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Tagesarchiv für 30. Dezember 2011

Adieu 2011: Wer hat wirklich etwas verändert?

Freitag, den 30. Dezember 2011 um 17:00

Weil der Mensch die Eigenschaft hat, sich an anderen zu messen, wird jetzt sehr viel Bilanz gezogen. Dabei gilt, wie bei einer echten, dass der Termin willkürlich ist und, zudem, das Tempo der Veränderung enorm gross geworden ist. Ein Beispiel: Für viele stand Carsten Schloter, der CEO der Swisscom, zum Jahresende in der höchsten Bewertungsgruppe. Als er das Fastcom-Debakel enthüllen musste, fiel er aus den Ranglisten.

Was meist vergessen wird, ist die Bewertung der Jurys. Diese sind immer willkürlich zusammen gesetzt und kämpfen in ihrem Kreis für Freunde und gegen vermutete Gegner. Eine Ausnahme ist die Ermittlung der Journalisten und Medienmanager des Jahres durch den „Schweizer Journalist“, wo Chefredaktor Markus Wiegand über 1500 Journalisten befragen liess; eine glaubwürdige Jury.

Wer hat wirklich etwas zum Guten hin verändert? Und was ist gut? Wenn Joe Jimenez, der CEO von Novartis, in der Schweiz Arbeitsplätze abbaut, tut er etwas Gutes für Menschen in anderen Ländern der Erde. Was im Schosse von Ivan Glasenbergs Glencore-Konzern oder in der Société Générale de Surveillance wirklich geschieht, kann kein Aussenstehender mehr beurteilen. Ebenso unverständlich bleiben uns die Leistungen der beiden grössten Auslandbanken in der Schweiz, der UBS und der CS, die bei einem BSP unseres Landes von USD 530 Mia. eine aggregierte Bilanzsumme von USD 2500 Mia. aufweisen. D.h. die Schweiz steckt im Rucksack der beiden Grossbanken ohne zu wissen, wohin sie laufen. Kaspar Villiger, VRP des UBS-Konzerns, gehört deshalb zu den Verlierern des Jahres, weil ihm niemand glauben wollte, er könne den Konzern oder mindestens dessen Generaldirektion steuern. Sein Bruder Heinrich, Herr über Villiger Cigars, darf in Ruhe an seinen Robustos ziehen, hat er doch ein wichtiges Schweizer Traditionsunternehmen international erfolgreich verankert. Als führender Cigarrier der Schweiz weiss er, dass der Kampf gegen das Rauchen nur ein Vorwand des Staates ist, die verbleibenden Raucher zu isolieren, indem man ihnen künftig im Krankheitsfall die Schuld an einer Erkrankung zuschiebt und sie zahlen lässt.

Weil die beiden Grossbanken bis zur Unkenntlichkeit globalisiert sind, ganz wie Nestlé, Novartis oder Unilever auch, hatte Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz die Chance, innenpolitisch zum stärksten Bankier der Schweiz zu werden. Was ihm nicht gelang, darf sich sein St. Galler Nachbar Dr. Konrad Hummler gutschreiben lassen. Der intellektuelle und formulierungsstarke Privatbankier (geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin & Co.), Erfinder der Abgeltungssteuer, die er zehn Jahre in Bern vertrat, durfte auch das Präsidium der „Neue Zürcher Zeitung“ übernehmen, weshalb die bürgerlichen Leser im Land nun erwarten, deren Profil werde sich bald wieder schärfen. Hummler gehört klar zu den Gewinnern des Jahres.

Bei den Unternehmern ist, wieder einmal, Peter Spuhler aus dem Thurgau zu loben, der hunderten von anderen seines Standes vormacht, wie man einen Kleinkonzern aufbaut. Die Zahl der Verlierer im Unternehmerlager ist derart gross und zunehmend, dass eine Liste bekannter Opfer sich erübrigt. Christoph Blocher kämpft mit dem Mut eines Ulrich Ochsenbein und Alfred Escher gegen die Wölfe, die ihm ans politische Fell wollen. Er hat die grösste Schweizer Partei aufgebaut, aber die alleinige Befehlsgewalt in Herrliberg, wo er Auftraggeber ist und alle anderen nur Auftragnehmer, ist operativ nicht durchhaltbar. Wo Blocher verlor, gewann der GLP-Präsident Martin Bäumle mit seiner Kleinpartei. Er hat, wie Blocher, eine „Zürischnurre“, die ihm das Wohlwollen des Volkes bringt, ganz im Gegensatz zu Fulvio Pelli, FDP-Präsident, der zu den Verlierern „mit blauem Auge“ zählt. Er wurde nie verstanden. SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger, Opfer seines Ehrgeizes, einiger „Parteifreunde“ und der Umstände, gibt als Verlierer das Bild eines Mannes ab, der die Risiken einer grossen Karriere nicht mehr unter Kontrolle hielt. Im Gewerbe stürzt man über Vorgänge, die in einem Konzern unter Diversem abgebucht werden.

„Weltwoche“-Verleger Roger Köppel, der den Sturz Zuppigers von Urs Paul Engeler (neu „Journalist des Jahres“) orchestrieren liess, zählt sicher zu den Siegern des Jahres.  Sein Magazin wird, wenn auch mit einem SVP-„Zapfen“, immer besser. Das gilt auch für die „Basler Zeitung“ (mit dem gleichen Zapfen), die Chefredaktor Markus Somm aufgewertet hat. Da auch die heutige Trägerschaft der „BaZ“ eher etwas zusammen gewürfelt erscheint, muss die Sanierung des Unternehmens durch FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger abgewartet werden. Tito Tettamanti, der jung gebliebene Fuchs im Hinterhof der Deutschschweizer Wirtschaft, war immer schon für ein Schnäppchen zu haben. Konrad Hummler von der NZZ und Peter Wanner von der az-Gruppe, auch ein grosser Sieger des Jahres, stehen in Warteposition.

Mangels bedeutender nationaler Intellektueller, die dem Land Halt und eine Richtung zu vermitteln vermögen, werden Publizisten ohnehin wichtiger. Auffallend ist die Performance-Steigerung von Martin Meyer, Feuilletonchef der „Neue Zürcher Zeitung“, der oft selbst Beiträge verfasst, die man gerne auch auf der Titelseite sehen würde. Das Feuilleton der NZZ ist ohnehin das einzige der Schweiz, welches jenseits der Landesgrenzen als hochstehend gewürdigt wird. Der „Tagesanzeiger“ ist die stärkste Regionalzeitung der Schweiz geblieben, wobei der redaktionelle Linksrutsch seit einiger Zeit wieder akzentuierter geworden ist. Diesen linken „Zapfen“ einmal ausgeklammert, bleibt wenig von nationaler Bedeutung, Constantin Seibt einmal ausgeklammert, der eine in der Schweiz neuartige Form des Journalismus betreibt, den man mit einer gut gewürzten ungarischen Salami vergleichen kann.

Unsere Hochschulen sind voller Fachintelligenz, die beeindruckt, auch als Lobbyisten sind die Institutsleiter überdurchschnittlich erfolgreich, aber einen Sloterdijk suchen wir vergeblich. Sieger des Jahres ist deshalb Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne, der sich als Spitzenmanager überall gut machen würde. Ihm folgt auf den Fersen Prof. Dr. Fredmund Malik, der auch aus St. Gallen regierende, heute mit über 200 Mitarbeitern global tätige Spitzenberater, dessen Teams in fünf Tagen leisten, wozu andere Monate brauchen (und verrechnen).

Während die Kirche als Ganzes, sei sie römisch-katholisch oder reformiert, eher zu den Verlierern des Jahres zählt, haben deren Modernisierer auf katholischer Seite, Abt Martin Werlen aus Einsiedeln und Bischof Felix Gmür aus Solothurn, erfolgreich Flagge gezeigt. Ihnen stehen Bischof Vitus Huonder mit Generalvikar Martin Grichting in Chur gegenüber, denen jegliches Zugeständnisse an die liberale Moderne ein Gräuel ist. Derlei religiöse Folklore, Grabenkämpfe der schlechten Art, sind in der Kirche nicht neu. Die Bänke leeren sich, aber die Kirchensteuern laufen noch ganz gut, weil auch Türken und Inder derlei tapfer finanzieren müssen. Müssten katholische Schweizer Christen den Aufwand alleine bezahlen, stünden wir vor einer Welle von Kirchenschliessungen.

Hoffnungsträger? Diesen Preis gebe ich Oliver Fiechter, dem jungen St. Galler Unternehmer und Ökonom, der im kommenden Frühjahr bei Stämpfli/BE mit der „Ökonomie 3.0“ herauskommen wird. Er hat fortgesetzt, was Ota Sik nicht beenden und alle seitherigen Ökonomen des Dritten Weges nicht umsetzen konnten.

„Enjoy the game, enjoy life“, lässt uns einer grossen Spitzenmanager und Überlebenskünstler unseres Landes wissen: Sepp Blatter, Präsident des Weltfussballverbandes FIFA. Er hat recht.

Kriegerische Zeiten

Freitag, den 30. Dezember 2011 um 15:00

Wer es noch nicht begriffen hat, wird es bald erfahren: 2013 gehen die freundlich-friedlichen und kultivierten Zeiten im Umgang miteinander, vor allem im oberen Management, definitiv zu Ende. Enders heisst der CEO von EADS, des grössten europäischen Flugzeugherstellers. Seine Freunde sagen über ihn: „Die Bereitschaft zum Konflikt gehört zu Enders wie die Kalaschnikow zum Bürgerkrieg.“ Was seine Feinde über ihn sagen, wird nicht vermittelt.

Welcher Tourist wagt sich in die Schweiz?

Freitag, den 30. Dezember 2011 um 10:35

60 Mio. Menschen sind im letzten Jahr in die USA als Touristen eingereist, 56 Mio. in das schon weniger reizvolle Grossbritannien. Frankreich holte 31 Mio Touristen, die Niederlande 22 Mio. und Russland 21 Mio. Und die Schweiz? Wir sind absolut unterbewertet. Nur wenige kennen die kulturellen Schätze des Landes, unsere „congress facilities“ sind meist zu klein und früh ausgebucht, die Innerschweiz hat es in 50 Jahren nicht geschafft, sich einen Namen zu machen, noch schlimmer der Léman, der global als Insider-Tip gelten muss. Die Schweiz hat, wenn sie Glück hat, 10 Mio. Touristen. Wie wollen wir damit eine ganze Branche unterhalten, wie neue Hotels füllen? Unser Standort-Management existiert nicht.

Was ist mit Marchionne?

Freitag, den 30. Dezember 2011 um 10:00

Einer der erfolgreichsten Schweizer Topmanager, der im Kanton Zug ansässige Sergio Marchionne, hat vorausgesagt, nur 3-4 Automobilkonzerne würden im globalen Wettbewerb überleben. Wie die Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach ermittelt hat, liegt der Marchionne-Konzern Fiat auf dem Gebiet der Innovationsstärke nach Geely-Volvo und vor der französischen PSA nur auf Platz 10 der Weltrangliste. Ob dies reicht?

 
     
     
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