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Tagesarchiv für 22. August 2011

Rückzug an allen Fronten

Montag, den 22. August 2011 um 16:55

Seit drei Jahren ist bekannt, dass die evangelisch-reformierte Kirche der Stadt Zürich zu viele Kirchen und immer weniger Gläubige hat. Nur noch 2000 Kirchenbesucher pro Sonntag bei 97 000 Gläubigen rechtfertigen keine 47 Stadtkirchen, die meisten davon herrlich renoviert, weil Geld genug aus jenen Jahren zur Verfügung steht, als die Zürcher Grossbanken noch Steuern zahlten.

Den Rückzug der Reformierten durch Reduktion der Kirchgemeinden und Halbierung der Zahl der Kirchen hat der ehemalige FDP-Kantonsrat Jean E. Bollier mit einem Reformprojekt in die Wege geleitet, das schon 2016 abgeschlossen sein soll. Klar, die leeren Kirchen kosten. Auffallend ist, dass es immer Freisinnige sind, die den Rückzug an allen Fronten antreten; einen Aufschwung in die Wege zu leiten, wagt keiner mehr. In der Nachbargemeinde Zumikon verzichtet die FDP sogar freiwillig auf einen Sitz im Gemeinderat und übergibt diesen einem Grünliberalen. Dieser Selbstmord auf Raten entspricht der Mentalität eines Altbürgertums, das seine Zeit zu Ende gehen sieht.

Die reformierten Pfarrer der Stadt Zürich gehören mit Jahreseinkommen bis zu Fr.150 000.—zu den bestbezahlten der Schweiz. Wer glaubt, sie würden sich veranlasst sehen, dafür auch hart zu arbeiten, der irrt. Kein reformierter Pfarrer wird ernsthaft angeleitet (und kontrolliert), ob er seine Aufgabe auch erfüllt. Man schwimmt im Wohlstand und lässt Gott einen alten Herrn sein. Wer in der reformierten Kirche in Zürich als Pfarrer etwas erreichen will, wird nicht gewählt. Der freisinnige Geist des langsamen Untergangs bestimmt nicht nur die Partei- sondern auch die Kirchenkultur.

Zu glauben, dies gelte nur für die Stadt Zürich, ist ein Irrtum. In der Nachbarstadt Aarau sind bereits 13 Freikirchen erfolgreich, wo alleine die Minoritätsgemeinde sonntags mehr Gläubige anzieht als in der katholischen und reformierten Kirche zusammen. Diese sind im Begriff, sich zu Kernkirchen zu verwandeln, die in der Erstarrung zu überleben suchen.

Die Winterthurer Depression

Montag, den 22. August 2011 um 11:05

Mit 104 000 Einwohnern ist Winterthur die sechsgrösste Stadt  der Schweiz, aber die Töss-Metropole nennt sich „Winterthur bei Zürich – die dynamische Wirtschaftsregion“.

„…bei Zürich“, das ist nicht AAA, sondern AA-. Mit mehr Selbstvertrauen hätten die Winterthurer sich nennen können „…beim Flughafen Zürich-Kloten“, das hätte mehr Sinn gemacht. Diese „bei“-Formulierungen unterstreichen nur, dass niemand weiss, wo Winterthur eigentlich liegt. Finanziert wird die Stadt ohnehin von den reichen Gemeinden an der Zürcher Goldküste. Die Winterthurer Industrie gehört dem Russen Viktor Wekselberg, die Versicherung den Franzosen des Axa-Konzerns.

Nur Könige leben gut

Montag, den 22. August 2011 um 11:04

Es ist merkwürdig, wie das einfache Volk seine Könige liebt. Die englische Königin, selbst vom Staat finanziert, d.h. ihren verarmenden Steuerzahlern, lässt zu, dass Schulen geschlossen, Bibliotheken aufgelöst und Sozialleistungen gestrichen werden. Die erfolglosesten Topmanager erhalten grosse Renten, die Parlamentarier betrügen bei den Spesen. Das Volk liebt Elisabeth II.

In Nordafrika stehen die Völker gegen die Regierungschefs auf. Nicht aber in Marokko, wo König Mohammed VI regiert, und nicht in Jordanien, wo König Abdullah II. das Sagen hat. Beide stammen aus der Familie des Propheten Mohammed.

Der Fürst von Liechtenstein mag noch hingehen, aber auch er ist ein Alleinherrscher. Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Fall bewusster Täuschung. Merke: Die Völker wollen betrogen werden.

Spillmann (NZZ) und Dorer (AZ) ziehen blank

Montag, den 22. August 2011 um 11:03

Wenn jedermann von grossen Veränderungen spricht, die anstehen, dürfen unsere Chefredaktoren nicht zuwarten. Zwei sensationelle Beispiele seien hier aufgegriffen:

– NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann nennt in einem Kommentar vom 20. August die Wahl von Dr. Christoph Blocher in den Ständerat „verkraftbar“. Dieser Freibrief des einstigen freisinnig-liberalen Hausblattes ist das Todesurteil für die FDP-Führung in Stadt und Kanton Zürich, wo man sich gegen die Zusammenarbeit mit Blocher ausgesprochen hat. Der guten Ordnung halber halten wir fest: Dieser weblog hat sich stets für die Zusammenarbeit zwischen FDP und SVP ausgedrückt, weil damit klare bürgerliche Mehrheiten geschaffen werden können. Es ist an der Zeit, dies zu verwirklichen.

Dass neben diesem Chefkommentar der FDP-Bundesrat Niklaus Schneider-Ammann gleich mit der roten Schlafmütze in grünem Habitus gezeigt wird, ist bei einer Qualitätszeitung wohl kein Zufall.

– AZ-Chefredaktor Christian Dorer ruft gleichentags auf total 15 Seiten das Mittelland zwischen Bern, Basel und Zürich zum „Goldenen Dreieck“ und mit 1,2 Mio. Einwohnern zur grössten Stadt der Schweiz aus. Seit Jahrzehnten war niemand in der Lage, den Kanton Aargau und das Mittelland zu definieren; jetzt ist es gewagt. Das Zentralorgan der grössten Schweizer Stadt heisst: AZ.

In Nordafrika würde man sagen, dies seien zwei Putschversuche, weshalb wir die Erfolge der beiden „caudillos“ verfolgen werden.

Die „produktive Mitte“ ist ein Irrtum

Montag, den 22. August 2011 um 8:05

Was schon alt Parteipräsident Franz Steinegger’s „ Furka-Koalition“ mit dem damaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann missglückte, durch „einmal links, einmal rechts“ verlässliche Politik zu machen, versucht nun rhôneabwärts CVP-Präsident Christophe Darbellay erneut: die CVP soll als „produktive Mitte“ in wechselnden Koalitionen solide Schweizer Politik machen. Als fragiler Zustand des politischen Übergangs mag dies für einige Zeit möglich sein, aber auf keinen Fall auf Dauer. Die dünnen und zerbrechlichen Nebelschwaden der Mitteparteien werden sich auch weiterhin auflösen und neu bilden, aber weit davon entfernt bleiben, eine Zukunft für die Schweiz zu bauen. Dazu braucht es Fundamente, die derzeit fehlen. Die CVP macht damit nicht solide Politik, sondern liefert Bilder von Politik, die mehr einer Fata Morgana gleichen, nicht einer Wüsten- sondern einer alpinen Fata Morgana.

 
     
     
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