Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Tagesarchiv für 4. November 2013

Schönheit, Chancen und Konflikte: Schweizer Verleger im Dauer-Stress

Montag, den 4. November 2013 um 8:15

Ein alterndes Volk, das immer weniger liest, eine Jugend, die mailt und twittert, und ganze Regionen in der Schweiz (Genf, Kleinbasel, Zurzibiet, Biel, Schlieren), wo man immer weniger Schweizer, dafür aber bis zu 40% Einwanderer findet.

Unsere Schweizer Verleger befinden sich im Dauerstress. Das gilt für die grossen Verlage ebenso wie die kleinen:

  • Ringier hat in der ganzen Schweiz Führungs- und Personalprobleme. Jetzt soll – wieder einmal – ein Deutscher Ruhe in den Laden bringen.
  • Aus der Westschweiz sieht tamedia wie eine Dauer-Baustelle aus. Das Vertrauen auch der oberen Kader in die Zürcher Spitze ist schwer angeschlagen.
  • Bei der NZZ hat der neue CEO (ein Österreicher immerhin) erst einmal den Leiter elektronische Medien aus dem Sessel gekippt. Hält Veit Dengler dieses Tempo, wird sich die „alte Tante“ tatsächlich verändern.
  • Im Aargau und der Nordwestschweiz stürmt Peter Wanner mit einer Fülle teurer und riskanter Initiativen voran. Ob dies solide gerechnet ist oder der Laufschritt nur eine Implosion verhindern soll, weiss ausser ihm niemand. Mit der az-Beilage vom 31. Oktober („Unsere 100 Meinungsmacher“) hat er auch Basel-Stadt einnehmen lassen, obwohl dort die „BaZ“ immer noch klar führt.
  • Die Schweizer Filiale des deutschen Axel Springer Verlags leidet auch unter dem schleichenden Niedergang der eigentlich gut gemachten „Handelszeitung“ und der stagnierenden „Bilanz“. Wo es immer weniger lesende Schweizer gibt, wer braucht dann noch Schweizer „Geschichten“?
  • Hanspeter Lebruments „Südostschweiz“  sitzt nach einem gescheiterten Ausbruch wieder hinter ihren sieben Bergen fest. Co-Verleger Andrea Masüger und Chefredaktor David Sieber, zwei der besten Schweizer Journalisten, müssen ihre intellektuelle Strahlkraft jetzt in erster Linie den Bewohnern der langsam sich leerenden Bündner Bergtälern zu gute kommen lassen.
  • Ausnahme-Verleger Roger Köppels „Weltwoche“ wird laufend ein wenig besser und löst sich langsam aus der Umarmung von Hausfreund Dr. Christoph Blocher. Dies ist aber trotz eines immensen Einsatzes der wohl fleissigsten Schweizer Kleinredaktion bisher noch nicht im Markt der potentiellen Leser und Abonnenten angekommen.

Kleiner Trost: Die SRG überzeugt mit ihren TV-Programmen je länger je weniger; ihre Radioprogramme sedieren die alten Menschen, welche in wachsender Vereinsamung medialen Trost und Harmonie suchen. Die Jungen lässt sie hüpfen und in einem wenig brauchbaren Englisch summen, das ist aber auch alles.

Das intellektuelle Dach der SRG ist der praktizierte Heimatschutz. Wo aus Schweizer Heimat globalisiertes Brachland wird, das zu durchdringen nicht jedermann gegeben ist, muss der Heimatbegriff neu fundiert werden.

Die Schweizer Verleger, die aus ihren Chefredaktoren zu oft wenig glückliche Manager gemacht haben, sind ihrer Region angekettet wie Prometheus dem Felsen. Was für ihn die Geier waren, sind für unsere Verleger heute Google und Konsorten. Sie müssen ihre Ketten sprengen und Schönheit, Chancen und Konflikte der Schweiz des 21. Jahrhunderts ins Bild und den Text bringen. Nur wer diese Kraft hat, wird überleben.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog