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Ohne „Alphatiere“ keine lebendige Kirche

30. November 2011 um 8:05

Warum die Kirchenbänke der Römisch-Katholischen wie der Reformierten Kirche immer leerer werden, liegt weniger an der Überalterung der Gläubigen, sind doch gerade die es, die mehr als andere ihrer Kirche treu geblieben sind, als an der mangelnden Attraktivität der predigenden Geistlichkeit. Was die es gut meinenden Standardprediger beider Konfessionen an Langeweile produzieren, ist unsäglich.

Drei prominente Gegenbeispiele machen den Unterschied deutlich:

–         In Zollikerberg, der Gemeinde über den Hügeln der Goldküstengemeinde Zollikon, ist Pater Josef Imbach, der in Aesch/BL wohnt, ein gerne gesehener Gast, der volle Kirchenbänke garantiert. Als Theologieprofessor, der sich der römischen Kurie, wo er einst studierte, nicht in dem Masse unterwarf, wie es der kirchliche Beamtenapparat verlangte, verfügt er über brillante Bibelkenntnisse einschl. der Sekundärliteratur, ist ein bekannter Autor religiöser Werke und praktizierender Koch mit einer von Fachwissen und Liebe zur Kirche getragenen packenden Rhetorik. Imbach nimmt die Gemeinde ernst und wird mit gutem Besuch seiner Gottesdienste bedankt.

–         In Köniz im Kanton Bern wurde soeben von seiner in Hundertschaften erschienen Kirchgemeinde der reformierte Pfarrer André Urwyler zwangsweise verabschiedet. Der packende Prediger geriet in Konflikt mit seinem Kirchengemeinderat, der den Auszug des beliebten Geistlichen nach 20jähriger Amtstätigkeit durchsetzte. Die Gemeinde stimmte mit den Füssen für ihren Pfarrer ab.

–         Ein Sonderfall in jeder Beziehung ist der amtierende Abt des 1100jährigen Benediktiner-Klosters Einsiedeln, Martin Werlen. In nur neun Jahren hat er dem Kloster neuen Glanz gegeben, es ausgebaut und erneuert, sodass es mehr denn je zu einer nationalen wie internationalen Attraktion geworden ist. Abt Martin,  Mönch aus dem einsamen Goms/VS, hat seither auch eine Sprache entwickelt, welche die Zuhörer, darunter zuerst die Gläubigen, in ihren Bann zieht. Als Klosterchef im Rang eines Bischofs bekennt er sich zum politischen Auftrag der Kirche, nämlich „Sauerteig in dieser Welt zu sein“. Es überrascht nicht, dass er damit innerhalb der Kurie nicht immer verstanden wird.

Dies sind lebendige Beispiele einer Amtskirche und einer weltlichen Kirchenverwaltung, die letztlich zur Gottesdienstverweigerung durch die Gläubigen führen. Mehr denn je komme ich zur Auffassung, dass Kirche und Staatskirche getrennt werden müssen, die eigentliche Kirche dann aber verpflichtet ist, ihre Aufgabe wieder ernst zu nehmen. Nicht Angst vor der Welt darf es sein, welche die Haltung der Kirchenoberen bestimmt, sondern die Freude über Gottes Gegenwart auch in unserer Welt hoher Komplexität.

Jesus Christus war ein Alphatier, wie es Petrus und Paulus waren. Die Kirchenväter waren Alphatiere, wie es jene Christen waren, die sich lieber hinrichten liessen als sie ihrem Glauben abschwören wollten.  Heute muss jeder gläubige Christ ein Alphatier sein, denn er verweigert sich einem Zeitgeist, der im Konsum die tägliche Erlösung sucht.

Alphatiere ohne eine Herde sind einsame Hirten. Daher ist es vor allem die Aufgabe der Bischöfe, den richtigen Geist zu befördern, der die Kirche wieder aufrichten kann.

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