Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Monatsarchiv für April 2013

Mr. Ice Cream, please

Montag, den 29. April 2013 um 7:45

Der reichste Chinese, Zong Quinghu, ist stolz darauf, seine Karriere als Verkäufer von „ice cream“ begonnen zu haben. Er war auch ein Teilnehmer der Mao’schen Kulturrevolution. Das erinnert daran, dass Peter Brabeck-Lethmathé, der österreichische Präsident des Verwaltungsrates von Nestlé, als Eiskrem-Verkäufer in Lateinamerika begonnen hat. Der CEO des Novartis-Konzerns, Joe Jimenez, hat seine Karriere als Verkäufer von Hamburgern begonnen; mindestens die Legende sagt dies.

Immerhin ist Philipp Müller, der Präsident der FDP Schweiz, als Gipser ins Berufsleben gestartet und Etienne Jornod, der neue Präsident des Verwaltungsrats der NZZ, hat seine Karriere als Drogist begonnen. Was bedeutet dies?

Wir sollten die Karrieren via Uni St. Gallen und MBA’s nicht zu hoch bewerten. Am Ende entscheidet die Fähigkeit, die richtigen Entscheide zu treffen. „Mr. IceCream“ sollte nicht unterschätzt werden. Die Komplexität der Geschäftswelt lässt sich auf die Tatsache reduzieren: Billig einkaufen, teuer verkaufen.

Wenn die Strukturen sich auflösen…

Donnerstag, den 25. April 2013 um 12:32

Die konservative Schweiz, angeführt von verängstigten Parteipräsidenten, verfällt in einen Verteidigungskrampf, dessen bester Ausdruck die Anrufung der Ventilklausel ist. Diese Form von Illusionspolitik geht davon aus, dass das Schweizer Volk Angst vor Veränderungen hat und im globalen Verteilungskampf benachteiligt wird. Es ist ein hoffnungsloses Beginnen, denn unter dem Druck des Wettbewerbs lösen sich unsere Strukturen aus dem 20. Jahrhundert auf:

  • Der Wirtschafts-Dachverband économiesuisse konnte vor einem Auseinanderbrechen von Banken und Industriefirmen nur knapp gerettet werden, was aber den Austritt des Dachverbandes der Schweizer Uhrenindustrie nicht verhinderte. Der neue Präsident, Rudolf Wehrli, gilt nach wenigen Monaten im Amt bereits als angeschlagen.
  • Santésuisse, die Vereinigung der Schweizer Krankenkassen, ist soeben auseinander gebrochen. Die Erwartungen der grossen Mitglieder laufen auseinander; eine Neugründung ist angesagt.
  • Die Schweizerische Bankiervereinigung, deren Bedeutungslosigkeit bei der erfolglosen Verteidigung des Schweizer Bankgeheimnisses offensichtlich wurde, ist nur noch oberflächlich eine Einheit. Dr. Pierin Vincenz, der CEO der Raiffeisen-Gruppe, betreibt längst eine eigene Lobbying-Einheit zur Verteidigung der Interessen jener Banken, die in erster Linie auf den Schweizer Binnenmarkt ausgerichtet sind.

Wer glaubt, die Schweiz verändere sich nicht, unterliegt einem Grundlagen-Irrtum. Es sind in jedem Fall die grossen Konzerne, die mehr denn auf die eigene Kraft setzen als auf die Verbindung mit anderen Unternehmen, die im Wettbewerb auf Dauer ohnehin kaum mithalten werden. Meistens dienen die einfachen Mitglieder nur noch als Deckung für die grossen, weshalb die économiesuisse in letzter Zeit vermehrt darauf hinweist, dass sie auch über 100 000 KMU vertritt.

Ein denkwürdiger Vorabend an der Uni Zürich

Montag, den 22. April 2013 um 8:00

Hinter dem harmlosen Namen „Schweizer Institut für Auslandforschung“, das an der Universität Zürich Gastrecht geniesst, verbirgt sich eine der anspruchsvollsten Institutionen der Stadt Zürich, ja der ganzen Deutschen Schweiz. Dort stellt Martin Meyer, der vielfach ausgezeichnete und zunehmend legendäre Feuilleton-Chef der „Neue Zürcher Zeitung“, seit Jahren die „crème de la crème“ der westlichen Geisteswelt vor. Finanziert von der Elite der Schweizer Konzerne, ist es das Ziel der Anlässe, der Geld- und Geistesaristokratie der Handelsstadt Zürich intellektuelle Massstäbe zu vermitteln.

Weil Zürich in besonderem Masse unter dem Einbruch des Finanzplatzes leidet und die heimische Bevölkerung erstaunt bis befremdet den Einzug arabischer, südafrikanischer, indischer und asiatischer Unternehmer und Spitzenmanager erduldet, wurde der Auftritt von Prof. Dr, Hermann Lübbe in besonderem Masse erwartet, der 20 Jahre, bis 1991, an der Universität Zürich Philosophie lehrte. Der leptosom-fragile Referent, Jahrgang 1926, trug mit seiner Löwenstimme eine Zeitbetrachtung vor, die an Optimismus kaum zu überbieten war. Als engagierter Gegner aller Radikalismen, sei es von Karl Marx oder Sigmund Freud, gab er dennoch zu bedenken „Der Grenznutzen des Fortschritts nimmt ab.“ Angesichts der hier selten vernommenen Denk- und Formulierungseleganz des immer noch brillanten Gastes verharrten die Gäste atemlos.

„Die Schweiz wird am Sitz der EU ebenso bewundert wie als unheimlich empfunden“, belehrte er seine Schweizer Ex-Studenten, die heute als Professoren an den Universitäten, im diplomatischen Dienst und in den Edelmedien zu finden sind. Die zunehmende Einkommensungleichheit sei nur dann problematisch, wenn der Verdacht vorliege, die Begünstigten hätten dies durch Beeinflussung erwirkt.

Lübbe, ein grosser Anhänger schweizerischer Staatskunst, gab sich überzeugt: „Gleiche Bürgerrechte werden universell kommen.“ Gastgeber Martin Meyer, dessen beharrlicher Überzeugungskunst derlei Auftritte zu verdanken sind, bestätigte versöhnlich: „Alles erneuert sich.“ Es war, nach einem gelungenen „Sechselüüte“ eine Woche zuvor, einer jener selten gewordenen glücklichen Vorabende, wo man die traurigen Ereignisse an der Börse und im Goldhandel vergessen konnte.

Lübbe sei Dank!

Unheimliches Deutschland

Freitag, den 19. April 2013 um 7:45

Deutschland wird jeden Monat reicher, während die meisten anderen EU-Staaten laufend ärmer werden. Die Haushalte von Bund und Ländern sind im Begriff, sich in grossem Tempo zu entschulden, weil in Deutschland die Steuereinnahmen aufgrund der Exporterfolge so hoch sind.

Während die Südstaaten der EU pleite oder politisch führungslos sind, in Grossbritannien, ausser in der City of London, wirtschaftlich alles auf null steht und das Volk verarmt, geht auch Frankreich an Krücken. Drei europäische Staaten können mit Deutschland mithalten: Polen, die Türkei und die Schweiz. Die türkische Regierung will mit 90 Mio. Moslem in die EU, die Schweiz mit acht Millionen Einwohnern will dies nicht.

Die EU in Brüssel, eine Organisation zur Förderung der grossen europäischen Konzerne und deren Exportinteressen, setzt derweil die unbotmässigen Randstaaten, wie die Schweiz, unter Druck. Während England seine Steuerhinterziehungs-Insel auf Zusehen noch behalten darf, haben Österreich und die Schweiz das Messer an der Kehle. Liechtenstein wie Luxembourg haben aufgegeben und passen sich dem Brüsseler Diktat ein.

Nun hat Brüssel die Grenzen auch für die 50 Tonnen schweren Superlastwagen meist deutscher Herkunft öffnen lassen. Wer glaubt, diese unsere Strassen zerstörenden und den Verkehr gefährdenden Monster würden bei uns ein Einreise- und Durchfahrtverbot erhalten, irrt. Wie Brüssel verlauten lässt, hat man die Fenster der Führerkabinen noch vergrössern und die Ecken der Superlaster abrunden lassen, damit 300-500 Verkehrstote, „vor allem Fussgänger und Velofahrer“ eingespart würden. Deutsche Laster in unseren engen Alpentälern, deutsche Flugzeuge über Basel, Kloten und Genf. Deutsche als Chefs unserer Banken und Verlagshäuser. Aus seriöser Quelle in Bern wird versichert: „Sie dienen uns und der Erhaltung unseres Wohlstands.“ Merke: Toll oder Tollhaus?

Sie tanzen nur einen Sommer

Montag, den 15. April 2013 um 8:55

Philipp Müller, der in der Praxis und im Temperament ein Rennfahrer ist, gibt sich alle Mühe, aus der lahmenden FDP Schweiz einen attraktiven Sportwagen zu machen. Er scheitert offensichtlich ebenso wie Christophe Darbellay, der als Präsident der CVP bei weitem nicht geliefert hat, was man von ihm erwartete. Sie alle tanzen nur einen Sommer, mag der auch wenige Jahre dauern.

In der Wirtschaft ist dies kaum anders. Der deutsche Daimler-Konzern hat sich die Kosmetik-Managerin Andrea Jung zur globalen Image-Aufbesserung zugelegt. Die NZZ, erfolglos, hat unlängst Caroline Müller-Möhl in den Verwaltungsrat gewählt, wo sie bisher so wenig bewirkte wie bei den Unternehmen, in welche sie bisher investierte. Sie alle tanzen nur einen Sommer – bis die Realität sie erreicht.

Die Zeichen stehen nicht auf Kontinuität, sondern auf Schminke. Wer an der Börse investiert, tut gut daran, die „geschminkten Unternehmen“ von denjenigen zu unterscheiden, wo noch unternehmerisch gearbeitet wird. Während McKinsey in der Schweiz „into oblivion“ gesunken ist, triumphiert im provinziellen St. Gallen der fleissige Dauerdenker Prof. Dr. Fredmund Malik, dessen Rat global gesucht ist.

Show ist in den OECD-Staaten, angeführt von den USA, ein Teil des „courant normal“. Wer wirtschaftlich gesund überleben möchte tut gut daran, zwischen Form und Inhalt zu unterscheiden.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog