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Monatsarchiv für April 2012

Wann greift Roger de Weck durch?

Mittwoch, den 4. April 2012 um 11:22

Jean-Martin Büttner, eine der beiden Edelfedern beim “Tages-Anzeiger” (die andere ist Constantin Seibt) analysiert heute das Programm des Schweizer Staatsfernsehens und kommt zu einem niederschmetternden Fazit: Beim Schweizer Fernsehen dominieren Redundanz und Nullaussagen. Das ist nichts Neues. Über die Ursachen des Missstandes äussert sich Bütter nicht. Ich werde es für ihn tun.

Ursache der Probleme beim Schweizer Fernsehen sind einerseits die Führung unter Roger de Weck und die Qualität der Journalisten, die oft voreingenommen sind (eine Todsünde im Journalismus) und unfähig zu vertiefter Recherche, andererseits der Overkill im Ausbau des Unternehmens.

Zum ersten Punkt: Die Blocherfixiertheit, die Büttner anspricht, hat mit der Faulheit und der verbreiteten Mutlosigkeit der Journalisten zu tun – wer wagt es schon, ein neues Politthema zu setzen oder neue Gesichter zu zeigen, die etwas zu sagen haben? Man muss sich nicht wundern, wenn deshalb im „Club“ vier Medienvertreter in der Runde sitzen. Ich persönlich will Experten reden sehen, nicht Journalisten. Diese sind oft, wie man so schön sagt: Universal-Dilettanten.

Zum zweiten Punkt: Mit den technischen und programmatischen Möglichkeiten werden heute Grossereignisse bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet – siehe Busunfall im Wallis. In der Not, mangels Direktbetroffenen, die zur Verfügung stehen, Sendezeit abzufüllen, hängen sich Journalisten verzweifelt an die Retter von Feuerwehr und Sanität, deren persönliches Befinden (haben Sie post-traumatische Belastungsstörungen?), plötzlich zum Thema wird. Es  gibt zu viele Sendungen, die mit Inhalten gefüllt werden müssen und zu viele Journalisten, die sich dazu Informationen aus den Fingern saugen müssen.

Die Folge dieser Entwicklungen: SF ist ein seichtes Staats-TV, dass ich, der weder Quiz noch Skirennen etwas abgewinnen kann, einigermassen gebildet ist und nicht auf dem Land wohnt, wegschaut. Das Runterschrauben der anvisierten Quoten von SF ist eine Kapitulation vor der eigenen Strategie. Wann greift Roger de Weck durch?

Philippe Welti

Bulgarisches Versteckspiel

Dienstag, den 3. April 2012 um 15:38

Das bulgarische Kino ist im Westen angekommen – die Mentalität der Schauspieler offenbar noch nicht. „Avé“ ein Roadmovie führt in den Norden Bulgariens und in die Gegenwart eines Landes, das den Anschluss an die Welt noch sucht. Dazu passt auch, wie der Regisseur auf Anjela Nedyalkova, die Avé spielt, stiess.

Ich hatte sie in einem Film in einer kleinen Rolle gesehen und wollte sie zuerst für eine Nebenrolle engagieren – eine der Drogenabhängigen –, doch gefiel sie mir so gut, dass ich sie nochmals anrief, um ihr die Hauptrolle anzubieten. Nur erschien sie dann nicht zu unserem Treffen. Ich suchte in der Folge sechs oder sieben Monate lang nach einer Darstellerin für Avé und wählte schliesslich vier Mädchen aus, mit denen ich alle Szenen x-mal durchspielte, doch nie ganz zufrieden war. Mir schien, irgendetwas stimme nicht. Ich bat also den Castingverantwortlichen, Anjela ausfindig zu machen, im Wissen, dass sie an einer Kunstschule studierte. Man erklärte ihm jedoch, sie fehle systematisch in den Klassen und niemand wisse, wo sie sei. Einige Tage später trafen wir sie in einem Café. Wir vereinbarten wieder ein Treffen und sie versetzte uns aufs Neue! Als wir dann in der Kunstschule waren, um für eine Szene den Dreh vorzubereiten, sah ich sie wieder. Sie erzählte mir, dass ihrer Mutter am Abend vor dem Casting etwas Schreckliches zugestossen war und sie deshalb nicht hätte kommen können.
Ich weiss bis heute nicht, ob sie mir damals die Wahrheit erzählte. Jedenfalls warnten mich alle um mich herum, ich sei ja total verrückt, zehn Tage vor Drehbeginn eine Schauspielerin zu engagieren, die praktisch noch keine Dreherfahrung hatte. Aber ich glaubte an sie und es hat sich ausbezahlt.

Der Film im Verleih von Trigon Film startet am 12. April in den Schweizer Kinos.

Philippe Welti

 
     
     
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