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Tagesarchiv für 3. Februar 2012

Sensibilisierung gegen US-Macht?

Freitag, den 3. Februar 2012 um 13:35

Wir lassen eine nette junge Frau, die FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, an einem in den US-Entscheidungszentralen nicht (mehr) hoch bewerteten Ort, dem WEF in Davos, mit US-Parlamentariern sprechen. Markwalder will sie „sensibilisieren“ für die Belange der Schweiz in Sachen Finanzplatz. Gleichzeitig sehe ich, wie sich Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf mit einem „tiefen Diener“ vor den US-Repräsentanten verneigt. Tritt man so gegen Machtpolitiker an? Ich bezweifle es.

Die Schweiz hat schon seit einer Generation kein Flair mehr für Aussenpolitik. Die Folge ist es, dass unser Finanzplatz zerstört wurde, wir gegenüber der EU keine rechte Verhandlungsbasis mehr haben und die Zugeständnisse bei den Bilateralen uns immer teurer zu stehen kommen.

Wenn wir Provinzpolitikerinnen, die nicht einmal Englisch können, in die Welt hinaus senden, dürfen wir uns darob nicht wundern. Provinziell sind auch die Parteipräsidenten: Pelli, Darbellay, Lévrat, Toni Brunner, von den Grünen, Grünliberalen, EVP- und anderen Splittergruppen nicht zu reden. Die Folge: Wir werden überfahren, wir lassen uns überfahren. Mit „Sensibilisierung“ kommt man nicht weiter.

Schweizer Spitzenmanager sind selten geworden

Freitag, den 3. Februar 2012 um 12:55

Walter Kielholz kann es sich leisten ehrlich zu sein, wenn er sagt, er sei „hineingerutscht“. Als globaler Konzernherr und Finanzmanager ist er tatsächlich der letzte Vertreter der vor vierzig Jahren noch mächtigen Gruppe Deutschschweizer Tycoons. Schon sein Vorgänger in der Extraklasse der „Strippenzieher“, Rainer E. Gut, war masslos überschätzt, waren zu dessen Zeit die globalen Konzerne in der Schweiz längst dominierend und die Zahl bedeutender Schweizer Führungskräfte ging rapide zurück.

Der Niedergang der im Wesentlichen von Zürchern bestimmten nationalen Wirtschaftselite ist, blickt man zurück, erschreckend. Kaspar Villiger, der nach seiner Zeit als Bundesrat kurze Zeit Tycoon spielen durfte, gab vor einem Jahr zu: „Die 67 grössten Schweizer Firmen sind alle unter ausländischer Kontrolle.“ Raymond Bär, Bankierserbe, fragte zu Beginn dieses Jahres: „Sind UBS, CS und Bär noch echte Schweizer Banken?“

Auch Kielholz hat nichts mehr aufgebaut, sondern höchstens knapp halten können. Die A-Schweiz der grossen Konzerne findet fast ohne Schweizer statt, es sei denn als VR-Präsidenten, um den Anschein zu erwecken, man sei noch schweizerisch geführt, oder als Chefjurist. Natürlich haben wir noch grössere Schweizer Unternehmerfamilien, die Schmidheiny, die Schindler, die Hoffmann, die Hayek, aber ihre Prägungskraft haben sie für die Schweizer Gesellschaft längst verloren. Einzig die beiden Milliardäre Dr. Christoph Blocher und Walter Frey suchen noch nationale Politik zu machen, tun dies aber im Retro-Stil zur Wahrung eigener Interessen.

In der Westschweiz und im Tessin ist dieser Verkaufsprozess einstiger Schweizer Wirtschaftsmacht an Ausländer längst beendet. Was bleibt, sind einige stattliche Vermögen, die gerade jetzt Gefahr laufen, langsam abgeschmolzen zu werden.

Dazu passt, dass unsere amtierende Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf besser Romantsch als Englisch spricht. Die dominierenden Ausländer in der Schweiz kann sie ohnehin nicht regieren, wohl  aber ihnen die Tür öffnen, was der klassischen Schweizer Hoteleldirektoren-Tradition entspricht.

Tennis: Vom Herren- zum Athletensport

Freitag, den 3. Februar 2012 um 12:00

Erst zwei Generationen ist es her, dass der internationale Tennissport noch von Spielern beherrscht wurde, die man Herren nannte, die noch ein wenig früher in eleganten langen Hosen auftraten. Wer den 24jährigen Novak Djokovic, dem ich alle Siege gönne, aus der Nähe erblickt, meint einen Vierzigjährigen zu sehen. Djokovic ist Athlet und Gladiator zugleich; was zählt, ist der Sieg. Sein Sieg.

Roger Federer, dem die Gabe des eleganten Ausdrucks so wenig in die Wiege gelegt wurde wie seinem Vorgänger „Bum Bum Becker“, verkörpert das Ende des athletischen Herrensports. Jetzt ist die Zeit der Kämpfer bis zum Umfallen gekommen, in den römischen Arenen sagte man „Bis zum Tod“. Wer siegte, wurde schon vor 2000 Jahren Millionär.

Charisma gesucht

Freitag, den 3. Februar 2012 um 11:30

Als Napoléon I. sein Charisma verlor, blieb nur noch ein kleiner dicker Mann übrig, der auf einer Felseninsel im südlichen Atlantik sass. Hans-Rudolf Merz, den Bundesrat aus dem Appenzell, Verfasser schwülstiger Romane, hatte Charisma auf kleinem Feuer, das völlig verschwand als seine Steuertricks zugunsten Schweizer Grossaktionäre bekannt wurden. Wem würde das Schweizer Volk im Ernstfall folgen? Niemand, denn bei uns geht jeder seinen eigenen Weg. Der Klein-Charismatiker wird geduldet, der Gross-Charismatiker ausgelacht.

Flexibel, offen – wacklig

Freitag, den 3. Februar 2012 um 9:20

Im Zeitalter der flexiblen Toleranz und der offenen Kommunikation, die alles zeigen und nichts verbergen will, sind die grossen Podien weitgehend verschwunden, hinter welchen sich die Referenten perfekt verbergen konnten, allein Oberkörper und intelligente Köpfe zeigend. Die armen Bundes- und Regierungsräte, Chefbeamte und Chefredaktoren müssen sich, einzeln oder zu zweit, hinter einem Alu-Tischchen aufreihen, sich dort beidhändig festhaltend, um angesichts oft wenig freundlicher Fragen nicht die Haltung zu verlieren. So geschieht es hundertfach jeden Monat, dass die Menschen im Saal, gemütlich sitzend, „denen da oben“ in wackliger Position, je nach Beinmuskulatur, die Wahrheit an den Kopf werfen. Wo früher eine Mauer aus Holz oder mindestens Tuch war, ist heute nichts mehr, nur die betuchten Ober- und Unterschenkel tänzeln nervös hin und her, später zunehmend ermüdet. Das demokratische Schauspiel hat sich in einen öffentlichen Pranger verwandelt.

 
     
     
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