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Tagesarchiv für 26. Juli 2011

Kultur zwischen Status und Chaos

Dienstag, den 26. Juli 2011 um 17:45

Der Schweizer Kultur stehen 20 aufregende Jahre bevor. Zu diesem Befund kommt Swissfuture, die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung in ihrem jüngsten Bericht.  Der Verfasser, Dr.Basil Rogger (Luzern Festival, Zürcher Hochschule für Künste), erwartet eine hybride Kultur, die von der Gesellschaft entweder integriert (umarmt) oder als Clash wahrgenommen wird. Auf keinen Fall lasse sich die Kultur in den Dienst einer gesellschaftlichen Perspektive stellen. Von der Kunst werde Vorbildcharakter verlangt, im konservativen Szenario „schöne, verständliche, erbauliche Kunst mit einer lesbaren Botschaft.“ Das sind trübe Aussichten.

Ende Demokratie

Dienstag, den 26. Juli 2011 um 15:20

Wie an dieser Stelle schon beschrieben, häufen sich in Frankreich und England intellektuelle Stimmen, die eine Einschränkung der Demokratie verlangen. Im benachbarten Belgien gibt es schon seit 15 Monaten keine demokratisch gewählte Regierung mehr.

Noch klarer äussert sich der in den Niederlanden Boot fahrende Züricher alt Regierungsrat Christian Huber. In der jüngsten „Weltwoche“ fordert er „Nur wer Eigentum hat, soll wählen und stimmen dürfen.“ Damit wären wir wieder im 19.Jahrhundert, als Leibeigenschaft und restriktive Regimes, auch in der Schweiz, dominierten. Huber hofft von seinem Boot aus, „dass die Vernünftigen, die politisch Reifen, die Verteidiger von Freiheit und Privateigentum in der Mehrheit bleiben“. Darin wird er wohl enttäuscht werden, denn heute herrschen im Land aktive Minderheiten, welche die Demokratie zur eigenen Bereicherung nutzen.

Der ehemalige Sportreporter Roger Köppel, dessen flinke Intelligenz einfache Bürger zu beeindrucken vermag, ist ohnehin autoritären Milliardären zugeneigt. Nicht nur seinem Duzfreund Dr. Christoph Blocher, sondern auch seinem Verlegerkollegen Rupert Murdoch, den er in der neuen Ausgabe als „Abenteurer“ feiern lässt. Milliardär Blocher darf in der „Weltwoche“, wo er dank der Inserate seiner Firmen wohl „Pate“ genannt werden darf, ohne Widerspruch sagen: „Gottfried Keller würde SVP wählen.“ Dies, obwohl Gottfried Keller im „Grünen Heinrich“ auch vor Millionären warnte, denn diese würden die Demokratie vernicht. Mit Milliardären in der Schweiz und Sportreportern, die ihnen die Stange halten, hat man vor 150 Jahren noch nicht gerechnet.

Keine Trauer um Rudolf Hess

Dienstag, den 26. Juli 2011 um 15:15

Die stiernackigen Neo-Nazis mit Tätowierungen auf dem Arm sind mir ohnehin unangenehm, Prekariat eben. Wenn sie nach Wunsiedel, einem Standort der deutschen Bundeswehr, pilgern, um dort das Grab von Rudolf Hess, des Führers Stellvertreter, zu besuchen, dann halte ich dies für Folklore. Wenn die Gemeindeverwaltung deshalb die Knochen dieses Menschen ausgräbt, verbrennt und die Reste in einen See wirft, wie kommuniziert wird, halte ich dies für pietätlos. Man schütze mich vor den Deutschen, Stil haben sie nicht.

Schweizer Polizisten chancenlos gegen Amokläufer (Amokläufe in der Schweiz)

Dienstag, den 26. Juli 2011 um 14:06

Die neuen Pläne der Schweizer Polizeikommandanten, bei künftigen Amokläufen schneller einzuschreiten und die Täter zu stoppen, ist nach den unfassbaren Geschehnissen in Norwegen verständlich und löblich doch unwahrscheinlich, wenn man die Vergangenheit betrachtet.

1986 wütete Günther Tschanun an seinem Arbeitsplatz im Zürcher Hochbauamt – vier Menschen starben. 1990 Bijoutier Richard Breitler tötete fünf Menschen, bevor er sich selber richtete. 1992 tötete ein Italiener im Tessin fünf Menschen. 1993 erschoss ein Berner Bäcker drei Menschen. Im selben Jahr wütete ein Angestellter einer Berner Informatikfirma im Unternehmen und tötete zwei Menschen. 1994 starb bei einem firmeninternen Amoklauf ein Mann. Weitere Personen wurden verletzt. 2001 folgte das Massaker im Zuger Kantonsparlament – 14 Menschen starben. 2002 lief ein Philippino in Obfelden/ZH mit einem Stahlrohr umher und verletzte 14 Personen erheblich. 2004 mussten ZKB Angestellte mit erleben, wie ein unzufriedener Kadermann zwei Angestellte im Büro hin richtete. 2007 tötete in Baden ein Schweiz-Iraker mit einem Armee-Sturmgewehr einen Menschen und verletzt vier weitere Personen. 2008 verhinderte die Lausanner Polizei an einer Schule erstmals einen Amoklauf eines Schülers. 2010 schoss ein Bieler Rentner um sich und die Polizei war einen Tag lang nicht in der Lage, den alten Mann zu stoppen. Er verletzte sogar einen Polizisten mit einem Schuss am Kopf.

Und jetzt wollen die Schweizer Polizeikommandanten endlich etwas dagegen tun? Warum musste erst die Katastrophe in Norwegen passieren, bis unsere Polizeichefs etwas unternehmen wollen? Bisher hat es nicht geklappt, und was nützt es denn, wenn die Polizei schneller vor Ort ist, wenn die Menschen bereits tot sind? Dass unsere Polizei in dieser Hinsicht dringend professioneller werden muss, ist wohl jedem Schweizer klar. Vielleicht sollte unser Nachrichtendienst (NDB), es gibt ihn wirklich, massiv aufrüsten, damit man selbst bei kleinen Hinweisen sofort einschreitet. Ich halte den Vorstoss der Polizeikommandanten für gut aber bisher haben sie wohl geschlafen.

Fidel Stöhlker

Es wird härter gerechnet

Dienstag, den 26. Juli 2011 um 12:40

Der VR der Flughafen Zürich AG, ein Unternehmen mit 1600 Mitarbeitern, das Services für die ausländischen Fluggesellschaften und technischen Firmen bietet, will zur Sanierung der kantonalen Pensionskasse, der über drei Milliarden Franken fehlen, nichts beitragen. Grund: Es gibt eine Geheimklausel.

Der ausländische Konzern, der einem Schweizer Vermögensverwalter einige hundert Mio. Franken gibt, zahlt nur Gebühren, wenn der Nettogewinn über 2% liegt. Verluste werden nicht akzeptiert, weshalb alle Verluste, die über einem Prozent liegen, zurück bezahlt werden müssen.

Merke: Es wird härter gerechnet.

 
     
     
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