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Monatsarchiv für September 2013

Was ist Schweizer Kultur?

Montag, den 30. September 2013 um 7:45

Die Ereignisse der letzten Tage haben meinen Schweizer Kulturbegriff geschärft. Entscheidend für diesen Beitrag war ein Auftritt von Prof. Dr. Herfried Münkler von der „Humboldt Universität zu Berlin“, der auf Einladung des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung an der Uni Zürich über Geopolitik im 21. Jahrhundert sprach.

Münkler, ein bekannter Geschichtsphilosoph, sagte: „In einer Welt, wo Private Military Companies, Al Kaida und Superreiche das Sagen haben, die ganze Staaten stürzen können, ist nicht mehr der Raum entscheidend, sondern die Information.“ Vertreter der alten Ordnung, wozu er die Schweiz zählte, stünden auf verlorenem Posten. Europa müsse als ein Akteur auftreten, weshalb „folkloristische Veranstaltungen wie das Oktoberfest und das Knabenschiessen“ weiterhin Geltung hätten. Sonst hielt er nicht viel von der Idee einer innerhalb der EU autonomen Schweiz.

Gastgeber Martin Meyer, Feuilletonchef des „Neuen Zürcher Zeitung“, dessen neues Buch über Albert Camus gerade die Bestsellerlisten erklettert, zelebrierte als Hausherr den intellektuell-lockeren Gastgeber, wie man ihn sich wünscht. In ihm verkörpert sich alles, was dem Schweizer Fernsehen an Geist und Grazie fehlt.

Am gleichen Abend feierte das Volk rund um das Seebecken das 9. Zürcher Filmfestival, die Kreation einer ehemaligen Schönheitskönigin namens Nadja Schildknecht, die mangels prominenter weiblicher Teilnehmer ihren eigenen Po samt Zubehör zur Schau stellen liess, was eine weibliche Berichterstatterin dann auch verleitete, sie journalistisch objektiv als „goldene Nixe“ zu bezeichnen. Schweizer Kultur an einem Abend: An der Universität wird gezeigt, was von der Schweiz übrig bleiben kann, am See, was von der Schweiz übrig geblieben ist.

Dieser 6 Stunden-Querschnitt zeigt nicht einmal die Extreme auf, denn dem kulturell-proletarischen Verschnitt in den Zürcher Stadtkreisen 4 und 5 steht das Zürcher Opernhaus gegenüber, wo Neu-Intendant Homolka sich mit seiner Ernsthaftigkeit wohltuend vom barocken Unterhalter Pereira abzusetzen weiss.

Schweizer Kultur verkörpert immer mehr auch Jean Ziegler, der von der UNO erneut zum Experten in der 18köpfigen Menschenrechtskommission berufen wurde. Der ewige Schweizer Revolutionär in der Nachfolge von Henri Dunant ist ein Held der blockfreien Staaten und Kandidat für den Friedensnobelpreis, dessen alternative Variante soeben dem Schweizer Agronomen Hans R. Herren verliehen wurde. Es ist eher peinlich, dass unsere nationalrätliche Aussenpolitische Kommission sich auf Druck der USA und Israels gegen Zieglers Berufung geäussert hat. Sie bestätigt damit Prof. Münkler, der die Schweiz nur noch als Weltprovinz wahrnimmt.

Als kulturell bedeutsam sollten wir auch die Tatsache einschätzen, dass Bund, Kantone und Gemeinden sich vielerorts weigern, trotz eigener struktureller Defizite richtige Sparpläne aufzulegen. Diese „griechische Krankheit“ hat längst auch die Schweiz ergriffen, wo gegen die Interessen von Staatsangestellten (Saläre, Pensionen, fringe benefits) nicht anzukommen ist. Unser Wohlstand, der uns laufend bestätigt wird, ist aber nicht unendlich, sondern von allerlei Interessengruppen bedroht, die sich ein kräftiges Stück davon abschneiden wollen.

Kultur sollte deshalb nicht mehr nur Buch-, Theater- oder Kunstkritik sein, sondern den Zustand der Gesellschaft erfassen, jene Faktoren, die sie hinauf- oder hinunter ziehen. Entscheidend ist für uns die Transformationsfähigkeit der Schweiz, ganz wie es Prof. Münkler in Zürich ausgedrückt hat. Haben wir diese Fähigkeit nicht oder nur unzulänglich, werden unsere stillen Finanzreserven schneller als die Gletscher schmelzen. Dann werden die Banken ihre Dienstleistungen einschränken und verteuern, ganz wie die Credit Suisse-Group es tut, deren VR-Präsident als Ehemann der Zürcher Filmdirektorin dann auch nicht mehr die Mittel haben wird, um die magere Realität grosser Teile des Landes an seinen Brennpunkten zu vergolden.

Martin Meyer, der das letzte glänzende Feuilleton der Schweizer Medien verantwortet, hat dann allen Grund, dem Camus’schen Existenzialismus, dem er jetzt die Ehre erweist, einen Existenzialismus des 21. Jahrhunderts folgen zu lassen. Er wird aussehen, wie ich es in den Räumen einer Zürcher Bank erlebte: goldglänzend, aber mit vielen schwarzen Flecken.

Entwicklungshilfe für die Schweiz – schadet

Freitag, den 27. September 2013 um 15:20

Unglaublich, aber wahr: Die Schweiz befindet sich gegenüber Deutschland in einer Situation, die vergleichbar ist mit derjenigen afrikanischer Staaten, die aus Europa Entwicklungshilfe erhalten.

Wie das?

„Die deutsche Elektrizitätswirtschaft verschenkt ihren überflüssigen Strom, der nicht gehandelt wird, quasi gratis ins Ausland“, sagt Hildegard Müller, die Geschäftsführerin des deutschen Bundesverbandes Energie und Wasserwirtschaft. Wie die kantonalen Regierungen unserer Bergkantone bestätigen, erhalten wir für die Energie aus unseren Stauseen deshalb nicht mehr genügend Geld vom Verbraucher; der kauft deutschen Billigst-Strom. Die neuen Pumpspeicher-Kraftwerke, die jetzt im Bau sind und Milliarden kosten, haben eine ungewisse Zukunft.

Dies ist vergleichbar mit europäischen Nahrungsmittel-Lieferungen nach Afrika und in andere Drittwelt-Länder. Damit zerstören wir deren einheimische Landwirtschaft. Was immer wir subventioniert ins Ausland verschenken, schadet dort der Bevölkerung.

Jetzt sind wir die Afrikaner der Deutschen.

Unterwegs zur Schweizer Liberalen Volkspartei (SLV)

Freitag, den 27. September 2013 um 9:00

Jetzt wird auch der konservative Aargau, wo einst die freisinnigen „Stahlhelme“ regierten, grün und rot eingefärbt. Einer grünen Regierungsrätin folgt nun eine rote Stadtpräsidentin in Aarau, der Hauptstadt des Kantons. Die bürgerlichen Politiker, meist untereinander zerstritten, werden laufend abgewählt, denn das sich verjüngende Schweizer Volk hat von ihnen die Nase voll. Und deren Väter und Mütter sind zumeist frustriert über eine „bürgerliche“ Politik, die niemand wirkliche Vorteile bringt.

Nach dem Untergang der deutschen FDP, der absehbar war, den man aber nicht wahrhaben wollte, stellt sich nun die Frage, ob die Kunstpartei „FDP. Die Liberalen“, deren Name so künstlich ist wie der des „Schweizerischen Bankkunden-Geheimnisses“, der den Untergang des Schweizer Bankgeheimnisses einläutete, die Wahlen des Jahres 2015 unbeschädigt überstehen wird. Es sieht nicht danach aus.

Mit einem Parteipräsidenten aus dem Aargau, der die Spitzen der beiden Schweizer Grossbanken beleidigt hat, ist kaum noch Staat zu machen. Es ist auch nirgendwo nachgewiesen, dass Philipp Müller seiner Partei einen Aufschwung verpasste. Vielmehr zählt er zu jener Verlierer-Generation, die mit Franz Steinegger begonnen und sich über Fulvio Pelli fortgesetzt hat. Mit den Freisinnigen ging es 20 Jahre nur bachab.

Weil die Schweiz im Begriff ist, ihre eigenen Fundamente zu zerstören, weil die bürgerlichen Parteien einer elegant auftrumpfenden Linken, die mit Inhalten in Abstimmungen Forderungen stellt, argumentativ nichts entgegen stellen, sind nach gut 60 Jahren die Bewohner „des glücklichsten Landes der Erde“ vom Niedergang bedroht. Wer Trost sucht, blickt gerne nach Griechenland, Italien oder Spanien, wo die bürgerlichen Gesellschaften längst zusammen gebrochen sind.

Ohne das Konzept einer „Bürgerlichen Einigung“ ist die Erhaltung des Wohlstands für eine Mehrheit der Bevölkerung nicht zu schaffen. Es ist vielmehr ein Zeichen bürgerlicher Dekadenz, wenn Freisinn und SVP nur aufeinander schiessen anstelle eine Zusammenarbeit zu suchen. Wenn, wie in wenigen Kantonen und Städten, dies ansatzweise der Fall ist, beweist dies nur die Gültigkeit meiner These.

Die SVP, noch immer völlig beherrscht von den Adlaten ihres Gründers Dr. Christoph Blocher, muss im Wahljahr 2015 wieder „Richtung 30%“ Wähleranteil streben. Sie wird dies kaum öffentlich mitteilen, um sich keinen Strick um den eigenen Hals zu legen. Immerhin ist die Wahl des Berner SVP-Nationalrats Albert Rösti zum nationalen Wahlkampfleiter ein wichtiges Signal, das bisher weithin übersehen wurde. Rösti ist nicht Mitglied der Zürcher SVP-Stahlhelmfraktion, welche die Partei mit einer Kommunikation zum Erfolg machte, die mehr an die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland erinnerte als an die Blütezeit der echten Liberalen. Die Zürcher Wahlkampfstrategen der SVP hatten zwanzig Jahre eine wichtige Funktion als Sprengmeister gegen alte Gewohnheiten. Sie waren damit erfolgreich.

Jetzt aber braucht die SVP mehr, um auch grössere Teile der bürgerlichen Mitte überzeugen zu können. Sie muss ihren Grundsätzen nicht abschwören, um auch mit Eleganz zu gewinnen. Die bayerische CSU, die schon Christoph Blocher ein Vorbild war, kann auch jetzt als gutes Beispiel dienen. Schon das Signal, dass nun ein gemässigter Berner, den man als echten Volks-Liberalen bezeichnen kann, zum Wahlkampfleiter gemacht hat, weist in die richtige Richtung.

Sollten die Bürgerlichen ihre Einigung nicht rechtzeitig vor den Wahlen 2015 in Gang bringen, werden wir zwei marode bürgerliche Kernparteien haben, die den Zusammenschluss nicht scheuen dürfen, um spätitalienische Verhältnisse zu vermeiden. Dann muss die Schweizer Liberale Volkspartei ins Auge gefasst werden. Dies schon deshalb, weil wir vor Jahren sich verschlechternder Budgets beim Bund, in den Kantonen und den Gemeinden stehen. Wer, wenn nicht eine geeinte bürgerliche Mitte, will dann die notwendigen Kürzungen durchsetzen?

Der FDP-Vorstand sitzt in einem Parteigebäude, das heute nur noch eine Ruine dessen ist, was die Partei einmal war. Ob die Freisinnigen, denen die Integration der Liberalen wenig gebracht hat ausser kurzfristigem Überleben zur Sicherung des zweiten Bundesrats, den Absturz ihrer deutschen Schwesterpartei zu vermeiden vermag, wird sich schon in den kommenden neun Monaten zeigen. Werden in dieser Zeit die Weichen nicht richtig gestellt, können die einst stolzen Freisinnigen mit keinem Werbebudget der Welt gerettet werden. Lobbyisten-Parteien, die von wirtschaftlichen und politischen Spekulanten gesteuert werden, sind dem neu erwachten Selbstbewusstsein des Schweizer Wählers und Stimmbürgers nicht mehr gewachsen.

Wie jetzt die deutschen Unternehmer den Untergang der deutschen FDP bedauern, werden auch die Schweizer Unternehmer den politischen Flankenschutz des Schweizer Freisinns unter Umständen verlieren. Daran kann auch Dr. Christoph Blocher kein Interesse haben. Seine Aufgabe als „Chefstratege“ seiner Partei ist es deshalb, zusammen mit Philipp Müller die „Bürgerliche Einigung“ von oben her zu kommunizieren und durchzusetzen. Damit kann die rot-grüne Welle gegen die eigentlichen Schweizer Interessen gestoppt werden.

Flucht aus der Schweiz?

Montag, den 23. September 2013 um 8:00

Bundesrat, Kantone und Gemeinden geben Hunderte von Millionen Franken aus, um Asiaten, Lateinamerikaner und Europäer in unsere Berge zu locken. Derweil flüchten die Schweizer, wollen sie Bergferien machen, immer häufiger ins benachbarte Österreich, wie von dort berichtet wird. Der Grund ist einfach: Man erhält dort mehr für sein Geld.

Die Asiaten, welche wir ins Land locken, bringen der Hotellerie bekanntlich keinen Gewinn, weil sie vorzugsweise Uhren kaufen anstelle teurer Hotelbetten. Deshalb sterben viele Hotels einen stillen Tod, andere Hoteliersfamilien kämpfen ums nackte Überleben.

Niemand wagt die Fragen: Macht unsere Tourismuswerbung eigentlich Sinn? Vermitteln wir die richtigen Informationen? Sprechen wir die richtigen Menschen an?

Diese Flucht der Schweizer Touristen ins benachbarte Ausland, Deutschland zählt als Jahresdestination auch dazu, sollte uns mehr Sorgen machen als der teure Einsatz für Billigtouristen aus Asien. Wenn wir den eigenen Leuten zu wenig bieten, die das Land kennen und lieben, sollten wir uns nicht wundern, wenn auch die gut zahlenden Ausländer ausbleiben.

Ein Beispiel soll dies erläutern: Die kantonalen Regierungen haben für ausländische Spezialanbieter das Befahren der schönsten Wanderwege in den Alpen durch Bike-Touristen freigegeben. Wer nun, als anspruchsvoller Tourist, der gerne Geld ausgibt, über die berühmten Bündner, Berner Oberländer oder Walliser (Südrampen-) Wanderwege unterwegs ist, muss laufend in die Büsche rennen, weil Horden von Velofahrern die Vorfahrt haben wollen. Diese Billigtouristen sind das Ziel unserer Touristiker; sie verjagen damit die guten Gäste, die andernorts Ruhe suchen.

Wie man einen Deutschen verliert

Freitag, den 20. September 2013 um 9:30

Klaus-Michael Kühne ist der reichste Einwohner des Kantons Schwyz, einer der zehn reichsten Deutschen und einer der reichsten Männer der Welt. Als junger Mann ist er mit dem Porsche auf die Lenzerheide gerast, wo er heute noch ein Chalet hat, das keinen besonderen Eindruck macht.

Kühne, dessen beide Stiftungen gerne und oft auch in der Schweiz investierten, ist seit einigen Jahren geistig wieder ausgewandert. Er kauft ein Luxushotel in Hamburg, baut ein Superluxushotel auf Mallorca, kauft Fussballspieler für den HSV und ist jetzt im Begriff, den HSV Hamburg wieder auf die Beine zu stellen.

Kühne hat eine halbe Milliarde Franken in die Hamburger Hapag Lloyd gesteckt, die Flaggschiff-Flotte der Deutschen. Er wollte nicht, dass sie in die Hände asiatischer Unternehmer fällt.

Kühne ist Deutscher geblieben und hatte, obwohl Einwohner von Schindellegi/SZ, nie die Absicht, Schweizer zu werden. Ähnlich wie Klaus J. Jacobs, der aus Bremen stammte, ist es der Schweizer Gesellschaft nie gelungen, diese Tycoons zu integrieren. Brady Doogan, der amerikanische CEO der CS-Gruppe, wohnt bekanntlich in Erlebenbach am Zürisee, ist aber jedes Wochenende, das er zur Verfügung hat, vorzugsweise bei seiner Familie an der US-Ostküste.

Die Schweiz zieht ausländisches Geld und ausländische Führungskräfte an, aber sie kann sie auf Dauer nicht halten. Diesen Integrationsprozess braucht es aber, damit aus der kleinen Schweiz ein wirklich grosses Land wird.

Zürich erhält eigenes Wirtschaftsforum

Donnerstag, den 19. September 2013 um 10:01

Was dem Grossraum Zürich bisher fehlte, war ein eigenes Wirtschaftsforum, das Massstäbe setzt. Der Luzerner Unternehmer Stephan Isenschmid, erfahrener Veranstalter des „Swiss CRM“-Forums in Zürich, hat 2012 das „Swiss Leadership Forum“ übernommen. Er feiert dessen 10jähriges Jubiläum am 7. November 2013 im Zürcher Kongresshaus mit dem Thema „Sparen und Wachsen“ (www.swissleader.ch).

Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gerwerbeverbandes, ist mit seinen 300 000 Mitgliedern als „Presenting Partner“ eingestiegen. Er sagt „Sparen und Wachsen“ ist das zentrale Thema für alle KMU und Gewerbebetriebe, „denn der Wettbewerb ist so streng wie nie zuvor.“

Bruno Sauter, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich, steht ebenfalls voll hinter dem neuen Forum. Er fordert:

 

  • “Der Kanton Zürich soll ein Marktplatz der Kompetenzen sein.“
  • „Der Werkplatz soll zum Technologie-Hub werden.“
  • „Der Finanzplatz muss zum Finanz-Leuchtturm werden.“

 

Unterschiede zu Davos und Interlaken

Im Unterschied zum WEF in Davos, das nach 45 Jahren unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Schwab zu einem weltweiten Marktplatz ausgebaut wurde, will Stephan Isenschmid sich auf Unternehmen in der Schweiz mit Schwerpunkt KMU beschränken. Er sagt: „Wir lernen von den grossen Unternehmen, damit wir unseren eigenen Weg gehen können. Das ist es, was unsere Teilnehmer am 7. November in Zürich erwarten.“

Das „Swiss Economic Forum“ in Interlaken ist ein bedeutendes Instrument der Berner Wirtschaftsförderung, hat aber den Nachteil, nicht im urbanen Zürich zu liegen.

 

In Zürich treten auf:

  • Anton Affentranger, CEO Implenia AG
  • Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands
  • Jean-Claude Biver, Präsident des Verwaltungsrats Hublot SA
  • Chester Elton, Erfolgsautor und Star-Referent
  • Dr. Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung
  • Daniel Hösli, Oberstleutnant, Kommandant der Patrouille Suisse
  • Barbara Kux, Mitglied des Vorstands der Siemens AG, München
  • Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr
  • Bruno Sauter, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Zürich

 

Isenschmid: „Es wird Zeit, dass Zürich ein neues Kongresshaus erhält; das heutige ist zu klein.“

 

KJS

Merkwürdige Ereignisse überraschen uns

Dienstag, den 17. September 2013 um 7:30

Rolf Dobelli, bisher ein Geheimtip unter den Schweizer Intellektuellen, dessen Lebenshilfe-Bücher grosse Auflagen erzielen, wurde von seinem Freund Nassim Taleb, einem Weltstar unter den Sachbuch-Autoren, vom Thron gestossen: „Dobelli hat bei mir abgeschrieben.“

Der Luzerner verteidigte sich, gemessen an seiner sonstigen Reaktionsgeschwindigkeit, eher unbeholfen. Der Gründer von „ZürichMinds“, einer Selbsthilfe-Organisation intellektuell sonst wenig verankerter Mittvierziger, zeigte Reue und gelobte Besserung. Wen wundert’s? Dobelli, erfolgreicher Unternehmer, dessen Mitarbeiter Buchinhalte auf ein Minimum komprimieren, damit deren Leser gegenüber Nichtlesern beweisen können, sie würden die Werke von Balzac und Tolstoi  intim kennen, hat diese Technik nach Meinung von Taleb auch bei der Übernahme von Inhalten aus dessen Büchern angewendet. Wem ist zu glauben? Ich jedenfalls lese Taleb und erspare mir Dobelli.

Die Krise der Zeitgeist-Schriftsteller geht tiefer. Mario Vargas Llosa, Nobelpreisträger für Literatur, hat uns soeben wissen lassen, er sei nicht mehr sicher, ein grosser Schriftsteller zu sein. Sein jüngstes Buch „Alles Boulevard“ (ein sehr unglücklicher Titel) setzt auf bürgerliche Werte gegen deren Zerstörung. Die Medien und das urbane Volk waren „not pleased at all“. Imre Kertesz, ebenfalls Nobelpreisträger für Literatur, zieht Bilanz in der deutschen Zeit und sagt „Die Geschichten sind alle schon erzählt.“ Er lässt sich zitieren „Ich war ein Holocaust-Clown“ und tritt damit in die Gruppe jener über, denen man gerne „jüdischen Selbsthass“ zuspricht. Der späte Camus-Leser („Der Fremde“) sagt, ganz wie Camus auch: „Der Nobelpreis hat mich vernichtet.“

Stellt sich die Frage, was man im beginnenden Herbst unbedingt lesen sollte. Tim Clark, der in England lehrende australische Historiker, nimmt in seinem Werk „Die Schlafwandler“ den Deutschen die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg von den Schultern. Yang Lian, ein chinesischer Poet im englischen Exil, lässt in seinen „Konzentrischen Kreisen“ (Lyrik bei Hanser) Düsternis über die Welt kommen, formuliert aber eklektisch gewagt. Als Geheimtip Jiri Mordechai Langer, dessen vor gut hundert Jahren verfasstes Werk „Die neun Tore. Geheimnisse der Chassidim“ von ungeahnter Gegenwart ist. Alleine schon unsere emanzipierten Frauen dürften seine Aussage schätzen „Der Seele der Frau steigt aus höheren Welten auf die Erde herab als die Seele des Mannes.“

Ich wünsche allen einen leuchtenden Literaturherbst.

Sind unsere Spitzenpolitiker zweitklassig?

Freitag, den 13. September 2013 um 8:00

Der Auftritt als Risiko

Seine Lust am Job verloren hat offensichtlich Bundespräsident Ueli Maurer. Der bekannte „Grasschmöcker“, der bis zu 30 Grassorten am Geschmack unterscheiden kann, benimmt sich im Bundeshaus bei offiziellen Anlässen wie ein Rocker.

Einen Kameramann des Schweizer Staatsfernsehens, der seine Pflicht mit einer Nahaufnahme erfüllen wollte, nannte er „Aff“, eine in der Landwirtschaft übliche freundliche Aggression, die aber in der urbanen Schweiz als Beleidigung verstanden wird. Maurer, von seinem Sieg in der nationalrätlichen Gripen-Debatte offensichtlich genervt, wich weiteren Journalisten aus mit der offenherzigen Bemerkung „Mit stinkt’s“.

Wer sich an Philipp Müllers, des Parteipräsident der FDP-Schweiz, Bemerkung „Arschloch“ erinnert, worüber sich Sergio Ermotti, der Konzern-CEO der UBS, wenig erfreut zeigte, muss sich fragen, ob unsere Spitzenpolitiker in Bern wirklich internationalen Massstäben Genüge leisten.

Natürlich ist bekannt, dass gerade US-Präsidenten, allen voran Richard Nixon, über ein Arsenal von Flüchen verfügten, das oft als ausserordentlich bezeichnet wurde. Die katholisch geprägten Flüche von Franz-Josef Strauss waren ebenfalls legendär, wurden aber durch Weihrauch und Myrrhe gemildert.

Eines ist klar: Vorbildfunktionen können einem solchen Verhalten nicht zugeschrieben werden. Die zivile Tonart scheint in Bern gefährdet zu sein.

Der alte Auftritt als Risiko

  • Vor einigen Tagen habe ich im Wirtschaftsforum Südostschweiz in Chur den Vorschlag gemacht, das touristische Graubünden künftig mit der neuen Marke „MONTAGNA“ vorzustellen. Dies, weil kein Asiate oder Lateinamerikaner den Namen „Graubünden“ verstehen oder sogar aussprechen kann. Mit einem neuen Traumland „MONTAGNA“ können die Bündner gut antreten gegen Kanada oder Neuseeland, Destinationen, welche die Jugend der Welt liebt. Ergebnis: Die alten Bündner protestierten, weil sie die Idee nicht verstanden; die geistig Beweglicheren denken darüber nach. Vor einer Umstellung haben viele Angst, das bedeutet Arbeit.
  • Philippe Gaydoul kämpft um seine Modemarke „Jet Set“; die Umsätze sind zusammen gebrochen. Sagt ihm denn niemand, dass es einen „Jet Set“, der einmal eine Besonderheit war, heute nicht mehr gibt? Fliegen ist eine Massenveranstaltung. Wer einen Privatflieger nutzt (oder mindestens mietet), hat es eilig. Das „dolce vita“ ist heute nur noch global fassbar; es ist flüchtig geworden.

Vom „Early Bird“ zum „City State Switzerland“

Donnerstag, den 12. September 2013 um 8:35

 

Aus globaler Sicht ist die Schweiz in vielem ein “Early Bird”, der sich in der Weltwirtschaft ausgezeichnet behauptet. Jetzt ändern wir den Namen dieses Blogs, der insgesamt 9’791 Einträge hatte, nach acht Jahren in „City State Switzerland“. Alles weist darauf hin, dass unser Land in eine Phase grossen Wandels eintreten wird. Das Ergebnis wird im besten Fall ein straff geführtes Staatswesen sein, das mit 8-9 Mio. Einwohnern seinen Einwohnern und Gästen jenes Glücksgefühl erhält, für welches die Schweiz international berühmt ist. Im schlechtesten Fall, wie es die beiden CS-Ökonomen Oliver Adler und Claude Maurer soeben beschrieben haben, wird unsere heutige Vorzeige-Wirtschaft zu einer langsam zerfallenden Ruine; derlei geht heute schnell, wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen.

Der City State Switzerland, von der Avenir Suisse schon einmal als Idee vorgetragen, dann von Dr. Konrad Hummler und Prof. Dr. Franz Jaeger vertieft, wird die in hunderten von Jahren entstandenen Schwerfälligkeiten der Schweizer Geschichte sanft oder radikal abbauen. Wir wissen dies heute nicht, weil von der Tradition viele in unserem Land leben, die zu seiner künftigen Entwicklung wenig beitragen. Der Umbau, dem sich viele europäische Staaten gegenüber sehen, wird auch der Schweiz nicht erspart bleiben.

Die Zeichen stehen nicht besonders günstig:

  • Unsere Wirtschaftspolitik begünstigt die teure Strukturerhaltung mehr als die Bildung effizienter neuer Strukturen. Wenn wir im Aussenhandel (noch) gut sind, verdanken wir dies den nicht überall geliebten Rohstoffhändlern.
  • Unsere Aussenpolitik, die schon unter Micheline Calmy-Rey abenteuerliche Formen angenommen hatte, ist nun vollends aus dem Gleis geraten. EDA-Chef Didier Burkhalter betreibt die Unterstellung der Schweiz unter die EU-Gerichtsbarkeit, wobei äusserst fraglich ist, ob sein Modell, das von Staatssekretär Yves Rossier stammt, überhaupt realistisch ist.
  • Unsere Verteidigungspolitik unter dem langjährigen Bauernpolitiker Ueli Maurer ist mangels Gegnern eine blanke Illusionspolitik. Der Chef des Nachrichtendienstes gilt wegen seiner anderweitigen beruflichen Ausflüge als höchst gefährdet. Soeben wurde der Beschluss gefasst, ein „bescheidenes neues Flugzeug“ zu kaufen, das noch nicht existiert. Eine Milliarde Franken Anzahlung wird dennoch fällig. Der Weg zur „besten Armee der Welt“ dürfte nach Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
  • Die Energiepolitik unter Doris Leuthard ist ein va banque-Spiel mit dem Schweizer Volk, wo nur eines sicher ist: Der private Konsument muss viel mehr für Energie bezahlen als bisher. Der gleichen Bundesrätin untersteht die Verkehrspolitik, wo wir vor zehn Jahren voller Staus stehen, dies bei einer nachlassenden Qualität der Schweizerischen Bundesbahnen. Der Luftverkehr ist fest in deutscher Hand, den Lärm und die Kerosin-Abgase haben die Schweizer.

Während der City State Schweiz in den Kernzonen des Mittellandes stürmisch ausgebaut wird, zieht sich das Leben aus den Bergregionen des Landes zurück. Zwischen Graubünden bis zum Wallis entstehen Natur- und Landschaftsparks, mit Hirschen, Wölfen und Bären besiedelt, wo die leicht erregbaren Bewohner des City States den Kitzel des Abenteuers erleben dürfen.

To follow.

Sind Sie Suppe oder Rindfleisch?

Montag, den 9. September 2013 um 8:00

Die einheitliche demokratische Gesellschaft ist, ganz wie im Militärdienst erfahren, die Suppe im Kübel; die meist spärlichen Rindfleischbrocken sind die edlen Stücke der Gesellschaft, die man gerne in seinen Besitz bringen möchte.

Es ist unglaublich, wie in diesen Monaten über den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft (Suppe) diskutiert wird. Die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft beschwören die öffentlich auftretenden Geister, mehr zu dieser unité de doctrine beizutragen, weil sonst die Suppe schlecht würde.

Zur gleichen Zeit kämpfen die „starken Hände“ um immer grössere Brocken (Rindfleisch), die Sicherheit, Wohlstand und Rentabilität versprechen. Sie beschwören ihre Corporate Social Rentability (Verzeihung: Responsibility), damit die Suppe nicht auf die Idee kommen könnte, sie sei nur zum Auslöffeln angerichtet.

Die Politik überschüttet uns mit unsinnigen Aktivitäten, wie es ein Jugendparlament darstellt, dem jegliche demokratische Legitimation abgeht. Jetzt soll diese bisher nationale Institution (mit Steuergeldern gefördert) auf die Kantone ausgeweitet werden. Wieso gerade das Bundesamt für Sozialversicherungen zu derlei finanziell die Hand bietet, muss rätselhaft bleiben.

Derweil geben sich führende Wirtschaftsvertreter grosse Mühe, den windhundschnellen Cédric Wermuth zu bekämpfen, der als Vizepräsident der SP Schweiz die 1:12-Initiative wie ein Guerillakämpfer in den Kantonen, nahe beim Stimmbürger, verankert. Das bürgerliche Lager, die Bedrohung erkennend, setzt Schwergewichte an Glaubwürdigkeit gegen die linken Systemveränderer ein. So warnt Aleksander Berentsen, Professor für Wirtschaftstheorie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel, in seinem Votum gegen den drohenden „Manager-Sozialismus“: „Wer schon einmal in einem Verwaltungsrat Einsitz genommen hat, weiss, wovon ich spreche.“ Die erschreckten Stimmbürger, von denen kaum einer je einen VR-Saal von innen gesehen hat, werden sich aufgrund solcher intimer Bekenntnisse dreimal überlegen, ob sie dem Lockruf linker Rattenfänger Folge leisten wollen.

Merke: Wer Suppe ist, wird umgerührt; wer an die Fleischbrocken unserer Gesellschaft will, muss im Topf nach rechts rühren, aber die elegante Drehbewegung im Handgelenk beherrschen, die mit einer raschen Linkskurve an die fetten Stücke kommt.

KJS

 
     
     
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