Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Monatsarchiv für Oktober 2013

Demokratie ohne Substanz

Mittwoch, den 16. Oktober 2013 um 9:00

Nur jeder siebente Italiener liest noch eine Zeitung; das Ergebnis heisst „20 Jahre Berlusconi“. In den USA westlich der Ostküste gibt es kaum noch Regionalzeitungen, die über lokalen Tratsch hinaus intelligent berichten. Nur noch wenige US-Amerikaner wissen wirklich, was sich jenseits ihrer Landesgrenzen abspielt; das Unwissen reicht bis weit hinauf in die sogenannten Parteien und die Regierung. In Deutschland haben Jugendliche, die im ehemaligen Ostdeutschland zur Schule gehen, einen 2-3jährigen Bildungsvorsprung vor ihren Kollegen im Westen, Der Grund: „Strenge“ Lehrer, die noch im Geist der ehemaligen DDR ausgebildet wurden, keine „Wohlfühl“-Lehrer wie im Westen.

Wer nicht lernen will oder wem nichts beigebracht wird, wie in der Schweiz, wo neuerdings nicht mehr „Wissen“ sondern „Kompetenzen“ vermittelt werden sollen, braucht die Medien. Was im kollegialen nachbarschaftlichen Gespräch vermittelt wird, ist meist auch nicht mehr als ein Abklatsch dessen, was in Radio oder TV zu hören oder zu sehen waren.

Nun hat uns Ingrid Deltenre, die vormalige Schweizer TV-Direktorin zur Zeit von Armin Walpen, wissen lassen, dass sie die erste war, die seinerzeit dort eine Unternehmensstrategie einführte; zuvor habe es dort „nur eine journalistische Führung“ gegeben. Die älteren Semester, welche die vor-Deltenre-Zeit noch erlebten, mögen sich wundern, denn das Informationsangebot war dort seit Ende des Zweiten Weltkriegs mit markanten Gesichtern am Bildschirm eindeutig qualitativ hochstehend. Wer heute die „Tagesschau“ oder „10 vor 10“ erlebt, sehnt sich eher nach jener Substanz, ,die wir einmal hatten. „Arena“, „Rundschau“ und „Zitschtigsclub“ mögen für müde Bauern oder engagierte Verkäuferinnen etwas Ablenkung bieten, sind aber für anspruchsvollere Schweizer, wie tamedia-Direktor Peter Rothenbühler schrieb, kaum noch relevant.

Ingrid Deltenre, die sich heute gerne „Herrin über Europas TV“ nennen lässt („Blick“), was eine ziemliche Übertreibung ist, denn mehr als Koordination liegt nicht drin, lobt sich heute: „Ich habe mit der Politik, der Wirtschaft und der Kulturszene eine gemeinsame Zielsetzung entwickelt.“ Da wüsste man gerne mehr, wie man sich diese Gespräche vorstellen muss, die ein derlei schwaches Schweizer TV von heute zur Folge haben, das sich nur mit Zwangsgebühren auch für Nichtzuschauer über Wasser halten kann.

Von Roger de Weck und seiner Camarilla hat sich die wahre Schweizer Intelligenz, die nicht eingebunden ist in die Kraftfelder unserer halbstaatlichen SRG, mehr versprochen. Ingrid Deltenre hat kaum nennenswerte Spuren hinterlassen, de Weck hat bisher die zunehmende Trostlosigkeit und Scheinfröhlichkeit verwaltet.

Natürlich kann man ein Schweizer Fernsehen als intellektuelle Notnahrung für den geistigen Mittelstand machen, der sich johlend auf die Schenkel schlägt, wenn beim Jass oder bei Giacobbo der richtige gewinnt. Wer sieht, wie weite Teile des Landes in einer Welle roter Zahlen zu versinken drohen, wie Steuer- und Gebührenerhöhungen den Lebensstandard auch des oberen Mittelstandes bedrohen, wie die Schweiz heute näher zur EU gepeitscht wird, der fragt sich, ob die Schlafpille SRG nicht gewollt ist. Ingrid Deltenre hat den Journalismus enthauptet, Roger de Weck denkt nicht daran, ihn wieder zu wecken.

Weltenergie-Konferenz übersieht die Schweiz

Mittwoch, den 16. Oktober 2013 um 9:00

Derzeit findet in Daegu/Südkorea die Weltenergie-Konferenz statt, von welcher man bisher in der Schweiz schon deshalb keine Berichte lesen konnte, weil die Schweiz dort als Faktor nicht zur Kenntnis genommen wird.

Nicht einmal aus Deutschland ist ein einziger Minister angereist, obwohl  Angela Merkel eine Energiewende angestossen hat, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Von den 50 Ministern, die derzeit in Daegu tagen, weiss keiner von der deutschen Energiewende. Über die Leuthard’sche Energiewende à la Suisse ist gleich gar nichts bekannt. Wie das?

Angela Merkel wurde nach Fukushima in die Energiewende hineingestossen, weil sich Firmen, wie Siemens, davon ein Milliardengeschäft versprachen. Sie hat die Energiewende kurz vor den Wahlen im für die CDU wichtigen deutschen Bundesland Baden-Württemberg entschieden. Jedoch ohne Erfolg, denn die Grünen haben in Stuttgart gewonnen.

Die Rede war von einem wahren Exportwunder, das Deutschland erleben würde, wenn es der Welt vormache, wie dies funktioniert. Das einzige, was bisher funktionierte, waren Dutzende von Milliarden Euro an Steuergeldern, die im heissen Ofen der grünen Ideologen verbrannt wurden. Ein Land folgte Deutschland: die Schweiz.

Weder Japan noch ein anderer Staat wollen auf Kernkraftwerke künftig verzichten. Die BRIC-Staaten wie die Länder der Dritten Welt wollen mehr Energie um jeden Preis. Das Weltenlenker-Team Merkel/Leuthard weiss seinen Völkern nur eines zu versprechen: Höhere Kosten, steigende Preise, Erfolg unsicher.

Warum die Kirchen noch mehr Menschen verlieren werden…

Montag, den 14. Oktober 2013 um 10:00

Papst Franziskus hat der Römisch-Katholischen Kirche seit seinem Amtsantritt einen massiven Imagebonus verschafft. Wie die Landeskirchen ihn nutzen und vergrössern, das ist die entscheidende Frage. Die Weltkirche dringt heute tagesaktuell dank der Medien bis in das letzte Dorf hinein; Rom macht Mut.

Unmut löst seit Wochen der deutsche Landesbischof aus Limburg an der Lahn aus, Tebartz-van Elst. Dieser, für seine Gläubigen nur schwer zugängliche, leicht magersüchtige Dienstherr mit dem überaus ehrgeizigen Blick eines Wall Street-Bankers hat sich für über 31 Mio. Euro eine neue Residenz bauen lassen. Eigentlich ist dies Kleingeld, gemessen an dem Aufwand, den Bischöfe früher getrieben haben. Doch heute rebellieren die ihnen untergebenen, oft keineswegs wohlhabenden Kirchenbank-Christen; sie rebellieren lauter denn je mit Hilfe der Medien, die mit jedem Skandal ein Stück ihrer Lebensberechtigung beweisen wollen.

Die rk Kirche wird noch mehr Menschen verlieren, weil die Kirchenfürsten, die Bischöfe vor allem, keine Menschenführer mehr sind. Zwischen dem Bischof in Chur und Gott steht nur der Papst. Die anderen Schweizer Bischöfe haben gelernt, mit der Schweizerischen Bischofskonferenz zu leben, aber „Einigkeit im Geiste des Herrn“ sucht man dort vergebens.

Abt Martin Werlen, der in gut vier Wochen als Leiter des Klosters Einsiedeln zurück tritt, geniesst im Schweizer Volk von allen Priestern im Bischofsrang die grösste Beliebtheit. Er hat nicht nur das zuvor hoch verschuldete Kloster finanziell saniert, ist mit seinen jugendlichen Auftritten auf dem Skateboard und seinen „tweeds“ bestens angekommen, sondern hat mit der Publikation „Die Glut unter der Asche entdecken“ auch theologisch eine heute weltweit anerkannte Publikation vorgelegt, die in viele Sprachen übersetzt wurde. Abt Werlen, der von der Schweizerischen Bischofskonferenz den Auftrag hatte, für die rk Kirche in der Schweiz eine bessere Kommunikation aufzubauen, ist an seinen Kollegen im Bischofsrang gescheitert. Sie können das nicht leisten und wollen es nicht leisten.

Die Gläubigen in den Chillebänken sind indischen, afrikanischen, polnischen und anderen Priestern der Weltkirche ausgeliefert, die mit unserem Land nur selten vertraut sind. Sie tun ihr Möglichstes, aber das ist zu wenig, um die Kirche, „Miteinander“, wie Abt Martin schrieb, wieder in Schwung zu bringen. Abhilfe ist nicht in Sicht.

Der Evangelisch-Reformierten Kirche in der Schweiz geht es nicht besser. Jeder Pfarrer kann in seiner Gemeinde im Prinzip tun und lassen, was er will. Das Berner Kirchenoberhaupt beschleunigt hie und da sein geistliches Fahrzeug, um dann wieder in den Trott der Jahrhunderte zurück zu fallen.

Die Menschen flüchten deshalb zu den Freikirchen, die von den Menschen und ihren Spenden leben und sich daher mehr Mühe geben. Die beiden Staatskirchen sind aufgrund der Zwangskirchensteuer, die Private wie Firmen zahlen müssen, dick und fett geworden, nicht viel anders als die Schweizer Bankiers vor der Krise ihres Bankgeheimnisses.

Kein gläubiger Christ wird dieses religiöse Trauerspiel ernst nehmen können. In den Kirchenbänken sitzen viele Alte und immer seltener junge Menschen. Die Abrissbirne droht über den Gotteshäusern, denn Gott führt dort ein Schattendasein.

Finanzausgleich ist zur Hälfte Diebstahl

Freitag, den 11. Oktober 2013 um 11:33

Zwei erschreckende Vorgänge sollten uns beschäftigen. Sie sind nur der Auftakt kommender Ärgernisse:

  • Die Zürcher Gemeinde Zumikon, ohnehin stark vom Fluglärm belastet, will im kommenden Jahr ihre Steuern gleich um 9% anheben. Die Abgaben an die anderen Gemeinden des Kantons via Finanzausgleich reissen tiefe Löcher in das Gemeindebudget.
  • Die Zürcher Gemeinde Rüschlikon hat pro Kopf ein Steuereinkommen von Fr. 4 200.—Es wären Fr. 35 000.–, würde der Rest nicht vom kantonalen Finanzausgleich abgeschöpft.

Das ist eine Form von Diebstahl durch politische Arrangements. Die grösseren Städte des Kantons Zürich, Zürich und Winterthur allen voran, werden von links-grünen Minderheiten regiert, die auch im Kantonsrat perfekt zusammen spielen. Sie haben diesen vertikalen Finanzausgleich durchgesetzt, der jedes Jahr teurer wird. Wer von den anderen Gemeinden sich zur Wehr setzt, wird vom Kanton, der eine starke Führungsrolle einnimmt, sofort disqualifiziert.

Dabei ist nicht gesichert, dass die Nehmerstädte und –Gemeinden das den reichen Gemeinden entzogene Geld sinnvoll einsetzen. Zürich fällt immer wieder mit exzentrischen Projekten auf, wie mit einer “Millionen-Toilette“ oder einem Hafenkran, wie er in Genua und Hamburg üblich ist. Verzögert wird, was sinnvoll wäre, die Zusammenlegung von Gemeinden, damit sie wirtschaftlicher arbeiten.

„Europas Schande“ ist übertrieben

Mittwoch, den 9. Oktober 2013 um 8:45

Wenn die deutsche Bundeswehr nun aus Kundus abzieht, ganz gegen den Willen vieler Afghanen, die Angst vor den Taliban haben, hat sie wieder einmal einen Krieg verloren. Die deutsche Regierung ist mitschuldig an den Toten und Verletzten, nicht nur den Deutschen, in diesem geplagten Land.

Wenn Afrikanerinnen und Afrikaner aus eigenem Entschluss ihr bitterarmes Land verlassen, einige tausend US-Dollars in der Tasche, um die Küste des Mittelmeeres und Europa zu erreichen, ist dies ihr eigener Entscheid. Wenn sie sich für 1500 Dollars Schleppern ausliefern, die sie auf Todeskähnen über das Mittelmeer bringen, ist es auch ihr eigener Entscheid. Ich weiss nicht, wieso dies „Europas Schande“ sein soll.

Der Mensch ist des Menschen Wolf, in Afrika wie in Europa. Da wir reich genug sind, eine Hunderttausend Flüchtlinge bei uns in Europa aufzunehmen, tun wir unsere Pflicht als Christenmenschen. Wenn unsere Vorfahren Afrika besetzt und zerstückelt haben, taten sie es mit Unterstützung einheimischer Eliten, die ihre eigenen Völker verkauften. Wo die Schande der Heutigen zu finden ist, will mir nicht einfallen.

Als grössere Schande Europas und der USA betrachte ich den „Arabischen Frühling“, der ausser Zerstörung bisher nichts gebracht hat. Der französische Grossdenker BHL (Bernard Henry Lévy) hat Nicolas Sarkozy zum Einsatz nach Libyen gehetzt; jetzt schweigt er zu Recht über die Folgen seiner Tat. Mubarak wurde mit Hilfe der Amerikaner zum Rücktritt gezwungen. Was dies den Ägyptern bisher gebracht haben soll, ist mir rätselhaft. Die neue „Grosse Französische Revolution in Nordafrika“, eine Aktion vieler Geheimdienste und Waffenproduzenten, die zeigen wollten, was ihr Material im Ernstfall leistet, führte zu einer teuren Niederlage des Westens.

Greifen wir deshalb Wladimir Putin an, der ein chaotisches Land wieder stabilisieren will? Einen Putin, der sich seit Jahren zu Europa bekennt und die Zusammenarbeit sucht. Wenn zwei Dutzend westliche Abenteurer auf Schlauchbooten eine russische Bohrinsel in der Arktis angreifen und besetzen wollen, ist dies eine ausländische Aggression. Was würden wir Schweizer tun, wenn Stosstrupps aus der EU unsere Banken besetzen wollten? Auch hier scheint mir die öffentliche Tonalität falsch zu sein.

Putins in westlichen Augen oft unsensible Herrschaft wirkt auf den neutralen Betrachter immer noch besser als die politische Führungslosigkeit, die sich im Westen immer weiter ausdehnt:

  • Die USA sind unglaublich bankrott, mehr noch als Griechenland, und die Regierung ist nicht mehr funktionsfähig. Dafür hält sie hunderte von dunkelhäutigen Gefangenen unter zweifelhaften Beschuldigungen oft Jahrzehnte in Isolationshaft gefangen, weil die weissen Richter ein Exempel statuieren wollten.
  • In Grossbritannien, womit England gemeint ist, schleppt sich die Regierung Cameron nur noch mühsam vorwärts; auch dieses Land ist bankrott.
  • In Italien herrscht das Chaos nach Berlusconi; ein „Putini“ täte dem Land gut. Immerhin räumt ein Argentinier als Papst im Vatikan ein wenig auf.
  • Hollandes Frankreich, die einst „Grande Nation“, trägt, jenseits einiger Staats-, Kosmetik- und Luxuskonzerne, nur noch Lumpen.

Wir sehen die Balken im eigenen Auge nicht:

  • Die beiden Grossbanken, vor allem aber die UBS, taumeln von Betrugsskandal zu Betrugsskandal: Libor, Adoboli, Devisen, „Gammelwürste“. Wer keinen Systemfehler vermutet, macht es sich zu leicht.
  • EDA-Chef Didier Burkhalter, dem noch niemand übergrosse Intelligenz vorgeworfen hat, lässt sich von seinem Staatssekretär in die Arme des Europäischen Gerichtshofes treiben, gewissermassen eine „welsche Verlobung“ mit der EU. Wer fremde Richter anerkennt, hat im eigenen Haus nicht mehr die gleiche Macht wie zuvor.

Es gibt bei uns eine Schickeria-Elite, die man in NYC „the chattering classes“ nennt, die Meinungen bildet, worüber sich nur staunen lässt. Schuld entsteht nicht, wenn andere sich in ihr Unglück stürzen, sondern Schuld entsteht nur dort, wo man sich nicht zu Wort meldet, wenn der eingeschlagene Weg ein falscher ist.

Die Dienerinnen der Herren

Montag, den 7. Oktober 2013 um 7:45

Niemand würde sich im Vatikan heute wundern, wenn dort selektiv auch Frauen in Führungsfunktionen einziehen. Genannt wird vor allem die Presse- und Medienarbeit des Vatikans, die man leicht in die Hand einer Frau legen könnte. Für in Führungsfunktionen nachdrängende Frauen hat sich der Einstieg via Medienarbeit oder Communications schon seit über einer Generation bewährt. In England und den USA stiessen Frauen schon in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in diesen kreativen Beruf vor, der vielerorts die einst attraktive „klassische Werbung“ abgelöst hat.

Den Unternehmern war dies gerade recht, konnten sie damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Erhöhung der Frauenquote im Management, ein sensibles Wesen in ihrer Umgebung, das die hartgekochte männliche Kriegs- und Nachkriegs-Generation ablöste, und oft auch eine sehr attraktive Frau, die bekanntlich Männer in manchmal trostlosen Sitzungen zu Höchstleistungen anspornt. Unvermeidlich war es, in den USA wie jüngst auch in der Schweiz, dass es zu engen persönlichen Beziehungen und sogar Ehen zwischen Kommunikatorin und Patron kommt, die, wie die Erfahrung zeigt, sehr oft ein unglückliches Ende nehmen. Dass PR-Berater ihre Chefin heiraten, habe ich bisher noch nie erlebt.

Mit Ausnahme von Bea Tschanz, der legendären Beraterin des Swissair-Topmanagements vor und während deren Absturz in Halifax und, aus Finanznot, den Banken, die ihre Argumente mit grosser Härte verteidigte, erlebte und erlebe ich nur Frauen in Spitzenpositionen der Kommunikation, die als professionelle Dienerinnen ihrer Herren dauerhaft in Erscheinung getreten sind. Hierbei ist das Wort „dauerhaft“ entscheidend, denn nicht gering war die Zahl jener angelsächsischer Beraterinnen, die im knappsten Coco Chanel-Kostüm ihre Argumente mit Formen unterstrichen. Sie weckten Interesse, verschwanden aber auch bald wieder. Daniel Vasella und Joe Ackermann standen einige Zeit unter dem Einfluss solcher Berater, gewannen aber erst an Profil und Sicherheit, als sie sich wieder europäischen Beratern zuwendeten.

Wer nicht bei Frauen Hilfe suchen wollte, suchte sein Glück bei Chefredaktoren und anderen Journalisten, die Vertrautheit mit Wirtschaft und Gesellschaft bewiesen hatten. Die Krise der Printverlage beförderte den Ausstieg von Medienmenschen aus ihrer herkömmlichen Berufslandschaft, wo sie Public Relations und Medienarbeit meist verhindert oder sogar verdammt hatten, um dann als Kuckuckseier genau in jenes Nest zu steigen, das ihnen zuvor als minderwertig galt. Der Grund war ein einfacher, wie mir zwei einst berühmte Chefredaktoren sagten: „Ich will endlich einmal Geld verdienen.“ So tingelte ein einstiger Chefredaktor der „Financial Times“ in hoch bezahlten Spitzenpositionen durch zahlreiche Weltfirmen, wo sich Krisen bedrohlich abzeichneten, ohne nennenswert zu einer Besserung des Images derselben beitragen zu können.

Der klassische „Head Corporate Communications“, der an den weltbesten Universitäten seinen „Master of Communications“ hart erarbeitet, steht deshalb nicht im zweiten Glied. In professionellen Unternehmen ist man sich seines Wertes bewusst, denn nur ein Spitzenteam kann wirkliche Imagewerte entwickeln. Wie das Beispiel der UBS Schweiz, Novartis oder die Zürich Group zeigen, können Fehleinstellungen den Prozess signifikant verzögern. Von daher zeigt sich, dass wenig kommunikationserfahrene Vorgesetzte meist auch keine glückliche Hand haben bei der Wahl ihres internen Beraters. Im Zweifel wird der dienenden Funktion, oft auch der einer Frau, der Vorzug gegeben.

Den Unternehmern alleine die Schuld zuzuschieben, bringt wenig. Die Branche selber hat zu viele und oft auch wenig geeignete Messlatten entwickelt, um Aufwand und Wirkung in der Kommunikation bestmöglich zu erkennen. Was letztlich zählt, ist das Vertrauen zwischen Chef und Kommunikator/-in. Beide sind mehr denn je aufeinander angewiesen.

Papst Franziskus und Bruder Xi Jinping

Freitag, den 4. Oktober 2013 um 15:15

Die Welt wird jeden Tag toller: Papst Franziskus predigt gegen die „Klerikalen“ und stellt den Vatikan auf den Kopf. Er nennt Hans Küng seinen Bruder.

In China reist  Parteichef Xi Jinping durch die Lande und predigt Einfachheit. Die Rituale der Selbstkritik erfassen die neureiche Republik.

Papst Franziskus und Xi Jinping, sind sie Brüder im Geiste? Die neue Armut erfasst die Welt von West nach Ost. Es wird Zeit zur Beichte.

Der Schweizer Klassenkampf nimmt Formen an

Donnerstag, den 3. Oktober 2013 um 13:30

Die Abstimmungsniederlage der „alten“ économiesuisse gegen Ständerat Thomas Minder hat aufgezeigt, auf welchen dünnen Beinen die Kapitalseite steht, tritt ein ernsthafter Gegner gegen sie an. Nun haben sich die Jungsozialisten, unterstützt von einer grün-roten Front, aufgemacht, die Bastion des Kapitals mit der 1:12-Initiative erneut zu testen. Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, ist angetreten, den Fehler der économiesuisse nicht zu wiederholen. Es geht zu wie auf einem mittelalterlichen Ritterturnier, wo die Helden sich aus dem Sattel stossen wollen. Aspekte eines neuen Klassenkampfes sind unübersehbar.

Die bisher verschossene intellektuelle Munition der kapitalstarken Verteidiger ist eher grobkörnig, denn niemand weiss wirklich, was die Bestverdiener denken und was sie mit dem – in den Augen mancher – zu leicht verdienten Geld tun. Bekanntlich gründen einige Betroffene Stiftungen, wie Lukas Mühlemann, Marcel Ospel, Daniel Vasella und Peter Wuffli. Aber alle vier sind wie vom Boden verschwunden, auch von ihren Stiftungen keine Nachrichten hinterlassend.

Deshalb scheint es klüger, einigen Autoren zu folgen, die sich auch mit diesem Verteilungskampf beschäftigen:

  • Bhagwati und Panagyriya machen am Beispiel Indiens deutlich, wo Teile der Bevölkerung bereits zum bewaffneten Aufstand übergegangen sind, dass „der Kuchen“ erst vergrössert werden muss, ehe er verteilt wird. Die Inder werden also noch ein wenig warten müssen bis ihre Industrie- und IT-Milliardäre ihn für gross genug befinden.
  • Minogue, alt Präsident der Mont Pélérin Society, die als konservativ zu bezeichnen keine Übertreibung ist, verlangt, wie der Autor dieser Zeilen auch, „gute Begründungen im Ideenkampf der Gegenwart“. Man sei gegen die Vertreter der „demokratischen Sklavenmentalität“ schlecht gerüstet, stellt er fest. Ob das auch für Schweizer Spitzenverbände gilt, mögen diese selbst beantworten.
  • Mullainathan und Shafir sehen die Lösung darin, den ärmeren Menschen darin behilflich zu sein, der Knappheitsfalle zu entkommen. Wer zu wenig Geld habe, solle Reserven anlegen. Wer wegen falscher Ernährung zu dick sei, was in vielen armen Ländern der Fall ist, müsse Diäten einhalten.

In der Schweiz haben wir einen „grossen Kuchen“, um welchen wir weltweit beneidet werden. Unsere Basisdemokratie ist weniger von einer Sklavenmentalität geprägt, sondern atmet den Geist des Widerspruchs. Finanzielle Reserven haben wir (noch) in grosser Fülle und eines der sportlichsten Völker der Erde sind wir ohnehin.

Dies ganz im Gegensatz zu den USA, wo die Ratingagenturen „vorläufig“ auf eine Herabstufung der  einst führenden Nation der Welt verzichten wollen. Sie müssten dies aber nach dem 17. Oktober ins Auge fassen, wenn dort die Schuldengrenze nicht angehoben würde. Die USA, so lernen wir, können nur AAA bleiben, wenn sie mehr Schulden machen.

Klassenkampf in der Schweiz um Höchsteinkommen, Saläre oder Vermögen scheint angesichts solcher Entwicklungen wenig angebracht.

Zwei Jahre Salärschutz für alle

Donnerstag, den 3. Oktober 2013 um 8:45

Würden die Jusos, die Gewerkschaften oder die SP Schweiz „Zwei Jahre Salärschutz für alle“ verlangen, liesse der Widerstand von économiesuisse, des Schweizerischen Gewerbeverbandes und den Arbeitgeber-Organisationen nicht lange auf sich warten. Jedoch existiert diese Leistung bereits, nämlich in der Bundesverwaltung in Bern, wo die Bundespersonalverordnung jedem Mitarbeiter des Staates ein solches Privileg gewährt. Jeder Mitarbeiter, dem eine Versetzung innerhalb der Verwaltung droht, kann sich auf diesen besonders edlen Sozialschutz berufen.

In der privaten Marktwirtschaft, welche die Kosten für derlei staatlichen Aufwand trägt, wären solche Leistungen nicht finanzierbar. Vielmehr ist der staatliche Salärschutz ein weiteres Beispiel für die vielen Privilegien, welche sich Beamte und Staatsangestellte in aller Stille zugehalten haben. Eines der für den Steuerzahler schlimmsten Privilegien, wo auch die Kantone eine unrühmliche Rolle spielen, sind die Verpflichtungen für die Pensionskassen der Beamten. Diese luxuriösen Entschädigungen werden das Schweizer Volk noch Milliarden kosten – ohne Gegenleistung.

Sass er nur oder bewegte er etwas?

Mittwoch, den 2. Oktober 2013 um 10:51

 

Wie die angesehene NZZ schreibt, wird Arthur Rutishauser als neuer Chefredaktor der „SonntagsZeitung“ den „Wettbewerb um Enthüllungen“ vorantreiben. Er trete an die Stelle von Martin Spieler, „der auf diesem Posten während knapp drei Jahren sass“. Bewegte Martin Spieler auch etwas? Rainer Stadler, der Medienmann der NZZ, lässt diese Frage offen.

Es kann damit gerechnet werden, dass mit Martin Spieler ein neuer Kommunikationsberater die Szene betritt. Seine Lehrjahre verbrachte er bei der Stöhlker AG, wo er jedoch nicht „sass“, sondern fleissig produzierte.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog