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Tagesarchiv für 22. Dezember 2011

Warum musste Saddam Hussein gestürzt werden?

Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 16:00

Es war nicht so, dass Bush II., wie er einmal sagte, seinen „daddy“ rächen wollte, als er in den Zweiten Irakkrieg zog. Vielmehr hatte Saddam Hussein den Franzosen, Chinesen und Russen bedeutende Ölkontrakte zugesagt. Heute sind deren Firmen immer noch dort, „aber in einer untergeordneten Funktion“, sagen die beiden US-Professoren  Alan Cafruny und Timothy Lehmann.

Heute würden die Ölfelder des Irak von Exxon-Mobil, BP und Royal Dutch Shell „kontrolliert“. Die aus Frankreich und Russland gelieferten Waffen für Saddam Hussein sind zerstört und ersetzt durch solche von Lockheed Martin, Bell und Abrams, wie auch General Dynamics. Seit 2003 lieferten die US-Amerikaner Waffen für USD 15bn in den Irak, weitere Waffenlieferungen für USD 26bn sind bis 2020 zugesagt.

Deshalb ist es auch verständlich, wenn in der US-Botschaft in Bagdad 18 000 Mitarbeiter weiter beschäftigt bleiben, beschützt von 3000 Sicherheitsberatern. Der Luftraum bleibt, ebenso wie der Küstenschutz, in den Händen der Amerikaner.

Sage jemand, dieser Krieg sei ein Misserfolg gewesen.

Staatskommunikation vor privater Kommunikation

Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 13:45

Schon der halbstaatliche Multifunktionssender SRG will die Köpfe der Schweizer Verleger unter die Achsel nehmen, indem er ihnen Teile seiner Zwangsgebühren anbietet, damit sie seinen Ausbau nicht behindern. Nicht anders das Bundesamt für Kultur, das locker 800 000 Franken Steuergelder aus dem Ärmel schüttelt, um den privat finanzierten Schweizer Buchpreis zur Nr. 2 zu machen. Das ist eine totale Fehlentwicklung, denn der moderne Staat ist nicht dafür geschaffen, den Bürger mit normativer Kommunikation zu leiten, erst recht nicht dazu, mit Staatspreisen (wie früher in der Sowjetunion und der DDR) seine Staatskünstler auszuzeichnen. Sofern wir noch bürgerliche Parteien haben, sollten die dem ein Ende machen.

Monotone Märkte

Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 12:00

Die Gesetze der Profitoptimierung haben auch bei den Märkten durchgeschlagen, die in den letzten Monaten zahlreich die Bürger anlocken sollten. Es handelt sich zumeist um die stets gleichen Holzkonstruktionen mit Segeltuchdach und Auslegetisch für die Waren, die gutbürgerliche Stimmung vorgeben sollten. In Wirklichkeit sind die Stände einfallslos, weil seriengefertigt.

Nicht minder das Angebot: Honig, Holzspielzeug, Selbstgebasteltes, kaum etwas Originelles, das in einen wohlhabenden Haushalt passt.

In der Folge traf ich auf den Herbstmärkten meist nur Alte, die auf den immer gleichen Bänken unter „Kollegen“ ihren Saft oder Wein tranken. Familien mit Kindern flüchteten meist schnell, die Jugend liess sich kaum sehen. Traurige Zeiten.

Wütende alte Männer: Ossie und FAM

Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 11:11

Wie angespannt in vielem die Lage ist, zeigen die Reaktionen zweier erfolgreicher alter Männer, die mit dem Zeitgeist nich konform gehen: Ossie (Oswald J. Grübel, vormals CEO des UBS-Konzerns) und FAM (Frank A. Meyer, vormals Chefpublizist des Ringier-Konzerns).

Grübel sagt, der Entscheid der Nationalbank, den Franken an den Euro zu binden „zum Vorteil einer unbestimmten Zahl von Exportunternehmen, die ihren Umsatz nicht gegen Währungsrisiken abgesichert haben“, hat das 3000 Milliarden Franken umfassende Schweizer Volksvermögen um 20% reduziert. Diese Rechnung gehe nicht auf.

Frank A. Meyer sagt (beide in der SI vom 19. 12.): „Tito Tettamanti war einst ein guter Freund.“ und setzt zu BaZ-Chef Filippo Leutenegger hinzu: „So was engagiert man.“

Es ist nicht die Volkswut, die sich hier äussert, sondern die Wut individueller, leicht abgespengter Teile der Elite.

Kirche: Beruhigen und schweigen

Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 10:50

Weil das Zürcher Malefizgericht am 7. Dezember 1804 einen 20jährigen Gerberlehrling zum Tode verurteilte, der seinen Lehrmeister, der ihn laufend beleidigte mit Rattengift in der Suppe tötete, wissen wir von Leutpriester Jacob Cramer aus dessen Aufzeichnungen: „Ich gab mir Mühe, seinen Leichtsinn unvermerkt in Ernsthaftigkeit zu verwandeln, und so kamen wir glücklich zum Ziele, welches mich hoffen liess, dass er morgen ruhig und entschlossen den Todesgang wandeln und als reuevoller, bussfertiger Sünder sterben würde.“

. Keine Rede von einem gequälten Lehrling, der zugegebenermassen sehr heftig reagierte.

. Nur die Rede davon, ihn ruhig und bussfertig zu stellen.

Ist das heute anders? Kardinäle, Bischofe und Generalvikare verschanzen sich hinter den hohen Türen ihrer kirchlichen Paläste. Kein Wort zu Weihnachten ausserhalb der 2000jährigen Routine. Nicht einmal eine Gratulation an den neuen Bundesrat, wo André Berset noch zu den wenigen Gläubigen zählt.

Die Kirche tut wirklich alles, um die Menschen ruhig zu halten und sich bei den Gläubigen überflüssig zu machen. Da man den Klerus aber nie unterschätzen sollte, könnte man davon ausgehen, dass er sich die Botschaft von Joseph S. Nye (Harvard) aus dessen neuem Buch „The future of power“ zu eigen gemacht hat, der empfiehlt: „Die beste Propaganda ist die Abwesenheit von Propagana“. Ergänzen wir, um „Propaganda fide“ zu retten: „Die beste Propaganda ist jene Propaganda, von der niemand weiss.“

„Social Media“, Traum oder Alptraum?

Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 9:30

Sogar der „Economist“ lässt sich hinreissen, den Erfolg von Martin Luther auf den Einsatz damaliger „social media“ zurückzuführen: Pamphlete, Balladen und Holzschnitte. Falsch: Martin Luther war ein hoch talentierter Mönch, der von wichtigen deutschen Fürsten gegen den Kaiser und die Ansprüche des Papstes geschützt wurde. Martin Luther bot eine Religiosität an, deren Ausübung für das Volk kostengünstiger war als die der römisch-katholischen Kirche. Martin Luther war ein Rhetor sondergleichen, auch wenn er nie sagte: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Er war aber auch die gemässigte Variante des Bauernfreundes Thomas Müntzer, weshalb Luther sich hinreissen liess, die aufständischen Bauern den Scharfrichtern zu überantworten. Die durch den Bauernkrieg bedrohten Fürsten jubelten und schützten ihren Star.

Die „social media“ stehen erst am Anfang. Was durch Mail und Twitter wirklich bewirkt wird als die Bildung kleiner Haufen von maximal 6000 Menschen, wie es Abt Martin Werlen oder SVP-Nationalrat Oskar Freysinger gelungen ist, muss noch präziser ermittelt werden. Jedenfalls sind die social media-Aktivisten Nordafrikas  längst wieder unter politisch-militärischer Kontrolle und auch im Iran haben die von den USA geförderten antiautoritären Twitterfans bisher wenig bewirkt. Auch die twitternden „Piraten“, eher Anarchisten als Politiker, vermögen nur Randgruppen von Randgruppen zu aktivieren.

Fünf Jahre sind zu wenig, um eine neue Kommunikationstechnik zu bewerten. Eines ist klar: Nur dort, wo die Technik auch Inhalte findet, kann sie sich entwickeln. Es müssen Botschaften sein, wie bei Martin Luther, wo sich gesellschaftliche Bedeutung mit einem neuen Dienstleistungsangebot zu niedrigeren Kosten verbindet. Geschafft haben es die Euro-Kaufhäuser im Ausland, hat doch die Botschaft von Billig-Einkäufen in den benachbarten EU-Staaten zehntausende von Schweizern zu Fahnenflüchtigen des Konsums gemacht, ganz nach dem Motto „Wo jeder seinen Vorteil sucht, wollen wir nicht abseits stehen.“ Die Klagen der Schweizer Einzelhändler „Ihr sägt den Ast ab, auf dem ihr sitzt“, werden so wenig gehört wie die Klage Roms, in das Paradies komme nur der Rechtgläubige.

 
     
     
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