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Tagesarchiv für 7. Oktober 2013

Die Dienerinnen der Herren

Montag, den 7. Oktober 2013 um 7:45

Niemand würde sich im Vatikan heute wundern, wenn dort selektiv auch Frauen in Führungsfunktionen einziehen. Genannt wird vor allem die Presse- und Medienarbeit des Vatikans, die man leicht in die Hand einer Frau legen könnte. Für in Führungsfunktionen nachdrängende Frauen hat sich der Einstieg via Medienarbeit oder Communications schon seit über einer Generation bewährt. In England und den USA stiessen Frauen schon in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in diesen kreativen Beruf vor, der vielerorts die einst attraktive „klassische Werbung“ abgelöst hat.

Den Unternehmern war dies gerade recht, konnten sie damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Erhöhung der Frauenquote im Management, ein sensibles Wesen in ihrer Umgebung, das die hartgekochte männliche Kriegs- und Nachkriegs-Generation ablöste, und oft auch eine sehr attraktive Frau, die bekanntlich Männer in manchmal trostlosen Sitzungen zu Höchstleistungen anspornt. Unvermeidlich war es, in den USA wie jüngst auch in der Schweiz, dass es zu engen persönlichen Beziehungen und sogar Ehen zwischen Kommunikatorin und Patron kommt, die, wie die Erfahrung zeigt, sehr oft ein unglückliches Ende nehmen. Dass PR-Berater ihre Chefin heiraten, habe ich bisher noch nie erlebt.

Mit Ausnahme von Bea Tschanz, der legendären Beraterin des Swissair-Topmanagements vor und während deren Absturz in Halifax und, aus Finanznot, den Banken, die ihre Argumente mit grosser Härte verteidigte, erlebte und erlebe ich nur Frauen in Spitzenpositionen der Kommunikation, die als professionelle Dienerinnen ihrer Herren dauerhaft in Erscheinung getreten sind. Hierbei ist das Wort „dauerhaft“ entscheidend, denn nicht gering war die Zahl jener angelsächsischer Beraterinnen, die im knappsten Coco Chanel-Kostüm ihre Argumente mit Formen unterstrichen. Sie weckten Interesse, verschwanden aber auch bald wieder. Daniel Vasella und Joe Ackermann standen einige Zeit unter dem Einfluss solcher Berater, gewannen aber erst an Profil und Sicherheit, als sie sich wieder europäischen Beratern zuwendeten.

Wer nicht bei Frauen Hilfe suchen wollte, suchte sein Glück bei Chefredaktoren und anderen Journalisten, die Vertrautheit mit Wirtschaft und Gesellschaft bewiesen hatten. Die Krise der Printverlage beförderte den Ausstieg von Medienmenschen aus ihrer herkömmlichen Berufslandschaft, wo sie Public Relations und Medienarbeit meist verhindert oder sogar verdammt hatten, um dann als Kuckuckseier genau in jenes Nest zu steigen, das ihnen zuvor als minderwertig galt. Der Grund war ein einfacher, wie mir zwei einst berühmte Chefredaktoren sagten: „Ich will endlich einmal Geld verdienen.“ So tingelte ein einstiger Chefredaktor der „Financial Times“ in hoch bezahlten Spitzenpositionen durch zahlreiche Weltfirmen, wo sich Krisen bedrohlich abzeichneten, ohne nennenswert zu einer Besserung des Images derselben beitragen zu können.

Der klassische „Head Corporate Communications“, der an den weltbesten Universitäten seinen „Master of Communications“ hart erarbeitet, steht deshalb nicht im zweiten Glied. In professionellen Unternehmen ist man sich seines Wertes bewusst, denn nur ein Spitzenteam kann wirkliche Imagewerte entwickeln. Wie das Beispiel der UBS Schweiz, Novartis oder die Zürich Group zeigen, können Fehleinstellungen den Prozess signifikant verzögern. Von daher zeigt sich, dass wenig kommunikationserfahrene Vorgesetzte meist auch keine glückliche Hand haben bei der Wahl ihres internen Beraters. Im Zweifel wird der dienenden Funktion, oft auch der einer Frau, der Vorzug gegeben.

Den Unternehmern alleine die Schuld zuzuschieben, bringt wenig. Die Branche selber hat zu viele und oft auch wenig geeignete Messlatten entwickelt, um Aufwand und Wirkung in der Kommunikation bestmöglich zu erkennen. Was letztlich zählt, ist das Vertrauen zwischen Chef und Kommunikator/-in. Beide sind mehr denn je aufeinander angewiesen.

 
     
     
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