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Tagesarchiv für 9. Oktober 2013

„Europas Schande“ ist übertrieben

Mittwoch, den 9. Oktober 2013 um 8:45

Wenn die deutsche Bundeswehr nun aus Kundus abzieht, ganz gegen den Willen vieler Afghanen, die Angst vor den Taliban haben, hat sie wieder einmal einen Krieg verloren. Die deutsche Regierung ist mitschuldig an den Toten und Verletzten, nicht nur den Deutschen, in diesem geplagten Land.

Wenn Afrikanerinnen und Afrikaner aus eigenem Entschluss ihr bitterarmes Land verlassen, einige tausend US-Dollars in der Tasche, um die Küste des Mittelmeeres und Europa zu erreichen, ist dies ihr eigener Entscheid. Wenn sie sich für 1500 Dollars Schleppern ausliefern, die sie auf Todeskähnen über das Mittelmeer bringen, ist es auch ihr eigener Entscheid. Ich weiss nicht, wieso dies „Europas Schande“ sein soll.

Der Mensch ist des Menschen Wolf, in Afrika wie in Europa. Da wir reich genug sind, eine Hunderttausend Flüchtlinge bei uns in Europa aufzunehmen, tun wir unsere Pflicht als Christenmenschen. Wenn unsere Vorfahren Afrika besetzt und zerstückelt haben, taten sie es mit Unterstützung einheimischer Eliten, die ihre eigenen Völker verkauften. Wo die Schande der Heutigen zu finden ist, will mir nicht einfallen.

Als grössere Schande Europas und der USA betrachte ich den „Arabischen Frühling“, der ausser Zerstörung bisher nichts gebracht hat. Der französische Grossdenker BHL (Bernard Henry Lévy) hat Nicolas Sarkozy zum Einsatz nach Libyen gehetzt; jetzt schweigt er zu Recht über die Folgen seiner Tat. Mubarak wurde mit Hilfe der Amerikaner zum Rücktritt gezwungen. Was dies den Ägyptern bisher gebracht haben soll, ist mir rätselhaft. Die neue „Grosse Französische Revolution in Nordafrika“, eine Aktion vieler Geheimdienste und Waffenproduzenten, die zeigen wollten, was ihr Material im Ernstfall leistet, führte zu einer teuren Niederlage des Westens.

Greifen wir deshalb Wladimir Putin an, der ein chaotisches Land wieder stabilisieren will? Einen Putin, der sich seit Jahren zu Europa bekennt und die Zusammenarbeit sucht. Wenn zwei Dutzend westliche Abenteurer auf Schlauchbooten eine russische Bohrinsel in der Arktis angreifen und besetzen wollen, ist dies eine ausländische Aggression. Was würden wir Schweizer tun, wenn Stosstrupps aus der EU unsere Banken besetzen wollten? Auch hier scheint mir die öffentliche Tonalität falsch zu sein.

Putins in westlichen Augen oft unsensible Herrschaft wirkt auf den neutralen Betrachter immer noch besser als die politische Führungslosigkeit, die sich im Westen immer weiter ausdehnt:

  • Die USA sind unglaublich bankrott, mehr noch als Griechenland, und die Regierung ist nicht mehr funktionsfähig. Dafür hält sie hunderte von dunkelhäutigen Gefangenen unter zweifelhaften Beschuldigungen oft Jahrzehnte in Isolationshaft gefangen, weil die weissen Richter ein Exempel statuieren wollten.
  • In Grossbritannien, womit England gemeint ist, schleppt sich die Regierung Cameron nur noch mühsam vorwärts; auch dieses Land ist bankrott.
  • In Italien herrscht das Chaos nach Berlusconi; ein „Putini“ täte dem Land gut. Immerhin räumt ein Argentinier als Papst im Vatikan ein wenig auf.
  • Hollandes Frankreich, die einst „Grande Nation“, trägt, jenseits einiger Staats-, Kosmetik- und Luxuskonzerne, nur noch Lumpen.

Wir sehen die Balken im eigenen Auge nicht:

  • Die beiden Grossbanken, vor allem aber die UBS, taumeln von Betrugsskandal zu Betrugsskandal: Libor, Adoboli, Devisen, „Gammelwürste“. Wer keinen Systemfehler vermutet, macht es sich zu leicht.
  • EDA-Chef Didier Burkhalter, dem noch niemand übergrosse Intelligenz vorgeworfen hat, lässt sich von seinem Staatssekretär in die Arme des Europäischen Gerichtshofes treiben, gewissermassen eine „welsche Verlobung“ mit der EU. Wer fremde Richter anerkennt, hat im eigenen Haus nicht mehr die gleiche Macht wie zuvor.

Es gibt bei uns eine Schickeria-Elite, die man in NYC „the chattering classes“ nennt, die Meinungen bildet, worüber sich nur staunen lässt. Schuld entsteht nicht, wenn andere sich in ihr Unglück stürzen, sondern Schuld entsteht nur dort, wo man sich nicht zu Wort meldet, wenn der eingeschlagene Weg ein falscher ist.

 
     
     
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