Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Tagesarchiv für 30. August 2011

„Importeure haben nur ein Ziel: die reiche Schweiz zu schröpfen“

Dienstag, den 30. August 2011 um 17:10

Einer spricht Klartext, der Chefapotheker der Oberländer Spitäler im Kanton Bern. Enea Martinelli, BDP-Grossrat, lässt Herzschrittmacher und andere Produkte parallel importieren, um 30 % der Kosten im Schnitt zu sparen. Martinelli sagt öffentlich: „Importeure haben nur ein Ziel, die reiche Schweiz zu schröpfen.“ Nur bei Medikamenten kann er nichts tun, weil das Bundesparlament bei patentgeschützten Produkten den Parallelimport verboten hat. Der selbstbewusste Martinelli ist ein Fachmann; früher diente er alsPräsident des Schweizer Verbandes der Spitalapotheker.

„Schawi-Talk“ sucht weiter seine Linie

Dienstag, den 30. August 2011 um 16:45

Wie der St. Galler Bankier und VRP der NZZ-Gruppe, Dr. Konrad Hummler, den stammelnd vorgebrachten rhetorischen Überfall Dr. Roger Schawinskis in der ersten Sendung „Schawinski-Talk“ im Schweizer Fernsehen mit glänzender Verteidigung souverän überstand, so hatte Peter Spuhler, Gründer und Mehrheitsaktionär der Stadler Gruppe, SVP-Nationalrat und Schawinskis Freund seit vielen Jahren, keine Mühe, dem bei der zweiten Sendung ob der nationalen Kritik wesentlich zurückhaltenderen „Star“-Talker paroli zu bieten. Schawinski blieb ruhiger, war wiederum inhaltlich nicht perfekt vorbereitet, und gab Peter Spuhler so die Chance, alle freundschaftlich vorgetragenen Angriffe souverän zurück zu weisen. Ging es um ihn als Kurzzeit-UBS-VR, reagierte Spuhler: „Leider Gottes nöd gut cho.“ Das „leider Gottes“ musste er mehrfach einsetzen.

Schawinski sucht weiter seine Form; auf seine dritte Sendung muss man nicht mehr neugierig sein.

Das Dölf Ogi-Wunder

Dienstag, den 30. August 2011 um 16:35

Hätte er nicht den Lötschberg-Basistunnel und die neuen Gotthard-Tunnel durchgesetzt, wir müssten uns fragen, ob Dölf Ogi, alt Bundesrat, mehr wäre als eine Paris Hilton der Schweizer Politik. Er hat die EWR-Abstimmung in den Sand gesetzt und als VBS-Chef den Untergang der Schweizer Armee beschleunigt. Jetzt löst er begeisterten Beifall aus, wenn er sagt „Ich habe zurück geschaltet.“ und hinzufügt: „Ich möchte noch auf den Mont Blanc“, als sei dies etwas, wo dort schon Zehntausende waren.

Die Schweizer klammern sich an eine ehrliche Haut, wie „den Ogi“, der als UNO-Sonderbeauftragter für Sport um die Welt fliegen und Fussbälle verteilen durfte. Dass er den Fussball besser gemacht hat, anständiger, das sagt nicht einmal der Kandersteger, der tatsächlich eine grosse Karriere anständig gemeistert hat.

Die Weltökonomen-Pleite in Lindau

Dienstag, den 30. August 2011 um 15:50

Wer wissen wollte, was die Nobelpreisträger für Ökonomie in Lindau dachten, musste eine chilenische Zeitung lesen, wo die Berichterstatterin schrieb: „Das Fazit der Lindauer Tagung ist: Wir haben gewaltige Probleme und brauchen viele Reformen – wir wissen aber nicht, was wir tun müssen oder wie wir es umsetzen.“

Die Weltökonomen („Handelsblatt“: Titanen) sind das schwächste Glied einer globalen Eitelkeits- und Businesskette, dessen Spitzenposition das vom Schweizer Steuerzahler zwangsgeförderte World Economic Forum in Davos ist. Sie bilden seit 40 Jahren einen intellektuellen Vorhang, hinter dem sich ein seit 100 ungekannter Prozess der Bereicherung verbirgt, der sehr wenige begünstigt und sehr viele verarmen lässt.

Die eingeladenen Jungökonomen (denn Starökonomen brauchen Resonanzraum) können auch nicht mehr sagen, als aufgefordert worden zu sein „für eine bessere Welt zu sorgen“ (Stiglitz) oder „eine faszinierende Diskussion mit Christoph Lakner“  geführt zu haben. Derweil steigt die Schuldenlawine weiter an, weshalb ich mich an eine ökonomische Regel halte: „Einer zahlt immer.“

Die falschen Fotos

Dienstag, den 30. August 2011 um 14:50

Was uns aus Tripolis an Fotos erreicht, ist gefälscht. Es sind gestellte Fotos, wo man sieht, wo der Fotograf ein Thema gesucht hat: Ghadhafi als Teppichabstreifer, junge Männer protestierend. Es sind keine echten Fotos aus der Wirklichkeit. Wir dürfen alle neugierig sein, was wirklich ist.

Der missverstandene Kaspar Villiger

Dienstag, den 30. August 2011 um 14:10

Wenn wir den Schweizer alt Bundesrat  Kaspar Villiger ob seiner mit Millionen vergüteten Leistungen für den UBS-Konzern etwas schräg anschauen, ist dies falsch. Kaspar Villiger hat als hoher Magistrat verstanden, dass er in der KMU-Schweiz nichts werden kann. Wer möchte bei Otto Ineichen im VR sitzen?

Kaspar Villiger, noch als Student in Zürich, war ein fixer Junge, der Musik und die Literatur liebte. In Luzern war ein „Gelber“, also fast ein Sozialrevolutionär.

Spätestens als Bundesrat begriff er, dass die Schweiz von globalen Konzernen bestimmt wird. Im Übergang brachte ihn Ueli Bremi, die Zolliker Polit-Legende, in den VR der NZZ. Dann kam Nestlé, dann die UBS. Kaspar Villiger hat begriffen, dass die Schweiz jetzt ihre Apotheose erlebt: vom revolutionären Kleinstaat zu einem der reichsten europäischen Nationalstaaten, der nun seinen besten Menschen die Chance bietet, der Weltwirtschaft zu dienen. Wer darob jammert, sind die Zurückgebliebenen, die Autoren Viktor Parma und Oswald Sigg, deren Buch im deutschen Nagel & Kimche-Verlag „Die käufliche Schweiz“ derlei Innerschweizer Getue verurteilt. Es sei, so heisst es dort, Kaspar Villiger gewesen, der am 8. Dezember 1997 wichtige Eigenmittelvorschriften der Schweizer Banken via Bundesrat habe lockern lassen.

Es stimmt, wie Villiger schon im Jahr 2000 sagte: „Das angelsächsische Denken hat sich (Anm. in der Schweiz) durchgesetzt.“ Einige Uraltschweizer haben dies natürlich nicht verstanden und beklagen die eigene Entmündigung.

Belesene und bescheidene alte Männer

Dienstag, den 30. August 2011 um 7:10

Charles Linsmayer ist wohl einer der kenntnisreichsten und vielfach ausgezeichneten besten Schweizer Literaturkritiker der letzten vierzig Jahre. Weil er schon beim Berner “Bund“ eingespart und von tamedia nicht wieder neu engagiert wurde, muss er sich mit Leseabenden durchschlagen. Im Restaurant „Europa“ hinter dem Zürcher Kreuzplatz versammelt er regelmässig eine recht grosse Gemeinde von Bildungsbürgern, die Fr. 25.—Eintritt bezahlen, um nach einem Essen dort eine Tasse Kaffee gratis zu erhalten. Vor dieser literarischen Zugewinn-Gemeinschaft interviewte er einen anderen sehr belesenen und ebenso bescheidenen Autor, Charles Lewinsky, der nach Roman „Melnitz“ nun „Gerron“ vorstellt. Beide beschäftigen sich mit dem jüdischen Milieu und sind leicht lesbar. Sie sind irgendwie wie aus der Zeit gefallen, was aber den alten Menschen und einigen jüngeren gefällt. Lewinsky, eigentlich ein Autor von TV-Komödien, kann über sich selber lachen; das beruhigt.

Ganz im Unterschied dazu findet soeben in Berlin die Uraufführung eines deutsch-israelischen Theaterprojekts statt. Yael Ronen, Autorin und Regisseurin von „The day before the last day“, lässt darin fragen, ob der nackte Jesus sexy sei, weil er nackt am Kreuz hänge. Und ob die Menschen sich wohl kleine Stühle um den Hals hängen würden, wäre er auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden. Der palästinensische Co-Autor des Stücks musste protestieren, als es um den Islam ging: „Das können wir so nicht spielen, denn ich gerate in Gefahr.“ Doch wird dem Islam „ein neues Branding empfohlen“. Über die Juden selber heisst es im Stück: „Wir sind das Original und eine Elitereligion. Mit 0,3% der Weltbevölkerung stellen wir 35% der Nobelpreisträger.“ Derlei ist wohl nur in Berlin und Tel Aviv möglich.

Immerhin, Hamburg hält auch mit. Dort wird gerade in einem Tanzstück „Enfant“ zum Sommerfestival der Kindsmissbrauch vorgeführt. Natürlich aus erzieherischen Gründen. Beobachter nennen es

“quälend unheimlich und beklemmend“. Was denn sonst?

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog