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Monatsarchiv für Februar 2014

Brady Dougan demontiert die Financial Relations

Donnerstag, den 27. Februar 2014 um 16:38

Was der eisenhart blickende CEO der Credit Suisse-Group, Brady W. Dougan, vor dem amerikanischen Senatsausschuss sagte, müsste die Welt der Financial Relations, der Börsenwahrheit, eigentlich auf den Kopf stellen.

Auf eine Frage von Senator Carl Levin antwortete er, wie in den offiziellen Protokollen nachzulesen ist: „Interne und externe Zahlen müssen nicht übereinstimmen; das ist üblich.“

Amen. Dieser Satz ist wohl die ganze Wahrheit über die Wirklichkeit der Kommunikation nicht nur in den Finanzkonzernen, sondern auch in vielen anderen grösseren Unternehmen. Wenn die ganze Kommunikationsbranche schwört: „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, kann daraus nur gefolgert werden, dass die Wahrheit von oben ganz anders aussieht als die Wahrheit von unten, z.B. diejenige des Aktionärs.

Mein neues Buch, das ich zusammen mit dem Ethiker Thomas Gröbly geschrieben habe, heisst „Hat die Wirtschaft ein Gewissen?“ Die Credit Suisse-Group muss sich eine besonders gute Antwort einfallen lassen.

NB) An der Zürcher Bahnhofstrasse gehen allerlei Gerüchte um, was alleine das Training der CS-Chefs in der Zeit vor ihrem Auftritt vor Levine gekostet haben mag. Gewöhnlich gut orientierte Insider gehen von rund USD 5 Mio. aus, die man für die Vorbereitungen investiert habe. Kleingeld angesichts der gewaltigen Risiken.

 

Drei Schweizer Aufklärer der Neuzeit

Mittwoch, den 26. Februar 2014 um 14:01

Angesichts der Schweizer Wirren mit der Europäischen Union, wo 50% des Volkes auf der Bremse stehen und 30% die Zukunft des Landes unter dem Mantel Brüssels sehen, geht in Vergessenheit, dass jenseits der panisch wirkenden Betriebsamkeit die Schweiz immer auch Persönlichkeiten hatten, die sich als Aufklärer vom Rest abgehoben haben.

Drei Schweizer Aufklärer der Neuzeit werden uns immer wieder in Erinnerung gerufen, obwohl es niemand im Land einfällt, Sie auf eine Linie zu setzen, die ihre Leistungen im Zusammenhang zeigt.

Einmal wäre da Jean Ziegler, der mit einer Besessenheit ohnegleichen die Schandtaten des Finanzplatzes und des Kapitals in den Ländern der Dritten Welt aufgedeckt hat. Der Niedergang des Finanzplatzes Schweiz ist nicht seine Leistung, sondern die der IT-Industrie, welche den leichten Zugang zu den Daten ermöglichte, und der USA wie der EU- und OECD-Staaten, die dringend das Geld der Ihrigen suchen. Jean Ziegler ist es aber gelungen, die innere Unruhe über die Geschehnisse weit draussen in der Welt in uns wach zu halten. Angesichts der Betonwände des Vergessens ist dies eine grosse Leistung.

Al Imfeld, ein unermüdlicher Aufklärer und Vermittler zwischen Afrika und Europa, sah sich beauftragt von Martin Luther King („Can you do it?), ganz wie Jean Ziegler vom argentinisch-kubanischen Arzt und Revolutionär Ernesto „Che“ Guevara. Imfeld, einst Innerschweizer Mönch, heute noch tief religiös, aber an keine Religion gebunden, war für Afrika ein „guter Schweizer“, der den vom Kolonialismus geprägten Elsässer Arzt Albert Schweitzer noch kannte, aber, im Gegensatz zu diesem, den Afrikanern ihr volles Menschenrecht zusprach.

Wer Bruno Kammerer kennt, der fast einmal Zürcher Stadtpräsident geworden wäre, sieht in dessen Augen das gleiche Leuchten wie in denjenigen Al Imfelds. Kammerer, Grafiker und Künstler, war von seinem Vater geprägt, einem klassischen Zürcher Handwerker aus dem Aussersihl, der Standesstolz und Engagement auf seinen Sohn übertragen hat. In einem Zimmer dieser Familie wohnte Lenin in seinen Zürcher Jahren. Bruno Kammerer, der heute auch als Nordspanier gelten darf, weil er Wein, spanische Politik und Stierkampf als Autor und Künstler besser kennt als viele Spanier, ist einer jener bedeutenden Schweizer, deren glaubwürdiges Leben und grosszügig-liberaler Geist weltweit geachtet wird.

Im rasenden Stillstand

Montag, den 24. Februar 2014 um 8:35

Die Vermutung liegt nahe, die Schweizer Unternehmer seien zu schwach geworden, um zentrale politische Positionen noch zu besetzen oder verteidigen zu können. In den Parlamenten von Bund und Kantonen gibt es immer weniger echte Unternehmer, der einst freisinnig geführte Wirtschaftsdachverband économiesuisse prüft die Übergabe seiner Direktion an eine Diplomatin aus Bern, das Wahl- und Stimmvolk selber verweigert der heimischen Wirtschaftselite immer mehr die Gefolgschaft. Die Schweiz befindet sich im rasenden Stillstand, wo alle Lösungen haben, aber niemand handelt.

Wer dies täglich Aug‘ in Auf‘ erlebt, wundert sich nur über den oft unzureichenden Überblick, welchen auch gebildete Kreise haben. Diese, z.B. Anwälte, Ärzte oder Dozenten, wissen viel von wenig, aber haben kein Verständnis mehr, wie die Schweiz im Kern regiert wird. Man begreift seit Beginn dieses Jahrhunderts, dass unser Land in hohem Masse einer echten „Leadership“ entbehrt, die nach innen wie aussen überzeugend auftreten kann.

Die meist kakophonischen Medien spielen ihre Rollen: SRF verteidigt das Staatssystem, mag es noch so fehlerhaft werden, die NZZ lässt an Banken wie Konzernen nur sanfte Kritik zu, der „Tagesanzeiger“ pendelt politisch in alle Himmelsrichtungen bis hin zur Anarchie, um allen Leserbedürfnissen nachzukommen. Ringier baut derzeit seine während Jahrzehnten verlorene politische Kompetenz wieder auf; der im letzten Jahrhundert legendäre Frank A. Meyer murmelt dazu beschwörend aus dem Hintergrund seiner Berliner Existenz.

„Weltwoche“ und „Basler Zeitung“ haben sich einen sicheren Platz, im Falle der BaZ auch über Basel hinaus, bei den Entscheidern gesichert. Das liegt an den beiden nicht schreib- und meinungsfaulen Chefredaktoren Roger Köppel und Markus Somm. Roger Schawinski, eine mediale Zürcher Lokalgrösse mit SRF-Talkbonus, schlägt wie gewohnt die Milch der richtigen Denkungsart, ohne immer zu Butter zu kommen. „Schawi“ ist sein eigenes Programm, jeder Co-Talker sein Assistent.

Dieses summende Schweizer Chaos, von dem nur die A-Schweiz der Finanz- und anderen Konzerne weitgehend verschont bleibt, wo der Griff der Medien nicht wirklich zu den Glasenbergs, Wekselbergs und Sawiris hinreicht, wo ein Philipp Hildebrand von Blocher’schen Attacken nicht mehr erreicht wird und ein Prof. Dr. Carl Baudenbacher, der den EFTA-Gerichtshof in Luxembourg führt, nur den Kopf schütteln kann über die Schweizer Aussenpolitik als Realsatire, dieses Chaos umgibt und durchdringt das Volk der Schweizer Stimmbürger wie ein Sandsturm in Peking die Massen. Sie irren umher, immer häufiger orientierungslos.

Nun hat ein Politologe der Universität Bern, Prof. Dr. Adrian Vatter, im Nomos Verlag, Baden-Baden, das Buch vorgelegt „Das politische System der Schweiz“, wo er die Scheinwerfer seines Wissens auf diese undurchsichtige Landschaft richtet. Er kommt auf 589 Seiten zum Ergebnis, die „Hochblüte der Konkordanz“ sei vorbei. Wir könnten entweder zu dieser Konkordanz zurück kehren oder würden in eine Zeit der dringlichen Bundesbeschlüsse eintreten.

Letzteres würde einen verschärften Konflikt zwischen der Schweizer Basisdemokratie und dem Bundesrat zur Folge haben, sagt der Autor dieser Zeilen. Das Schweizer Stimmvolk, durchaus angestachelt und glücklich über seine jüngsten Abstimmungssiege, ist nicht wenig geneigt, seiner schwachen Regierung den Meister zu zeigen. „Pressure Groups“, diese Haltung nutzend, können damit überraschende Siege erringen, wie der 9. Februar 2014 gezeigt hat.

Prof. Vatter ist es zu verdanken, dass er uns die Optionen aufgezeigt hat. Es gibt Grund zur Annahme, dass sie bald wieder zerredet werden. Warum? Die Wiederherstellung der Konkordanz würde bürgerliche Einigkeit verlangen. Dazu sind die Parteichefs im Ansatz bereit, können sich aber ihrer politisch emanzipierten Gefolgschaft nicht sicher sein, die aus einer zielorientierten Politik zum nationalen Vorteil lieber einen Saubannerzug macht, der die glückliche Zukunft einer Mehrheit der Schweizer unsicher macht

 

Gripen, der Witz über den Wolken

Dienstag, den 18. Februar 2014 um 15:54

Die Schweiz ist für die Schweden die letzte Chance, ihre heimische Flugzeugindustrie, die massgeblich der Industriellenfamilie Wallenberg gehört, am Leben zu erhalten. Deshalb dürfen wir in Kürze darüber abstimmen, ob wir diesen Ikea-Flieger wollen, „der kann, was wir brauchen“, wie VBS-Chef Maurer sagt.

Der Traum von der Schweiz als Igel ist ausgeträumt; als militärische Grossmacht waren wir vor 500 Jahren bedeutend. Wie einige Stabsoffiziere vor 50 Jahren noch von einer eigenen Schweizer Atombombe träumten, wollen die verbliebenen Schweizer Flieger ein Spielzeug, wohl wissend, dass alle potentiellen Feinde uns überlegen sein werden.

Die Schweden, den Einsatz kennend, machen schon seit Monaten eine Kampagne bei konservativen und militärnahen Kreisen. Die Familie Wallenberg ist sich nicht zu schade, Interviews in eigener Sache zu führen, auch Vertreter des schwedischen Königshauses werden erwartet.

Die CVP, „als linkste der bürgerlichen Parteien“, soll Stimmen aus dem gegnerischen Lager holen, die fast unbekannte CVP-Sicherheitspolitikerin Ida Glanzmann soll die Frauen überzeugen.

Jetzt wollen wir einmal sehen, ob das bürgerliche Lager gelernt hat, wie man Kampagnen wieder gewinnt. Das christliche „C“ der federführenden CVP erinnert stark an Zeiten, wo man für Gott und das Vaterland auf die Felder der Ehre zog, Luftschlösser incl.

 

Lernen, mit Juden zu leben

Mittwoch, den 12. Februar 2014 um 13:00

Als ich einigen Innerschweizern sagte, ich ginge mit meiner Frau bereits zum vierten Mal zum „Jewish Song Festival“ in Zürich, stiess ich auf blankes Unverständnis: „Was, Du gehst zu den Juden?“

Natürlich tue ich das, denn ich kenne in unserer Nähe kein spannenderes Volk als das Volk Abrahams. Also hörte ich zum vierten Mal den wunderbaren Synagogen-Sänger Avraham Fried aus NYC und seinen israelischen Star-Kollegen Gaon, gegen den Kurt Aeschbacher und Kurt Felix wie Hausmäuse wirken. Gesponsert wurde der Anlass von der Basler Privatbank Safra Sarasin, deren jüdische Eigentümer kein Geheimnis mehr sind. Ein geheimnisvoller zweiter Hauptsponsor wollte nicht genannt werden. Da Gaon mir aber erzählte, er „wohne“ in Rüschlikon, liegt die Vermutung nahe, er sei Gast von Iwan Glasenberg gewesen, der als grosser Gönner von Chabad bekannt ist.

Es war ein herrlicher Abend im grossen Saal des Zürcher Kongresshauses. Das Publikum, älter geworden, tobte nicht mehr in der gleichen Lautstärke wie in den letzten Jahren, aber die jungen Männer tanzten ihren Reigen; die zehn Jahre jüngere Mädchen auch, aber leichter und lebhafter. Corinne Mauch, die Zürcher Stadtpräsidentin, die das Patronat über den Chabad-Abend übernommen hatte, glänzte durch Abwesenheit.

Ohnehin sollten wir uns nicht nur mit den Muslimen beschäftigen, die in der Schweiz die drittgrösste Religionsgruppe stellen, sondern mehr denn je mit den jüdischen Organisationen. Warum? Unsere beiden christlichen Landeskirchen, die meist nicht zugeben wollen, dass sie erheblich geschwächt sind, berufen sich seit einiger Zeit auf „die jüdisch-christlichen Traditionen Europas“. Als ich einen hohen christlichen Kirchenbeamten fragte, was dies bedeuten solle, sagte er: „Die Bezeichnung jüdisch-christlich soll uns stärker machen.“ Hörten dies die christlichen Kirchenväter, würden deren Grabstellen wohl explodieren. Derweil wird in unseren Schulen durch die kantonalen Regierungen die Christenlehre abgeschafft zugunsten einer religionsneutralen Ausbildung. Das würde den Juden nie einfallen. Wie gerade Chabad zeigt, das sein 30jähriges Jubiläum in der Schweiz feiert, investiert man viel in die religiöse Aus- und Weiterbildung der eigenen Kinder.

Derweil malt der jüdische Publizist und Autor Henryk Broder im Interview mit Yves Kugelmann, dem Chefredaktor der höchst lesenswerten liberalen jüdischen Wochenzeitung „Tachles“, den Untergang der EU an die Wand, „die wie andere gute Ideen zuvor, das Christentum oder der Sozialismus, in die Hände von Bürokraten, Technokraten und Kleptokraten geraten ist.“

Wahrlich, eine echte Herausforderung ist der Umgang mit Juden immer. Was viele ärgert, kann auch bereichernd sein.

 

Die Schweiz, die Welt und die Wirtschaft

Dienstag, den 11. Februar 2014 um 9:29

In einer zunehmend monotoneren Welt, wo alle Städte gleich aussehen und aus rustikalen Häusern von Computern geglättete Fassaden werden, hinter denen sich eine erkennbar genormte Menschheit bewegt, ist es ein Glück, ein Sonderfall zu sein. Eine hauchdünne Mehrheit des Schweizer Volkes hat am letzten Wochenende beschlossen, in Europa ein Sonderfall zu bleiben und die Zahl von Einwanderern zu begrenzen. Die sich in einer falschen Sicherheit wiegenden Bundesräte und Wirtschaftsspitzen, bestätigt von Meinungsforscher Claude Longchamp, der sich nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses argumentativ in Unschärfen der Zählweise retten musste, sehen sich einem Schweizer Volk gegenüber, das mit grosser Entschiedenheit einen Stopp verlangt.

Bei dieser Betrachtung wird leicht vergessen, dass der Schweizer Stimmbürger am letzten Wochenende sehr  überlegt geurteilt hat. Er sprach sich für die Bahnvorlage FABI aus, die ihn Milliarden an Steuergeldern kostet und zusätzlich eine nicht unerhebliche individuelle Belastung zur Folge hat. Er war für Sozialschutz der Schwachen, indem er gegen eine Privatisierung der Kosten des Schwangerschafts-Abbruchs votierte. Der Stimmbürger machte damit deutlich: „Ich investiere in mein Haus Schweiz, aber ich will der eigene Herr darin bleiben.“

Kluge Politiker setzen sich bekanntlich gerne an die Spitze des Volkes und dessen Forderungen, um davon ihre Kompetenz abzuleiten. Von Moses über Perikles zu Churchill war diese Praxis erfolgreich; Dr. Christoph Blocher hat seit Jahrzehnten des gleiche getan, jetzt mit einem durchschlagenden Erfolg, der die SVP nach Ansicht der Abstimmungs- und Wahlkampfleitung unter dem Berner SVP-Nationalrat Albert Rösti „zur Avantgarde in Europa“ macht. Sie nimmt dabei in Kauf, dass es sich um die Avantgarde der Rechtsparteien handelt, angeführt von Marine le Pen und Geert Wilders. Diese Spur gelegt hat ohnehin SVP-Nationalrat und Walliser Staatsrat Oskar Freysinger, der damit im Nachhinein eine parteiinterne Auszeichnung erfährt.

Der Bundesrat sieht sich als Empfänger einer Ohrfeige, die dem Vertrauen in seine Entscheide nicht förderlich ist. Das Schweizer Stimmvolk wird auf allen Ebenen darin bestätigt, dass die von ihm gewählten Eliten geschwächt sind; das macht übermütig. Schon seit gut zwei Jahren stimmen die Schweizer Bürgerinnen und Bürger gegen kantonale und nationale Vorlagen. Daraus ist längst der Eindruck entstanden, „die da oben“ seien Windfahnen, die sich an ihre Stangen klammern. Es ist eine schleichende Revolution im Gange, die ungeahnte Folgen auch in der ruhigen Schweiz haben kann. Schon zogen am letzten Sonntagabend in den Städten Basel, Bern und Zürich Hundertschaften unzufriedener Freunde der EU durch die Strassen, die gegen den politischen Rechtstrend demonstrierten.

Der Bundesrat zeigte sich vor der Abstimmung keineswegs in Bestverfassung. Bundespräsident Didier Burkhalter besuchte den Tenno in Tokio, um dort mehr zu feiern als zu verhandeln. Am Abstimmungssonntag kam er, als politischer Hasardeur, aus Sotschi zurück, um seinen Abstimmungssieg zu feiern. Er nahm jedoch in Bern keine Goldmedaille in Empfang, sondern erhielt den Hasenschwanz. Bundesrat Johann Schneider-Ammann musste sich vor der Abstimmung mit Auseinandersetzungen um die Steuerehrlichkeit seiner Firma, der Ammann Group, beschäftigen. Erst eine offizielle Zweituntersuchung wird zeigen, welche Vorwürfe hängen bleiben. Schneider-Ammann war sicher abgelenkt, auch ein wenig geschwächt.

Die Wirtschaft, in erster Linie vertreten durch die économiesuisse, zeigte viele Köpfe von Unternehmern und Spitzenmanagern. Es ging dabei in Vergessenheit, dass für das Stimmvolk viele dieser Köpfe entweder unbekannt oder ununterscheidbar sind. Die Wirkung der dort platzierten Aussagen ging verloren. Vor 30 Jahren, als man sich in der Schweiz noch kannte, mindestens auf kantonaler Ebene, war dies anders. So kam es, dass Bundesrat und Wirtschaft zusammen eine Gegenkampagne führten, die 30 Jahre veraltet war.

Wie geht es weiter?

Es besteht kein Grund zur Panik. Weil die Kontingente wieder eingeführt werden müssen, wozu wir aber drei Jahre Zeit haben, muss der Bundesrat entscheiden, wie die eigene Wirtschaft und die EU-Behörden bei Stimmung hält. Dies wird mit einer Kontingentierung erfolgen, die auf keinen Fall der Exportwirtschaft schadet, aber Tourismus, Landwirtschaft und kleineren Branchen (z. B. Druckereien) neue Lasten auferlegt. Es braucht weder Gastarbeiter für schlechte Schweizer Drittklass-Hotels noch für kleine Landwirtschaftsbetriebe, die sich besser zu grösseren zusammen schliessen würden. Verwaltung, Gesundheitsbranche und Hochschulen können den Personalgürtel leicht ein wenig enger schnallen. Die global wettbewerbsfähigen Teile der Schweizer Wirtschaft werden mit Sicherheit nicht geschwächt werden.

Der Ruf der Schweiz als liberaler Staat wird leiden. Offene Grenzen werden wir künftig nicht mehr als erzschweizerisches Anliegen vorbringen können. Gleichzeitig wird uns der Respekt jener EU-Bürger sicher sein, die am liebsten auch die Autonomie von Brüssel erklären würden.

Angesichts der bevorstehenden Europawahlen haben gerade die EU-Behörden eine grosse offene Front: Wer wird die Schulden der EU-Staaten begleichen, die ins Unermessliche gestiegen sind? Und ist die EU mehr als eine Exportförderungs-Organisation für die eigenen Konzerne und Landwirtschaft? Erst dann, wenn Europa wieder eine Idee ist, die gegen die USA und den asiatischen Anspruch Bestand hat, wird auch die Schweiz wieder einen Grund haben, die jetzt gesenkten Barrieren wieder ein wenig zu öffnen.

NB) Wir rasch die Unternehmen auf derlei Stimmungen im Volk eingehen können, beweist der Migros-Konzern. Er hat soeben eine Kampagne gestartet „Von uns. Von hier.“ Das genau ist es, was das Schweizer Volk will.

 

Zukunft Kirche: Schmalspurpfarrer für Halbgläubige

Montag, den 10. Februar 2014 um 10:21

Von der römisch-katholischen Kirche wissen wir, dass deren Gläubige mehrheitlich etwas anderes wollen als die heimischen Kirchenoberen. Die älteren rk Christen sitzen einfach in ihren Bänken, meist etwas zusammen gesunken, und lauschen den Appellen mehr oder weniger überzeugender Geistlicher.

Die reformierten Christen leiden unter ihrer Jugend, die einfach nicht mehr Pfarrer werden will. Sie hat sich deshalb in immer mehr Kantonen dazu entschlossen, Schmalspurpfarrer auszubilden, die in einem Schnellkurs zu den höheren Weihen befördert werden. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorausgesetzt, können sich Studenten, die andernorts keinen Job finden, zum Altar und auf die Kanzel hin bewegen. Dort können die Schmalspurpfarrer den vor ihnen sitzenden, manchmal auch knieenden Halbgläubigen die fromme Botschaft verkünden.

Jesus Christus war ein Zelot, ein Berufener, in vielem auch ein Aufständischer gegen alte jüdische Riten. Seine Jünger waren einfache Leute, die glaubten, nicht Psychologie- und Philosophiestudenten, die ihre umstrittenen Weisheiten nun in ein religiöses Gewand kleiden sollen. Die ungebildeten Jünger, weil sie glaubten, revolutionierten die Welt, Paulus ganz besonders.

Von mangelndem Selbstvertrauen der katholischen wie reformierten Kirchenoberen zeugt es daher, wenn sie sich heute eine „jüdisch-christliche Religion“ zusprechen. Ökonomisch ausgedrückt, bedeutet dies, dass das Judentum im Begriff ist, seine Ableger-Religionen wieder aufzunehmen. Dies wäre eine weltgeschichtlicher Triumpf, auf den wir noch ein wenig warten müssen.

Die heutigen Pfarrer, so berichtet die Reformierte Kirche, sind keine mehr, denn sie wollen nicht mehr rund um die Uhr dienen, wie dies noch vor 50 Jahren der Fall gewesen ist; sie zählen auch nicht mehr die 5,5 Tage bis zum Wochenende, wie dies bis vor kurzem der Fall war, sondern sie verrechnen den Kirchgemeinden ihre Stunden. Klar, es sind keine Berufenen mehr, sondern sozial orientierte Berufstätigen.

Während der Islam in den letzten Jahrzehnten nur stärker geworden ist, weil dort die Menschen mehr glauben, als wir es tun, sehe ich tiefschwarz für unsere meist frustrierten Kirchenoberen. Der Islam ist die drittgrösste Religionsgemeinschaft in der Schweiz. Wir wagen es nicht mehr, fromm und frei zu sprechen.

Kardinal Kurt Koch wurde nach Rom davon geschwebt. Abt Martin Werlen ist in den Tiefen seiner Klosterzelle verschwunden. Sein Freund …  Locher will endlich reformierter Bischof werden. Ich möchte, wie Zehntausende anderer auch, einen gläubigen und menschennahen Pfarrer finden, der seine Aufgabe noch ernst nimmt.

 

Der Kauf von NZZ-Aktien ist verfrüht

Mittwoch, den 5. Februar 2014 um 11:48

Veit Dengler, der neue CEO der NZZ-Gruppe, gibt in ganz Europa Interviews zu seinen Plänen ganz so, als sei er eine Schweizer Variante von Mathias Döpfner. Der neoliberale Jungstar gibt strahlend bekannt, er wolle CHF 10 Mio. investieren, vor allem in Österreich, wo viele Leser auf die mediale Erleuchtung von der Limmathauptstadt warten würden. Das erinnert an die unerfüllten Appelle ausgewählter Basler, die NZZ möge eine Basler Redaktion aufbauen, um der „Basler Zeitung“ zu entkommen.

Im Unterschied zum Standort Basel, wo Chefredaktor Markus Somm eine bemerkenswert gute Leistung erbringt, verfügt ganz Österreich nicht mehr über eine qualitativ hochstehende Zeitung. Die  dominierende „Kronenzeitung“ ist besser gemacht als der „Blick“, bleibt aber dennoch eine Postille für den unteren Mittelstand, der Erregung mehr schätzt als konkretes Wissen. Alles andere ist ohnehin Provinz.

Veit Denglers Idee, das über 100 Mio. Menschen zählende europäische Ausland zu erreichen, ist wohl eine Fata Morgana. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ist heute derart gut gemacht, dass auch die „Neue Zürcher Zeitung“ dagegen abfällt.

Einzig im Feuilleton der NZZ, das unter der Leitung von Martin Meyer eigenwillig-intelligent der europäischen und der Weltkultur verpflichtet ist, schimmert jene Qualität durch, die der NZZ heute mehr als Legende denn als Realität verpflichtet ist.

Veit Dengler, Erfolge an schwierigen Fronten suchend, würde besser daran tun, die NZZ dort zu stärken, wo sie es am meisten braucht, in der Schweiz. Der einst berühmte Auslandteil entbehrt nicht der Originalität, ist aber weit davon entfernt, einstige Grösse zu erreichen. Es fehlt an Arnold Hottinger, der uns den Nahen und Mittleren Osten kompetent erklärt. Es fehlt ein geistig unabhängiger Osteuropa-Korrespondent, der mehr bringt als NATO- und EU-Propaganda. Es fehlt ein Wegweiser nach Brüssel oder von Brüssel weg. Der vor wenigen Tagen publizierte flammende NZZ-Appell zu mehr Freundschaft mit den USA erinnert an die alten CIA-Verbindungen. Es braucht ein britisch-trockenes Pendant mit mehr Distanz. Urs Schoettli, der nach dem Abgang von Prof. Kux beste Asienkorrespondent, den die NZZ je hatte, wurde teilweise wieder repatriiert nach einer eher schmählichen Entlassung durch den alten CEO, dem heute niemand mehr nachtrauert.

Im Wirtschaftsteil gibt man sich wieder Mühe, ohne an die grossen internationalen Redaktionen heranreichen zu können. Vor allem fehlt es an Federn, die eigene Meinungen glaubwürdig formulieren können. Die Inlandberichterstattung wirkt seit einigen Jahren, als der Abstand vom Freisinn vergrössert wurde, merkwürdig instabil. Die Zahl der Grünen und Grünliberalen, der Velofahrer und Kämpfer für den öffentlichen Verkehr, hat auch in dieser einstigen Bastion bürgerlichen Individualismus‘ deutlich zugenommen.

Was die „Neue Zürcher Zeitung“ sich in der Berichterstattung über die Stadt, welche ihr den Namen gab, leistet, ist seit Jahren ungenügend, ein eigentliches Trauerspiel. Davon hat der Mitte links stehende „Tagesanzeiger“ über alle Massen profitiert. Ein gutes Beispiel, wie Hochmut vor den Fall kommt.

Vom erneuerten Verwaltungsrat ist vorläufig keine Rettung aus dieser misslichen Situation zu erwarten. VR-Präsident Etienne Jornod ist ein klassischer Unternehmer, aber mit Sicherheit so wenig ein Intellektueller wie der Rest des Verwaltungsrates auch. Von dort, wo Werbeberater und Scheinunternehmer das Sagen haben, wird kein Anstoss kommen, was die NZZ in der Schweiz von morgen soll.

Kein Wunder, dass CEO Veit Dengler operativ ins Ausland flüchten will, kennt er die Schweizer Innereien doch recht ungenügend.

So gibt es wohl keinen Ausweg aus einer total unbefriedigenden Situation, die auch der Schweizer Politik eher zum Nachteil ist. Die NZZ hat derzeit weder einen erkennbaren geistigen Horizont für die Schweiz noch weiss sie, was fast schlimmer ist, wie sie in Zukunft Geld verdienen will. Die Ära Veit Dengler hat begonnen, nachdem sein Vorgänger „Polo“ Stäheli einen eher schrägen Abgang genommen hat. Und der Chefredaktor? Verzeihung, sein Name ist mir schon wieder entfallen.

 

 

Dürfen die das?

Montag, den 3. Februar 2014 um 11:50

Die US-amerikanische Regierung hat unter George W. Bush unter lügnerischen Vorgaben den Irak angegriffen. Hunderttausende von Menschen wurden sinnlos getötet und schwerstens verwundet. Die historischen Staatsschätze, ein Erbe der Menschheit, wurden vernichtet oder gestohlen.

Die USA und die NATO-Truppen haben Afghanistan überfallen, dort ebenfalls nur Unheil in allen Varianten angerichtet und nur die Drogenhändler reich gemacht. Die deutsche Regierung, welche „die Freiheit am Hindukusch“ verteidigen wollte, erreichte dort nichts. Jetzt müssen die Afghanen ihr Land wieder selbst aufbauen.

Kuba, vor Fidel Castro ein Bordell und Drogenumschlagplatz der US-Mafia, wurde nach der Niederlage des Batista-Regimes 50 Jahre von den USA unter Blockade gestellt. Militärische Überfälle und Mordversuche gegen die Regierung durch das Pentagon schlugen fehl.

Dürfen die denn das?

 

 
     
     
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