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Deep Inside

16. Juli 2013 um 8:42

Es gibt zwei Kunstformen, die den Begriff „inside“ oder sogar „deep inside“ extensiv benutzen: die Schlagerbranche und der Journalismus. Lassen wir die Tonkünstler einmal beiseite, da sie ohnehin ein meist infantiles oder mindestens ermüdetes Publikum erreichen, bleiben die Journalisten. Sie sind ökonomischem Druck ausgesetzt, in kürzester Recherchezeit einen optimalen Output (Minuten x Druckseite) zu erreichen.

Einen Höhepunkt in dieser Hinsicht liefert zu Beginn der Ferienzeit die Redaktion des Zürcher „Tagesanzeiger“. Sie lässt eigene Journalisten gleich in Serie eines ihrer Familienmitglieder interviewen. Diese dürfen dann auch den Journalisten des „Tagesanzeiger“ über die Qualität seiner eigenen Arbeit befragen. Derlei „deep inside“-Journalismus im Stil der zum gleichen Verlagshaus gehörenden „Schweizer Familie“ tritt offensichtlich an die Stelle des aufwändigen Recherchierjournalismus‘, wie er an Verlegertagungen beschworen wird.

„Family Journalism“ wird auch an der Dufourstrasse bei Ringier gepflegt, wo man die Vorzustellenden gleich unter Vertrag nimmt, um aus deren Tätigkeit weiteren Gewinn zu ziehen. Er ist auch im Haus der renommierten NZZ nicht unbekannt, die in der Vergangenheit Gefälligkeits-Interviews lieferte, um eine ihr nahestehende Persönlichkeit aus dem Schussfeld der Öffentlichkeit zu nehmen. Damit man sich näher kommt, hat man nun ein NZZ-Café am Zürcher Flughafen eröffnet, kann aber nur eigene Literatur deutscher Sprache liefern, da die englische NZZ-Ausgabe vor einiger Zeit aus Kostengründen aufgegeben wurde.

Sind wir nicht alle eine grosse, nette Familie? Mediale Angriffe gegen Drittpersonen sind nach Meinung massgeblicher „Tagi“-Journalisten weiterhin nötig, um die Glaubwürdigkeit der Redaktion zu bewahren. Wer keinen Journalisten in der Familie oder spätestens in der Sek kennengelernt hat, ist selber schuld. Es gibt dann immer noch die Möglichkeit, seine eigene Haut auf dem Altar der freien Medien zu Markte zu tragen. Heinrich Heine, Ludwig Börne, Gottfried Keller, Karl Kraus, Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch hätten für derlei Schrumpf-Journalismus kaum Verständnis.

KJS

Ein Kommentar zu “Deep Inside”

  1. Harry R. Wilkens

    Ein sehr wichtiger Beitrag, der den heutigen Journalismus zeigt, wie er ist, allerdings schon immer war- wenn auch nicht so allgemein verbreitet wie heute.
    Eigentlich sind ALLE Interviews mehr oder weniger Gefälligkeitsinterviews, denn auch für sogenannte Negativwerbung muss man meist horrende Summen berappen. Ich weiss, wovon ich rede, denn ohne PR-Agenten/Verlag mit einem nennenswerten Budget kann man höchstens noch in einem Billigstland Journalisten hinter ihren Öfen hervorlocken. Dann nützt auch nichts die persönliche Bekanntschaft mit bekannten Mainstream-Journalisten, die öfters auch mal in den Regierungsflugzeugen mitfliegen dürfen – und dies sich nicht durch „Schmuddelkinder“ wie mir versauen lassen wollen.

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