Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  


Grossbürger oder General der Marktwirtschaft?

20. Juni 2013 um 9:28

Wer die Grossbürger der  Euro-amerikanischen Welt noch im Blick hat, sieht stattliche Männer mit Jacke und Weste vor sich, die einen deutlich erkennbaren „embonpoint“ eher hervorhebt als verdeckt. Alfred Sarasin, Hans Bär oder Churchill waren solche Männer.

Heute sind die Führungsetagen der Wirtschaft bevölkert von Managern, die sich als Offiziere und Generäle der Marktwirtschaft verstehen: Schlank, hoch trainiert, mit einem scharfen Profil; „General Crystal“ lässt grüssen. Sie ziehen in Schlachten, gewinnen und verlieren, kommen aber der Forderung von alt Bundesrat Kaspar Villiger nach: „Europa braucht eine marktwirtschaftliche Konterrevolution.“

Dies wäre eine gute redaktionelle Vorgabe für die „Neue Zürcher Zeitung“ und ihre Annexblätter, die nun einer „inhaltlichen Kuration“ bedarf, wie ihr neuer CEO, der österreichische Diplomatensohn Veit Dengler, ankündigte. Damit wird auch verständlich, was VR-Präsident Etienne Jornod, ein Romand, meinte, als er die NZZ-Journalisten aufforderte: „Jeder muss ein Unternehmer werden.“ Chefredaktor Markus Spillmann, ein Basler, ist nun gefordert. Denglers öffentliches Lob galt bisher nur dem von Martin Meyer geführten NZZ-Feuilleton und der NZZ-Auslandberichterstattung.

Wer sich NEOS, die vom neuen NZZ-Chefredaktor Veit Dengler mit gegründete und von ihm als stv. Vorsitzender mit geführte Partei genauer betrachtet, entdeckt dort einen Euro-Turbo. NEOS, das „Neue Österreich“, schreibt über seine Zeile: „Europapolitisch tritt NEOS für einen europäischen Bundesstaat ein. Mittelfristig soll ein EU-weiter Konvent, dessen Mitglieder von der Bevölkerung gewählt werden, eine neue Verfassung ausarbeiten.“

Im „9 ½ Punkte Plan“ der Partei wird gefordert „Klar für Europa: Vereinigte Staaten von Europa mit mehr Bürger/-innen-Beteiligung.“ Veit Denglers Credo für sein parteiliches Engagement, auf welches er auch in Zukunft nicht verzichten will, lautet „Faith is taking the first step even when you can’t see the whole staircase“. Es ist nicht auszuschliessen, dass er sich dieses auch sagte, als er seinen Vertrag bei NZZ unterschrieb.

Alt CEO „Polo“ Stäheli, den man gerne „Stalin“ nannte, nimmt einen stillen Abgang. Die verbliebenen Zürcher Grossbürger der Hirzel, Bodmer, Pestalozzi und Escher wundern sich, wie ihre „alte Tante“ in neue Hände geraten ist. Vielleicht wollten sie auch nichts mehr von ihr wissen, seit die redaktionelle Unterwäsche in den letzten Jahren einen leicht grünlichen Charakter angenommen hat.

Was für die NZZ-Gruppe gilt, trifft für ganz Zürich zu: die Überfremdung ist massiv und nimmt zu. Stadtpräsidentin Corinne Mauch ist eine Aargauerin, nachdem schon Vorgänger Elmar Ledergerber aus der katholischen Innerschweiz kam. Thomas Wagner war der letzte echte Zürcher Stadtpräsident, der es, wie Dr. Christoph Blocher einst sagte, „nur bis China schaffte, aber nicht in den Bundesrat.“ Auch die beiden Grossverleger-Familien sind nicht aus Zürcher Holz geschnitzt. Wer echte Zürcher sucht, wie die Albers, muss in der Bau- und Immobilienbranche suchen oder bei Anwälten, Ärzten und Treuhändern. Zürich hat sich globalisiert, wie Basel und Genf auch. Das wahre Schweizervolk wohnt auf dem Lande.

Der „Tagesanzeiger“ schreibt klar für die politisch Mitte links stehende fluktuierende urbane Bevölkerung wie die Zehntausenden  von Angestellten und Beamten staatlicher und staatsnaher Organisationen. Für wen die NZZ schreibt, deren letzter Träger eines leichten „embonpoints“ alt Chefredaktor Hugo Bütler war, muss sie noch herausfinden.

KJS

 

Einen Kommentar schreiben:

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog