich sicher freuen, seine alte Tante im Bad zu besuchen. Das erinnert mich an alt Banker Rainer E. Gut, der in der „Schweizer Illustrierte“ auch einmal seinen Sohn als Servierboy auftreten liess.

Derlei Vorgänge zeigen ein Schweizer Bürgertum in der beginnenden Dekadenz. Man zelebriert seinen Wohlstand ohne Hirn, damit die immer spärlicheren „Blick“-Leser bei der Stange bleiben.

Wo Unfähigkeit belohnt wird, ist Dekadenz nicht weit. Ein gutes Beispiel dafür ist der ehemalige Schweizer Staatssekretär für Bildung, Charles Kleiber, der auf Druck von alt Bundesrätin Ruth Dreifuss nach Bern beordert wurde, wo in Kleibers relativ kurzer Dienstzeit niemand recht begriff, was, ausser dem Besuch von Konferenzen, er eigentlich tat. Kleiber, in jungen Jahren ein bekennender Trotzkist, brachte, dies die Grundlage seiner Karriere, in der Westschweiz eine grosse Spitalfusion zustande. Als er dies in den letzten zwei Jahren im Wallis wiederholen sollte, scheiterte er an den Umständen, u.a. an den regierenden Staatsräten.

Das Gegenteil von Dekadenz ist das erfolgreiche, zielgerichtete Tun. Nestlé-Präsident Peter Brabeck-Letmathé ist dies in letzter Zeit so wenig gelungen wie den Spitzen der Zürcher Kantonalbank, die von ihren politischen Vorgesetzten brutal abgestraft wurden. Wir dürfen uns glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, die derlei Wandel deutlich macht.

 

Koschere Komiker

Mittwoch, den 16. April 2014 um 10:34

Wir haben, vielleicht nach denjenigen in Südkorea, Nigeria und Argentinien, die koschersten Komiker der Welt. Sie witzeln nach den Regeln, die Staat und bürgerliche Gesellschaft ihnen vorgeben. Aus einem Giacobbo einen Beppe Grillo zu machen, hiesse den Türlersee zu einem Mare Nostrum auszudehnen; undenkbar.

Warum lieben wir also unsere Komiker, die mit sanften Wortspielen und kecken Nebensätzen, mit unsäglichen Bastelsätzen, die nie fertig werden (Nadeschda) ihr leicht zufrieden zu stellendes Publikum amüsieren? Sie üben Kritik, wie sie bei uns erlaubt ist: staatstragend, immer positiv, weniger aggressiv als der baselstädtische Kirchenrats-Präsident Kundert, wenn er einem Arbeiter, der ihm den am Münster reservierten Parkplatz für zwei Minuten nimmt, ans Bein fährt.

Giacobbo/Müller ist so langweilig wie „Das Zelt“; sogar Massimo Rocchi  verschweizert allmählich und geht in der Sauce des allgemeinen Wohlbefindens unter. Wir brauchen unsere Komiker, denn wir wissen, sie sind Zecken ohne Gift. Was sie sagen, juckt, aber gefahrlos.

 

Der wahre Fortschritt

Dienstag, den 15. April 2014 um 9:26

Wenn der ehemalige Zürcher Regierungsrat Markus Notter behauptet, das Projekt des Hafenkrans an der Limmat habe Zürich bereits ein Stück weit verändert, fragt sich nur, wohin?

Während Zürich den Bau eines rostigen Hafenkrans aus der ostdeutschen Stadt Rostock an der Limmat als kulturellen Fortschritt feiert, will die Universität Rostock den ehemaligen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes Edward Snowdon zum Ehrendoktor ernennen. Wer ist nun fortschrittlicher, die Rostocker oder die Zürcher.

Für Zürichs liberalen Ruf in der Welt wäre es wohl bedeutender gewesen, wir hätten den alten Hafenkran an der Ostsee belassen und die ETH Zürich hätte Snowdon zum Ehrendoktor ernannt.

Den Hafenkran mit dem Eiffelturm zu vergleichen, wie Markus Notter dies tut, ist lachhaft. Der Eiffelturm war bei seinem Bau ein Symbol des technischen Fortschritts, der Hafenkran steht für Massengüter, wie sie seit 500 Jahren verladen werden. An der sensiblen Limmat vor einem Stadtbild von seltener Filigranität ein derartiges Rostmonster aufzustellen, ist ein Zeichen von bildungsferner Geschmacklosigkeit.

 

Der „City State Switzerland“ wächst.

Donnerstag, den 10. April 2014 um 10:54

Der Bundesrat hat nun beschlossen, was die Credit Suisse schon im letzten Jahr in einer Studie verlangte. Die Schweiz soll Platz bieten und ausgebaut werden können für bis zu elf Millionen Menschen. Das ist ein guter Entscheid, denn der Weg der Schweiz zu einem der zwölf führenden City States der Welt ist unabwendbar.

Mit derzeit 8,2 Mio. Einwohnern spielen wir in der gleichen Liga wie London (8,3 Mio E.) und New York (8,3 Mio. E.). Wir liegen knapp vor Hong Kong (7,2 Mio. E.) und deutlich vor Singapur (5,2 Mio. E). Mit 11 Mio. Einwohnern in der Schweiz lägen wir vor Paris (heute 10,4 Mio. E.) und vor Tokyo (heute 9 Mio. E.). Moskau (12 Mio), Shanghai (17,8 Mio.) und Mumbai (12,5 Mio. E.) blieben weiterhin um einiges grösser.

Wie die noch 2 600 Schweizer Gemeinden immer mehr Autorität an die Kantone abgeben und die Kantone immer abhängiger werden von Entscheiden des Bundes, wird die vom Bund geplante Aufhebung des Schweizer Bankgeheimnisses im Inland dazu führen, dass die kantonalen Grenzen immer unwichtiger werden. Sie bieten dann keinen Schutz mehr vor dem Durchgriff der Finanz- und Steuerverwaltung. Es sieht auch ganz so aus, als würden die Kantonalbanken in eine dauerhafte Phase der Schwächung geraten, das gleiche gilt für die kantonale Energiewirtschaft.

Der City State Switzerland, grüner noch als London, wo 40% der Fläche grün sind, wird zum schönsten City State der Welt, denn grosse Seen und mächtige Berge sind an der Themse nicht zu finden. Wie heute die Bezirkspräfekten bei uns als Erinnerung an napoleonische Zeiten Verantwortung im Rumpfzustand tragen, werden unsere Institutionen, die in Jahrhunderten gewachsen sind, zurück gebaut. In den Schweizer Metropolen wachsen die Hochhäuser, während hinten in den Wäldern die Wölfe heulen und die Bären die Bienenstöcke plündern.

Die heranwachsende Jugend wird sich nicht daran stören, denn Armee und Wilhelm Tell werden neu sein wie demnächst die neue Landeshymne. Die neuen elektronischen Medien sind von ihrer Natur her urban und global. There is no way back.

 

Die Schweiz kommt in Schräglage

Dienstag, den 8. April 2014 um 15:01

Wie sich zeigt, bleiben die Minder- und die Zuwanderungs-Initiative nicht ohne Folgen: das 70 Jahre dynamische Gebilde der Schweizer Wirtschaft und Wissenschaft kommt unter dem neo-nationalen Druck ins Rutschen, die sensiblen Gleichgewichte verschieben sich.

Der bevorstehende Abgang von Weatherford nach Irland macht niemand nervös, wohl aber die Absicht der irischen Wirtschaftsförderung, noch mehr Firmen aus der Schweiz auf die grüne Insel locken zu wollen. Wir sind nicht mehr Angreifer, sondern müssen defensiv reagieren, wobei wir nicht wissen, wo die Iren und andere angreifen werden.

Die grossen Universitäten in Paris, London und Madrid, wohin es viele Schweizer Studenten für ein oder mehrere Semester zieht, haben ihre Tore im Rahmen des Erasmus-Programms für Schweizer Studenten geschlossen. Ist sich Dr. Christoph Blocher eigentlich bewusst, was er damit anrichtet? Er wird ausrufen, es gäbe noch genügend andere Universitäten in der Welt, die Schweizer Studenten gerne aufnehmen, aber dürfen wir deshalb die Zeichen an der Wand übersehen?

Nestlé-Präsident Peter Brabeck-Letmathé hat soeben darauf hingewiesen, dass er gegenüber den ausländischen Aktionären des Nestlé-Konzerns sich rechtfertigen müsse, wenn er zu viel in der Schweiz investiere. Trotz vieler Standortnachteile, darunter der Wechselkurs des Frankens, wolle man aber in der Schweiz bleiben. Bestätigt wird Brabeck von Remo Lütolf, dem CEO der ABB Schweiz. Lütolf sagt, die politischen Unsicherheiten würden den Wohlstand der Schweiz gefährden. ABB werde die Schweiz nicht verlassen, müsse aber prüfen, ob Investitionen künftig noch in der Schweiz oder anderswo stattfinden.

Gerhard Schwarz, Direktor der Avenir Suisse, der schon seines Berufes wegen die Nase weiter vorn im Wind haben muss, nennt die Herausforderung beim Namen: „Es braucht die konstruktiven Kräfte im Land, keinen unehrlichen Respekt  vor dem Volkswillen.“ Wer immer vom ehemaligen Wirtschafts-Chef der NZZ zur „konstruktiven  Kraft“ ernannt wird, muss sich mit Christoph Blocher und dessen „Manne und Fraue“ wie auch den Grünen und Roten auseinandersetzen. Warum der Milliardär Blocher der Schweizer Wirtschaft das Messer in den Rücken sticht, kann ich mir nur so erklären, dass er im Alter Revierschutz betreibt: Wo er seine Milliarden verdient hat, soll niemand anders es ihm gleichtun können. Die Schweizer Studenten und viele andere haben zunehmend keinen Grund, ihm dafür dankbar zu sein.

 

Schweizer Schlagseite von rechts

Montag, den 7. April 2014 um 15:53

Thomas Held, der einmal eine Stimme der radikalen Linken war, die als Vorstufe des Kommunismus den Sozialismus wollte, hat im „Magazin“ der tamedia-Gruppe, die mit Pietro Supino von einem exMcKinsey-Berater geführt wird, die Angst vor der „Diktatur der Demokratie“ ausgerufen. Wer in den Spitzenetagen der Schweizer Wirtschaft Eingang hat, wie Thomas Held, der Dr. Christoph Blocher punktuell berät, spürt die Angst vor der Schweizer Basisdemokratie allerorten.

Peter Brabeck-Letmathé, VR-Präsident von Nestlé, hat jetzt überaus deutlich gemacht, dass er für Nestlé und dessen vorwiegend globalen Aktionäre arbeitet. Diese aber wollen den Einfluss der Schweiz auf den Konzern einschränken, die Produktion in der Schweiz globalisieren, weniger eine Nestlé-Schweiz als eine weiter globalisierte Nestlé haben.

Was für Nestlé gilt, trifft auch für Novartis, die künftige Lafarge-Holcim oder UBS/CS zu. Unser vom Team Minder-Blocher-SGB verführtes Schweizer Volk will den Rückzug in die alten heimischen Stellungen, assistiert von Philipp Müller, der als Unternehmer nur in einem Aargauer Tal erfolgreich war, während die grossen Konzerne sich die Frage stellen, ob die Schweiz noch ein Land der Zukunft ist.

Sie ist es nur dann, wenn sie nicht die rechte Flanke, sondern das globale Mittelfeld bespielt. Alt Bundesrat Moritz Leuenberger war als Verwaltungsrat der Implenia-Gruppe so wenig erfolgreich wie Kaspar Villiger als Kurzzeit-VRP des UBS-Konzerns. Thomas Held hat es – Trendsetter, der er immer war – erkannt: „Die Diktatur der Demokratie“ ist für die Zukunft der Schweiz ein Hindernis. Es wird noch ein wenig dauern, bis man dies in Bern begreift.

 

 
     
     
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