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Tagesarchiv für 25. Juni 2013

Gotthard-Medaille für Dunsch – keine für die Schweiz

Dienstag, den 25. Juni 2013 um 10:49

Es wäre schön, wären es nur zehn Tage, in welchen sich die Welt der alten Schweiz aus dem 20. Jahrhundert verändert. In Wirklichkeit erleben wir jetzt schon 1000 Tage voller Neuerungen und Schrecken, welche sich zu Beginn dieses Jahrhunderts niemand vorstellen wollte. Zuerst glauben wir, der Schrecken ginge bald vorbei, aber es zeigt sich, dass jeder Niederlage der Schweiz in internationalen Verhandlungen neue schwarze Löcher folgen, in welche wir, wie es aussieht, mit Sicherheit fallen werden. Es ist die Rutschbahn nach unten.

Es ist nicht das EDA mit seinen wenig talentierten Hochleistungspolitikern, es sind auch nicht die offiziellen Verteidigungsorganisationen des Landes, von denen es zu viele mit zu wenig Talent gibt, die unserer Schweizer Haltung die notwendige Stabilität verleihen. Vielmehr ist es ein echter Schwabe, der Korrespondent der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, Jürgen Dunsch, der in der Ausgabe vom 22. Juni 2013 auf der Titelseite kommentiert hat.

In der Steuerfrage prallen zwei Welten aufeinander. Die Schweizer, die ohnehin – wegen der EU – im Gefühl einer latenten Bedrohung ihrer Eigenständigkeit befangen sind, fühlen sich von den Amerikanern rücksichtslos in die Zange genommen. Man hilft ihnen, zum Beispiel als diplomatische Vertretung in Iran, und was ist der Dank? Doch der Gegensatz reicht noch tiefer. Die Schweizer empfinden ihre jährliche Steuererklärung bis heute als Willensbekundung des Souveräns, seinen Beitrag für die Staatsausgaben zu leisten, nachdem er in Volksabstimmungen über Grundsätze und Höhe der Zahlungen entschieden hatte. Die Steuererklärungen werden kontrolliert. Das ist die steuerpolitische Seite der bodenständigen Demokratie der Schweiz, zu der es auch gehört, dass die Steuervermeidung unter ihren eigenen Bürgern nicht bis ins Letzte bekämpft und verfolgt wird. Der Schweizer Staat bewahrt seine Bürger damit, so sieht man es hier, vor allzu intensiven Schnüffeloperationen – und vor der Logik von „Reichensteuern“ von 75 Prozent wie in Frankreich und ähnlichen Zumutungen, die Abwehr einschliesslich solche gesetzwidriger Art provozieren. Die Steuermoral gilt in der Schweiz dennoch, oder gerade deshalb als besonders hoch.

Wer die Eigenarten unseres Landes, das in mühsamen 700 Jahren seine innere und äussere Form gefunden hat, derart subtil darzustellen vermag, ist unseren üblichen Landespolitikern bei weitem überlegen. Männern wie Dunsch gehört eine Gotthard-Medaille in Gold, damit das Schweizer Volk erkennt, wo seine wahren Verteidiger zu finden sind.

Dies ganz im Gegensatz zum aus Frankreich kommenden Steuerchef der OECD, Pascal Saint-Amans, der das Problem der Schweiz mit dem Ausland auf den Nenner herunter bricht „Die Schweiz krankt, international gesehen, immer noch an der Schwerfälligkeit ihres politischen Systems“. Solches von einem eleganten Drei-Tage-Bart-Franzosen der jüngeren Generation zu vernehmen, dessen nationale Elite in Sachen Hochmut immer Spitze, in Sachen Leistungsbereitschaft jedoch stets sparsam war, tut weh. Das hindert unsere politischen Beobachter nicht, seinen Vorstellungen mit dem Kommentar nachzukommen „Die Schweiz gibt nach, falls es die anderen auch tun“. Auch FAZ-Dunsch bestätigt: „Die Schweiz steht auf verlorenem Posten.“

Unsere kantonale und nationale Beamtenelite, die Bär, Wolf, Steinbock und Uhu mehr zu schützen weiss als ihr eigenes Volk, ist ihrerseits an Modernismen nicht zu überbieten. Gemeinsam mit fortschrittlichen Politikern öffnet sie alle Tore, damit das Volk sich in jeglicher Form amüsieren kann, Geschlechts- und altersunabhängig mit Namen und sozialen Beziehungen nach freier Wahl. Der Zeitgeist heisst „Offenheit nach innen, Kontrolle von aussen“.

Derlei dynamische Sozialpolitik führt dazu, wie auch der exzellente NZZ-Auslandkorrespondent Ulrich Schmid aus Berlin berichtet, dass alle Parteien nur noch mit einem Etikettenschwindel  gegenüber dem Wähler auftreten: „Die liberale Partei ist nicht mehr liberal. Linke Radikalität gibt es nicht mehr.“ Das gilt natürlich auch für die Schweiz, wo die Bevölkerung die Fähigkeit, sich zu empören nach hundertjährigem Schlaf erst langsam wieder gewinnt. Dieses Lebenszeichen ist nicht gering zu schätzen.

 
     
     
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