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Lernen, mit Juden zu leben

12. Februar 2014 um 13:00

Als ich einigen Innerschweizern sagte, ich ginge mit meiner Frau bereits zum vierten Mal zum „Jewish Song Festival“ in Zürich, stiess ich auf blankes Unverständnis: „Was, Du gehst zu den Juden?“

Natürlich tue ich das, denn ich kenne in unserer Nähe kein spannenderes Volk als das Volk Abrahams. Also hörte ich zum vierten Mal den wunderbaren Synagogen-Sänger Avraham Fried aus NYC und seinen israelischen Star-Kollegen Gaon, gegen den Kurt Aeschbacher und Kurt Felix wie Hausmäuse wirken. Gesponsert wurde der Anlass von der Basler Privatbank Safra Sarasin, deren jüdische Eigentümer kein Geheimnis mehr sind. Ein geheimnisvoller zweiter Hauptsponsor wollte nicht genannt werden. Da Gaon mir aber erzählte, er „wohne“ in Rüschlikon, liegt die Vermutung nahe, er sei Gast von Iwan Glasenberg gewesen, der als grosser Gönner von Chabad bekannt ist.

Es war ein herrlicher Abend im grossen Saal des Zürcher Kongresshauses. Das Publikum, älter geworden, tobte nicht mehr in der gleichen Lautstärke wie in den letzten Jahren, aber die jungen Männer tanzten ihren Reigen; die zehn Jahre jüngere Mädchen auch, aber leichter und lebhafter. Corinne Mauch, die Zürcher Stadtpräsidentin, die das Patronat über den Chabad-Abend übernommen hatte, glänzte durch Abwesenheit.

Ohnehin sollten wir uns nicht nur mit den Muslimen beschäftigen, die in der Schweiz die drittgrösste Religionsgruppe stellen, sondern mehr denn je mit den jüdischen Organisationen. Warum? Unsere beiden christlichen Landeskirchen, die meist nicht zugeben wollen, dass sie erheblich geschwächt sind, berufen sich seit einiger Zeit auf „die jüdisch-christlichen Traditionen Europas“. Als ich einen hohen christlichen Kirchenbeamten fragte, was dies bedeuten solle, sagte er: „Die Bezeichnung jüdisch-christlich soll uns stärker machen.“ Hörten dies die christlichen Kirchenväter, würden deren Grabstellen wohl explodieren. Derweil wird in unseren Schulen durch die kantonalen Regierungen die Christenlehre abgeschafft zugunsten einer religionsneutralen Ausbildung. Das würde den Juden nie einfallen. Wie gerade Chabad zeigt, das sein 30jähriges Jubiläum in der Schweiz feiert, investiert man viel in die religiöse Aus- und Weiterbildung der eigenen Kinder.

Derweil malt der jüdische Publizist und Autor Henryk Broder im Interview mit Yves Kugelmann, dem Chefredaktor der höchst lesenswerten liberalen jüdischen Wochenzeitung „Tachles“, den Untergang der EU an die Wand, „die wie andere gute Ideen zuvor, das Christentum oder der Sozialismus, in die Hände von Bürokraten, Technokraten und Kleptokraten geraten ist.“

Wahrlich, eine echte Herausforderung ist der Umgang mit Juden immer. Was viele ärgert, kann auch bereichernd sein.

 

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