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Mein zunehmend virtuelles Leben

18. Oktober 2013 um 7:30

Wie meine Daten in der Cloud gespeichert sind, kann ich nicht nachvollziehen. Neuere Erfahrungen mit der US-Behörde NSA (National Security Agency) lassen jedoch die Vermutung zu, dass es sich bei der Cloud, die derlei Informationen gerne aufsaugt, um einen Bunker in Oklahoma/USA handelt, wo findige Rechner genau diesen Text aufnehmen und entschlüsseln.

Wenn es nach Bundesrätin Doris Leuthard geht, deren Verkehrs- und Energieprojekte auch von der Cloud verhafteten Dimensionen sind, werde ich demnächst eine teure e-Vignette kaufen müssen, also eine Vignette, die nicht ich besitze, sondern die mich besitzt und die mich während meiner Fahrten durch die Schweiz auch laufend kontrolliert. Ältere Christen glaubten noch an den Schutzengel, der sie überall hin begleite. Bei uns  Jüngeren sind es die e-Vignette und andere geheimnisvolle Systeme, wie die Kreditkarte, die via Cloud anderen geheimnisvollen Überwachungsorganen meldet, wie es um unsere finanzielle Stabilität bestellt ist. Wenn nun auch noch die medicard, die Gesundheitskarte, folgt, die taxcard alle Kerndaten zur Person aufgenommen hat und ein Chip im rechten Oberarm den Medikamentenverbrauch wie den Einlass in Unterhaltungsforen aller Art ermöglicht, fühle ich mich, nein, nicht in Gottes Armen, sondern in denen der Internet- und Computertechnologie gut beschützt. War nicht Gott, wie wir ihn als „Kinder des Buches“ verstehen, auch schon immer eine Cloud? Unsichtbar, aber präsent.

Nicht zu vergessen, auch unser Besitz, sofern man von solchem sprechen kann, nimmt immer kafkaeskere Formen an. Seit einer Zeit bin ich e-Eigner eines Stückes vom Vorhof des Klosters Einsiedeln. Ein paar tausend Franken, die ich dort investierte, waren real; der Besitz als solcher ist …… na ja. Dies ist jedoch harmlos gemessen an den Risiken, denen unser Besitz ausgesetzt ist, der auf Bankkonti liegt. Was früher Sparkonto hiess, ist heute virtuelles Geld, das von den „Private Bankers“ gesammelt und den „investment bankers“ und „asset managers“ wieder ausgegeben wird. Weil die Welt heute unsicherer als je zuvor ist, dürfen Bankzusammenbrüche so wenig ausgeschlossen werden, wie dies beim UBS-Konzern unlängst der Fall gewesen ist. Daher sind unsere dort angelegten Vermögen jenseits der Grenze von Fr. 100 000.—fiktiv, wobei nicht einmal sicher ist, dass auch die spärlichen Fr. 100 000.—gesichert sind, wenn alle auf einmal darauf zugreifen müssen.

Mein zunehmend virtuelles Leben ist keine Ausnahme. Bauern leben vom Geld des Staates, der sich, mit zunehmender Verschuldung, zur Zahlung verpflichtet hat. Renten sind Versprechen, die in wenigen Jahren in Wert verloren haben werden. Staatliche Schul- und Hochschulausbildung, wie sie bei uns ausgeübt werden, sind Kindergärten gemessen am Fleiss der Völker Asiens, die mit Disziplin und Ehrgeiz eine neue reale Welt aufbauen. Europa und die USA driften ab in virtuelle Räume, die sie Freiheit nennen.

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