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Monatsarchiv für Mai 2013

„Hochparterre“, die Anti-WoZ

Freitag, den 31. Mai 2013 um 8:15

Während die politisch links stehende „Wochenzeitung“/WoZ ihren Mitarbeitern legendäre Fr. 3000.—im Monat Festsalär bezahlt, hält es „Hochparterre“-Verleger Köbi Gantenbein anders: Er zahlt jedem seiner 20 Mitarbeiter ein jährliches Festeinkommen von Fr. 100 000.–, sich selber mit eingeschlossen. Alle drei Jahre gibt er drei Monate bezahlte Ferien. Die „Wochenzeitung“, die nach zahlreichen Abgängen in der Redaktion nun neue Substanz aufzubauen sucht, hat dem wenig entgegen zu setzen. Köbi Gantenbein mit Kumpan Benedikt Loderer setzen derweil in „Hochparterre“ auf alpine Holz-Einfachbauten mit Lego-Struktur, die Hüttencharakter haben, weshalb anspruchsvolle Bauherren derlei eher scheuen. Es zeigt sich, Erfolg ist immer relativ.

Rätselhafter John F. Kennedy

Donnerstag, den 30. Mai 2013 um 10:49

Nach dem missglückten Abenteuer in der „Schweinebucht“, wozu US-Präsident John F. Kennedy mehr oder weniger gezwungen wurde, weigerte sich dieser, die US-Truppen in Vietnam auszubauen. Gleichzeitig wollte er den Physiker Robert Oppenheimer, den „Vater“ der US-Atombombe, rehabilitieren, der, in mehrjährigen dramatischen Auseinandersetzungen von den Republikanern abgesetzt und verfolgt, von Kennedy den Enrico Fermi-Preis erhalten sollte. Vor der Preisverleihung, die später von Richard Nixon vorgenommen wurde, erschoss ein bisher unbekannter Täter den Präsidenten.

Es war der heute 90jährige ehemalige US-Sicherheitsberater und Aussenminister Henry Kissinger, der im „Wall Street Journal“ durchblicken liess, dass es der konservativ-radikale Sicherheitschef McGeorge Bundy hätte gewesen sein können, der den amtierenden US-Präsidenten erschiessen liess. Bundy wollte mehr US-Truppen in Vietnam, was John F. Kennedy als US-Präsident nicht unterschreiben wollte. Kissinger galt immer als Sphinx der US-Politik, der angekündigt hat, seine Geheimnisse ins Grab nehmen zu wollen.

Die „Weissen Clowns“ der Redaktionen

Dienstag, den 28. Mai 2013 um 10:20

Aus der Kakophonie der täglichen Medienereignisse ragen wie „Weisse Clowns“ in der Zirkusmanege die Kolumnisten heraus. Sie bringen etwas Besinnung in den Vorbeimarsch von Ereignissen, die vom Leser meist nicht sicher beurteilt werden können. Der anhaltende Aufstieg der Kolumnisten beruht auf zwei Faktoren: Die Leser brauchen Meinungen, um ihre eigene daran entwickeln zu können und die Verlage sind deshalb dazu übergegangen „mehr Meinung“ in die eigenen Meinungsblätter zu bringen, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Weil für echte Essays in den dünn gewordenen Tageszeitungen  kaum noch Platz gefunden werden kann, ist mancher grosse Autor zum Kolumnisten geschrumpft worden. Das gilt auch für viele Chefredaktoren, deren Leitartikel meist den Umfang einer grösseren Kolumne nicht übersteigen und weit davon entfernt sind, jenes Gewicht zu haben, das man ihnen im letzten Jahrhundert noch zugesprochen hat.

Wenn die Pressesprecher der Bundesräte und die Generalsekretäre der Parteien am frühen Morgen den Bericht zur täglichen Medienlage abgeben, sind Leitartikel kaum noch ein Thema, entscheidender sind mediale Befunde zum politischen Tagesgeschäft wie Kommentare zu den handelnden Personen in der Parteispitze. Das ist die Chance der Kolumnisten auf der politischen Ebene.

Leitartikel, Essays und Kolumnen zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lage sind noch seltener geworden. Einige Redaktionen bieten regelmässig  3500 bis 4000 Zeichen Platz, um Parteigutachten oder die Kommentare scheinbar unabhängiger Intellektueller in Form einer Kolumne wiederzugeben. Weil persönlicher Hintergrund und aktuelle Interessenlage der Autoren seitens der Redaktion  geduldet oder zu wenig ermittelt werden, wird daraus sehr oft ein Appell in eigener oder zugunsten fremder Sache. Der Kolumnist outet sich als Lobbyist.

In einer Gesellschaft wie der schweizerischen, die unter dem Druck der Globalisierung zunehmend in Mikro-Partikel zerfällt, kann der einzelne Kolumnist – im Unterschied zum echten Leitartikler – nur Teile der Leserschaft bedienen. Diese Fokussierung ist oft auch ganz im Interesse des Kolumnisten, weil er damit jenes Publikum bedient, das ihn ohnehin kennt; dort erfährt er eine Wertsteigerung.

Wenn wir nun dieses Feld aktiver Kolumnisten einmal aufrollen, unterscheide ich der Einfachheit halber zwischen strukturellen Denkern und Schreibern oder Chaoten. Grosses Vorbild wie verhasster Dämon vieler Kolumnisten war der Ringier-Publizist Frank A. Meyer, der als Kolumnist wie wenig erfolgreicher Einflüsterer von Bundesräten heute in einer monothematischen Rolle des Mahners festgefahren ist. Wo die „city rollers“ ihr Geschäft machen, ruft er nach dem klassischen „citoyen“ des 19. Jahrhunderts. Damit in Berlin und in Bern wenig erfolgreich, fällt er in die Rolle des „crooners“ zurück, dessen  Botschaft nostalgisch geworden ist. Einige Zeit hat sich auf diesem Gebiet der aus der Ostschweiz kommende Zolliker Philosoph und Essayist Ludwig Hasler halten können. Eine Spur liberaler als FAM, zählt er heute zu den eher Unzeitgemässen, die sich in der Wiederholung erschöpfen.

Dort ist auch Max Frenkel angesiedelt, der als Kolumnist und Ghostwriter rechtsbürgerlicher Kreise einige gute Jahre hatte, nun aber im Basler Winkel tätig ist. Auch der Oltner Poet Peter Bichsel hält sich auf dieser untersten Stufe der Schriftstellerei. Seine traktatähnlichen Kolumnen treffenden auf die Müdigkeit eines erschöpften Bürgertums, das intellektuelle Nahrung nur noch schlürfend aufnehmen kann.

Den Übergang aus dem 20. ins 21. Jahrhundert haben ohnehin nur wenige geschafft. Im Hause tamedia leuchten aus der Westschweiz die Kolumnen von Peter Rothenbühler, der einmal ein frecher und intelligenter Spitzenjournalist war. Heute liefert er meist moralisierende Suaden nicht unähnlich denjenigen seines Altmeisters Frank A. Meyer, der Rothenbühler früh förderte. Dennoch bleibt Rothenbühler einer der letzten Erben der grossen welschen Essayisten vom Schlage eines Jacques Pilet. Weil bei Rothenbühler, der auch Karriere gemacht hat, aus eleganter Schärfe pastorale  Belehrung geworden ist, kann er die welschen Klassiker wohl nicht mehr erreichen.

Vier Sonderfälle, jeder ein Ausnahmetalent, verdienen Aufmerksamkeit:

  • Kurt W. Zimmermann hat mit Kolumnen zur Medienszene ein Niveau erreicht, wo ihm sonst niemand zu folgen vermag. Bei ihm fallen Erfahrung, Unabhängigkeit und Talent zusammen. Damit hat er den Luzerner Karl Lüönd überholt, der nicht weniger weiss, aber vielfältig eingebunden ist, weshalb seine Kolumnen „staatsmännisch“ geworden sind.
  • Ein grosser Kolumnist der Medien- und politischen Szene könnte Roger Schawinski sein. Als Zampano der Schweizer Medienunternehmer rückt er jedoch zu oft sich selber in den Vordergrund; diese Egomanie ist der „Zapfen“ eines sonst grossen Talentes. Seit der grösste Kritiker des Schweizer Fernsehens zu diesem als spätabendlicher Unterhalter übergelaufen ist, ist er vom Star zum nächtlichen Pausenfüller der „chattering classes“ geworden, eine groteske Entwicklung.
  • Der Briger Hotelier Peter Bodenmann, ein einst legendärer SP-Präsident, ist mit satirischen Beschreibungen, wie „Papa Moll“ über den SVP-Nationalrat François Rime und „Verrichtungsboxen für den Finanzplatz“ legendär geblieben. 

Zimmermann wie Bodenmann haben mit der „Weltwoche“ ein sich vom Blocher-Umfeld langsam distanzierendes Medium gefunden, wo auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli mit seinen Kolumnen zu finden ist. Mörgeli, der als Ghostwriter von Dr. Christoph Blocher viel zum Untergang der Zürcher FDP beigetragen hat, ist nun selber in eine Auslaufzone geraten, deren Ende offen ist.

Verleger Roger Köppel, einer der brillantesten Schweizer Journalisten der letzten dreissig Jahre, hat sich in die Rolle eines neuen „Helveticus“ hinein begeben, der jene Reste des Landes, die noch nicht ausländisch kontrolliert sind, neuen Freiheiten zuführen, mindestens aber die alten erhalten will.

  • In gleicher Funktion wie Köppel, aber weniger auffällig, schreibt Yves Kugelmann im „tachles“, der jüdischen Wochenzeitschrift, wie im angesehenen „Aufbau“, seine Betrachtungen zum jüdischen Volk. Mit feinster Feder, was angesichts der Komplexität des Themas nicht erstaunt, agiert er zwischen den Fronten, was seine Lektüre zwingend macht. Angesichts des Brachialkolumnisten (und Essayisten) Hendryk M. Broder, der sich auf dem gleichen publizistischen Boden bewegt, ist Kugelmann eine Erholung.

 Wer meint, damit sei der Horizont grosser Schweizer Kolumnisten erschöpft, irrt gewaltig. Die Gruppe der mahnenden Rufer aus dem Wald ist nicht gering: Ein Prof. Walter Wittmann aus Bad Ragaz fordert seit Jahren den ganzen Finanzplatz Schweiz heraus, dessen Untergang wegen Unfähigkeit er schon lange beschreibt. Ein Dr. Thomas Held, einst Chef von Avenir Suisse, der als Bankierssohn ein radikaler Linker wurde, um heute im Dienst von Dr. Christoph Blocher ein altes Kloster umzubauen, wirkt als Mahner zu Offenheit und Vernunft. Dort bewegt sich als Kolumnist inhaltlich auch der ehemalige CVP-Generalsekretär und Multifunktionsberater Iwan Rickenbacher in dessen meist Innerschweizer Kolumnen der religiös fundierte Glaube zum Ausdruck kommt, die Schweiz könne wieder vernünftig regiert werden.

Wie gefährdet die publizistische Existenz eines hoch begabten Kolumnisten sein kann, beweist das Beispiel des St. Galler Ex-Bankiers Dr. Konrad Hummler. Seine Kolumnen in der „Neue Zürcher Zeitung“ trafen stets auf eine hohe Erwartungshaltung bei einer engagierten Leserschaft. Mit seinem (erzwungenen) Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der „Neue Zürcher Zeitung“, der die Folge eines Angriffs der New Yorker Justiz auf die von ihm geführte Bank Wegelin war, wurde auch dem Unbefangensten klar, dass nicht Hummlers Qualität als Kolumnist es war, die zählte, sondern seine gesellschaftliche Position. Mit deren Verlust, war er bei der NZZ auch als Kolumnist nicht mehr gefragt. Schon daran wird erkennbar, dass die Berufung von Kolumnisten, wie weitere Beispiele zeigen werden, oft wenig mit Qualität, sondern mehr mit dem Prinzip des „Eine- Hand-wäscht-die andere“ zu tun hat.

Bewegen wir uns hier noch in den gemässigten Zonen kolumnistischer Praxis, zeigt der zweite Blick auf die Ringier-Medien, dass gerade dort eine erstaunliche Entwicklung in Gang gekommen ist. Jürg Ramspeck, während Jahren Spitzenkolumnist an der Dufourstrasse, der in seinen Kolumnen der Schweizer Kultur gerade im „Blick“ prägnant zur Seite stand, musste vor seiner tausendsten Kolumne gehen. Aus dieser Klasse der professionellen Schreiber, die ihr Handwerk verstehen, ist nur Helmut-Maria Glogger geblieben, den Hunderttausende jeden Tag gerne im „Blick am Abend“ lesen. Tausend Glogger-Kolumnen ohne einen einzigen Ausfall bedeutet neben der intellektuellen auch eine disziplinierte Leistung. Ramspeck wie Glogger blicken in ihren Kolumnen dem Leser ins Auge; das ist echter Boulevard.

Mit dem dauerhaft sinkenden Niveau der Schweizer Printmedien geht auch der Einzug der Nonsense-Kolumnisten einher, wo man sich wirklich fragen muss, wer dies lesen soll. Prominentester Vorläufer ist Mark Huisseling mit seiner „Weltwoche“-Kolumne, die kürzlich das Zeitliche gesegnet hat und als „Blog“ weitergeführt wird. Höhepunkt dieser jüngsten Entwicklung ist der als arrogant geltende Deutsche Roman Koidl, der nach dem klugen Ramspeck nun im „Blick“ täglich eine Kolumne schreiben darf, die wohl weder von Schweizern noch von Deutschen verstanden werden kann. Dem bayrischen Markenberater Koidl, dem schon der deutsche Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zum Opfer gefallen ist, gelingt eine „Blick“-Kolumne, deren Texte als wirr zu bezeichnen nur als Auszeichnung verstanden werden darf, ganz wie bei manchen Objekten moderner Kunst auch, die Koidl mit Verleger Michael Ringier zusammen führte.

Als Autor zweier Kolumnen-Bücher aus den Häusern tamedia („Am See“) und des Verlags „Südostschweiz“ („Föhnsturm über der Schweiz“) freue ich mich, in derart anregender Gesellschaft tätig zu sein. Mögen uns die Leser hold bleiben.

KJS

Meisterliche Kommunikation der Chinesen

Freitag, den 24. Mai 2013 um 16:20

Die Charme-Offensive des chinesischen Premiers Li Keqiang verrät kommunikatives Selbstbewusstsein. In einem grossen Bogen über Indien und Pakistan erreichte er die Schweiz, liess in der „Neue Zürcher Zeitung“ einen Artikel aus seiner Feder publizieren und versprach unserem Bundesrat: „Das Freihandelsabkommen ist unterschriftsreif.“  Welcher Gegensatz zu der eiszeitlichen Begrüssung des chinesischen Staatschefs durch die Genfer Linkspolitikerin Ruth Dreifuss im letzten Jahrhundert, die China auf Jahre hinaus vergrätzte.

In Deutschland, wo die linksliberale Wochenzeitung „Die Zeit“ dem Premier aus Bejing als Podium diente, lief der Besuch nach dem gleichen Modell ab.

Barack Hussein Obama agiert seit einiger Zeit kommunikativ eher unsicher, ganz wie Wladimir Putin auch, dem es nicht gelingen will, sein Unterdrücker-Image abzuschütteln. Er braucht die kommende Winterolympiade in Sotschi, um sich der Welt als neuer Alexander vorzustellen.

In Westeuropa kommuniziert die deutsche Bundeskanzlerin „Angie“ Merkel glücklich, weil sie viel zeigt, aber wenig sagt. Ihr französischer Partner Hollande sagt viel, aber zeigt nichts von Interesse, weshalb er die Nr. 2 in Europa bleibt. David Cameron aus London fällt stark ab und gilt als gefährdet.

In der Schweiz bleibt Bundesrätin Doris Leuthard kommunikativ die Nr. 1. Sie will die erneuerbaren Energien durchsetzen, ohne die Kernkraftwerke zu rasch abzuschalten. Sie will das Chaos auf den Strassen mit Milliarden-Investitionen beseitigen. Dies alles wird sehr viel Geld kosten, weshalb eine Erhöhung der Mehrwertsteuer offen diskutiert wird. Alleine die bevorstehende Senkung der Unternehmenssteuern aufgrund der Zugeständnisse an die EU wird die MwSt. auf bis zu 10% hochtreiben.

Jetzt hat der Bundesrat auf Leuthards Empfehlung hin ein neues Monster geboren: Eine Medienkommission unter Leitung des renommierten Prof. Dr. Otfried Jarren. Diese Schaltstelle zwischen Regierung und Medien soll definieren, welchen Medienmarkt wir künftig wollen und brauchen.

Jarren will in den Schweizer Medien nach 200 Jahren ein neuartiges Qualitätssicherungs-System einführen („Das ist noch arg unterentwickelt.“) Nicht genug, auf die Frage in persönlich.com, wie man „staatstragenden Journalismus finanziere“ und diesen „steuere“, protestiert er nicht, sondern empfiehlt, geeigneten Journalisten Preise und Stipendien zu vergeben. Gegen Werbung und PR in den Medien ist Jarren nicht grundsätzlich, sondern warnt nur vor „Verzerrungen über Gebühr“. Er akzeptiere auch die damit verbundene „persuasive Kommunikation“. Genau das wollten wir von ihm hören.

Nicht genug, „die Branchenakteure sollten sich selbst Regeln für eine gute Praxis gebenm und ethische Standards definieren“. Der Weg zu einem neuen Schweizer Journalismus unter staatlicher Aufsicht ist damit gepflastert.

Das alles tut der Zürcher Medienprofessor für Fr. 500.—pro Tag, was einigermassen bescheiden ist. Seine Kommissionsmitglieder erhalten nur Fr. 400.—pro Tag.

Noch hat kein Schweizer Medium gegen diese Art von freiwillig-unfreiwilliger „Partnerschaft für gute Kommunikation“ protestiert. Immerhin ist dies ein Zeichen für die allseitige Erschlaffung des Schweizer Journalismus‘; vielleicht ist es aber auch nur ein Zeichen dafür, dass man diese neue Leuthard’sche Grossoffensive nicht sehr ernst nimmt.

Ich halte letzteres für wahrscheinlich.

Merkwürdig, dieses Absterben der Parteien

Freitag, den 17. Mai 2013 um 10:00

Natürlich glaubt nur die FDP-Spitze, dass sie mit Philipp Müller als Parteipräsident die nächsten Wahlen im 2015 gewinnen wird. Sie muss es glauben.

Wie meine persönliche Umfrage zeigt, glaubt sonst niemand an einen Wahlsieg der „FDP. Die Liberalen“. Die klein gewordene Partei ist nicht in der Lage, ihre kantonalen Truppen zu sammeln; jeder sucht die Rettung für sich.

Christophe Darbellays CVP ist weiterhin auf dem Rückzug. Er schätzt es nicht, seine Partei mit einem schrumpfenden Walliser Gletscher verglichen zu sehen; leider ist es so. Bundesrätin Doris Leuthard, die eine unausgegorene Energie-Revolution ausgelöst hat, sieht sich nun einem Schweizer Volk gegenüber, das die Kernenergie bereits wieder zu lieben beginnt, wie DemoScope herausgefunden hat.

Toni Brunner, Präsident der SVP, freut sich über die kantonalen Erfolge seiner Partei. Er vergisst, dass Oskar Freysinger, der im Walliser Grossen Rat neun zusätzliche Mandate gewonnen hat, alles andere als ein “Blocherist“ ist. Die SVP, obgleich von den Grossbanken geliebt, ist im Inneren instabil. Das ist kein gutes Signal für die Zukunft.

Wenn linke und grüne Parteien Gewinner in einer solchen Situation sind, zeigt dies nur den Zerfall des Schweizer Bürgertums. Ganz wie in Italien, wo ein Beppe Grillo die Wähler verwirrte, oder in Deutschland, wo nach den zusammen brechenden „Piraten“ nun die „Alternative für Deutschland“ die Manager der klassischen Parteien beunruhigt, steht auch unser Land vor neuen Entwicklungen. Der Aufstand der B-Schweiz gegen die Interessen der global erfolgreichen A-Schweiz ist ein Signal dafür, dass die Konzerne, Anwalts- und Treuhandkanzleien, deren Berater und Politikerfreunde, bisher nicht verstanden haben, dass wir in ganz Europa inmitten einer Grundwelle bürgerlichen Missmuts stehen. Die Schweiz ist davon nicht ausgenommen.

Bern ohne schaltet ab

Montag, den 13. Mai 2013 um 8:10

Im finanziell ohnehin angeschlagenen Kanton Bern, der von den reicheren Kantonen jährlich mit Zuschüssen von über 1,2 Milliarden Franken am Leben gehalten werden muss, nimmt man vieles nicht so ernst. Obwohl der Kanton 2015 auch einen Nationalratssitz verlieren wird, weil die Bevölkerung der einst reichsten Stadt nördlich der Alpen einfach nicht im gleichen Tempo wachsen will wie die anderer Kantone, gibt es bisher weder in der Stadt Bern noch im Kanton eine echte Zukunftsplanung, welche diesen Namen verdient. Der Stadtberner Finanzdirektor Alexandre Schmidt weigerte sich sogar, die Direktionen der Berner Regierung einer Analyse unterziehen zu lassen und musste vom eigenen Parlament in dieser Sache überstimmt werden.

Nun erschüttert ein neuer Schlag das soziale Gefüge der Bundeshauptstadt: Artur K. Vogel, der Chefredaktor des „Bund“, der staatstragenden liberalen Tageszeitung aus dem Haus tamedia, nimmt eine Auszeit. Daher liess er seine Leser wissen, bis zu seiner Rückkehr im Juli gäbe es keine samstäglichen „Perspektiven“ mehr aus seiner Feder.

Braucht Bern Perspektiven? Oder sind alle bereits verbraucht?

Prinzip Täuschung

Montag, den 6. Mai 2013 um 10:00

Abt Martin Werlen, der das Kloster Einsiedeln in zehnjähriger Arbeit saniert hat, verdanken wir den schönen Satz von der „Ent-täuschung“, die notwendig sei, um sich von einer Täuschung zu befreien. Das gilt auch für den derzeitigen Krieg um das Schweizerische Bankgeheimnis. Joachim Gauck, der deutsche Bundespräsident, hat Hunderttausende Schweizer Bankkunden mit dem Satz an den Pranger gestellt „Wer Steuern hinterzieht, verhält sich asozial.“ Gemeint war Ueli Hoeness, der beste Fussballmanager in Deutschland, der gerne tut, was Millionen anderer auch gerne tun: „An der Börse spielen – zocken.“ Ob Gauck ob seiner pfarrherrlichen Vergangenheit den Deutschen als Bundespräsident wirklich etwas bringt oder er nur das Schäumchen über dem bitteren Inhalt ist, werden wir in 2-3 Jahren wissen. Täuscht er? Wird er die Deutschen eines Tages „ent-täuschen“? Es braucht Zeit, derlei zu entdecken. Dr. Konrad Hummler, einen Bankier, den wir nicht vergessen sollten, sagte jedenfalls: „Steuerhinterziehung ist Notwehr“, womit er so unrecht nicht hatte, wenn man sieht, wie die Normalos unter den EU-Bürgern von ihren Regierungen enteignet werden.

Dies gilt auch für Margaret Thatcher, die in den Schweizer Medien, fast ohne Widerspruch, zu einer Art Halbgöttin der freien Marktwirtschaft stilisiert wurde. Dass sie eine besondere Frau war, die andere dank ihrer Entschlossenheit leicht in den Senkel stellen konnte, ist nicht zu bezweifeln. Wer sie jedoch nur lobte, sollte auch berücksichtigen, dass sie es als ihren eigentlichen Traum bezeichnete, jeden Briten via Privatisierung zu einem Eigentümer zu machen. Dies ging bei ihr schief wie in Deutschland mit der Privatisierung der Telecom, bei welcher die deutschen Jungaktionäre, verführt von einem populären Schauspieler, Hunderte von Millionen verloren. In meiner Sprache handelte es sich dabei um eine Public Affairs-Botschaft, die dazu diente, wohlhabenden Minderheiten Zugriff auf Staatseigentum zu verschaffen. Auch in Osteuropa versprach man dem breiten Volk nach 1988 Eigentum, das dann in den Tresors der Oligarchen landete.

Weder Abraham Lincoln noch Ronald Reagan erfanden die  auch Margaret Thatcher zugesprochene Formulierung „You cannot strengthen the weak by weakening the strong“, sondern es war der heute vergessene William Boetcker, ein Anti-Gewerkschaftskämpfer, der im Jahr 1916 das Pamphlet verfasste „The Ten Cannots“ (eine hübsche Erinnerung an das „Yes, we can“ des amtierenden US-Präsidenten Barack Hussein Obama resp. seines Ghostwriters).

Thatcher war es auch, die den „freedom fighter“ Augusto Pinochet bis zuletzt unterstützte. Dass er tausende von Chilenen umbrachte, misshandelte und ins Ausland trieb, spielte bei der „Eisernen Lady“ keine Rolle.

Sie war es auch, die sich nie vom südafrikanischen Apartheid-Regime distanzierte. „The right of individuals to run their own lives“, welches sie propagierte, galt  nur selektiv, aber auf keinen Fall für dunkelhäutige Südafrikaner. Wer Sektion 28 der englischen Gesetzgebung liest, erfährt, dass es zu ihrer Zeit Lehrern verboten war, Homosexualität auch nur zu erwähnen.

In ihrer ersten Phase war sie eher eine Karikatur des „British Empire“, das seinen Höhepunkt nach zwei Weltkriegen längst überschritten hatte. In ihrer zweiten Phase wurde sie zur aus Indien importierten Göttin Kali, die ihr eigenes Volk frass. Kein Wunder, dass sie dann von der eigenen Partei zum Rücktritt gezwungen wurde.

Sie ruinierte den Industriestandort England und Wales, weil sie ganz auf das Erdöl aus der Nordsee setzte, das heute bereits wieder versiegt. Dankbar dürfen ihr nach dem „Big Bang“in London nur die Bankiers und Finanzspezialisten sein, die seither ihr volles Potential entwickeln durften.

Dies alles haben die Schweizer Medien, von rechts nach links, kaum eine Zeile für wert befunden. Wie soll das Schweizer Volk, das teure Zeitungs-, Radio-und TV-Abonnements bezahlt, nur werten, wenn es immer nur eine Hälfte der Wahrheit erfährt?

Verwirrung als politisches Prinzip

Montag, den 6. Mai 2013 um 8:20

Wer nur als wirklich wahrnehmt, was er zu verstehen glaubt, wird oft falsch liegen.

Die USA, in Afghanistan im Kampf gegen die Al Kaida gescheitert, ist in Syrien zum Verbündeten der Kaida geworden. Sie unterstützen die sunnitischen saudischen und katarischen Herrscher, welche den weltweiten Kaida-Terror finanzieren, gegen den Alawiten Baschar-al-Assad. Über Hamid Karsai, den Herrscher Afghanistans, hat der CIA mit gefüllten Geldkoffern die aufständischen Regionalfürsten unterstützt, die manche der Al Kaida zurechnen, andere „nur“ afghanische Nationalisten nennen. Nur mit Mühe konnte in den letzten zehn Jahren die immer wieder geäusserte Vermutung bekämpft werden, die Al Kaida habe mit Wissen amerikanischer Geheimdienstkreise die beiden Türme des World Trade Centers in NYC zum Einsturz gebracht, dies als Vorspiel des folgenden Einmarsches der Amerikaner in den Irak. Immerhin war auch Osama bin Laden lange Zeit ein Mitarbeiter von US-Geheimdiensten, ehe er sich operativ verselbständigte, was auch für Saddam Hussein zutraf.

Wer meint, in der Europäischen Union (EU), deren Passivmitglied die Schweiz ist, seien die Dinge klarer, irrt ebenso. Seit nunmehr gut fünf Jahren taumeln die EU-Staaten in Varianten dem Bankrott entgegen, entgehen ihm wieder, erholen sich, um denn, wie derzeit Frankreich, erneut am Abgrund zu stehen. Was geschieht wirklich? Diese Krise ist ein gewaltiger politischer Gestaltungsprozess, der die zentralen Funktionen der EU-Behörden und Aufsichtsorgane zu Ungunsten nationaler Machtträger stärkt. Europa wächst in der Krise zusammen, nimmt Aussenseiter, wie die Schweiz, unter Druck und stärkt seine leistungsfähigen Konzerne im Kampf um Weltmarktanteile. Die Volksrechte werden von Beauftragten der EU mit Füssen getreten (Griechenland, Italien, Zypern etc.), der Mittelstand wird in die Armut getrieben.

Ob die Schweiz sich als „Insel der Seligen“ von diesen Prozessen lösen kann, ist fraglich. Immerhin haben die vereinten amerikanisch-europäischen Bemühungen den Finanzplatz Schweiz zerstört. Gegen 70 000 Schweizer Bankkunden wurden ihren nationalen Steuerbehörden ausgeliefert, was man wohl als eine der merkwürdigsten Marketingaktionen des Finanzplatzes bezeichnen kann.

Schon LaoTse formulierte im Tao-te-King: „Der Name, den Du aussprichst, ist nicht der Name.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert.

 
     
     
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