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Tagesarchiv für 8. Januar 2014

Menschen für 2014: Einflussreich, intelligent oder gierig?

Mittwoch, den 8. Januar 2014 um 9:27

Es war der Präsident von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, der zum Jahresende für seine Mannschaft die Devise ausgab „Wir brauchen wieder die absolute Gier“. Er meinte, die Gier zum Erfolg.

Damit könnte er ein Zeichen für alle gesetzt haben. Nach sechs Jahren des Kampfes gegen gierige Banker und Spitzenmanager ist die Trendwende gekommen: Gier zum Erfolg ist wieder „in“.

Wie dünn unsere Schweizer Führungselite geworden ist, haben „Le Temps“ und „Basler Zeitung“ zum Jahresende unter Beweis gestellt. Während die meisten anderen gewichtigen Redaktionen ganz darauf verzichteten, Elite-Schweizer zu portraitieren, entschied sich „Le Temps“ für

  • den Montenegriner Samih Sawiris, dem der Bund das frühere Armeegelände in Andermatt schenkte, damit dieser dort ein neues Verbier oder St. Moritz baue. Dazu zehn Jahre Steuerbefreiung. Was wir bisher haben, ist das schicke Hotel Chedi, umgeben von einer kulturellen Wüste.
  • das Gommi Martin Werlen, Kind einer bitter armen Walliser Familie, der als Abt des Klosters Einsiedeln als Topmanager wie Theologe während 12 Jahren dort Bedeutendes geleistet hat. Jetzt hat er seinen Twitter mit über 9000 Followers abgeschaltet. Sein Buch „Die Glut unter der Asche wecken“ gilt auch für ihn. Wie und wann übernimmt der Benediktinermönch wieder eine auf ihn zugeschnittene Führungsaufgabe?
  • Rolf Dobelli, den geschickten Kompilator der Ideen Dritter, dem man zu Gute halten muss, dass Originalität auch bei noch bekannteren Autoren nicht immer auf eigenen Ideen beruht. Wer die Idee zur Swatch hatte, ist letztlich weniger wichtig als es die Eigentumsrechte und die Kraft zur globalen Umsetzung einer solchen Idee sind. Dobelli ist daher mehr Nicolas G. Hayek als Ernst Thomke.

Noch gewagter ist die „Liste der einflussreichsten Denker“ der Schweiz im vergangenen Jahr:

  • Ob Professoren grundsätzlich dazu gehören, ist ohnehin eine offene Frage. On Ingo Potrykus endlich seinen Gen-Reis einführen kann oder der Ökonom Dieter Freiburghaus mit dem Zusammenbruch der EU recht behält, ist überaus offen. Ernst Fehrs Ökonomie des Glücks ist eine Orchideen-Wissenschaft für Insider, die mit der Realität der Welt wenig zu tun hat.
  • Frank A. Meyer zu nennen, dürfte diesen am meisten überrascht haben. Ohne den Verleger Michael Ringier als eine Art persönlichen St. Christophorus gäbe es diesen Intellektuellen nicht, den die Sehnsucht nach dem europäischen Bourgeois umtreibt.
  • Im Gegensatz dazu ist Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel sicher der letzte intellektuelle Schweizer Verleger, der sein geistiges Spektrum laufend überprüft und erweitert. Hier herrscht Aufbruch, wo andernorts nur Rückzug zu sehen ist.
  • Roger de Weck, Generaldirektor der SRG, wurde soeben in der NZZ von Medienprof. Stephan Russ-Mohl geradezu versenkt. Das mit hohen Gebühren finanzierte Schweizer SRG-Modell lebe seinen Ansprüchen nicht nach und behindere die privaten Schweizer Medien bei ihrer Entwicklung, so Russ-Mohl. Das ändert nichts daran, dass Roger de Weck ein Intellektueller ist, der schon den deutschen Altbundeskanzler Schmid bezauberte, aber auf wen er Einfluss hat, ausser den ihm Unterstellten, bleibt offen.
  • Prof. Dr. mult. Hans Küng ist unbestritten. Er hat aufgezeigt, was Kirche sein könnte, würde sie mehr den Menschen als der eigenen Macht dienen. Vitus Huonder, der Bischof von Chur, wird sich freuen, zumal mit Abt Martin sein intelligentester liberaler Gegner von der Bühne abgetreten ist.

Kein einflussreicher Schweizer Denker unter 40, Stefan Zweifel, 46, und Roger Köppel, 48, sind die Benjamine. Die Zahl der 65- bis 85jährigen überwiegt. Der letzte Schweizer Weltintellektuelle ist wohl Hans Küng, 85, der seit zwei Generationen gegen die Weltmacht Vatikan angetreten ist. Dem vermag keiner der Lebenden zu folgen, Peter Bichsel, Kurt Imhof und andere schon gar nicht.

Von einem intellektuellen Politiker, mag es auch eine Frau sein, hat an diesem Jahreswechsel niemand gesprochen. Intellektuelle Unternehmer und Topmanager sucht man seit Jahren vergebens.

 
     
     
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