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Meisterliche Kommunikation der Chinesen

24. Mai 2013 um 16:20

Die Charme-Offensive des chinesischen Premiers Li Keqiang verrät kommunikatives Selbstbewusstsein. In einem grossen Bogen über Indien und Pakistan erreichte er die Schweiz, liess in der „Neue Zürcher Zeitung“ einen Artikel aus seiner Feder publizieren und versprach unserem Bundesrat: „Das Freihandelsabkommen ist unterschriftsreif.“  Welcher Gegensatz zu der eiszeitlichen Begrüssung des chinesischen Staatschefs durch die Genfer Linkspolitikerin Ruth Dreifuss im letzten Jahrhundert, die China auf Jahre hinaus vergrätzte.

In Deutschland, wo die linksliberale Wochenzeitung „Die Zeit“ dem Premier aus Bejing als Podium diente, lief der Besuch nach dem gleichen Modell ab.

Barack Hussein Obama agiert seit einiger Zeit kommunikativ eher unsicher, ganz wie Wladimir Putin auch, dem es nicht gelingen will, sein Unterdrücker-Image abzuschütteln. Er braucht die kommende Winterolympiade in Sotschi, um sich der Welt als neuer Alexander vorzustellen.

In Westeuropa kommuniziert die deutsche Bundeskanzlerin „Angie“ Merkel glücklich, weil sie viel zeigt, aber wenig sagt. Ihr französischer Partner Hollande sagt viel, aber zeigt nichts von Interesse, weshalb er die Nr. 2 in Europa bleibt. David Cameron aus London fällt stark ab und gilt als gefährdet.

In der Schweiz bleibt Bundesrätin Doris Leuthard kommunikativ die Nr. 1. Sie will die erneuerbaren Energien durchsetzen, ohne die Kernkraftwerke zu rasch abzuschalten. Sie will das Chaos auf den Strassen mit Milliarden-Investitionen beseitigen. Dies alles wird sehr viel Geld kosten, weshalb eine Erhöhung der Mehrwertsteuer offen diskutiert wird. Alleine die bevorstehende Senkung der Unternehmenssteuern aufgrund der Zugeständnisse an die EU wird die MwSt. auf bis zu 10% hochtreiben.

Jetzt hat der Bundesrat auf Leuthards Empfehlung hin ein neues Monster geboren: Eine Medienkommission unter Leitung des renommierten Prof. Dr. Otfried Jarren. Diese Schaltstelle zwischen Regierung und Medien soll definieren, welchen Medienmarkt wir künftig wollen und brauchen.

Jarren will in den Schweizer Medien nach 200 Jahren ein neuartiges Qualitätssicherungs-System einführen („Das ist noch arg unterentwickelt.“) Nicht genug, auf die Frage in persönlich.com, wie man „staatstragenden Journalismus finanziere“ und diesen „steuere“, protestiert er nicht, sondern empfiehlt, geeigneten Journalisten Preise und Stipendien zu vergeben. Gegen Werbung und PR in den Medien ist Jarren nicht grundsätzlich, sondern warnt nur vor „Verzerrungen über Gebühr“. Er akzeptiere auch die damit verbundene „persuasive Kommunikation“. Genau das wollten wir von ihm hören.

Nicht genug, „die Branchenakteure sollten sich selbst Regeln für eine gute Praxis gebenm und ethische Standards definieren“. Der Weg zu einem neuen Schweizer Journalismus unter staatlicher Aufsicht ist damit gepflastert.

Das alles tut der Zürcher Medienprofessor für Fr. 500.—pro Tag, was einigermassen bescheiden ist. Seine Kommissionsmitglieder erhalten nur Fr. 400.—pro Tag.

Noch hat kein Schweizer Medium gegen diese Art von freiwillig-unfreiwilliger „Partnerschaft für gute Kommunikation“ protestiert. Immerhin ist dies ein Zeichen für die allseitige Erschlaffung des Schweizer Journalismus‘; vielleicht ist es aber auch nur ein Zeichen dafür, dass man diese neue Leuthard’sche Grossoffensive nicht sehr ernst nimmt.

Ich halte letzteres für wahrscheinlich.

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