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Europas Kunst ist subventioniert – wie lange noch?

5. Juni 2013 um 9:30

Weil Europas Künstler von den Kunstkäufern alleine nicht leben können, erhalten sie staatliche Subventionen. Das Ergebnis sind solche Messen wie die Biennale in Venedig, wo sich jeder an den Kopf greifen muss, der seit des Eisprungs der europäischen Kunst aus dem Mutterleib der Religion deren Entwicklung verfolgt hat.

Der bisher erhaltene Sonderstatus der Kultur soll im künftigen Freihandelsabkommen der EU mit den USA zur Disposition stehen. Das ist traurig, denn was die Amerikaner der Welt an Kunst anbieten, ist aus europäischer Sicht zu 99% „scrap“, seien dies Filme, Musik, bildhauerische oder darstellende Künste. In den USA regiert der Markt und marktunabhängige Künstler haben nur selten eine Chance, in den Olymp anerkannter Kunstwerker aufzusteigen. Seit 20 Jahren gehe ich nur mit grösstem Widerstand in US-Filme, denn deren Marketing ist sehr viel besser als deren Inhalt. Wer damit zufrieden ist und Geld verdient, soll, wie McDonalds und CocaCola, sein Glück machen, aber daraus noch Ansprüche abzuleiten, ist zuviel.

Die Schweiz hat theoretisch die Chance, sich derlei zu entziehen, aber allzu optimistisch sollten wir nicht sein. Unsere Kunsthandelsszene ist bei weitem vitaler als die eigentliche künstlerische Szene. Wer einen Schweizer Schriftsteller oder eines seiner Werke verfilmen möchte, geht ein hohes Risiko ein, das ohne Steuergelder aus Zürich oder Bern kaum tragbar ist. Die „freien Filmer“ sind meist auch keine erfolgreichen Dauerläufer, wie das Beispiel Nik Hayek’s beweist, der erst nach dem Tod seines Vaters eine echte Karriere als Swatch-Chef machte.  Seine frühe Filmerei war ein nützliches Kreativ-Training.

Unsere Schweizer Künstler mögen sich deshalb auf die freie Marktwirtschaft besinnen. Unsere grossen Dichter, Maler, Bildhauer und Schriftsteller haben alle ohne subventionierten Rettungsschirm gearbeitet. Daraus entsteht wahre Kunst, wie jeder wirkliche Kunstfreund bestätigen wird. Ob Kunst aus existentieller Not entsteht, mögen Boccaccio, Dickens, Zola oder Bertolt Brecht für hunderte anderer beweisen. Schreibende Millionäre oder Milliardäre, soweit dies nicht aus dem eigenen Werk entstand, sind mir nicht bekannt.

Die Schweiz war bei ihren Gründungen, denn derer gibt es viele, aus Sicht des europäischen Adels eine anarchistische Nation. Vielleicht sollten wir zu diesem Zustand zurück kehren, um der Welt zu zeigen, dass auch Handelsverträge das kreative Potential echter Künstler nicht zu brechen vermag.

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