Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  


Urban ist nicht urbane Intelligenz

31. August 2011 um 16:16

In Basel, Zürich, Bern (ja, Bern auch), in Lausanne und Genf möchte jeder jüngere Mensch urban sein. Das ist eine Lebensform, wo man abends gut essen geht, dann in eine kulturelle Veranstaltung, dann zu einem „late drink“, wo man vielleicht einen überraschenden neuen Partner findet.

Diese Art von Urbanität hat kaum etwas mit urbaner Intelligenz zu tun. Frankreich mag schwach auf der Brust sein, aber die Pariser hatten einen Jean-Paul Sartre und viele andere, die urbane Intelligenz verkörperten. Schweizer, die nach Paris auswanderten, suchten dort den Anschluss.

John le Carré, ein halber Berner, ist ein echt urbaner Europäer. Er klagt über uns Europäer „There were people of fire.“ Meint, Goethe ginge heute auf die Barrikaden. Nicht einmal das NZZ-Feuilleton wagte es, diese jüngste Rede von ihm abzudrucken. Der neue NZZ-VRP mag „a man of fire“ sein, aber ist es auch sein Chefredaktor? Die Schweizer Höflichkeit verbietet uns eine Antwort.

Die Furcht geht um, aus Grossbürgern könnten Kleinbürger geworden sein.

2 Kommentare zu “Urban ist nicht urbane Intelligenz”

  1. Harry R. Wilkens

    Das Beste was „John Le Carré“ je gesagt hatte, war das, was er einem (fiktiven) zynischen ursprünglich antinazistischen Bundestagsabgeordneten in seinem Roman „Eine kleine Stadt in Deutschland“ in den Mund legte, angesichts der sogenannten 1968er:
    „Das, was diese jungen Leute ihren Eltern vorwerfen, ist nicht, den Krieg BEGONNEN zu haben,
    sondern ihn VERLOREN zu haben!“
    Allerdings will dieser Bestseller-Autor heute weder an sein prophetisches Buch noch an diesen zutreffenden Satz erinnert werden.
    Ich war mir sicher, dass ich diesen guten Deutschland-Kenner in meiner Athener Zeit manchmal in meinem Open-Air-Café gesehen habe, er jedoch schrieb mir einmal, er sei es nicht gewesen… Und als ich ihm später schrieb, dass o.a. Buch sein allerbestes war, antwortete er mir nicht mehr…

  2. Reda El Arbi

    man darf „urban“ nicht mit szeni oder schickeria verwechseln. „urban“ ist auch nicht boheme oder kulturelle elite plus mitläufer.

    das urbane lebengefühl lässt sich eben nicht einer stadt oder einer kultur zuordnen, sondern beschreibt die essenz, die man in jeder stadt findet, die überschneidungen in verhalten, geisteshaltung und kultureller orientierung, die urbane menschen von bagdad über new york bis zürich verbindet. urbane menschen fühlen sich verbunden und müssen nicht nach „anschluss“ suchen.

Einen Kommentar schreiben:

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog