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Das freisinnige Dilemma

11. November 2013 um 10:36

Die Jungfreisinnigen des Kantons Zürich haben bei weitem nicht die Schlagkraft der Schweizer Jungsozialisten. Sie haben aber einmal den „Liberal Award“ ins Leben gerufen, den nennenswerte Schweizer wie Roger Schawinski und Konrad Hummler erhalten haben, dann aber auch Prof. Dr. Klaus Schwab und Andreas Thiel, eine Art moderner Stadtindianer. Am 2. Dezember wollen die Zürcher Jungfreisinnigen diesen Preis an eine italienische Rentenreformerin vergeben, welche der gescheiterten Regierung Monti angehörte. Es gibt also offensichtlich in der Schweiz keine Liberale mehr von nationaler oder internationaler Bedeutung, welche diesen Preis verdienten.

Machen wir uns auf die Suche, wo man Reste liberalen Ideentums in der Schweiz findet:

  • Die „FDP Schweiz. Die Liberalen“, ein Kunstname wie „Das Schweizer Bankkunden-Geheimnis“, haben keinen liberalen Chefideologen mehr in ihren Reihen. Die Fraktionschefin Gabi Huber ist eine Machtpolitikerin auf kleinem Feuer, denn die Partei verliert im ganzen Land laufend Positionen. Parteichef Philipp Müller („Arschloch“ nicht dementiert, „Vernegerung“ dementiert) zeichnet sich kaum durch intellektuellen Höhenflug aus. Die beiden freisinnigen Bundesräte Johannes Schneider-Ammann (Industrieller) und Didier Burkhalter (Berufspolitiker) ziehen die Schweiz zum Vorteil der Exportfirmen in bilaterale Abkommen und in die Unterstellung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), um die engere Zusammenarbeit mit der EU nicht zu gefährden. Als echte Preisträger bieten Sie sich offensichtlich ihrem Jungvolk noch nicht an. Intelligente freisinnige National- und Ständeräte gibt es einige, aber liberale Vordenker sucht man darunter vergebens.
  • Bei den liberalen Clubs handelt es sich zumeist um Altmänner-Vereinigungen, die längst den Glauben an eine Renaissance aufgegeben haben und deshalb einigermassen entsetzt in die Gegenwart blicken, die ganz andere Formen annimmt.
  • „Avenir Suisse“ ist unter Gerhard Schwarz (ex NZZ) mehr denn je eine Lobbying-Vereinigung geworden, die etwas schärfer als die économiesuisse auftreten kann, weil die interne Abstimmung leichter fällt.
  • Liberale Hochschullehrer, wie der einst geehrte Prof. Dr. Franz Jaeger von der Uni St. Gallen, haben wir etliche, aber die Wischiwaschi-Ebene ist dominierend. Für Franz Jaegers Nachfolger, welcher derzeit gesucht wird, gelten daher hohe Anforderungen.
  • In der Westschweiz, wo noch vor 20 Jahren grosse liberale Geister sassen, ist heute einzig Prof. Dr. Stéphane Garelli übrig geblieben, der via IMD die Welt beobachtet. Den Zürcher Jungliberalen ist dieser intellektuell anspruchsvolle Liberale natürlich entgangen.
  • Wer in den Schweizer Medien liberale Geister sucht, wird auch in der NZZ nur beschränkt fündig. An der Falkenstrasse herrscht heute eine Biederkeit, die bedrückend ist. Natürlich hat die Konkurrenz, der „tagi“, mehr liberale Geister, aber den Staatsliberalen der NZZ stellen die „tagi“-Liberalen zu viel modischen Chaotismus gegenüber, der prickelt, aber selten packt.
  • Ringier mit seinem altliberalen Bourgeois Frank A. Meyer ist mehr Operette, weshalbeine Preisvergabe an ihn kaum infrage kommt.
  • Das Schweizer Staats-TV und Staats-Radio SRG hat den einzigen dort zu findenden Intellektuellen, Roger de Weck, an die Spitze des Hauses gestellt und damit als liberalen Leuchtturm kalt gestellt.
  • René Scheu als Verleger des „Schweizer Monat“, das Flaggschiff-Magazin der Schweizerr Liberalen, gilt manchen noch als zu jung für hohe Ehren. Ein Fehlurteil.
  • Echte Liberale, wie Urs Schoettli, ein Urgestein, ziehen es vor, zwischen Tokio, Bombay und der Schweiz zu leben. Sie können in einer Max Schmidheiny-Stiftung überdauern, haben aber zum Schweizer liberalen Fussvolk wenig Kontakt.

Das „Liberal Award Comittee“ musste daher auf jene Italienerin kommen, welche viele Italiener ärmer macht, um des höheren Staatswesens willen. Wie Gerhard Schröder, der, obwohl in Zug ansässig, noch nie den „Liberal Award“ gewann, Deutschland mit seinen „Hartz IV“-Gesetzen weltmarktfähig machte, sucht sie den gleichen Weg zu gehen.

In der Schweiz, so der Schluss, fehlt es nicht an echten Liberalen, sondern an Gremien, die solche auszeichnen möchten.

Ständerat  Prof. Dr. Felix Gutzwiller, dem die Gesundheitsindustrie am Herzen liegt,  und Nationalrätin Doris Fiala, die ihr Herzblut in mancherlei Richtung vergiesst, haben, im Patronatskomitee sitzend, keine bessere Lösung als die Italienerin gefunden. Ein neuer Alfred Escher ist nicht in Sicht, weshalb ich empfehle: Nehmt Euch des Nachwuchses an.

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