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Ein denkwürdiger Vorabend an der Uni Zürich

22. April 2013 um 8:00

Hinter dem harmlosen Namen „Schweizer Institut für Auslandforschung“, das an der Universität Zürich Gastrecht geniesst, verbirgt sich eine der anspruchsvollsten Institutionen der Stadt Zürich, ja der ganzen Deutschen Schweiz. Dort stellt Martin Meyer, der vielfach ausgezeichnete und zunehmend legendäre Feuilleton-Chef der „Neue Zürcher Zeitung“, seit Jahren die „crème de la crème“ der westlichen Geisteswelt vor. Finanziert von der Elite der Schweizer Konzerne, ist es das Ziel der Anlässe, der Geld- und Geistesaristokratie der Handelsstadt Zürich intellektuelle Massstäbe zu vermitteln.

Weil Zürich in besonderem Masse unter dem Einbruch des Finanzplatzes leidet und die heimische Bevölkerung erstaunt bis befremdet den Einzug arabischer, südafrikanischer, indischer und asiatischer Unternehmer und Spitzenmanager erduldet, wurde der Auftritt von Prof. Dr, Hermann Lübbe in besonderem Masse erwartet, der 20 Jahre, bis 1991, an der Universität Zürich Philosophie lehrte. Der leptosom-fragile Referent, Jahrgang 1926, trug mit seiner Löwenstimme eine Zeitbetrachtung vor, die an Optimismus kaum zu überbieten war. Als engagierter Gegner aller Radikalismen, sei es von Karl Marx oder Sigmund Freud, gab er dennoch zu bedenken „Der Grenznutzen des Fortschritts nimmt ab.“ Angesichts der hier selten vernommenen Denk- und Formulierungseleganz des immer noch brillanten Gastes verharrten die Gäste atemlos.

„Die Schweiz wird am Sitz der EU ebenso bewundert wie als unheimlich empfunden“, belehrte er seine Schweizer Ex-Studenten, die heute als Professoren an den Universitäten, im diplomatischen Dienst und in den Edelmedien zu finden sind. Die zunehmende Einkommensungleichheit sei nur dann problematisch, wenn der Verdacht vorliege, die Begünstigten hätten dies durch Beeinflussung erwirkt.

Lübbe, ein grosser Anhänger schweizerischer Staatskunst, gab sich überzeugt: „Gleiche Bürgerrechte werden universell kommen.“ Gastgeber Martin Meyer, dessen beharrlicher Überzeugungskunst derlei Auftritte zu verdanken sind, bestätigte versöhnlich: „Alles erneuert sich.“ Es war, nach einem gelungenen „Sechselüüte“ eine Woche zuvor, einer jener selten gewordenen glücklichen Vorabende, wo man die traurigen Ereignisse an der Börse und im Goldhandel vergessen konnte.

Lübbe sei Dank!

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