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Tagesarchiv für 14. Januar 2014

Was bringt Sepp Blatter Zürich?

Dienstag, den 14. Januar 2014 um 12:48

Die Zürcher Jugend, viele darunter Kinder, stauten sich zu Tausenden in den Strassen vor dem Zürcher Kongresshaus, als FIFA-Präsident Sepp Blatter zum FIFA Ballon d’Or 2013 einlud. Sie, die Fans, jubelten ihren Stars zu, die, wie Ronaldo, unbewegten Gesichts auf dem roten Teppich an ihnen vorbeischritten. Mädchen streckten mir ihre T-Shirts entgegen: „Kannst Du mir eine Unterschrift besorgen? Ich könnte sterben für ihn.“

Ich konnte natürlich nicht, denn Fussball ist ein Milliardengeschäft, wo die Fans nur als Kulisse dienen. Als es auf der Bühne des Kongresshauses zur Wahl des Fussballers der Jahres und anderer Grössen kam, flossen die Tränen. Es geschah, was alle Präsidenten dieser weltumspannenden Sportart am meisten lieben, die Emotionen kochten über.

Sepp Blatter, der in Zürich unterdessen mit der FIFA auch nennenswerte Steuern zahlt, der in der Enge ein FIFA-Museum bauen lässt, das mit Sicherheit eine Touristenattraktion wird, bringt mehr Weltprominenz nach Zürich als alle anderen Anlässe in der Stadt. Viktor Orban, Ungarns umstrittener Regierungschef, begrüsste Pelé, den brasilianischen Grösstfussballer. Placido Domingo liess sich nicht bitten. Aus Deutschland kamen die IOC-Chefs Rogge und Bach. Zidane und Ballack tauschten Erfahrungen aus. Dazu noch drei Hundertschaften anderer Fussball-Prominenter aus der ganzen Welt. TV-Stationen von Südkorea über Südafrika nach Brasilien. Zürich hat keinen anderen Anlass, der den Namen der Stadt derart in die Welt trägt.

Gerade deshalb fällt die eigentümliche Sprachlosigkeit dieses Anlasses auf, wo die Zürcher Regierung nur mit einem Nebensatz begrüsst wurde. Die Auftritte im voll besetzten grossen Saal des Kongresshauses waren nach Sekunden und Minuten bemessen, wie im spanischen Hofzeremoniell. Die Moderatorin, ein brasilianisches Supermodel, fiel durch ihr grünes Kleid auf, kaum aber durch rhetorisches Geschick. Den Moderator konnte man gleich ganz vergessen, weil er weder optisch noch sprachlich etwas bot.

Was Fussballer sagen, ist bekanntlich so attraktiv wie der Zürcher Hauptfriedhof bei Nacht. Es sind, im besten Fall, Kampfmaschinen mit Torinstinkt. Verbindet sich dies mit der Eleganz und Kraft eines Messi, kann auch ein Fussball-Agnostiker situativ bekehrt werden.

Doch dies ist nur der Vordergrund. Im Hintergrund geht es bei solchen Wettbewerben um knallharte interne Auseinandersetzungen: Gewinnt die bayrisch-französische Ribéry-Fraktion oder siegt, wie heuer der Fall, der lateinamerikanische Flügel? Bayern-Präsident Ueli Hoeness ist sich dann auch nicht zu schade, von Mauscheleien beim Zählen zu sprechen.

FIFA-Präsident Sepp Blatter blieb diesmal merkwürdig blass. Seiner Macht bewusst, liess er sich von allen wortreich ehren.  Der FIFA Ballon d’Or 2013 war von der Ausstattung her etwas spärlicher ausgerüstet als in den Vorjahren. Ein Insider flüsterte: „Wir müssen für Brasilien sparen.“ Dort findet das nächste Fussballfest statt.

Wie die Davoser ihre Schwierigkeiten mit dem dort hoch verdienten Klaus Schwab, dem Präsidenten des WEF, haben, liegen die linksgrünen Zürcher auch quer zur FIFA und Sepp Blatter. Das geht so weit, dass die amtierende Stadtpräsidentin Corinne Mauch sich nicht zu schade ist, ihrem wichtigen Mitbürger einen Brief zu schreiben, er solle in Katar mehr auf die Menschenrechte achten.

Ob Zürich tatsächlich eine Weltstadt werden kann, entscheidet sich an solchen Beispielen. Vorzugsweise erfreut man sich einiges völlig sinnlosen Hafenkrans, der in wenigen Wochen im Stadtzentrum an der Limmat stehen soll, als an einer echten Weltattraktion, wie der FIFA, die Zürich und der Schweiz Millionen bringt.

 

 
     
     
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