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Tagesarchiv für 26. Januar 2012

Reiche Bauern – hungrige Bäuche

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 17:30

Während eine Milliarde Menschen hungern, machen die Weizenfarmer von Iowa und Illinois Rekordgewinne. Sie haben sich seit drei Jahren mehrstöckige Lagerbehälter aus Aluminium zugelegt, weshalb sie nicht nur während weniger Wochen, sondern das ganze Jahr über um den „best price“ kämpfen können. Die Marktmacht von Cargill, Bunge und anderen Grosshändlern ist damit eingeschränkt. Lieferant der „bins“ ist ein Unternehmen von Warren Buffett.

Modewort „schillernd“

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 15:00

Weiss ein Journalist nicht mehr, wie er einen Menschen negativ beschreiben soll, ohne eine Klage befürchten zu müssen, benutzt er das Modewort „schillernd“. Dies hat NZZ-Korrespondentin Cornelia Derichsweiler aus Madrid getan, als sie den dort auf der Anklagebank sitzenden prominenten Richter Baltasar Garcon beschrieb.

  • Garcon hat Häftlinge abhören lassen, was in Spanien „umstritten“ ist. Bei vermuteten Terroristen wir es getan.
  • Mit der Operation „Gürtel“ ist er den Konservativen Spaniens wegen Korruptionsfällen, die er nachgewiesen hat, in die Quere gekommen.

Jetzt wird er juristisch abgeschlossen, eher er schlimmeres tun kann. Muss man einen solchen Mann „schillernd“ nennen?

Zum Wachstum verdammt

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 10:45

Kein sozialdemokratischer Politiker in der Schweiz wäre in der Lage zu leisten, was Gerhard Schröder als deutscher Bundeskanzler vollbrachte: Die Senkung der Arbeitskosten durchzusetzen. Unser Land ist deshalb zum Wachstum verdammt, weil die Senkung der Personalkosten alleine durch die Personenfreizügigkeit nicht genügt. Wenn der Schweizer Export in den kommenden zwei Jahren sinkt oder stagnieren wird, werden die Verteilungskämpfe im Binnenmarkt zunehmen; darauf sind nur wenige vorbereitet. Werden die Sozialkosten nicht niedriger, drohen Verschuldung und Arbeitslosigkeit. Wollen wir dies vermeiden, muss die Schweizer Wirtschaft wachsen.

Käufliche Stars

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 9:49

Wer sich Kofi Annan, Ogi-Freund und ehemaliger UNO-Generalsekretär, als Referent zum Firmenfest wünscht, muss Euro 150 000.—auf den Tisch legen. Dölf Ogi kommt für CHF 10 000.—gerne mit. Ogi hat eigene Stiftungen.

Bill Clinton verlangt immer noch USD 250 000.—pro Vortrag; alle Zeugen bestätigen, Inhalt null. Hans-Dietrich Genscher, ex Aussenminister, Mentor von Guido Westerwelle, erhält immer noch Euro 30 000.—für jeden Vortrag; lohnt meistens. Heiner Geissler für Euro 15 000.—ist deutlich besser, weil jesuitisch ausgebildet. Billig-Philosoph Richard David Precht ist schon für Euro 10 000.—zu haben, was dem Inhalt seiner Bücher entspricht. Gerhard Schröder, der als deutscher Kanzler die Einkommen der deutschen Arbeitnehmer auf Hartz IV drückte und damit einen Export-Boom auslöste, verlangt ehrliche Euro 75 000.–. Peer Steinbrück, der deutscher Bundeskanzler werden will, ist noch für Euro 20 000.—zu haben, Beatrice Weder di Mauro, Bundesweise, ist für günstige Euro 12 000.—zu haben.

Der Aufstieg der Zürcher „See-City“

Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 8:10

In Kürze wird der Bezirk Meilen seinen 100 000sten Einwohner feiern dürfen; der Kanton Zürich hat jetzt auch eine „See-City“. Die im Bezirk Meilen zusammen gefassten elf Städte und Gemeinden, die bisher unter dem Begriff „Zürcher Goldküste“ bekannt sind, erleben seit zehn Jahren ein rasches Wachstum, das andauert. Der Wohlstand der See-City kontrastiert scharf mit der relativen Armut der von ihr weitgehend finanzierten Stadt Winterthur, die nach dem Berliner Motto „Arm, aber sexy“ am östlichen Stadtrand Zürichs im Schatten russischer und französischer Milliardäre, die an der Töss investiert haben, ein fiebriges Leben führt.

 
     
     
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