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Tagesarchiv für 21. September 2011

„New Journalism“ als verlegerischer Billigjournalismus

Mittwoch, den 21. September 2011 um 15:00

Weil unsere Chefredaktoren im Auftrag ihrer Verleger sparen müssen, nicht zuletzt im redaktionellen Teil, haben sie eine neue Form des Journalismus entwickelt, der billiger zu stehen kommt als der Qualitätsjournalismus der Vergangenheit, wo hoch gebildete Individuen stundenlang pfeifenrauchend vor ihrem Computer sassen oder sogar noch per Hand ihre Manuskripte verfassten.

Der „New Journalism“, wie er sich vielerorts als Schmarotzerpflanze in den redaktionellen Unterhaltungsteilen ausbreitet, setzt beim Journalisten möglichst wenig eigene Kenntnisse der Geschichte und aller anderen Hintergründe voraus. „Er darf naiv-unvoreingenommen einen eigenen ‚approach‘ versuchen“, schreibt mir ein vielfach ausgezeichneter Schweizer Journalist, „das ist manchmal gut und erfrischend und manchmal völlig neben den Schuhen.“ Für die Verleger hat es den Vorteil, dass sie keine teuren „alten Hasen“ finanzieren müssen, die einen Bildungs- und Wissensrucksack mitbringen.

Ein Tag im Leben von Herbert Volken

Mittwoch, den 21. September 2011 um 14:05

Zwei Stunden dauerte die Photosession von Andri Pol mit Bergführer Herbert Volken auf dem Eggishorn im Wallis. Das Resultat ist ein Gemälde von einem Bild. Meine Gletscherwanderung mit Herbert Volken dauerte ein bisschen länger. Was er mir dabei erzählt hat, und was der Photograph gesehen hat, finden Sie in meinem Text im „Magazin“.

Philippe Welti

Revolutionäre ohne Heiligen Geist

Mittwoch, den 21. September 2011 um 13:57

Sie sparen die reformierte Kirchensteuer und spenden lieber einem Hilfswerk. Wahrscheinlicher ist aber, dass viele aus der Kirche Ausgetretene mit dem gesparten Geld in die Ferien gehen. Mit ihrem Austritt aus der Kirche gefährden sie deren soziale Leistungen, die sie als Schmarotzer im Notfall selber gerne in Anspruch nehmen. Was ist am Kirchenaustritt eigentlich so revolutionär? Mehr zu den Revolutionären ohne heiligen Geist.

Philippe Welti

Lernt beten, Manager und Unternehmer

Mittwoch, den 21. September 2011 um 12:00

Da die Zeiten ohnehin unübersichtlich sind und der zürnende Christen- und Judengott offensichtlich seine irdischen Schäflein wieder einmal büssen lässt für alle Untaten, welche sie sich haben zu Schulden kommen lassen, bietet das renommierte ZfU im Multipack zur Stabilisierung des Geistes einen Zen-Meister, einen Scheich des Mevlevi-Ordens, einen Mentor und Coach, einen Bewusstseins-Forscher, einen Theologen und spirituellen Begleiter und, als Leckerbissen, eine buddhistische Nonne an. Sie sollen aufzeigen, wie Führung dem Unternehmen wie den Menschen gleichzeitig dienen kann. Für nur Fr. 970.—pro Kopf, 150 Franken pro Referent, kann die Welt geändert werden. Ohne gierige Banken, Fundmanager und Gewerkschaften. Wenn das kein Angebot ist!

Berlin, Stuttgart: Zusammenbrechendes Bürgertum

Mittwoch, den 21. September 2011 um 11:50

Wenn knapp 9% aller Berliner die Piratenpartei gewählt haben, die damit an den Grünen vorbei zog und die FDP-Liberalen mit zwei Prozent abwürgte, ist dies nur ein Zeichen für das zusammenbrechende Bürgertum. Berlin, immer schon eine Trendstadt, zeigt damit auf, wohin der Wind weht: Sogar die erfolgreichen Sozialdemokraten verloren Stimmen, die CDU ohnehin, die Masse vermasst.

In Stuttgart hat sich, wenn auch zurückhaltender, gleiches abgespielt. Das niedergehende schwäbische Bürgertum hat mit den Grünen eine Karikatur seines Selbst gewählt. Was sich als fortschrittlich gibt, ist schrecklich barock.

In der Schweiz geht in den bürgerlichen Parteien, wozu auch die SP zählt, die Hoffnung um, man werde es am 23. Oktober nochmals schaffen. Wenn nur die Stammwähler der Parteien an die Urnen gehen, ist die offizielle Politik zufrieden. Was vergessen wird, ist die Kleinheit des Landes: Jeder Kandidat wird von seinen Freunden gemessen. Vertritt er Interessen, wird er gewählt. Bleibt er blass, unentschieden, droht ihm der Absturz. Demokratie ist etwas anderes.

In Deutschland ist die FDP eine 1,8%-Partei und sagt: „Weiter so.“ In der Schweiz hat Fulvio Pelli noch 14% für diesen Sturz nach unten übrig. Auch er sagt: „Weiter so. Wir machen 20%“. Das erinnert fatal an Guido Westerwelles „18%-Partei“.

Ist die FDP noch eine Silbe wert?

Mittwoch, den 21. September 2011 um 10:50

Man verzeihe uns, dass wir im Augenblick derart viel über die FDP Schweiz schreiben, die deutsche FDP ist ohnehin erledigt. Was niemand zu sagen wagt: Einen Rösler vietnamesischer Herkunft schlucken die Nationalliberalen nie, die Jüngstliberalen auch nicht.

In der Schweiz sagt Parteipräsident Fulvio Pelli: „Wir haben sehr gut gearbeitet (Anm.: Das sagt er immer.), aber die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist eine andere Sache.“ Oh Gott, damit gibt der oberste freisinnige Wahlkämpfer offen zu, er habe während Monaten falsch kommuniziert. Unser Tessiner Gross-Stratege wollte mit seiner Kommunikation wahrscheinlich den Mann im Mond für den Freisinn gewinnen, aber nicht Frauen und Männer im Mittelland. Auch Bundesrat Schneider-Amman schneide schlecht ab. Darauf Pelli in der „Schweizetr Illustrierte“, die ihn wahrscheinlich aus Mitleid interviewt hat: „ Nur in der medialen Wahrnehmung. In der Öffentlichkeit wird er geschätzt.“ Weiss Pelli denn nicht, dass die Medien für einen Politiker entscheidend sind?

Was Pelli seinen Wählern verspricht, ist warme Luft:

  • Abbau der Bürokratie.

Kein Mensch spürt irgendwo im Land den Abbau der Bürokratie. Bauern mit 12 Hektaren müssen Gülle-Löcher für Fr. 100 000 renovieren und dafür die Hypotheken erhöhen. Sogar die russischen Zaren waren gnädiger.

  • Senkung von Steuern und Gebühren.

Nicht nur im Kanton Zürich, auch in Baselland und andernorts stehen Steuer- und Gebührenerhöhungen an. Kein Mensch glaubt diese Botschaft.

  • Vereinfachung der Verfahren.

Das sagt nur ein Politiker, der sonst nichts zu bieten hat.

Der freisinnige Wahlkampf-Bankrott, den wir derzeit erleben, wird überhöht vom Niedergang des UBS-Konzerns, der, wieder einmal, von einem Freisinnigen, alt Bundesrat Kaspar Villiger, präsidiert wird. Es ist zum Heulen mit dieser Klientel-Partei, die vor über 160 Jahren die freie Schweiz begründet hat. Es ist die Dekadenz, nicht mehr und nicht weniger.

Herr Pelli macht sich keine Sorgen

Mittwoch, den 21. September 2011 um 7:50

Der Präsident der FDP Schweiz, der berühmte Vollblut-Politiker Fulvio Pelli, dessen politischer Erfolgsausweis so gross ist wie die Zuchterfolge bei Babywalen im Zürcher Zoo, macht sich keine Sorgen, sagt er.

  • Die FDP im Kanton Zürich läuft in wesentlichen Teilen zu Christoph Blocher über.
  • Die Berner Freisinnigen lächeln so verzagt, als hätten sie die bevorstehende Niederlage schon verinnerlicht.
  • Der St. Galler Freisinn kämpft gegen die Übermacht der SVP an.
  • Der Basler und der basellandschäftler Freisinn verzehren sich in bürgerlichen Bruderkämpfen.
  • Den Innerschweizer Freisinn gibt es kaum noch, es sei als Reserveposten.
  • Der Tessiner Freisinn ist zerstritten wie zwei alte Cousinen es sein können.
  • In der Westschweiz gibt es keinen Freisinn mehr und die Liberalen sitzen auf einer schmelzenden Eisscholle.

„Ich bin nicht besorgt“, sagt Fulvio Pelli. Warum auch, Herr Präsident. Wer aus dem 10. Stock stürzt, sagt meist noch im 2. Stock: „Bisher ging alles gut.“

 
     
     
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