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Tagesarchiv für 4. Januar 2012

Extreme Anforderungen

Mittwoch, den 4. Januar 2012 um 16:16

Wer es wagt, nur schon über die kommenden elf Monate nachzudenken, dem muss schwindeln. In unserer zunehmend vernetzten und digitalisierten Welt leben wir 18 Stunden am Tag nicht nur in allen Zeitzonen, sondern auch in der Geschichte und der Erwartung eines unsicheren Morgen. Die Gegenwart ist jetzt – und schon wieder vorbei.

Weil wir in einer Zeit stürmischen Wandels leben, den einige Krise nennen, ist der Druck der westlichen Oligarchien auch bei uns gross, rascher zu handeln. Die Regierung zieht Entscheide an sich, wie die Rettung des UBS-Konzerns oder die Aufgabe der Swiss; es wird „durchregiert“. Die Europäische Union ist der grösste Gesetzgeber für die 27 EU-Staaten geworden; den nationalen Parlamenten, auch der Schweiz, bleibt nichts anderes übrig, als die Vorlagen aus Brüssel zu übernehmen.

Produzieren wir eine Schicht sozialer Verlierer, wurde noch im August 2011 gefragt. Heute heisst die Antwort: ja. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung kommt finanziell nicht mehr mit; ein weiteres Fünftel verfügt am Monatsende kaum über Barmittel.

Daraus entsteht die Angst der Wohlhabenden, sie würden mit Erbschafts- und anderen Gesetzen auf einen Teil des Erworbenen verzichten müssen. War die Schweiz vor einer Generation noch eine tendenziell kompakte und eher homogene Gesellschaft, hat sich diese Nähe heute schon weitgehend aufgelöst. Wer Steuern und Abgaben bezahlt, will, dass es gerecht zugeht und sein Geld ordentlich eingesetzt wird. Da der Bund und die kantonalen Regierungen aber immer mehr Menschen, und vor allem sehr wohlhabende, von der vollen Steuerzahlung befreit haben, ist Entsolidarisierung die Folge, Der im letzten Jahr verstorbene Historiker Tony Judt schrieb in seinem letzten Buch: „Ohne Solidarität gibt es keine funktionierende Gesellschaft des gegenseitigen Vertrauens mehr.“ Der Soziologe Hans-Georg Soeffner sagt: „Wenn in einem Staatswesen bei sinkendem Wohlstand in gleichem Masse die Solidarität abnimmt, setzt der Staat seine Vertragsidee und damit seine Legitimation aufs Spiel.“

Wir Schweizer sollten nicht vergessen, dass es der Genfer Jean-Jacques Rousseau war, der den „contrat social“ formulierte, der Traum eines genialischen Landstreichers. Wer den Bürger nur als „Lieferanten“ betrachtet, auch wenn der Staat den seinen Aufgaben nicht mehr nachkommt, ruft antisoziale Parallelgesellschaften hervor, wo der Starke den Schwachen frisst. Wer alle Menschen nur als „Untergebene“ betrachtet, wie Dr. Christoph Blocher es tut, macht sich zum Grossen Diktator, nicht aber zum Menschenfreund.

Genug Menschen halten uns den Spiegel vor:

  • Jean Clair, der in Frankreich  das „patrimoine“ seines Landes verwaltet, sagt: „Die Kultur wird zu einer Industrie reduziert. Wo einst eine kultivierte Bourgeoisie war, treffen wir heute auf Neureiche ohne Kultur und ohne Geschmack, ein Milieu der Spekulation, wo der Sozialstatus auch mit Kunst gekauft wird und die kurzfristige Spekulation dominiert.“ Clair sagt, wir würden nicht eine Demokratisierung der Kultur erleben, sondern eine Massifizierung.
  • Im Gegensatz dazu hat vom 7000jährigen Aleppo aus die sephardisch-jüdische Familie Safra ihre Geschäfte gepflegt, die im 19. Jahrhundert zu Niederlassungen im gesamten Mittelmeerraum führten. In der Schweiz liegt die Safra-Bank (incl. Sarasin) auf Platz 4 bei der Aufbewahrung von Vermögen.
  • Der indische Historiker Dipesh Chakrabarthy hat bereits vor gut zehn Jahren in Frankreich das Buch publiziert „Provincialiser Europe“. Die aktuelle Finanzkrise beweist, wie schnell dieser Prozess abläuft. Sein Kollge Sanjay Subrahmanyam sagt, in Europa sei heute der Markt stärker als die Demokratie. Die Engländer könnten schon deshalb in Zukunft keine Rolle mehr spielen, weil sie sich konsequent weigerten, andere Sprachen zu lernen. In Indien lerne man an den Universitäten kaum die Sozialwissenschaften, wohl aber Management und Informations-Technologien. Nun, nicht alles ist dort in Ordnung, wie der Fall UBS/Ambani beweist: Jährlich werden in Indien über USD 300 bn an Steuern hinterzogen.

 

Wie die US-Regierung mit Bestimmtheit zeigt, will sie im internationalen Recht nicht mehr kompensieren, sondern durchgreifen. Weltweit ist die Global Governance im Rückzug zugunsten bilateraler und regionaler Abkommen, wo die USA ihr Recht gegen schwächere Staaten bei niedrigen Durchsetzungskosten erzwingt. Weil das 20. Jahrhundert für die US-Amerikaner schlecht zu Ende ging, wird im 21. desto mehr um die Macht gekämpft. Damit dies auch im eigenen Land nicht verhindert wird, hat Michele Bachmann für die „tea party“-Republikaner formuliert, was sie in Gryon/VD bei Francis Schaeffer lernte: Eine christliche Theokratie für die USA, alttestamentarisches Recht (Auge um Auge, Zahn um Zahn), Hinrichtung von Schwulen und Ehebrechern. Freunde von Schaeffer setzen sich zur Wehr, er sei differenzierter als die ehrgeizige Amerikanerin gewesen.

Wie klein Europa geworden ist, haben die Vorfälle um den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff gezeigt. Das Häuschen, welches er sich für eine halbe Million Franken fremdfinanziert gekauft hat, würde nicht einmal in Zürich-Schwamendingen beachtet werden, so einfach ist es. Europa hat offensichtlich keine grossen Träume mehr.

Was ich Pech?

Mittwoch, den 4. Januar 2012 um 10:10

Wenn man, wie Dennis Kowlowski, als ehemaliger CEO von Tyco, bis 2030 in den USA hinter Gittern sitzen muss, wo der Stacheldraht vor dem Fenster von Tyco stammt, die einen Marktanteil von 99,8% an diesem Produkt hält. Er war nach eigener Aussage Opfer seines Innenausstatters, der ihn auf Firmenkosten mit goldenen Duschvorhängen ausstattete.

Friedensnobelpreis für Jean Ziegler?

Mittwoch, den 4. Januar 2012 um 9:10

Der Genfer Prof. Dr. iur. Jean Ziegler, als Hans Ziegler in Thun geboren, ist ein wütender Berner und Schweizer Weltbürger. Er kämpfte gegen das Schweizer Bankgeheimnis, das die Banken dann selber aufgrund ihrer Beratungspraxis aufgeben mussten. Er kämpft für die Menschenrechte und gegen Hunger wie Ausbeutung. In Afrika ist er ein ganzer Heiliger, in Frankreich, wo man Ziegler zu den französischen Intellektuellen zählt, ein halber. Micheline Calmy-Rey, auch eine Genferin, hat ihm Aufgaben bei der UNO und diplomatische Immunität verschafft. Er, der die Schweiz von der Finanzoligarchie kolonisiert sieht, steht in der Nachfolge von Henri Dunant, dessen Hauptwerk, das IKRK, sich ebenfalls in Genf befindet. Jean Ziegler ist wahrscheinlich der einzige Schweizer, der eine Chance auf den Friedensnobelpreis hat. Nach seiner Auffassung hätte ihn die Schweiz verdient, würde sie sich so verhalten, wie der Thuner Sozialist dies gerne sehen würde. Wg. Kolonisierung sieht es allerdings für ihn gut, für die Schweiz aber schlecht aus.

 
     
     
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