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Tagesarchiv für 26. August 2011

Schweizer „Opa-TV“: Tele-Oldies sind keine Lösung

Freitag, den 26. August 2011 um 18:00

Wer, wie Dr. Roger Schawinski gegen Dr. Konrad Hummler, die erste Runde einer neuen Sendereihe verliert, muss beim zweiten Anlauf überzeugen. Ic h gehe jede Wette ein, dass „Schawi“ sein Tempo zurücknehmen und sich auf wenige Themen beschränken wird. Das setzt aber voraus, dass er sich für die zweite Runde auch inhaltlich besser vorbereitet, was im Falle des St. Galler Bankier und VRP der NZZ-Gruppe nicht der Fall gewesen ist.

„Filippos Politarena“ brachte einen Filippo, wie wir ihn kennen, nur etwas rundlicher geworden und nicht mehr so unabhängig, wie er es zu Beginn seiner Karriere beim Schweizer Fernsehen gewesen ist. Der ehemalige Linksaktivist, dem lateinischer Charme auch heute nicht abzusprechen ist, hat sich seit langem auf die Seite von Dr. Christoph Blocher geschlagen. Dennoch ist die Repetition eines früheren Sendegefässes immer eine fragliche Sache.

Höchst bedauerlich ist die Tatsache, dass die wechselnden Chefredaktoren des Schweizer Fernsehens, im Unterschied zu ihren welschen Kollegen, es nicht geschafft haben, attraktive Moderatoren aufzubauen. vor 20 Jahren waren wohl die Freiheiten grösser, die man Roger Schawinski und Filippo Leutenegger gewährte. Den beiden folgten nur Softies von luftiger Belanglosigkeit, weshalb die jetzige Nostalgiewelle verständlich ist, auch wenn die Enttäuschung auf dem Fusse folgt.

Auch was Erich Gysling, ein Über-Oldtimer des Schweizer Fernsehens, über den Nahen Osten, Nordafrika und den Islam erzählen darf, entbehrt jeglicher Brillanz, weshalb es nicht erstaunlich ist, dass der gebildete und anspruchsvolle Zuschauer das Schweizer „Opa-TV“ verlässt und ins Ausland zu anderen Sender abwandert.

Der Tod der Schweizerischen Staatsbürgerlichen Gesellschaft

Freitag, den 26. August 2011 um 16:34

Das passt ins Bild: Die vor 100 Jahren gegründeten und einst renommierte Schweizerische Staatsbürgerliche Gesellschaft hat ihre Tätigkeit eingestellt; sie war die letzten 20 Jahre nur im Niedergang.

In der A-Schweiz der globalen Konzerne, wo viele unserer Spitzenkräfte viel Geld verdienen (u.a. Kaspar Villiger, Peter Spuhler, Christoph Blocher, Carolina Müller, die sich besonders für Bildungsfragen einsetzt) liegt kein Bedarf mehr vor für eine solche Gesellschaft, die dort eher als eine Art Heimatverein gilt.

Die B-Schweiz der nationalen Unternehmen hat zu wenig Intellekt, um eine solche Gesellschaft zu betreiben und will auch die Finanzmittel nicht bereitstellen, um Intellekt zu finanzieren.

Merke: Schweizer Staatsbürger sind immer weniger gefragt. Die von Tito Tettamanti geförderte Schweizer Zivilgesellschaft, eine Innovation Chicagoer Ursprungs, kommt auch nicht voran.

Die andere Niederlage

Freitag, den 26. August 2011 um 14:10

Griechenland ging auch bankrott, weil es während Jahrzehnten eine unsinnige Aufrüstung gegen die Türkei betrieb, unterstützt mit teuren Waffenlieferungen aus Deutschland und Frankreich. Jetzt sind die Griechen pleite, aber die Türkei sieht aus wie der erfolgreichste Staat Europas. Dort herrscht ein „chinesisches“ Wachstum und, mindestens im Westen des Landes, lebt eine Bevölkerung, die in vielem westlicher ist als viele Westeuropäer es sind. Das ist die andere Niederlage, über welche niemand gerne spricht. Die Griechen waren das verwöhnte Kind der EU, der Absatzmarkt der EU-Industriestaaten, und genossen ein Dolce Vita, das nun zu Ende ist.

Nicht Erdogan hat dies Wunder geleistet, sondern Turgut Özal, ein westlich gebildeter Politiker, der als erster Türke in dieser hohen Funktion nach Mekka pilgerte. Gleichzeitig versammelte er die Wirtschaftselite der Türkei um sich und verlangte die Öffnung des Landes. Ob Erdogan dies zu vollenden vermag, ist noch nicht gesichert, aber höchst wahrscheinlich.

Humboldt verliert, Mill gewinnt

Freitag, den 26. August 2011 um 12:00

Die EU setzt sich aus den Trümmern alter Empires zusammen, ohne selber eines zu sein. Sie will eine eigene Wirtschaftsregierung, die aber nur zweimal jährlich tagen soll. Dennoch geht eine unheimliche Anziehungskraft von ihr aus, auch für die Schweiz, die kaum noch eine eigene Geldpolitik hat und deren Finanzpolitik abhängig ist von den sie umgebenden Staaten.

Wilhelm von Humboldt, dessen Werke unsere Leser sicher kennen, sah die Menschen „als Glieder eines Ganzen“ und nicht „als einen Haufen ernährter Sklaven“. Er wollte „eigensinnige Bürger, kraftvolle Charaktere“. Das war 1792.

John Stuart Mill sah schon 1859 „die massendemokratische Gleichheit“ kommen. Er meinte: „Energische Charaktere mit grossem Format gehören schon jetzt in den Bereich der Sage.“ Es sei das Ideal des Charakters, ohne Charakter zu sein.

Mir scheint es, als habe Mill die realistischere Perspektive gehabt.

Mit dem Mut der Verzweiflung

Freitag, den 26. August 2011 um 10:10

Wenn verlumpt wirkende Horden ohne eigentliche Uniformen, die Fotos und skulpturalen Köpfe eines Diktators mit Füssen treten, als emanzipierte Demokraten ausgegeben werden, ist dies wohl ein bewusster Irrtum. Diktatoren werden auf diese Art und Weise im nach hinein sogar noch verständlicher, wenn sie Teile ihrer Völker mit Macht unter Kontrolle halten, seien dies die „caudillos“ Lateinamerikas, balkanische Herrscher, wie Tito, oder Herrscherfamilien, wie in Singapur, die zu essen geben, aber wenig politische Macht. Sie kämpfen mit dem Mut der Verzweiflung dagegen, vor ein Gericht geschleppt zu werden, um anschliessend gehängt zu werden, weil sie nicht „unser Sauhund“, derjenige der USA, sind, sondern der eines anderen. So wird Ghadhafi gejagt, aber Assad darf in Syrien mehr denn je Schlimmeres tun. Merke: Wer Diktator werden will, tut gut daran, seine Freunde gut auszuwählen. Das deutsche „Handelsblatt“ schreibt bereits auf der Titelseite, dass der Kampf um die „Ölbeute“ in Libyen in Gang gekommen ist. Sarkozy wirkt wie ein Franzose vor 150 Jahren, der nicht seine algerische, sondern heute seine libysche Beute verzehrt. Dürfen Kriege wegen eines Wahlkampfs geführt werden? Und David Cameron, dessen eigenem Volk es miserabel geht, der nun dabei sein will beim Verteilen der Beute. Wir Europäer waren tausend Jahre wenig moralisch in unserer Aussenwirtschafts- und Kriegspolitik. Sind wir heute wirklich besser? Christian Gerlach hat soeben „Extrem gewalttätige Gesellschaften“ bei DVA vorgelegt. Er schreibt, in solchen Gesellschaften, wobei er die europäischen meint, gebe es eine Prädisposition zur Anwendung von Massengewalt. Wahrscheinlich sind es stets die Umstände, die derlei auslösen. Zündstoff gibt es immer.

Doris Leuthards falsche Entschuldigung

Freitag, den 26. August 2011 um 8:28

Keinem deutschen Minister, schon gar nicht auf Bundesebene, käme es in den Sinn, sich bei einem Schweizer Regierungsstatthalter zu entschuldigen. Genau dies hat aber unsere strahlende „Atom-Doris“ Leuthard getan, als sie sich schriftlich bei einem deutschen Landratsamt wegen des Ausdrucks „Taliban“ entschuldigte.

Weil ein Landrat politisch auch in Deutschland nahezu nichts bedeutet, wird diese „Schweizer Entschuldigung“ dort wohl ins Familienarchiv eingehen. Ein Kniefall, der nicht notwendig gewesen ist.

In Waldshut-Tiengen sind 700 Menschen von starkem Fluglärm betroffen, rund um Zürich-Kloten sind es 200 000. Da wird man den Deutschen, die sich gegen eine Regelung der Vernunft wehren, doch einmal sagen dürfen, was Sache ist.


 

 

Ressource, Rohstoff, Menschmaschine

Freitag, den 26. August 2011 um 7:50

 

Der Mensch galt einmal als Ressource, dann wurde er zum Rohstoff, der, Bologna-like, formbar ist. In 20 Jahren soll er zur Menschmaschine werden, sagen die mutigsten Forscher. Kein Wunder, dass wir in einer Zeit leben, wo die Menschen nicht mehr ausreifen. Wozu auch? Die ideale Führungskraft sieht immer wie gut Dreissigjährig aus, z.Bsp. der St. Galler Professor für Internationale Ökonomie Reto Föllmi, der mich wie ein Student anlächelt, wenn er gegen die Erbschaftssteuer argumentiert. Dabei ist er auch schon 35. Extrem übertrieben hat dies Karl-Theodor zu Guttenberg, der Inszenierung als Beruf betrieb. Als Wiederkehr des nordischen Recken Baldur wird er heute noch vermisst; die Menschen lernen nie.

Merke: Alt ist nicht mehr „in“, denn die Welt bricht um.

 
     
     
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