Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Tagesarchiv für 21. Dezember 2011

Mehr Köppel-Journalismus

Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 13:50

Wenn ich sehe, wie der Chefredaktor des deutschen Wochenmagazins „Die Zeit“ oder Frank Schirrmacher, der Leiter des Feuilletons der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, vitalen Journalismus betreiben, der etwas aufzeigt und sogar verändert, kann in der Schweiz nur Roger Köppel mithalten. Seine Abschussliste in diesem Jahr ist beachtlich, aber es war auch notwendig.

Der „Tagesanzeiger“ wagt sich nicht an die hohen und grossen Tiere, zumal dort die politische Linksfront von einer emotionalen Folie geschützt wird. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat ohnehin nur Martin Meyer, ebenfalls Leiter des Feuilletons, dem man ungewöhnliche Erkenntnisse zutrauen darf. Hier ist noch Potential, immer mit dem Ziel, die Schweizer durch mehr Wissen klüger zu machen.

Die „Handelszeitung“ hat seit Beat Balzli die Zähne etwas geschärft, dafür bleibt die „SonntagsZeitung“ weiterhin blass und wird von der „NZZ am Sonntag“ leicht distanziert. Und sonst? Das Land schläft den Schlaf des Wohlhabenden.

Weihnachten, Ramadan, Chanukka

Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 12:00

Über Weihnachten zu sprechen, ist heute schon für Christen ein gewaltiges Risiko. Weihnachtsbaum und Gottesdienst-Besuch werden noch knapp akzeptiert, werden aber, gerade in Zürich, vielfach schon als gehobene Folklore abgetan. Da wir zunehmend, vor allem unsere Kinder, in einer nichtchristlichen, muslimischen und jüdischen Welt aufwachsen, sollten wir auch etwas über Ramadan und Chanukka wissen. Offen gesagt, ich gebe dies auf, bevor ich damit begonnen habe. Zu Moslems und Juden findet man, was die Religion betrifft, kaum Zugang. Unsere armen Lehrer tun mir leid, die jetzt mit ihren religiös gemischten Klassen über derlei sprechen müssen.

Good Morning, Abu Dhabi

Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 12:00

Kein Unternehmer gründet eine Firma, um sie dann einem grösseren Konkurrenten zu verkaufen. Wer dies tut, ist ein Spekulant, kein Unternehmer.

Im Falle der Air Berlin, die mich jeden Morgen um 06.02 Uhr weckt, gemeinsam mit der Lufthansa, die sich in der Schweiz Swiss nennt, sind die Eigentumsrechte längst vom Gründer Joachim Hunold auf den heute grössten Einzelaktionär, die Airline Etihad, übergegangen. Es ist eine reine Formsache, dass Scheich Chalifa bin Said Al Nahjan für Etihad nicht die Mehrheit übernommen hat; er hätte die anderen Aktionäre auskaufen, die Landerechte neu aushandeln müssen. Das alles nervt nur.

Abu Dhabi hat derart viel Geld (und mit Etihad eine wunderbare Airline), dass man Hartmuth Mehdorn, den CEO der Air Berlin, zum neuen Partner nur beglückwünschen kann. Ach ja, Saab, der Autohersteller, ist auch bankrott. Old Europe verliert an Glanz.

Natürlich könnte man die Araber auch ganz still eingemeinden, wie wir Schweizer dies am Nordufer des Léman gerne und mit Erfolg tun. Die Havel und der Starnberger See geben deutlich weniger her.

Ist der Novartis-Hauptsitz in Basel gefährdet?

Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 11:45

Man könnte es meinen, denn CEO Joe Jimenez antwortet in der „Basler Zeitung“ auf die Frage „ Können Sie für Novartis dasselbe sagen, wie Roche-Präsident Franz Humer, dass der Hauptsitz in Basel bleiben werde?“ nur mit der vorsichtigen Antwort „Basel ist die Heimat von Novartis. Unser Campus-Plan sieht vor, dass wir die Zahl der Mitarbeiter bis 2030 auf 10 000 Personen erhöhen. Wir sind also Basel sehr, sehr verbunden.“

Jimenez bestätigte also nicht, dass der Hauptsitz von Novartis auf Dauer in Basel bleiben werde. Das passt , denn Basel läuft Gefahr, an Bedeutung zu verlieren:

–         Lausanne und Genf suchen intensiv eine immer bessere Zusammenarbeit. Sie nehmen für sich in Anspruch, die zweitgrösste Wirtschaftsregion der Schweiz, nach Zürich, zu sein. Basel, bisher Nr. 2, wird damit die neue Nr. 3.

–         Basel ist politisch in Bern wesentlich schlechter als die Regionen Zürich oder Lausanne-Genf vertreten. Die Basler Grosskonzerne machen in der Hauptstadt ihr eigenes Lobbying, der Rest ist Gewerbepolitik.

–         Basel erhält zwar die zentrale Kulturredaktion des Schweizer Radios und Fernsehens, aber eben, nur die Kultur. Wirtschaft und Politik sind in Zürich und Bern. Ob die Basler angesichts vieler grossartiger Museen und einer sehr guten Oper sich zu einem Schweizer Boston entwickeln wollen, muss die Zukunft weisen. Im Augenblick fehlt es, trotz grosser privater Mittel, an Selbstvertrauen.

–         Wenn das Trio Tettamanti-Ospel-Blocher, getragen von Filippo Leutenegger als VR-Delegiertem, die „Basler Zeitung“ zu einem nationalen Leuchtturm rechtsbürgerlicher Politik in der Schweiz machen möchte, stehen die Chancen so schlecht nicht, die in Basel verlorenen Abonnenten durch solche im ganzen Land zu gewinnen. Sicher ist es nicht.

–         Der Universität Basel ein mindestens in Europa anerkanntes liberales Profil zu geben, dürfte noch lange dauern. Die Zusammenarbeit mit der ETH Zürich zeigt, woher der Wind weht.

Im benachbarten Frankreich und Deutschland (Elsass und Baden-Württemberg) ist Basel als Zentrum beliebt, aber mehr Macht will ihm niemand zugestehen. Die liebenswert liberalen (nicht freisinnigen) Vertreter altbasler Lebenskunst stecken in einer Zange zwischen Globalisierung und nationaler Vernachlässigung fest, ganz wie die altgenfer reformierte Bevölkerung, die sich auf ihren  elitären Hochsitzen verschanzt hat, das Erworbene nicht immer glücklich verteidigend.

Echtes Gewerbe wird von Bern bestraft

Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 10:20

Die 100 Mio. Fördermittel der KTI (Kommission für Technologie und Innovation), einer im Volk weitgehend unbekannten Berner Institution, die Bundesrat Johann Schneider-Ammann untersteht, gehen in erster Linie an Konzerne, Forschungsstellen und antragserprobte Firmen. Ein normaler Gewerbebetrieb hat praktisch keine Chance. Das gleiche gilt für die vom Bund, d.h. vom Steuerzahler finanzierte OSEC, welche im Ausland Zulieferfirmen sucht und damit Schweizer Betrieben den Weg zum Markt schwieriger macht. Das ist die Realität der freisinnigen Wirtschaftsförderung.

20 000 Euro Judaslohn

Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 9:00

Wer bei einem talentierten, aber armen Studenten eine Doktorarbeit schreiben lassen will, wird im besten Fall mit Euro 20 000.—davon kommen. Genau diesen Betrag muss „Dr.“ Karl Theodor zu Guttenberg an die Deutsche Kinderkrebshilfe bezahlen, womit das Verfahren gegen ihn wegen einer gefälschten Doktorarbeit eingestellt wird. Billiger geht es nicht. Weil der fränkische Adlige mit Hilfe der bayrischen CSU seine Rückkehr auf die deutsche politische Bühne vorbereitet, ist dieser Judaslohn gleichzeitig ein Symbol des Niedergangs der Demokratie.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog