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Tagesarchiv für 8. Februar 2012

„Whistleblowing“ als Volkssport

Mittwoch, den 8. Februar 2012 um 17:06

Nun hat sich auch der UBS-Konzern als Whistleblower geoutet. Er ist damit zehn anderen europäischen Banken zuvor gekommen, die mit erheblichen Bussen zu rechnen haben, weil sie vermutlich den Libor-Zinssatz manipuliert haben, während Sergio Ermotti als neuer Konzern CEO mit seinen Mannen aus Kronzeuge dient, der straffrei ausgehen wird.

Whistleblowing als Volkssport erfährt nun eine höhere Akzeptanz, wenn sich auch die grösste Schweizer Bank dieser rechtlich gut verankerten Wettbewerbstechnik bedient. Was einst ein UBS-Wachmann ausgelöst hat, um damit das Schweizerische Bankgeheimnis erheblich zu beschädigen, was später von Mitarbeiterinnen im Zürcher Sozialamt bis hin zum bundesgerichtlichen Entscheid betrieben wurde, was diverse CD-Rom-Lieferanten Schweizer und Liechtensteiner Banken in Europa verkauften, war nur die Vorstufe zum Ausverkauf Schweizer Bankkunden an die US-Behörden, ein unter Druck erfolgtes „Whistleblowing“, das der Bundesrat legitimierte. Der inzwischen verstummte IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin, der die Bankdaten von Philipp Hildebrand an einen SVP-Politiker lieferte, verhielt sich nur konsequent.

Letztlich dokumentiert sich darin ein Zerfall der bürgerlichen Tugenden, die zwar stets ein wenig übertrieben dargestellt wurden, aber dennoch zum Zusammenhalt der Gesellschaft viel beigetragen haben. Im Stadium des sich vollendenden Kapitalismus sieht es eher so aus, als habe jeder ein Messer im Sack, um im Notfall zuzustechen.

Ohne ethisches Gezerre geht dies nicht: Der elegante Kuno Hämisegger, Cheflobbyist der eher geschwächten Schweizerischen Bankiervereinigung, klagt über Simonetta Sommaruga, unsere Justizministerin: “Sie entscheidet gesinnungsethisch. Wir brauchen eine Regierung, die aus Verantwortungsethikern besteht.“ Ob die VR’s der beiden „Schweizer“ Grossbanken der Schweiz gegenüber noch Verantwortung tragen oder, wie es im Reglement steht, ausländischen Grossaktionären gegenüber, bedarf vertiefter Diskussion.

Geradezu beschwörend klingen die Kommentare von Prof. Iwan Rickenbacher, einem CVP-Veteranen, der an die Willensnation Schweiz erinnert. Die alten Parteien, sagt er, hätten viel für den Zusammenhalt und den Erfolg des Landes geleistet, würden aber vom Wähler abgestraft zum Vorteil der neuen Bewegungen. Es kann nur eine Antwort geben: Die Integrationskraft der alten Strukturen hat mangels sublimer Pflege nachgelassen. Darum rette sich, wer kann.

Die Schweizer Axel Weber-Bank

Mittwoch, den 8. Februar 2012 um 15:45

Sergio Ermotti und Axel Weber sind höflich zueinander, aber noch nie habe ich erlebt, dass ein polyglotter Tessiner und ein Ur-Deutscher miteinander ausgekommen sind. Der ehemalige deutsche Bundesbank-Präsident ist ein Schwergewicht, das gegen einen schnellen Tessiner mit beruflichen Wurzeln in den USA und Italien rasch die Oberhand gewinnen wird, ganz im Gegenteil zu seinem Vorgänger Kaspar Villiger, der gegen Oswald J. Grübel als Konzern-CEO nie eine Chance hatte. Grübel selber warnt: „Der VR-Präsident darf nie in die Konzernleitung hinein wirken.“ Ob dies beim UBS-Konzern auch in Zukunft gelten wird, ist offen.

Oswald Grübels Sonderkonjunktur

Mittwoch, den 8. Februar 2012 um 15:15

Die Schweizer Konjunktur mag am Boden liegen, aber Oswald J. Grübel, ex-CEO des UBS-Konzerns, erlebt seit Wochen eine Sonderkonjunktur. Da weder Sergio Ermotti (UBS) noch Craig Dougan (CS) der Schweizer Kundschaft in nennenswertem Masse für Vorträge zur Verfügung stehen, Ermotti zusätzlich auch alle Formen der Personalisierung in der Bank untersagt hat, ist Oswald J. Grübel ein glaubwürdiger Sprecher für den Finanzplatz und die Grossbanken. Er tut dies, wie man ihn kennt, ein wenig launig, ein wenig grimmig. Grübel sieht uns inmitten eines „verlorenen Jahrzehnts“, wo die Konjunktur weiterhin keinen Schwung gewinne. Als wesentliche Ursache dieser von Vielen als Krise empfundenen Erscheinung nennt er das in den USA wie Westeuropa zu beobachtende Ende der Zeit der „baby boomer“. Jetzt seien zu wenig Menschen da, die kräftig in Immobilien und anderes investieren.

Erfolgreiche Paulus-Akademie

Mittwoch, den 8. Februar 2012 um 13:00

Vielen ist es nicht bewusst: Der Kanton Zürich hat mit der Paulus Akademie eine der wertvollsten katholischen Bildungsstätten der Schweiz. Sie hat mit Prof. Dr. Stephan Wirz einen neuen Leiter erhalten, der katholisches Denken in der Welt verankern will.

Die Paulus Akademie, ein Kind des II. Vatikanischen Konzils, 1966 ins Leben gerufen, wird demnächst 50 Jahre alt. Sie hat eine in jeder Beziehung gewaltige Aufgabe: weltoffen für den Glauben einzustehen und glaubend die Welt zu integrieren. Weil die rk Kirche schwächelt, sei es an kirchlichem Personal wie an Gläubigen, ist eine Akademie der beste Standort, um Chur und die Landeskirche wieder einander näher zu bringen. Gleichzeitig wirkt sie wie ein Leuchtturm in die ganze Schweiz hinein. Mit Prof. Dr. Stephan Wirz hat sie einen ambitionierten Leiter erhalten, der sein Pensum an der Universität Luzern reduzieren wird, um auf dem Standort Zürich einen Impuls zu setzen.

Warum Neues erfinden?

Mittwoch, den 8. Februar 2012 um 12:10

Weil ich 1995 in „Bedrohte Schweiz, wohin?“ den Schweizern empfohlen haben, den Schotten nachzueifern, musste ich natürlich Niall Ferguson, den Welthistoriker aus Glasgow, hören, was er uns in der Uni Zürich zu sagen hat. Wir Europäer würden nicht mehr anpacken und zu sehr auf den Staat hören, Ansprüche stellen und immer weniger leisten. Wie recht er hat! Das 19. Jahrhundert in Europa ist von einem aggressiven Zauber, der mich die Zukunft vergessen lässt. Das 18. Jahrhundert, von Armut, Geist und Revolutionen geprägt, ist nicht minder gewaltig; was soll ich mit dem 21.? Ohnehin, was wollen wir gegen 1,3 Milliarden Chinesen tun, die sich jedes Jahr um Millionen vermehren? Und gegen eine Milliarde Inder, bald 500 Mio. Nigerianer undsoweiter? Wir geniessen jetzt unseren Wohlstand, der weltweit einmalig ist.

Niall Ferguson will die alte europäische Mähre, von vielen Kriegen erschöpft, mit Völkern, die heute mehr ausgeplündert sind, als sie früher plünderten, keinen neuen Krieg mehr gewinnen. Er setzt auf die US-Amerikaner. Wenn das keine Täuschung ist, denn die USA werden jetzt braun.

 
     
     
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