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Monatsarchiv für März 2014

Werden Sie Pfarrer in Zürich!

Freitag, den 28. März 2014 um 12:04

Dem Boom der elektronischen Medien parallel läuft seit Jahren ein Boom der Magazine, wo hübsche Mädchen, Männer, Autos, Boote und Flugzeuge sich im Wechsel ablichten lassen. Eine gewisse Monotonie dieser von Fotografen und Grafikern bestimmten Gattung ist nicht zu leugnen.

Das einst renommierte „Bulletin“ der Credit Suisse, ein Unternehmen, das sonst streng nach den Prinzipien von McKinsey optimiert wird, beschäftigt sich in seiner jüngsten Ausgabe mit „Arbeit“ in mehr oder weniger angenehmen Formen. Auch dort gibt es Trouvaillen, nimmt man die „Arbeit des Lesens“ auf sich, wie der Gebrauchsschriftsteller Peter Schneider verlangt.

Zu lesen ist, dass die Pfarrer der Zürcher Landeskirche nach Controllern im Finanzbereich und Schweizer Botschaftern im Ausland die bestverdienenden Arbeitnehmer sind. Insofern ist diese Darlegung zu ergänzen, als es sich dabei nur um die reformierten Pfarrer im Kanton Zürich handelt, während die römisch-katholischen Angehörigen der Landeskirche deutlich schlechter bezahlt sind.

Weitere Überraschungen: Berufsoffiziere der Schweizer Armee liegen auf Platz 5, obwohl die Schweizer Armee seit 180 Jahren keinen Krieg mehr geführt hat. Da ich etliche Angehörige dieser Gattung kenne, kann ich nur sagen: überbezahlt, auch bei Frühpensionierung. Dass Förster auf Platz 6 gleich folgen, noch vor normalen Bankangestellten, war mir neu. Es zeigt die Macht der Verwaltung. Sozialarbeiter verdienen bei uns so viel wie normale Bankangestellte, Journalisten, die bekanntlich einen üblen Ruf haben, so viel wie Assistenzärzte.

Was ein Mensch verdient, hat mit Leistung meist wenig zu tun. Worum ist es der CS wirklich geht, sagt Deutschlands blauäugiger und langhaariger Modephilosoph Richard David Precht in der gleichen Ausgabe: „Wir sollten alles daran setzen, dass unsere Kinder auf dem Arbeitsmarkt bestehen können.“ Besser haben es die Sklavenhalter des 19. Jahrhunderts auch nicht formuliert.

 

Ecopop macht aus der Schweiz ein Museum

Freitag, den 21. März 2014 um 14:55

Wird die ecopop-Initiative angenommen, wird die Schweiz rascher als gedacht zu einem Museum, bevölkert von lauter alternden Mittelständlern, die Mozart hören und zuhause Klavier spielen. Sie wandern gerne durch die Botanischen Gärten und trinken Tee, um hinter ihren schweren Gardinen ganz leise im Dialekt über Anstand und Formen zu sprechen.

Keine Kinder mehr im eigenen Land, Präservative für die Kameruner und Ghanaer, damit sie nicht zu uns flüchten müssen, so stellen sich Sekundarlehrer, Beamte vierter Klasse und Architekten die Zukunft der Schweiz vor. Das ist lachhaft.

Nach der grossen Pest im Mittelalter, als die römisch-katholische Kirche die Hebammen ausrotten liess, die wussten, wie man Verhütung betreibt, wuchsen die Massen in Europa rasch wieder heran. Es begann das Zeitalter der Erkenntnis und der Welteroberung.

Jetzt machen wir uns mehr Sorgen darüber, ob man auch kranke Kinder früh töten lassen kann oder ob lebensmüde, aber sonst nicht kranke Ältere umgehend in ein Sterbehospiz einrücken sollten.

Der Marokkaner Mulay Ismail (1645-1727) hat nach eigenen Angaben knapp 900 Kinder gezeugt. Manche sprechen auch von über 1000 Kindern dieses Vaters, da er 600 Söhne offiziell anerkannte.

Unsere Kein-Kinder- oder Ein-Kinder-Familien sind bereits ecopop-gestylt, dessen Gründer selbst drei Kinder als die seinigen bezeichnet. In allen besseren Familien, die über ein grösseres Vermögen verfügen, sind 4-5 Kinder die Regel. Dies bedeutet, dass nur die Reichen sich mehr Kinder leisten können, während das scheinemanzipierte Volk sich freiwillig früh auslöscht.

Diese alternde Schweizer Bevölkerung nach Annahme von ecopop wird die an unseren ETH’s von ausländischen Forschern betriebe Innovation einstellen, die EMS-Chemie und andere werden sich in Kasachstan niederlassen, wo es noch talentierten Nachwuchs gibt. Die Schweiz wird langsam vertrocknen wie der Merkur. Die lustige Jugend gibt es nicht mehr, es sei denn in streng geschützten Reservaten, wo die letzten Exemplare von Wilhelm Tell vereinsamt spielen. Heimische Gespielinnen werden zu Höchstpreisen versteigert. Das ist schön wie der Karneval in Venedig.

 

Ein Albtraum-Bundesrat

Mittwoch, den 19. März 2014 um 16:25

Fünfzehn Monate vor den nächstjährigen Nationalratswahlen rutscht unser Bundesrat ins Tief. Das glänzende Bild der „Vier Frauen – Drei Männer“-Mannschaft an der Staatsspitze hat sich längst aufgelöst in ein Baustein-Szenario, das nicht mehr zusammen passen will.

  • Bundespräsident Didier Burkhalter jettet als Aussenminister durch Europa und die Welt, ohne dort nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Sein Staatssekretär Yves Rossier, dessen waghalsige diplomatischen Konstruktionen, sich jetzt in Brüssel beweisen müssen, verlangt nur eines: Zeit.
  • Die bisher als Hochleistungs-Bundesrätin aufgetretene Doris Leuthard wird an ihrer Energiepolitik ebenso scheitern wie die deutsche Kanzlerin Angelika Merkel. Die Verkehrspolitik wird in den kommenden 20 Jahren nur Ärger bereiten und als Medienpolitikerin ist die glanzvolle Aargauerin nie in Erscheinung getreten.
  • Simonetta Sommaruga geht in den Wogen der Zuwanderung unter. Wo Manager gefragt sind, hat sie nur Gutmenschen um sich, welche die Empörung weiter Teile des Volkes auslösen. Der ganze Schweizer Justizapparat bis hinauf ins Bundesgericht bedarf längst einer Erneuerung.
  • Ueli Maurer führt eine Armee, deren Lustlosigkeit unübersehbar ist. Jetzt muss er auch für den Gripen antreten, ein Flugzeug, an das niemand glaubt oder dies nur auf Befehl tut.
  • Eveline Widmer-Schlumpf geht zusammen mit dem Finanzplatz Schweiz unter. Sie hat ihn nicht retten können. Was jetzt geschieht, geschieht ohne sie. Sie bleibt Finanzministerin ohne Fortüne.
  • Johann Schneider-Ammann ist, auch für seine Freunde, ein Ritter der traurigen Gestalt geworden. Er müht sich, ohne sich verständlich machen zu können. Muss die FDP im kommenden Jahr auf einen Bundesrat verzichten, wird er wohl das Bauernopfer werden.
  • Bundesrat Alain Berset ist heute Hoffnungsträger wie es seine Co-Bundesräte vor wenigen Jahren auch einmal waren. Ob er im Gesundheitswesen oder der sozialen Sicherheit je Pflöcke wird einschlagen können, ist ungewiss.

Derweil läuft die Schweizer Wirtschaft wie am Schnürchen. Weil mit nachlassenden Steuereinnahmen zu rechnen ist, dürften viele Gemeinden und Kantone nach sieben guten Jahren in sieben schlimme  abrutschen. Das gibt der jetzigen Politiker-Generation Zeit zu überdauern. Es sei denn, das für die Elite zunehmend unberechenbar gewordene Schweizer Stimmvolk werde noch wütender als viele es heute schon sind. Niemand glaubt ernsthaft, der amtierende Bundesrat könne das Steuer vor den kommenden Wahlen herumreissen.

 

NZZ goes East.

Montag, den 17. März 2014 um 10:13

Von den grossen Schweizer Verlagshäusern war die NZZ-Mediengruppe in den letzten 20 Jahren die am wenigsten dynamische. Heute ist sie mit knapp einer halben Milliarde Umsatz ein KMU, dem weiterhin die Umsätze im Printbereich wegbrechen. Jetzt auch bei den einst erfolgreichen Regionalmedien. Grosse Veränderungen zeichnen sich ab.

Dies dem neuen CEO Veit Dengler anzulasten, wäre falsch. Die Fehler wurden in der „Ära Hugo Bütler“ gemacht, einem der letzten Kalten Krieger in der Schweizer Medienlandschaft. CEO „Polo“ Stäheli konnte das serbelnde Medienschiff nicht wenden. Der Versuch, mit dem intellektuellen St. Galler Bankier Dr. Konrad Hummler den Verwaltungsrat zu dynamisieren, misslang, weil er zu einem der ersten Opfer des unzulänglich verteidigten Finanzplatzes Schweiz gemacht wurde.

Veit Dengler, der auch ein erfolgreicher österreichischer Politiker ist, will nun mit Fr. 10 Mio. in der Tasche die NZZ in seiner österreichischen Heimat verankern. NZZ goes East oder Flucht in den Osten? Auf jeden Fall muss dieser Entscheid misstrauisch machen, denn eine Schweiz in der Krise verlangt eine starke NZZ. Von Investitionen in die Schweizer Redaktion ist, ein gutes Jahr vor den Wahlen im Herbst 2015, von der Falkenstrasse nichts zu vernehmen. Ganz offensichtlich ist auch im Verwaltungsrat, der von einem erfolgreichen Pharmahändler geführt wird, der politische Wille nicht so ausgeprägt, dass dies Konsequenzen für  redaktionelle Investitionen im eigenen Markt begünstigt.

Veit Denzler will offensichtlich eine „Neue Neue Zürcher Zeitung“, nachdem die bedeutendste Tageszeitung der Schweiz, als „Zürcher Zeitung“ gegründet, bald einmal Pleite ging, um als „Neue Zürcher Zeitung“ eine über 250jährige Karriere zu machen. Seine „Neue Neue Zürcher Zeitung“ soll mehr international und mehr digital werden. Um den Schweizer Kernbestand, darunter vor allem auch die Regionalredaktionen in Luzern und St. Gallen, ist es nicht gut bestellt, denn die NZZ-Mediengruppe braucht mehr als Fr. 10 Mio. an Cash, um ihre Zukunft zu gestalten.

 

 

Sehr geehrter Herr Stöhlker

Mit Interesse habe ich Ihren Blog gelesen, in welchem Sie über die NZZ schreiben (NZZ goes East vom 17. März 2014)

Offensichtlich haben Sie da etwas missverstanden, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Die  NZZ-Mediengruppe investiert 10 Mio. Franken in das Wachstum ihres Kerngeschäfts und baut die Publizistik vor allem bei der «Neuen Zürcher Zeitung» aus – also im Heimmarkt Schweiz.  In Zeiten, in denen andere vor allem auf Kostensenkungen bauen, setzten wir darauf, unser Angebot – vor allem im Digitalbereich – zu erweitern, um neue Kunden zu gewinnen. Natürlich in gewohnter NZZ Qualität – und in der Schweiz. Das wurde bereits  im Januar von uns 2014 entsprechend kommuniziert. vgl. www.nzzmediengruppe.ch.

 

Es würde mich freuen, wenn Sie die Fakten in Ihrem Blog entsprechend korrigieren.

 

Besten Dank.

 

Freundliche Grüsse

Bettina Schibli

NZZ-Mediengruppe
Bettina Schibli
Leiterin Unternehmenskommunikation

NZZ-Management AG  | Falkenstrasse 11  | CH-8008 Zürich
Telefon +41 44 258 14 05
bettina.schibli@nzz.chwww.nzz.ch

Ein Unternehmen der NZZ-Mediengruppe

 

 

Gibt es eine konservative Politik?

Freitag, den 14. März 2014 um 11:36

Unsere Schweizer Konservativen teilen sich in den starken Vaterlandsflügel der SVP und den schwachen Katholikenflügel der CVP. Während die CVP einigermassen unglücklich um die Partnerschaft des BDP wirbt, der sich ziert, ist sich Dr. Christoph Blocher samt Frau nicht zu schade, die Trauerfeier für den rechtsradikalen Tessiner Anarchisten Bignasca zu besuchen, dessen wichtigste Freunde bei der italienischen Liga Nord zu finden sind. Die FDP, einst Bühne, grosser konservativer Geister, ist auf Stammtisch-Niveau abgesunken. Die SP Schweiz, eine eigentliche Politik suchend, hat sich zur konservativen Besitzstandwahrerin für Angestellte und Beamte entwickelt.

Gibt es noch eine konservative Politik? Der langjährige tschechische Präsident Vaclav Klaus lebt in der Pension; seine jüngeren Mitbürger haben sich entschlossen der EU zugewandt, d.h. in erster Linie den deutschen Konzernablegern, die aus Tschechien ein Bayern-Ost gemacht haben, einen günstigeren Produktionsstandort als es Deutschland selber zu bieten vermag.

Nun legt der deutsche CDU-Altpolitiker Meinhard Miegel das Buch „Hybris“ vor. Dies bezieht er nicht auf übergrosse Saläre und Boni, wie man annehmen möchte. Vielmehr beginnt bei ihm die Hybris der Moderne vor rund 500 Jahren, als man katholische Bescheidenheit abzulegen begann, um die Erde aufgrund eigener Leistungen und nicht nur im Gebet weiter zu entwickeln. Miegel, den Stress der Gegenwart schildernd, empfiehlt zur Erhaltung der Menschenwürde „das gute irdische Leben in Musse und Freuden“. Das Leben als Konsument bedeute eine Binnen-Kolonisierung, die es zu vermeiden gelte. Diese „Verwirtschaftlichung“ führe zur globalen, nationalen und individuellen Erschöpfung.

Was tun? Gemäss Miegel sollen die Chefs gegenüber ihren Mitarbeitern „ein Höchstmass an Einfühlungsvermögen zeigen“. Die Mitarbeiter seien angewiesen, Improvisationsfähigkeit und Anpassungsvermögen zu beweisen.

Diese neue konservative Politik wird von Nils Minkmar in der angesehenen „FAZ“ bereits in allen Tönen gelobt. Bescheidenheit ist angesagt, sei es für die heutigen oder die morgigen Verlierer; die wenigen Sprinter einmal ausgenommen.

 

Weltoffene Schweiz mit Reserve-Politikern

Mittwoch, den 12. März 2014 um 9:36

Weil Europas politische Elite die Schweiz meidet, Kanzlerin Angelika Merkel zuerst, müssen sich unsere Schweizer Medien und Edelveranstalter mit europäischen Reserve-Politikern begnügen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat seit einigen Monaten Wolfang Schüssel als weltpolitischen Kommentator ausgegraben. Der österreichische Ex-Kanzler ist nach einer wenig rühmlichen Karriere in ähnlichen Nebeln wie Tony Blair verschwunden; mal sieht man sie, dann wieder weniger.

Der glücklose Chef der deutschen FDP und Aussenminister ohne Fortüne Guido Westerwelle darf für die deutsche Monatszeitschrift in der Schweiz „Bilanz“ talken. Ob „Mr. 18%“ seine Partei via Umweg Schweiz retten kann oder die von ihm stets verlangte Zuwanderung der EU-Europäer in die Schweiz, ist eher zu bezweifeln.

Matteo Renzi, der Italien demnächst aus dem Sumpf ziehen will, hat noch keine Einladung in die Schweiz erhalten. Der grün-konservative Berlusconi-Zögling sieht auch optisch unserem Präsidenten der Grünliberalen, Martin Bäumle, ähnlich. Die beiden männlichen Alpha-Tiere müssten sich gut verstehen.

Weder Putin noch Hollande oder Rajoy wollen sich demnächst in der Schweiz zeigen. Sie müssten sonst fürchten, wie einst Evita Peron, als diese den Helvetiern die Ehre antat, es würde ihnen unterstellt, auch private Millionen unter der Hand zu waschen.

Stürzende Stars

Montag, den 10. März 2014 um 13:51

Es ist doppelt peinlich: Wie haben unsere Qualitätsmedien Monika Ribar in den Himmel geschrieben! Als CEO der Panalpina hat sie ein Erbe fehlerhafter Entscheide hinterlassen, die ihren Rücktritt  heute verständlich machen. Es ist auch deshalb peinlich, weil wieder eine unserer Vorzeigefrauen im Topmanagement mehr „laferte“ als sie lieferte. Der neue Panalpina-Chef Peter Ulmer, einer der besten Topmanager aus dem Rennstall von Klaus-Michael Kühne, muss nun zusammen kehren und neu aufbauen, was Ribar hinterliess. Ulber verliess Kühne + Nagel International, weil er dort nicht CEO werden durfte; jetzt kann er bei Panalpina in den kommenden zwei Jahren zeigen, was er kann.

„Top Diplomat“ Tim Guldimann erweist sich immer mehr als innenpolitischer Unfriedens-Stifter. Er geisselt den Volksentscheid von 9. Februar, nennt die Schweiz einen „Parasiten-Staat“ und wirkt auch sonst recht gestresst. Es macht den Anschein, als werde auch dieser Stern am Schweizer Himmel bald verglühen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Staatssekretär Yves Rossier im EDA eher als politischer Gambler auftritt und sein Chef Didier Burkhalter vor Hilfslosigkeit nur so strotzt.

„Watson“-Unternehmer Hansi Voigt, der auf Journalisten eine magische Anziehungskraft ausübt, hat von Verleger Peter Wanner, der sonst als sparsam gilt, 20 Mio. Franken erhalten, um die Schweizer Medienwelt mit einem neuen Portal auf den Kopf zu stellen. Ich habe „Watson“ mehrfach getestet und war immer enttäuscht: zu viel Trash, zu wenig journalistische Kompetenz. Adieu, Hansi, spätestens in neun Monaten wird sich Dein Schicksal entschieden haben. Ein neuer Aktionär muss Euch retten, aber wer?

Weil wir ein kleines Land sind, neigen wir dazu, unsere Leistungsträger zu überhöhen. To follow.

 

Plant das EDA den „kalten EU-Beitritt“?

Mittwoch, den 5. März 2014 um 16:21

Derzeit wird besonders viel geredet und kommentiert in unserem Land, denn manche befürchten, das Ja des Stimmvolks am 9. Februar zur Beschränkung der Masseneinwanderung könne zum „9/II“ der Schweiz werden. Dr. Christoph Blocher, der mit seinen „Manne und Fraue“ diesen zweiten Blackout der Schweizer Europapolitik mit einer knappen Mehrheit von 19 000 Stimmen ausgelöst hat, schwört auf ein Schiedsgericht, das Konflikte zwischen der EU und der Schweiz entscheiden könne. Es gibt in Bern nur wenige, die seine Auffassung teilen; viele sprechen vielmehr von einem „kalten EU-Beitritt“, der von EDA-Chef Didier Burkhalter und dessen Richelieu Yves Rossier geplant werde.

Die Parlamentarier haben sich in den aussenpolitischen Kommissions-Ausschüssen kritisch zu den Plänen des Teams Rossier/Burkhalter geäussert. Auch viele Kantone waren dagegen. Die ganze FDP-Führung knirscht mit den Zähnen, denn auch dort glaubt man nicht an die EuGH-Lösung, will aber den eigenen Bundesrat nicht desavouieren, nachdem schon Johann Schneider-Ammann angeschlagen ist. Das Wahljahr 2015 steht vor der Tür.

In dieser durchaus kritischen Situation, wo bei einer geschwächten politischen Führung die Verwaltung das Staatsschiff Schweiz in die Zukunft zu führen sucht, gibt es nur wenige Stimmen, auf die wegen besonderer Kenntnisse Verlass ist. Im Business Club Zürich kam es zu einem solchen Ereignis, als Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofes in Luxembourg, vor geladenen Gästen über das Thema sprach „Wie viel EU braucht die Schweiz?“ Einem Schiedsgericht nach Blocher’scher Vorstellung gab Baudenbacher keine Chance. An die Adresse des Bundesrates sagt er, der EuGH habe schon vor über zwanzig Jahren festgehalten, dass er nur bereit ist, bindende Entscheide zu fällen. Komme es trotzdem zu der vom Bundesrat offiziell bevorzugten Lösung, könne dieser, als oberster Gerichtshof der EU, beim ersten Entscheid „den Sack zu machen“ und festhalten, dass dieser Entscheid bindend sei.

Baudenbachers EFTA-Gerichtshof hat im Fall „Icesave“, wo er eine Haftung der isländischen Regierung gegenüber geschädigten Einlegern aus EU-Staaten ablehnte, den Respekt der EU-Kommission und der EU-Staaten gewonnen; dieser Entscheid wurde nicht infrage gestellt.

Der international renommierte Jurist gab zu erkennen, die Schweiz könne ohne einen „politischen Kassensturz“ und eine intensive europapolitische Debatte im eigenen Land die Auseinandersetzung mit der EU kaum bestehen. Was das EDA jetzt betreibe, sei Kabinettspolitik, die schlecht zu einer direkten Demokratie passe.

 

 

 

 

 
     
     
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