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Tagesarchiv für 17. November 2011

Der VR-Präsident und die Sitzblockierer

Donnerstag, den 17. November 2011 um 17:00

Andreas Meyer, SBB-Generaldirektor, hat eine derartig herbe Ausstrahlung, dass SBB-Präsident Ulrich Gygi in die Lücke springen muss. Er gibt daher Interviews, worin er seine Generaldirektion verteidigt, die es den Schweizern verbieten will, wie allseits üblich, ihr Gepäck im Zug auf den Nachbarsitz zu legen. Daraus ist ein nationales Thema geworden, das von kafkaesker Realität ist. Da ich häufig Zürich-Bern-Zürich mit der Bahn fahre, mache ich die Beobachtung, dass ohne Ausnahme jeder Reisende seine Taschen, Überjacken und Technik-Ausrüstungen immer zur Seite räumt, wenn der Sitz von einem anderen Reisenden beansprucht wird.

Die Belegung der Sitze ist ein komplexer Vorgang: Einzelreisende und Pärchen sitzen gerne allein, Selbstbewusste in den Vierer-Kabinen, Schüchterne auf den Einer-Sitzen. Sind diese besetzt, werden die am wenigsten störend wirkenden Nachbarn gesucht. Sind diese auch besetzt, klemmt man sich auf die restlichen Plätze. „Japaner brauchen im Zug viel weniger Platz“, klagt Gygi. Kein Wunder, deren Durchschnittsgewicht ist etwa die Hälfte dessen ein gut gebauten Schweizers.

Reisen mit der SBB sind keineswegs so bequem, wie sie beworben werden. Verpflegung und Getränke der Rollwagen sind eher drittklassig, das Personal ist fast immer nett. Richtig telefonieren kann man nicht, weil das Netz nicht durchgehend ist und man auf die Nachbarn Rücksicht nehmen muss, die auch nicht alles wissen müssen. Im Regionalverkehr sind die SBB-Züge meist derartig schmutzig, dass man sich nur zögernd setzt.

Dafür sind die Normalbillets unverschämt teuer, der Service wird immer schlechter, ein SP-geführter Staatsbetrieb eben. Dann fahre ich doch lieber mit meiner 8-Zylinder-Benzinschleuder von SVP-Finanzchef „Walti“ Frey. Sie sauber, bequem, schnell und telefonieren kann man auch.

Je grösser ein Mann…

Donnerstag, den 17. November 2011 um 16:40

desto weniger Namen braucht er, sagen die Engländer. Barroso braucht drei Vornamen, das ist zu viel. „Der Ogi“ hat die Engländer begriffen, Dölf oder Adolf sind ohnehin keine schicken Zugaben. Kennedy bleibt immer John F., die anderen kann man vergessen. Bei Johann Schneider weiss man nie, ob mit „Ammann“ oder besser ohne. Churchill, das steht wie ein Hammer, Sommaruga, das klopft ein wenig, aber Villiger, das bleiben Cigarren, die Politik blauer Dunst.

Germans to the front – again

Donnerstag, den 17. November 2011 um 14:40

Zweimal im letzten Jahrhundert haben die Deutschen Europa und grosse Teile der Welt zerstört, wobei der Verdacht gross ist, sie könnten beim 1. Weltkrieg in eine Falle der Engländer gelaufen sein, die den Deutschen den Weg zum Weltreich abschneiden wollten. Immerhin, die Gewinner dieser Ereignisse im letzten Jahrhundert waren die USA, kurzfristig die Sowjetunion, aber auch Israel und sogar Japan.

Jetzt ruft Martin Wolf, der eminente englische Finanzkolumnist, die Deutschen auf, Europa vor sich selber zu retten. „Nur die Deutschen können es“, schreibt er. Wir erinnern uns: Germans to the front – again. Das europäische Projekt der Sozialen Marktwirtschaft ist für die Hälfte der europäischen Bevölkerung ohnehin schon gescheitert, jetzt werden wohl weitere 30% der Bevölkerung den Glauben an die Wohltaten der Marktwirtschaft verlieren. Das ist, wie Occupy Wallstreet zeigt, nicht ganz ungefährlich und kann sich noch auswachsen.

In Griechenland und Italien amtieren Regierungschefs, die nicht demokratisch gewählt, sondern vom Finanzkapital eingesetzt sind. Es wäre durchaus angebracht, wo man sonst von einem Militärputsch sprach, an dieser Stelle den Begriff Finanzputsch heran zu ziehen.

Es wird unserer Generation nicht erspart bleiben, das Ende dieses Dramas zu erleben. Von demokratischer Gestaltung kann nicht mehr die Rede sein.

Pensionskassen sollen Energiewende finanzieren

Donnerstag, den 17. November 2011 um 12:40

Die SP, die CVP, die Grünen und die Grünliberalen wissen nicht wirklich, wie man eine Energiewende finanziert, die ohnehin in weiter Ferne steht. Einer weiss es: Pierre-Yves Maillard, Sozialdemokrat, der im Dezember Bundesrat werden will. Er schlägt vor, die Pensionskassen sollten die Energiewende finanzieren. Merke: Sozialdemokraten wissen seit 150 Jahren, wie man Geld ausgibt, wie man es verdient, wissen die Konservativen.

Ist Tango moralisch?

Donnerstag, den 17. November 2011 um 10:00

Was in den Hafenstrassen von Buenos Aires entstand, wo die Seeleute auf die Dirnen und deren Zuhälter trafen, wo das Bandonion erfunden wurde, das einen verfremdeten „Wiener Walzer-Heimweh-Sound“ erlaubte, wird nun in Europa als Tanz „mit Respekt vor dem Mitmenschen“ gelehrt: der Tango. Wer lacht nicht bei einer solchen Tanzlehrer-Behauptung? Der Tango ist Sexualität pur, wo unentschieden bleibt, ob der Mann als Dompteur auftritt oder die Frau den Dompteur zum Tanzen bringt. Genau in dieser Spannung ist der Tango angesiedelt. Unsere spätbürgerliche kulturelle Veredelung dieser gezügelten argentinischen Rohheit ist einfach nur langweilig.

Was ist Beat Waltis Wort wert?

Donnerstag, den 17. November 2011 um 8:10

Bei der 5. Ausbauetappe des Flughafens Zürich hiess es, 250 000 Flüge seien genug. Zwischenzeitlich sind wir bei 320 000 Flügen pro Jahr angekommen. Dr. Beat Walti, Präsident der FDP des Kantons Zürich sagt jetzt: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass bei Erreichen von 320 000 Bewegungen eine demokratische Ausmarchung über die weitere Entwicklung stattfindet.“ Was das heisst, erleben wir jetzt, wo die beiden Flughafen-Ausbaubeschränkungsvorlagen vom27. November mit einem Aufwand bekämpft werden, welcher der Demokratie Hohn spricht. Grosse Teile der Schweizer Wirtschaft, darunter der Tourismus, brauchen einen wachsenden Flughafen Zürich-Kloten. Wer darunter leidet, möge aus- oder umziehen.

 
     
     
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